Weiter, noch weiter ins Hinterland
April 29 in Croatia ⋅ ☁️ 12 °C
Beim Abfahren, am Vormittag, lange waren wir im Bett weil es so kuschelig ist, wenn es keinen Mucks ausser den Vögeln gibt, regnet es noch nicht. Aber es ist kalt. 12 Grad. Also Bäcker mit Kaffee suchen und dann einfach langsam Richtung Hlebine gondeln. Lange geht es der Drau, dem Stausee von Plodine entlang. Störche und Reiher staksen uber die Wiesen. Schön wäre es hier in der Sonne.
Allmählich nieselt es immer mehr. Franzis App wird letztlich gewinnen! 90% Regen heute.
Kilometerweit breiten sich wieder Felder aus. Raps, Mais, Getreide. Teilweise wird etwas geschnittert, das wie junger Hafer/Weizen aussieht und vielleicht als Grünfutter dient? Kilometerweit durch unscheinbare verschlafene Ortschaften. Jedes 2, 3. Haus unbewohnt. Jedes Stadium des Verfalls ist vorhanden. Teilweise gibt es in diesen trostlosen Straßendörfern ohne Zentrum noch eine Schule.
Meine These führt mich in die Kolchosenwirtschaft des Kommunismus zurück. Warum sonst sollte sich irgendjemand da ansiedeln wo nichts ist. Gar nichts. Nur Felder. Und je eine Kirche. Dann zwei gesellschaftsverändernde Ereignisse. Der Zerfall Yugolslaviens und der Balkankrieg. Und damit waren die Arbeitsplätze in der staatlichen Landwirtschaft weg. Industriealisiert wurde hier nie. Menschen wanderten ab, flohen, kehrten nicht mehr zurück. Viele Häuser dürften noch ein bisschen gewartet/bewohnt werden, vielleicht von den Nachkommen im Urlaub. Anders als in Albanien, Türkei etc. sind das keine neuen Prestigebauten von Auswanderern.
Völlig unbekannt und unbeworben finden wir in Hlebine das Museum für Naive Bauernkunst. Seit den 1930ern wird hier Alltags- und bäuerliches Leben farbenfroh dokumentiert. Eine wunderschöne Ausstellung mit Werken bis in die 50er Jahre. Vielfach auf Glas. Grobe, übergroße Holzfiguren ergänzen die künstlerische Arbeit des Dorfs und der Umgebung.
Die Museumsfrau erwähnt, dass das Museum und die Werke einst sehr berühmt waren und sehr viele Besucher aus dem Inland hatte. Im Besucherbuch sind die letzten Einträge vom März.
In einer Dorfbar trinken wir ein Nachmittagsbier. Es ist typisch Feierabend und ständig kommen Hakler jeden Alters um ein Bier, einen Kaffee zu trinken herein. Wie überall wir fleißig geraucht. Schlimm. Zitat nach Franzi: Wie bei uns vor 30 Jahren..."
Als Tagesziel habe ich mir ein Monument im typischen jugo Brutalstil ausgesucht. In ganz Yugo verstreut gibt es diese extremen Monumente, die an die Schreckensherrschaft der Nazis und das Heldentum der Partisanen erinnern. Tito enthüllte unzählige davon. Alle wurden von renommierten Künstlern entworfen und die Diskussion über die Erhaltung ist voll im Gang. So einzigartig wie die 3 Riesenfäuste- ich glaub so um die 60 m hoch- in Niš, ist auch dieses, das an die tapferen Kämpfer/innen eines Dorfes im Partisanenkrieg erinnern soll. Ich möchte alle sehen. So großartig finde ich sie. Leider habe ich bei unserer Balkanreise schon das eine oder andere verpasst, weil sie teilweise so abgelegen stehen.
Auch dieses hier ist völlig im Nirgendwo. Es gibt nicht einmal Handyempfang. Die Landschaft und Gehöfte sind bezaubernd. Aber wer kommt jemals hier herauf?Read more























