• #19 - Auf ein Neues!

    June 2, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 24 °C

    2. Juni
    Heute starte ich ganz entspannt in den Tag, fahre in ein sehr cooles Studentencafé und setze meinen Blog neu auf – hier auf findpenguins.

    3. Juni
    Heute ist mein erster Tag im neuen Coworking space, direkt in der Florenzer Innenstadt. Ich hatte den space Ende April besichtigt und mich dann aber für den space in Prato entschieden, um Zeit und Geld für die tägliche Zugfahrt zu sparen.
    Der space in Florenz kostet doppelt so viel wie der in Prato, aber ist dafür, was er bietet trotzdem noch günstig:
    - diverse Events und Veranstaltungen (z.B. einen Kochkurs, Yogakurse, afterwork Musik mit DJ(ane), freitags kostenfreie Drinks auf der Dachterrasse)
    - einen Italienischkurs (der seltsamerweise immer nur mit 2-3 Schüler:innen besetzt ist – wie cool ist das bitte, einen kostenfreien Italienischkurs zu bekommen!?)
    - Fitnessstudio (24/7 nutzbar)
    - Rooftopbar mit Pool und ganz tollem Blick auf Florenz
    - 20% Rabatt auf die hausinterne Bar und das hausinterne Café
    - und natürlich einen flexiblen Platz im coworking space :-)

    Viele Leute kennen sich hier untereinander und ich fühle mich etwas fremd und verloren. Vor allem, weil ich in kein Gespräch einsteigen kann, weil ich nicht genug verstehe oder dazu beitragen könnte – denn die meisten sprechen hier italienisch (zum Glück! :-) ).
    Heute und am Dienstag (4. Juni) passiert nicht viel.
    1) Sue hat entschieden, dass sie mich aus Regensburg besuchen kommt für drei Nächte und ich versuche, die Zeit so schnell wie möglich totzuschlagen. Dann sehe ich endlich jemanden, der mir WIRKLICH vertraut ist!
    2) Mein Fahrrad hat einen Platten. Zum Glück steht mein Fahrrad zu Hause, sodass es sicher ist und ich es nicht erst nach Hause schieben muss (denn das wären ca. 5km). Zum Glück verlässt Anna -mein Host- zur gleichen Zeit wie ich das Haus und nimmt mich mit in die Stadt. Mega nett!

    05. Juni
    Heute Abend kommt Sue und die Stunden können gar nicht schnell genug vergehen! Sie kommt erst um 19.30h am Florenzer Flughafen an; ich bleibe solange im space und arbeite weiter. Als sie endlich am Bahnhof ankommt, will ich sie gar nicht mehr loslassen – so surreal und unglaublich schön, sie hier zu sehen!!! Ich freue mich wahnsinnig! Wir gehen direkt am Domplatz (innerste Stadtmitte) was essen.
    Während wir essen und quatschen wird mir klar, dass ich seit Wochen kein so langes (und vertrautes) Gespräch mehr persönlich mit jemandem geführt habe. Ich fühle mich etwas verunsichert, ob ich für so viel Kommunikation gewappnet sein werde die nächsten Tage – aber kurz danach bin ich schon wieder umgestellt :-)

    06. Juni
    Morgens laufen wir in die Stadt, da ich dort mein Rad reparieren lassen möchte (ich hab hier ja kein Werkzeug…) und die Busfahrer keine Räder mitnehmen ! Was zur Hölle…
    Anschließend gehen wir in ein schönes Café frühstücken, dann meinen Coworking space anschauen, ich spiele kurz auf dem Flügel und Sue freut sich und ist sehr gerührt – was mich seeeehr freut :-)
    Wir machen noch kurz ein Foto an einem dieser alten Fotoautomaten und besprechen dann, was wir heute tun wollen. Die wichtigsten / bekanntesten Museen kosten jeweils 30€ Eintritt, was wir ziemlich übertrieben finden. Wir entscheiden uns, in das Da Vinci Museum zu gehen, wo seine Erfindungen nachgebaut wurden und man sie teilweise „testen“/erfahren kann – wie cool! Das Museum gefällt uns ziemlich gut und wir verbringen einige Zeit dort. Es ist wahnsinnig faszinierend zu "erfahren" (statt es nur in einem Buch zu lesen), was Leonardo da Vinci alles erfunden und entwickelt hat. Sue und ich glauben, dass wir ohne seine Erfindungen heute an einem anderen Punkt wären, weil er den Grundstein für unfassbar viele moderne Entwicklungen, Maschinen, Techniken hatte. Sehr beeindruckend!

    Außerdem bringe ich mein geliebtes Fahrrad zur Reparatur. Nach 30 Minuten hat es einen neuen Mantel, ich einen ekligen Kaffee im Magen und ich wieder Freude am Fahren :-) Jetzt bin ich erleichtert!!
    Abends treffen wir uns mit Nico und zwei Freunden von ihm zum Abendessen. In einem sehr unscheinbar aussehenden Restaurant/Bistro bestellen wir uns allerlei Leckereien und teilen sie uns. Wie so oft, wenn ich Nico treffe, ist noch ein weiterer „Ausländer“ beim Abendessen dabei: Harrison, ein Amerikaner, der Nico auch über Couchsurfing kennen gelernt hat. Er wohnt in New York, hat italienische Vorfahren und schaut sich Italien für ungefähr zwei Wochen an – ganz schön weite Reise für so einen kurzen Urlaub!
    Als ich kurz auf die Toilette geht, wird mir klar, dass das Bistrot zu einem richtig schicken Nobelhotel gehört. Der Innenhof ist sehr stimmnugsvoll, mit tollen Farben, Lichtinstallationen und gemütlich angeordneten Tischen und Sitzgelegenheiten. Später zeigt uns Nico noch einen Raum, in dem rundum Bücher stehen, ein paar Lesesessel, ein Kamin und ein Billardtisch. Vielleicht mag ich doch mal reich sein und in solchen Hotels hausen!
    Nach dem Abendessen gehen wir noch zu einer Eisdiele und setzen uns mit unseren Eistüten auf die Treppen einer nahegelegenen kleinen Kirche. Der Platz vor der Kirche ist gespickt mit gemütlichen Restaurants und Bars und es herrscht dieser gemütliche Geräuschpegel von vielen entspannten, sich unterhaltenden und amüsierenden Menschen im Sommer. Ich liebe das!
    Gegen 22.30h gehen Sue und ich nach Hause – wir sind todmüde von dem Tag. Sie muss noch müder sein, weil sie noch mehr neue Eindrücke verarbeiten muss. Zu Hause schlafen wir beide direkt ein.

    07. Juni
    Heute gehen wir es sehr entspannt an. Ich habe morgens noch einen Termin, den ich nicht verschieben konnte. Deswegen starten wir getrennt in den Tag und Sue frönt ihrer Fashion-Leidenschaft und besucht das Gucci-Museum.
    Wir frühstücken erst gegen 12 Uhr und wollen danach in ein Naturkundemuseum. Leider sind wir zu spät: Es macht um 17 Uhr zu und ab 16 Uhr ist kein Einlass mehr. Wir sind den Tag wohl etwas zu entspannt angegangen. Sue ist sehr enttäuscht, weil sie sich für die Präparate leidenschaftlich interessiert und die Rezeptionsdame auch echt harsch war. Ich versuche, sie aufzumuntern, aber irgendwie ist gerade die Luft raus. So ein Mist! Die anderen Museen sind uns zu teuer, sodass wir erstmal über die Ponte Vecchio laufen, eine sehr alte Brücke, auf der überall Geschäfte sind, sodass man den Fluss nicht sehen kann. SOOOO viele Touristen!
    Auf dem Weg zu einem geeigneten Café finden wir uns in einer wunderschönen Bücherei wieder. Es wird offenbar sowohl als Bücherei, als auch als Kino und Theater genutzt – wie clever!

    08. Juni
    Heute fliegt Sue schon nach Hause! Die Zeit ist viel zu schnell vergangen. Gerade habe ich mich an sie gewöhnt und schon ist sie wieder weg :-(
    Zum Glück geht ihr Flieger erst gegen 17 Uhr, sodass wir den Tag noch für einen Besuch im Naturkundemuseum von gestern nutzen können! :-)
    Wir holen uns ein Frühstück auf die Hand (ohne Kaffee!) und saugen das Naturkundemuseum auf. Da Sue viel Ahnung von Anatomie, Medizin und Geschichte hat, ist es besonders interessant, mit ihr die teilweise menschlichen Präparate anzuschauen und darüber zu staunen, was Menschen aus dem 17./18. Jahrhundert aus Wachs hergestellt, nachgebaut, konserviert haben.
    Nach ca. zwei Stunden gründlichem Durchgehen aller Museumsstücke wird es uns zu viel – es sind einfach zu viele faszinierende Dinge ausgestellt! Wir rennen durch den letzten Teil, in dem „nur“ Steine ausgestellt sind und machen uns dann auf dem Weg in eine teure, aber sehr leckere Pizzeria. Dann gehen wir nochmal in ihr Lieblingscafé, besorgen ein paar Souvenirs für zu Hause und ich begleite sie zum Flughafen. Das ist hier top organisiert mit einer Bahn, die direkt zum Flughafen fährt! Hammer.
    Um mich abzulenken, dass Sue schon geflogen ist, gehe ich nicht direkt nach Hause, sondern schaue spontan bei Danilo im Café vorbei. Wir haben uns seit Ende Mai nicht gesehen, weil ich ja unterwegs war und er freut sich sehr, mich zu sehen (und ich mich auch, ihn zu sehen). Es ist sehr lustig, weil seine Schwester auch da ist und ich etwas mehr authentisch italienische Kultur und Sprache schnuppern kann. Sie redet allerdings unfassbar schnell, sodass ich kaum etwas verstehe (und möglicherweise auch Dialekt aus einer anderen Gegend).
    Spontan schreibe ich Reem eine Nachricht, was sie heute so treibt. Sie ist die Nachbarin von Anna und wir sind uns öfter im Hausflur begegnet. Wir sind ungefähr in einem Alter, sie kommt aus dem Bahrain und hatte mich gefragt, ob wir mal was trinken gehen wollen. Sie antwortet schnell und fragt, ob wir in eine Bar in der Nähe von unserem Haus gehen wollen. „Klar, gerne!“

    Die Bar ist 5 Minuten Fußweg von unserem Haus und wir quatschen über alles Mögliche. Sie ist Grafikerin, seit fünf Jahren in Florenz und seit Kurzem mit einem Italiener verheiratet, Stefano. Der Zufall habe sie nach Florenz getrieben, sie habe recht schnell Stefano kennen gelernt und sei dann in Florenz „hängen geblieben“, weil es so schön sei. DAS kann ich zu 100% nachvollziehen!
    Das einzige, was sie hier störe seien die geringen Löhne und die Behörden, die unfassbar lange für die Bearbeitung von Anträgen bräuchten. Zum Beispiel hat sie mehrfach ein Jahr (!) auf ihre Arbeitserlaubnis warten müssen – als sie sie bekommt, ist sie also quasi wieder abgelaufen. Aber sie sagt, dass es vielen so ginge und man dann damit lebe, dass man quasi illegal in Italien arbeite. Wie ätzend das sein muss! Die ganze Zeit so eine Anspannung im Hintergrund zu haben…
    Wir quatschen lange und ich trinke zwei ganze Weine und bin -da ich ja sonst nicht trinke- ordentlich angeschwippst. Und morgen muss ich früh raus!! Gegen 0 Uhr sage ich ihr, dass ich nach Hause gehen möchte. Sie hätte gerne noch länger gequatscht, was ich super cool finde :-) Aber ich brauche dringend etwas Ruhezeit, bevor ich morgen auf eine Trekkingtour mit Nico gehe!
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