• 27. September

    September 27, 2023 in South Africa ⋅ ☁️ 18 °C

    Für heute haben wir einen Ganztagesausflug in den Kruger NP gebucht.
    Unvorstellbare 16 Grad Höchsttemperatur sind vorhergesagt. Gestern waren es schlappe zwanzig Grad mehr.

    Was bin ich froh um den Kaschmir Pulli den ich dabei habe, sowie meine Steppjacke und meinen Schal. Dazu wandern mein Stirnband und die Regencapes in die Tasche.

    Uwe will einen auf cool machen und meint:
    Jacke? Pffff... ich doch nicht.
    Nur unter Androhung von Gewalt nimmt er sie wenigstens mit.
    Schon als wir unser Chalet verlassen, fröstelt es mich und es nieselt.

    Wir werden um fünf Uhr abgeholt und sind die einzigen Gäste. Diesen Ausflug haben wir zwar über die Lodge gebucht, aber der Auftrag wurde extern vergeben.

    Unser Guide begrüßt uns. Der Funke der Sympathie springt allerdings nicht über. Das wird auch im Laufe des Tages nicht besser. Als informativ oder gar unterhaltsam kann ich ihn auch nicht bezeichnen.

    Der Jeep hat Seitenplanen die man bei Bedarf runterlassen kann. Das könnte heute von Vorteil sein, falls es noch stärker regnen sollte.

    Zwanzig Minuten rumpeln wir durch das steinige Reservat bis zur Hauptstraße und weitere zwanzig bis zum Parkeingang.

    Der Fahrtwind ist ganz schön frisch und die Gischt vom Regen weicht uns ein wie einen dreckigen Lumpen der eine Seifenlauge braucht, bevor er in den Hauptwschgang wandert. Na hoffentlich bekommen wir den nicht unterwegs.

    Das Papierprozedere zum Einlass in den National Park kennt ihr alle.
    Während sich unser Guide um die Formalitäten kümmert rüsten wir uns gegen die Nässe und die frostige Kälte.

    Wir haben beide schon einen Satz kalte Ohren.
    Uwe zieht nun dankbar erst seine Jacke an und das Regencape drüber.
    Ich habe meine Steppjacke schon an, wickle mir aber den Schal so oft um den Hals, dass ich gerade noch ein bisschen atmen kann. Mein Stirnband wird jetzt zu meinem besten Freund. Auch ich verschwinde unter meinem Regencape und beide legen wir uns noch die Decken auf die Knie. So, jetzt kann Mr. Frosty winkend an uns vorüber ziehen.

    Leider schränken jetzt die Kapuzen der Capes unsere Sicht sehr ein.
    Die Decken wärmen auch nicht sehr lange, weil sie durch den permanenten Sprühnebel schnell klamm sind.

    Dann geht es los in den Park. Unser Fahrer gibt plötzlich Gas, als wären wir auf der Flucht.
    Unsere Capes blasen sich auf wie Segeltücher und wir haben Mühe sie festzuhalten, damit sie nicht Hochflattern und uns gegens Gesicht schlagen.

    Der Regen wird stärker. Unsere Brillengläser beschlagen und werden nass. Blöd auch.... Jetzt wären Scheibenwischer praktisch.
    Wir haben eiskalte Hände und es ist eeeeecht ungemütlich.

    Aber da, plötzlich taucht eine kleine Elefantenherde am Wegrand auf. Wie cool ist das denn? Sie laufen direkt neben der Straße!

    ....und was macht unser Guide?
    Er fährt an ihnen vorbei, als wären sie unsichtbar.
    Wir rufen: Stoooopp!
    Er hält an, fährt ein paar Meter zurück und gibt uns zwei Minuten Zeit, bevor er wieder seine Beinmuskulatur einsetzt um dem Gaspedal eine Ansage zu machen.
    Uwe und ich sind so perplex, dass wir uns sein Verhalten ohne weitere Worte gefallen lassen.

    Wieder rasen wir mit einem Affenzahn durch den Park. Jedes Mal wenn wir Tiere sehen, müssen wir rufen damit er anhält.

    Nach dem dritten oder vierten Mal platzt uns der Kragen. Wir lesen ihm die Leviten. Da meinte er, er wolle mit uns irgendwo hin fahren wo wir viel mehr Tiere sehen könnten, aber das würden wir nicht schaffen wenn wir ständig anhalten.

    Was sagt man dazu? Uns ist in dem Moment nix eingefallen.

    Ein paar Mal hält er kurz an, kaum lange genug für ein Foto. Dann bekommt er wieder einen Bleifuß.

    Nach vier Stunden kommen wir an einen Rastplatz. Unser Guide macht Pause.
    Uwe und ich warten im Auto auf ihn und beschließen, dass wir keine Lust mehr haben. Wir frieren erbärmlich und dieser Drive macht absolut keine Freude. Es ist auch nicht zu erwarten, dass sich daran noch etwas ändert.

    Unser Guide kommt zurück und lässt die Seitenplanen runter. Das ist uns ganz recht, weil der Regen in Kombination mit dem Fahrtwind echt eisig ist.
    Dafür ist die Sicht jetzt noch schlechter. Aber egal, wir teilen ihm mit, dass wir abbrechen möchten. Er nimmt es hin und fragt auch nicht nach dem Grund.

    Als wir vom Parkplatz rollen, hält er mit dem Fahrer eines anderen Jeeps Smal Talk und erklärt uns, dass ein Riss gesehen wurde, dort hält sich vermutlich ein Leo auf. Wir haben keine Einwände und hoffen in Kürze einen Leo sehen zu dürfen. Das wäre ja mein Traum.

    Die Raserei geht weiter. Aber von wegen "in Kürze", sicher eine halbe Stunde düsen wir in Schallgeschwindigkeit durch den Park.
    Dann halten wir neben einem Selbstfahrer.
    Er steht da schon seit zwanzig Minuten, konnte aber bisher nichts entdecken. Kein Leo in Sicht und auch sonst kein Tier.
    Wir warten noch zehn Minuten und weiter geht's es mit Speet und deutlich schneller als erlaubt.

    Wir erinnern den Fahrer daran, dass wir abbrechen möchten. Er murmelt irgendwas.

    Nach einer Weile treffen wir auf einen liegengeblieben Jeep. Unser Guide hält an. Es stehen schon einige einheimische "Helfer" herum, die angeregt darüber diskutieren, wie ihr Kollege, der im Dreck unter dem Fahrzeug liegt, am besten vorgehen sollte.
    Ab und zu reicht ihm jemand ein Werkzeug.
    Es wird viel geredet und gelacht und das findet auch unser Guide spannend. Dafür nimmt er sich gerne eine halbe Stunde Zeit. Könnte ja sein, dass er etwas beizutragen hat.

    Während unser Guide mit seiner bloßen Anwesenheit die Reparaturarbeiten moralisch unterstützt, sitzen wir im Wagen und erreichen allmählich den Gefrierpunkt.

    Endlich kann es für die Pannenhilfe weitergehen und somit auch für uns.

    Dann raßen wir weiter. Die halbe Stunde kann er sicher aufholen, wenn er mit dem Gaspedal ans Limit geht. Die Fahrt soll ja schließlich ein bisschen abenteuerlich sein.

    Kurz darauf verdunkelt sich der Himmel und wird schwarz wie die Nacht. Die Wolken hängen so tief, dass man meinen könnte, sie würden gleich das Dach des Jeeps berühren.
    Unvorstellbar welche Fluten da runterkämen, sollten sich diese Schleusen öffnen. Ich denke an den Hauptwschgang. vorgewaschen sind wir ja inzwischen reichlich.

    Am Horizont sehen wir einen ganz schmalen Lichtstreifen, quasi am Ende des schwarzen Lochs in dem wir uns gerade befinden.
    Die Atmosphäre kann ich kaum beschreiben. "Weltuntergangsstimmung" trifft es vielleicht am Besten. Ich würde das soooo gerne fotografieren. Aber bei der vorbeifliegenden Kulisse ist das unmöglich.

    Die Planen, an denen der Wind zerrt, machen so einen fürchterlichen Krach, dass wir unser eigenes Wort nicht mehr verstehen.

    Stunde um Stunde vergeht und wir sind davon überzeugt, dass unser Guide die Orientierung verloren hat.

    Um 19.00 Uhr kommen wir nach 14 Stunden durchgefroren bis auf die Knochen zur Lodge zurück.

    Weil er trotz grottenschlechter Arbeit vierzehn Stunden anstatt sieben mit uns unterwegs war, kürzen wir das Trinkgeld nicht. Vielleicht setzt das falsche Signale. Möglicherweise sollten wir seine Dienste auf finanzieller Ebene werten. Wie auch immer. Wir verabschieden uns schnell und unterkühlt. Hoffentlich auf nimmer Wiedersehen.

    Zum Auftauen beeilen wir uns damit, unter die heiße Dusche zu kommen. Dann machen wir uns auf, in den Dining Room. Vor dem Essen bestelle ich mir einen Warm-up Kaffee um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen.

    Der Manager begrüßt uns und fragt nach, ob wir einen schönen Tag hatten.
    Was sollen wir ihm antworten?

    Wir sind der Meinung, dass dieser Guide eine Korrektur seiner Einstellung braucht und definitiv noch Lernbedarf hat und entscheiden uns für die Wahrheit.

    Der Manager reagiert seiner Verantwortung entsprechend richtig und will es bei dem Safari Unternehmen ansprechen, weil dies für die Gäste seiner Lodge inakzeptabel ist.

    Wir hoffen dennoch aufrichtig, dass der junge Mann eine zweite Chance bekommt um an sich zu arbeiten und zu lernen.
    Aber was wir erlebt haben, sollte sich für niemanden wiederholen.

    Für morgen haben wir schon im Vorfeld die Panorama Tour gebucht. Aber weil das Wetter nicht besser gemeldet wird, stornieren wir den Ausflug.
    Zwar wären wir in einem geschlossenen Wagen unterwegs, aber bei so einem Wetter ist keine gute Fernsicht zu erwarten.

    Auch heute wird es noch ein richtig schöner Abend mit den gleichen Leuten wie gestern. Wir bleiben lange sitzen, weil wir aufgrund der Stornierung planlos in den neuen Tag starten und ausschlafen können.
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