• Schneemobil-Highway

    March 6, 2025 in Norway ⋅ ☁️ -6 °C

    Heute scheint die Sonne. Bei mittlerweile 10 Stunden zwischen Sonnenaufgang und -untergang spüren wir ihre Wärme deutlich im Wohnwagen. Den sonnigen Tag nutzen wir für eine etwas abgelegene Skiwanderung. Nicht weit von Alta am Fluß entlang sieht es auf der Karte vielversprechend aus.
    Ein Teil des Wegs führt über die Zufahrt zu unserer Steinzeitstraße. Wir haben uns schon immer gewundert, woher die vielen Autos uns entgegen kamen. Nun wissen wir es. Zum einen gibt es unten am Fluß auch ein Eishotel mit entsprechend Besucher- und Gästeverkehr. Und dann folgen wir weiter der kleinen Straße die ansehnliche Steigung hinauf und stehen oben an einem Parkplatz, von dem man meinen könnte, es findet gerade eine Ausstellung für Schneemobile und dafür erforderliche Transportanhänger statt. Einige Dutzend dürften es sein. Ein Kommen und Gehen - oder besser gesagt ein Fahren. Uns erschließt sich nicht so richtig, was die hier alle wollen, aber dass die nicht zufällig und temporär hier auf 240 m hochgefahren sind, wird uns spätestens klar, als wir in der "Wildnis", in der wir uns zu befinden glaubten, eine (und für uns die erste) Tankstelle nur für Schneemobile sehen.
    Um uns herum sind überall Fahrspuren der dröhnenden Gefährte. Immer wieder zieht der unangenehme Gestank der Moped-Moteren in die Nase. Wir haben das Gefühl, in der SmogZone im Ruhrgebiet zu sein. Es sind so viele Spuren, dass unsere sonstige Taktik "Einfach einer Schneemobilspur folgen" nicht funktioniert. Es gibt nicht eine Linie, sondern hunderte von übereinander kreuzenden durch den Schnee gewühlte Spuren. Ein Richtung ist nicht unbedingt zu erkennen. Das ändert sich, als wir uns auf den Weg machen und feststellen - wir fahren mit den Ski auf dem Schneemobil-Highway. Ausgedehnter als eine normale Strasse und auf kompletter Breite scheinbar sehr rege befahren.
    Bald finden wir auch heraus, wohin die alle wollen. Hier gibt es hunderte wenn nicht tausende von Wochenendhäusern in der Landschaft. Wobei das durchaus schon sehr respektable Wohnhäuser sind. Alle paar hundert Meter schaut eines hinter den Bäumen oder am Ufer der kleinen zugefrorenen Seen hervor. Im Gegensatz zu Schweden und Finnland, sehen wir aber auch nicht ein einziges, bei dem irgendetwas baufällig wäre. Alles top in Schuß - wie auch die "normalen" Wohnhäuser. Teilweise dürfte die von uns festgestellte rege Reisetätigkeit auf Winterferien zurückzuführen sein. Dazu kommt dann aber auch der Transport von allem, was man so draußen in der Natur zum Überleben braucht: Schaukel, Grill, Loungesessel, Satellitenschüssel usw. Wir sehen kein Ende der Schneemobilspuren und auch in der Ferne immer noch wieder Häuser.
    Wir würden uns jetzt auch nicht lange wehren, wenn man uns ein solches Häuschen schenken würde. Ich hätte dann wenigstens eine gute Entschuldigung, warum ich unbedingt mit dem Schneemobil durch den Wald fräsen muss. Allerdings bitte etwas weiter draußen. In der Wildnis. Mit Stromanschluß!
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