11. Oktober
October 11, 2023 in South Africa ⋅ ☁️ 16 °C
Zum Frühstück scheint die Sonne.
Wir sitzen bei angenehmen Temperaturen draußen und lassen uns Zeit.
Während wir essen, kommt die Eigentümerin der Lodge an unseren Tisch und hält Smalltalk mit uns.
Sie ist uns sehr sympathisch.
Ich nutze die Gelegenheit, sie zu fragen, welche seltsamen Vögel hier bei Nacht so wunderschön zwitschern.
Wahrscheinlich wird sie das öfter gefragt. Sie lächelt und sagt uns, dass wir Frösche gehört haben.
Also sowas.....wer hätte gedacht, dass es singende Frösche gibt🐸?
Eigentlich haben wir heute einen Segeltörn in Knysna, mit Lunch gebucht. Dazu wäre jetzt das Wetter geradezu perfekt.
Der Ausflug wurde uns aber aufgrund mangelnder Nachfrage storniert.
Stattdessen bekommen wir das Angebot an einer Sonnenuntergangsfahrt teilzunehmen.
Leider wird für den Nachmittag wieder eine geschlossene Wolkendecke vorhergesagt. Sonnenuntergang wird wohl nicht zu erwarten sein.
Aber in den nächsten Tagen ist sogar Regen gemeldet. Also wenn wir segeln möchten, dann heute.
Wir stimmen also zu.
Nach dem Frühstück machen wir bei wunderschönem Wetter einen längeren Spaziergang.
Dann fahren wir nach Knysna und bummeln an der Strandpromenade herum.
Am Spätnachmittag geht es aufs Segelboot.
Ich liebe Katamaranfahrten und stelle mir Segeln ähnlich vor.
Dass dem nicht so ist, erfahre ich heute.
Der Himmel ist inzwischen wieder bewölkt und es wird auch empfindlich kalt. Wir bekommen eine Decke.
Dann steuern wir im Zickzack Kurs durch die Lagune in Richtung offenes Meer.
Bei jeder Wendung neigt sich das Boot beachtlich zur Seite. Ich muss mich gut festhalten um nicht mit in Kipprichtung zu rutschen.
Je näher wir der Mündung kommen, desto ungemütlicher wird es.
Die beiden Skipper rennen hin und her und müssen ganz schön malochen.
Der Wellengang ist respekteinflößend.
Mein Handy wird in Sicherheit gebracht.
Weit weg entdecken wir Delfine. Aber die Sicht ist schlecht und an Fotografieren ist eh nicht zu denken. Wenn ich die Reeling loslasse, rutsche ich in Kipprichtung und geh womöglich über Board. Mir steht nicht der Sinn nach einem Tauchgang.
Ich kralle mich fest und stemme mich mit den Füßen ab.
Spaß macht mir dieser Ritt nicht. Wenn ich mir die Gesichter so ansehe, ist Uwe der Einzige, der Spaß hat.
Er ist der Meinung: Solange der Skipper nicht besorgt aussieht, ist alles gut!
Für mich fühlen sich die Wellen fünf Meter hoch an. Die junge Dame neben mir tippt eher auf acht bis zehn Meter.
Einer der beiden Männer die mit uns an Board sind, verschwindet auf dem WC und bleibt dort sehr lange.
Wir überlegen schon ob wir ihm einen Suchtrupp schicken müssen.
Nach einer halben Ewigkeit kommt er zurück und Just in dem Moment, in dem er die letzten zwei Schritte zu seinem Platz nehmen möchte, kippt das Boot wieder zur Seite und er verliert das Gleichgewicht.
Die Skipper haben gerade gut zu tun und können ihm nicht helfen.
Der junge Mann kann sich noch gerade so festhalten und schafft den letzten Meter zu seinem Platz ohne Rettungsring.
Das war vielleicht ein Schreckensmoment. Nicht auszudenken, wenn er über Board gegangen wäre.
Ich bin sooo froh, als wir wieder in das ruhigere Gewässer der Lagune einfahren.
Jetzt reißt sogar die Wolkendecke auf und wir erleben doch noch einen schönen Sonnenuntergang auf dem Wasser und ein Picknick an Board.
Gegessen wird allerdings nicht wirklich viel.
Bevor wir gehen, frage ich den Skipper noch, wie hoch die Wellen tatsächlich waren. Er meinte, eineinhalb bis zwei Meter.
Ob ich ihm das glauben soll?
Er hat uns erzählt dass er zwei Mal mehrere Monate auf Segeltour war und auch lebensgefährliche Situationen erlebt hat.
Ich halte ihn für einen Adrenalin Junkie. Dem kitzeln nicht so schnell die Fußsohlen.
Der findet mit Sicherheit alles unter zehn Meter langweilig.
Naja, vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte bei zweieinhalb bis drei Meter.
Egal wie, ich weiß jetzt wie sich Segeln anfühlt und brauche dieses Abenteuer kein zweites Mal.
Nach Sonnenuntergang wird es schnell finster.
Von Knysna nach Lili Pond müssen wir jetzt leider fast eine Stunde in der Dunkelheit fahren. Vielleicht auch länger, weil immer wieder Einheimische mitten auf der Straße zu Fuß unterwegs sind, sogar Kinder ganz allein.
Entsprechend langsam und vorsichtig muss Uwe fahren.
Wir erschrecken mehr als Einmal, weil plötzlich jemand wie aus dem Nichts auf der Straße läuft.
Man sieht die Menschen extrem schlecht.
Für mich wäre es undenkbar mein Kind bei Dunkelheit eine Landstraße endlanglaufen zu lassen. Aber in Afrika können sich viele Menschen keinen Bus oder gar ein Fahrzeug leisten.
Die Armut hier zu sehen ist schon schwer zu ertragen und gibt unserem Urlaub immer wieder einen Dämpfer.
Bis wir zurück in der Lodge sind, regnet es und wie soll es anders sein, ist wieder Frieren angesagt.
Es kostet mich Überwindung, mich im kalten Zimmer umzuziehen. Wir schalten die Heizung wieder ein und hoffen, dass sie das Zimmer ein bisschen aufwärmt bis wir wieder zurück kommen.
Zum Glück habe ich beim Frühstück gefragt, ob es möglich ist, beim Dinner neben dem Bollerofen sitzen zu dürfen und dieser Wunsch wird mir erfüllt.
Die Wärme und das knisternde Feuer lassen mich auf Wolke sieben schweben.
Das Dinner schmeckt wieder ausgezeichnet.
Während des Essens, werden wir von der Managerin gefragt, wie unser Tag war.
Das ist das Quentchen welches aus Freundlichkeit herzliche Gastfreundschaft macht.
Die Heizung im Zimmer sorgt zwar nicht für wohlige Wärme, aber es ist wenigstens ein bisschen überschlagen.
Unsere Pläne für morgen haben wir wegen vorhergesagtem Regen beiseite geschoben.
Geplant war an der Mündung des Stormsriver einen Trail über die Hängebrücke zu laufen.
Aber bei Regen und schlechter Sicht, über dem aufgewühlten Wasser eine rutschige Hängebrücke aus Holz zu passieren, kommt für mich nicht in Frage.
Wir werden erstmal ausschlafen und dann sehen wonach uns der Sinn steht.
Gute Nacht Afrika 🌛Read more





















