• Ned immer laufts wie erhofft

    May 5 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ☁️ 17 °C

    Noch ist es mucksmäuschenstill und finster. Hin und wieder ein kleiner Quaker einer schlafenden Ente. Manchmal plantscht etwas auf dem Wasser. Und unmittelbar, wie auf ein Signal, legen ein bisschen später alle gemeinsam los: Ein Vogelgezwitschergetöse, Frösche quaken... die Flussbevölkerung gibt Gas. Es ist beginnende Dämmerung. So spannend.
    Fur mich, später in der Sonne, ein zweites Aufwachen am nassen Bettzeug. Na bravo. Meine Wasserflasche ist ausgeronnnen. Also alles zerlegen, aufhängen- auch die Matratzen- und warten. Rundherum bauen sich Wolken auf und es ist heftiger Wind. Trotzdem starten wir zu Mittag mit dem Rad nach Martin Brod. Ca. 50 km sollen es werden.
    Die Tour verläuft auf der einzigen Straße, trotzdem gibt es kaum Verkehr.
    Bald erreichen wir Kulen Vakuf, das einzige Dorf im Una Tal neben Orašac und Martin Brod. Es ist, wie alles hier in diesen Grenzregionen hässlich, supertrist. Überhaupt fehlt überall der ländliche Charme, den wir von Italien, Österreich, Schweiz und Deutschland kennen. Die Häuser sind lieblos und wenn sie geschmückt sind, dann mit Plastik, alten Reifen... und es ist vielfach chaotisch und schmutzig. Traurig und irritierend sind natürlich auch die vielen Kettenhunde bei den Häusern.
    Im Nationalpark, keine Ahnung was hier Gesetz ist, wird wie überall wild herum gebaut. Campingplatz ist grad die modernste Errungenschaft und jeder, der ein Fleckerl Land an diesen abartig schönen Flüssen hat, betreibt einen. Sonstige typische NP Infrastruktur wie Müllsystem- damit meine ich schon Mülleimer-, Informationen, Preisliste, Ausschilderung, ev. ein Leitsystem fehlt. Bei den Wasserfällen gibt es zwar Eintritt zu bezahlen, aber das ist auch eher Daumen x pi.
    In Kulen Vakuf trinken wir auf dem verwahrlostem Dorfplatz einen Kaffee. Am Nebentisch ein Mann mit Namensschild und grünem NP Leiberl. Also dürfte es doch eine Struktur geben.
    Der Wirt, wie viele Männer bilingual, entweder mit Englisch oder Deutsch oder sogar mit beiden vertraut, erzählt uns auf Nachfrage warum auf der Gedenkstätte alle Verewigten an wenigen Tagen gestorben sind.
    Am 11.6.92 zum Beispiel. Die serbische Polizei hat alle männlichen Bewohner zusammengefasst und erschossen.
    Wie stark, auch nach 30 Jahren diese Tristesse ist! Unglaublich! Und welche Veränderungen die Gesellschaft aushalten muss und musste! Totale Entvölkerung von 100en von Gemeinden.
    In Martin Brod radeln wir ein wenig herum und wollen wieder umdrehen. Es beginnt zu tröpfeln. Ein Blick in unsere Richtung und das WetterApp genügt und wir lassen es bleiben. Also zurück zu einem Gasthaus und einkehren. Dann gießt es aus Eimern und ein Weiterfahren auf Stunden sinnlos. Trotz Jacke unmöglich.
    Wir lernen Peter und Luise kennen. Er Deutsch-Bosnier und Luise Altadelige ohne Adelstitel aus dem Schwarzwald.
    Mit seiner Hilfe organisieren wir die Abholung durch unseren CP Besitzer.
    Wir haben es kuschelig, denn die vier Wittfrauen, die das Gasthaus betreiben, haben den Ofen eingeheizt. Natürlich rauchen sie alle und wir stinken nach Tschik. Aber was solls. Bald geht die Fahrt zurück zum Van. Howdie, schon nass wie ein Frosch, freut sich unendlich uns zu sehen. Wir rattern los und holen die Räder in Martin Brod ab.
    Viel Wasser heute ... 😉
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