#1 - Verdammte Axt, es geht los!
April 26, 2024 in Germany ⋅ ☁️ 12 °C
17. April
Heute hab ich die allerersten Kartons gepackt, um private Sachen aus meiner Wohnung zu entfernen. Ich hab eine ganz tolle Zwischenmieterin, die sich während meiner Abwesenheit um Nuri und meine Pflanzen kümmern wird.
Als ich meine Schals einpacke, bekomme ich den ersten Schock: jetzt wird’s ernst! Die Schals benutze ich jeden Tag – ich packe also meinen Alltag in Aachen in Kartons und realisiere, dass das tatsächlich passieren wird!
25. April
Kann ich nicht bitte einfach hier bleiben? Meine Wohnung ist so schön und mein Leben in Aachen auch… wieso wollte ich nochmal fort? Ist doch eigentlich Quatsch… Ich will niiiicht!Am liebsten würde ich mich für eine Woche zu Hause einschließen; es waren zu viele Abschiede in der letzten Zeit und ich hab Herzschmerz deswegen: meine letzte Gesangsstunde, das letzte Mal die Freundin auf einen Kaffee treffen, das letzte Mal auf meinem geliebten Fahrrad fahren, und: Nuri… - das Schlimmste an der ganzen Sache! Wie kann ich sie nur für 4 Monate alleine lassen?!In einzelnen Momenten zeigt sich die Abenteuerlust. Sie blitzt durch kleine Risse meines Alltags-Ichs durch.
Aber es bleibt eine Achterbahn und mir geht die Pumpe. Einfach nicht weiter drüber nachdenken… einfach eine Kiste nach der anderen packen… einfach weitermachen. UFF!...jetzt erstmal die letzte Nacht Zuhause verbringen. Morgen ist ein anderer Tag.
26. April
Ich sitze im Zug -nachdem die Deutsche Bahn mal wieder für unzählige Patzer und Stress gesorgt hat- und fühle mich wie in einem Traum. Fühle mich depersonalisiert und es ist alles so surreal! - immer öfter grinse ich fett durch die Gegend, weil ich mein Glück kaum fassen kann.
Ich denke viel nach und mir wird klar: Letztendlich sind wir niemals alleine. Auf atomarer Ebene sind wir ständig in einem Netz aufgehoben und in konstanter Verbindung. Der Gedanke beruhigt mich ein wenig.
Zwei Personen muntern und unterhalten mich während der langen Fahrt:
... Der erste Zug ist proppenvoll und alle sind genervt. Lustig sind die Durchsagen, die von einer echten rheinländischen Natur (vermutlich aus Köln) getätigt werden: jede Durchsage wird mit "Miaaau" angekündigt, manche auch damit beendet. Anfangs denke ich, das sei ein Versehen. Als wir in Köln ankommen, spielt er eine kurze Sequenz aus Biene Majas "Theme song": "...in einem unbekannten Laaaand" - "Willkommen in Kölle! Wir danken Ihnen für Ihre Fahrt mit der deutschen Bahn."
... auch ein kleiner süßer Hunde-Fratz muntert mich auf, als er auf der Suche nach Futter unter die Sitzreihen kriecht und unbeholfen rumschnüffelt, mit seiner süßen Schnauze!
Ich bin auf dem Weg von Aachen nach Zürich und besuche ein befreundetes Paar aus dem Studium über's Wochenende. Also bei Freunden in einem (mehr oder weniger) deutschsprachigen Land. Also: slow start!Read more
#2 - Oh wunderschönes Zürich!
April 26, 2024 in Switzerland ⋅ ☁️ 13 °C
>> Everyday Life Nuggets <<
• Überall in Zürich stehen Brunnen mit fließendem Wasser, aus denen man trinken kann. Paradies, oder was?!
• Es ist alles unfassbar sauber und gepflegt!
• Die ETH Zürich (Uni) hat goldene Laternen am Hauptgebäude und einen wundervollen Blick auf die Berge. Da kann man ja nur inspiriert sein!
• Der prototypische Züricher geht am Wochenende nicht feiern, sondern in den Bergen wandern oder Ski fahren. Mega!
• Am Züri-See gibt es sogenannte „Badis“. Das sind schwimmende Plattformen, die in der Mitte ein Loch zum See haben. Dadurch kann man „zivilisiert“ und mit Sonnenliegen in einen natürlichen Pool springen. Ein paar Saunen direkt am Wasser und mit Blick auf den See gibt es auch. Die Züricher wissen, wie man es sich gut gehen lässt!
• Selbst die Toiletten an den Wanderwegen sind ur-sauber! (so sagt der Schweizer)
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26. April
Nachdem ich ungefähr auf eine Millionen Weisen von der tollen Bahnorganisation nervlich auf die Probe gestellt wurde – hab ich es endlich geschafft: mein erstes Reiseziel ist so gut wie erreicht!
Auf dem Weg von Basel nach Zürich fängt schon die wundervolle, sanfte Landschaft mit ihren bilderbuchartigen Häuschen, Graslandschaften und Bäumchen an. Es sieht wirklich aus wie im Film!
Edda holt mich am Bahnhof ab, wir gehen noch schnell was einkaufen und dann nach Hause kochen – denn Essen gehen ist in der Schweiz leider sehr teuer (25-30€ Minimum für ein Essen). Danach quatschen wir noch ein bisschen, weil wir uns sehr lange nicht gesehen haben, und danach falle ich absolut tot ins Bett – was für ein Tag! …und was für ein toller Start in meine lange Reise :-)
27. April
Am nächsten Tag ist bestes Wetter im schönen Zürich, mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein – und warm ist es auch. Wir entscheiden uns für einen entspannten Rundgang durch die Stadt. Edda zeigt mir die beiden großen Unis, den Züri-See (s. Titelbild), ein bisschen von der wunderschönen Innenstadt mit ihren Gässchen, uvm. Und nebenbei lässt sie ab und zu lässig fallen „hier ist wieder eine Touri-Falle“ – und wir verdrehen lachend die Augen (obwohl ich ja auch ein Touri bin... 0:-) ).
Direkt am Züri-See genehmigen wir uns ein kleines Picknick mit Laugengebäck und Früchten (yummy!) und ich fange mir meinen ersten Sonnenbrand ein. Obwohl Edda mir mehrfach die Sonnencreme anbietet. Ups!
Abends gehen wir mit ihrem Mann in einem coolen Viertel japanisch essen und danach etwas trinken. Großzügigerweise laden mich die beiden dazu ein, weil ich mit meinem deutschen Gehalt wie eine Kirchenmaus schmausen müsste.
28. April
Heute geht’s auf große Wanderung. Edda hat eine Gratwanderung geplant, die auf einem Berg direkt am Züri-See entlanggeht. Ich hab große Lust auf Natur, Bewegung und neue Erfahrungen. Und die werd ich bekommen!
Im Gegensatz zu einigen „Weichei-Touristen“, die sehr wohl in der Lage für einen Aufstieg wären, aber lieber die Gondel nehmen, marschieren wir zu Fuß nach oben zum ersten Gipfel. Mit einem Kaffee to go von einer super leckeren Rösterei und sprechen über Geld, Finanzen, Lebenspläne. Irgendwie witzig, beim Aufstieg auf einen Berg über finanziellen Aufstieg zu sprechen.
Oben angekommen, mache ich ein paar Fotos mit meiner (System)Kamera und dann geht’s weiter am Grat entlang, durch den Wald, auf und ab und über Stock und Stein. Wir laufen relativ gemütlich, quatschen viel über Gott und die Welt.
Immer wieder die Frage: Wollen wir hier runtergehen und die Bahn zurück nehmen? Antwort jedes Mal: Nein, lass uns noch ein Stück weitergehen. Ok, weiter geht’s!
Nach ca. 6 Stunden wandern wollen wir dann doch runter, aber der normale Weg führt einen riiiesigen Umweg zu der Bahnstation. Durch den Wald geht es direkter. Wohlgemerkt: durch den Wald bedeutet teilweise steil bergab. Weil wir beide auf Abenteuer stehen, entscheiden wir uns trotzdem dafür. Alles ist voll mit blühendem Bärlauch und wundervoll unberührt – bis wir kommen!
Wir rutschen, hüpfen, sliden, gehen und klettern ein bisschen. Ich hab überall Erdkrümel in der Leggings, die sich an unangenehmen Stellen sammeln und an den Waden lustige weiße Sprenkler von den Bärlauchblüten.
Nach ca. 30min querfeldein kommen wir an der Bahnstation an. Puh! Das war anstrengend aber cool! Und jetzt freu ich mich ULTRA auf das Sitzen im Bus. Keine Bewegung mehr, es reicht! Und ich hab Hunger.
Das Problem: es fährt kein Bus mehr. Denn es ist mittlerweile 18.30h. An einem Sonntag. In der Schweiz. Ziemlich ab vom Schuss. Oh oh!
Kurz versuchen wir zu trampen, geben es aber schnell auf, da die Mentalität der Schweizer nicht gerade vor Abenteuerlust strotzt. …und laufen wieder. 2-3km bis zur nächsten Bahnstation. Und ich werde langsam seeeeehr HANGRY! …und es geht wieder bergauf! Noooooo! Ich schieb mir schnell einen Riegel zwischen die Kiemen, damit ich Edda nicht zu sehr auf den Leim gehe.
Dann merke ich eine Blase im Schuh und meine Beine wollen nicht mehr weiter. Aber es muss! Ich hab Hunger und es wird demnächst dunkel. Also: hilft nix! Humpelnd geht es weiter.
In dem kleinen Dorf, wo der Bus abfährt, ist ein Schaukasten mit Geburtstags- und anderen Grußkarten. Sie sehen sehr ansprechend aus. Auf einem Zettel steht, dass sie von einem kleinen Mädchen gemacht werden, die gerne stempelt. Gegen Spende kann man sich eine Karte herausnehmen. Wie cool!
An der Bushaltestelle müssen wir noch etwas warten und kommen mit einer alten, betrunkenen Dame ins Gespräch. Bzw. Edda kommt mir ihr ins Gespräch – ich verstehe nur ungefähr 30% von dem was sie sagt (also eine gute Vorbereitung auf Italien :D ). Endlich kommt der Bus! Die Erlösung!! Meine Beine fühlen sich mittlerweile an wie Gummie und Edda berichtet mir -dank neuester Technik-, dass wir 26km gelaufen sind (+ etliche Höhenmeter).
Wir fahren nach Hause, Gisbert hat gekocht. Wir duschen schnell, dann geht’s ab ins Bett. Aaaaah! Es gibt doch nichts bessers als nach so einem lustigen und anstrengenden Abenteuer im warmen Bettchen in einem gemütlichen Zimmer zu liegen – und zu schlafen! Ich fühle mich wahrlich wie ein kleines, glückliches Hobbitmädchen!Read more
#3 - Ciao! Endlich da!
April 29, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 24 °C
>> Everyday Life Nuggets <<
• Zugtoiletten (in ICEs) haben Lichtmarkierer, damit man weiß, wo man seine Hand hinhalten muss, um kontaktlos z.B. das Wasser oder die Seife zu aktivieren
• In ICEs gibt es Snack- und Kaffeeautomaten
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29. April
Aus dem gemütlichen Zimmer von Edda und Gisbert, aus dem bekannten Kreis, geht es heute in ein neues Land. Gisbert fragt mich, ob ich aufgeregt bin, während er mir mit deren phänomenaler Kaffeemaschine einen geschmacklich absolut perfekten Cappuccino macht (…natürlich eine italienische Siebträgermaschine…). Ich antworte: Nein, noch nicht. Und so ist es auch. Es fühlt sich erstmal an wie jeder andere Tag auch. Ich habe etwas vor, tue einen Schritt nach dem anderen und die Gefühle ziehen dann nach.
Erstmal sehe ich mich vor einer großen Herausforderung: einen Zug erwischen. Ich muss mehrere öffentliche Verkehrsmittel benutzen, um zum Bahnhof zu kommen – und jeder der mich kennt weiß, dass Pünktlichkeit nicht meine Stärke ist.
Natürlich verpasse ich die erste Bahnverbindung, die Edda mir netterweise gestern noch herausgesucht hat und renne dann der nächsten Bahnverbindung hinterher. Eine kleine, schwarzhaarige Frau hält mir die Tür auf und lächelt. Ich bedanke mich keuchend und steige in den Bus.
Als die Frau aussteigt und ich keine Anstalten mache auch auszusteigen, sagt sie: „Hier ist der Bahnhof!“ (ein Nebenbahnhof, bei dem ich umsteigen muss) Ich steige also mit aus und sie sagt: „Ich muss auch zum Hauptbahnhof“. Dann realisiere ich, dass sie aufgrund meines Trekkingrucksacks und dem Koffer logischerweise davon ausgeht, dass ich zum Bahnhof möchte – was ja auch stimmt.
Ich laufe ihr hinterher in die nächste Bahn und freue mich eine so nette Unterstützung zu bekommen. Wir setzen uns in der Bahn nebeneinander und unterhalten uns etwas. Sie heißt Maria, ist Krankenschwester, kommt ursprünglich aus Peru und hat sich vor 20 Jahren in ihren Mann verliebt – der aus der Schweiz stammt. Sie spricht leider dialektal stark gefärbtes Deutsch (kein Schweizerdeutsch!), sodass es schwer ist, alle Details zu verstehen. Und sie erzählt mir, dass sie die Schweizer nicht mag, weil sie so distanziert seien. Sie tut mir Leid, weil sie traurig und verloren wirkt. Sie streite sich viel mit ihrem Mann und ihre Tochter hat keinen Kontakt mehr zu ihr (warum habe ich leider nicht verstanden). Maria hilft mir, zum richtigen Gleis zu kommen. Ich weiß nicht genau warum, aber sie hat mich sehr berührt und ich muss mich zusammenreißen als wir uns verabschieden (auf Reisen bin ich besonders dünnhäutig). Wir umarmen uns kurz und sagen Goodbye.Was für eine süße Begegnung!
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Am Gleis mische ich mich unter die Leute. Höre die ersten Fetzen der italienischen Sprache und kann ein breites Lächeln nicht unterdrücken. Diese Sprache klingt einfach so schön – ich bekomme nicht genug davon. Und freue mich, dass ich sie bald jeden Tag hören darf.
Der italienische (!) Zug kommt auf die Minute genau an (!!), alle steigen ein und finden sich auf ihren Plätzen ein. Der Zug ist sehr voll. Ich muss innerlich Grinsen bei der Vorstellung, dass hier die zwei wahrscheinlich gegensätzlichsten Kulturen verbunden werden: die ordentlichen Schweizer und die lebhaften Italiener. Eine Frau sitzt mir im Vierer gegenüber und fragt mich, ob wir unsere Füße auf eine bestimmte Weise stellen können, damit wir beide gemütlich sitzen können. Ich wundere mich etwas, aber stimme zu.
Hier werde ich knapp 4,5h verbringen, mit fein säuberlich organisierter Fußposition und inmitten verschiedener Kulturen und Sprachen. Mir gefällt das und ich bin heilfroh, dass ich den Stress mit Flugzeugen/Flughäfen/etc. nicht hab! Irgendwie ist Reisen mit dem Zug aufregender und lebendiger für mich: es ist langsamer, man kommt Stück für Stück dem Ziel näher und sieht tolle Landschaften. Das lädt irgendwie mehr zum Träumen ein, als im Flugzeug (mglw. weil ich im Flieger fast sterbe vor Angst).
Wir tuckern durch die atemberaubende (vor)alpine Landschaft. Diese Strecke mit dem Zug zu fahren, würde ich jedem empfehlen !! Impressionen siehe Bilder :)
In Mailand muss ich umsteigen und habe ca. 40 Minuten Aufenthalt. Ich habe also Gelegenheit, einen ersten Schritt in Italien zu tun! Was macht man in Italien? Essen und Kaffee trinken! Allora – das mache ich also. An einer schäbigen Klitsche am Bahnhof hole ich mir eine Art Minipizza und einen Cappuccino – und es schmeckt fantastico! Ich setze mich in die Sonne und genieße mein erstes italienisches gustatorisches Erlebnis. Che bello!
…dann geht’s weiter in einem italienischen ICE (auch pünktlich). Dort werde ich Zeugin eines kleinen Kulturclashs: Es gibt relativ wenig Platz für Gepäck. Also versucht ein Niederländer ein fremdes Gepäckstück aus dem oberen Gepäckfach anders unterzubringen. Ein italienischer Mann wird direkt laut und bedeutet ihm -auf Italienisch- das Gepäckstück gefälligst wieder an seinen Platz zu tun! Was ihm wohl einfalle… che cazzo! Der Niederländer versucht zu protestieren und sich zu erklären, sieht aber schnell ein, dass hier keine Diskussionsgrundlage besteht. Ups!
In Florenz muss ich nochmal umsteigen, um zu meinem AirBnB zu kommen. Mein AirBnB ist in Prato, das ist ca. 20km westlich von Florenz ein kleines Städtchen (s. Exkurs zu Prato). In Prato wohne ich in einem kleinen Dorf namens Casale, ca. 7km von der Innenstadt entfernt – also ziemlich ab vom Schuss!
Lorenzo (der erwachsene Sohn meiner Gastgeberin) gibt mir vorab die beste Busverbindung durch. Vorher sagte er mir „Manchmal holt Marta (die Gastgeberin) die Gäste ab“ – was auch immer das heißt. Da ich mich nicht darauf verlassen möchte, nehme ich also den Bus. Als ich umsteigen muss, schreibt mir Lorenzo „Wo bist du? Ich bin auf dem Weg nach Casale“. Also liest er mich mit dem Auto auf. Er ist sehr freundlich und unkompliziert, spricht akzentfreies Englisch. Als wir in Richtung Casale fahren (noch ca. 5km), wird mir klar, dass ich gerade ins Auto eines fremden Mannes gestiegen bin. Aber mein Bauchgefühl macht mir schnell klar, dass alles gut und sicher ist. Trotzdem bin ich froh, als wir tatsächlich in der Straße ankommen.
Wir gehen rein und Marta kommt direkt. Sie ist eine kleine, dunkelhaarige Frau Ende 70 mit wachen Augen und einem lebhaften Wesen. Sie kommt auf mich zu und sagt „Che bella, la ragazza!“ (dt.: „Was für ein schönes Mädchen!“) und begrüßt mich mit zwei italienischen Küssen auf die Backen. Für manche mag das überschwänglich sein – ich fühle mich direkt wohl. Sie plappert fröhlich auf italienisch und ich verstehe nichts, nicke und lächle. Lorenzo ist ja da und könnte notfalls übersetzen.
Lorenzo zeigt mir mein Zimmer, mein eigenes Bad, meine Küche, die sich in einem extra Häuschen befindet, das man über den kleinen Garten direkt am Haus erreichen kann. Als er mir deren Renovierungspläne für das kleine Häuschen erklärt, glaube ich, mich in Deutschland zu befinden: Es gibt eine Mindestdeckenhöhe, eine Mindesthöhe des Bodens für Neubauten (wegen Hochwasserschutz) und diverse andere Regeln, die das Planen etwas kompliziert machen. Als nächstes fällt mir fast die Kinnlade herunter. Er erklärt mir die Mülltrennung: Papier, Glas, Plastik, Bio- und Restmüll werden getrennt. Wo bin ich nochmal?!
Danach fragt er mich, ob ich mit ihm in die Stadt (--> Prato) möchte. Wir vereinbaren, dass wir in ca. einer Stunde losfahren, damit ich dort etwas essen kann. Er möchte dort einen Aperitivo trinken (…was auch immer das genau bedeutet). Aber Essen klingt gut.
Wir parken an einer der sehr alten Stadtmauern und laufen den Rest in die Stadtmitte. Er gibt mir eine 30-minütige Führung durch die sehr alte und schöne Innenstadt. Mittlerweile ist es 21 Uhr und ich habe groooßen Hunger. Wir laufen an einem kleinen Restaurant vorbei und sehen dort eine Gruppe Freunde von Lorenzo. Sie sind unterschiedlichen Alters (schätzungsweise 40-60 Jahre alt) und sehr freundlich. Lorenzo fragt, ob ich mich dazu setzen möchte. Ich sage natürlich ja: Was gibt es am ersten Abend Besseres, als unter vielen neuen Leuten zu sein – und mehr Italienisch zu hören? Ich bekomme eine Antipasti-Platte für den ersten Hunger und einen Weißwein. Lorenzo sagt mir: aber du bezahlst nicht! Ich fühle mich sehr willkommen.
Nach ca. 1-2 Stunden verabschieden sich alle. Mit ein Paar aus der Gruppe hatte ich einzelne, kurze Gesprächsfetzen auf Italienisch – aber ich stoße sehr schnell an meine Grenzen. Verstehen kann ich schon etwas mehr und sorge mit meinen passenden Reaktionen sogar für ein paar Lacher.
Lorenzo und ich schlendern noch etwas durch die Stadt, sehen im Fluss ein paar Otter und essen eine Pizza bei einem Griechen (lol). Lorenzo bestellt sich noch einen Espresso – es ist mittlerweile 23.30h. Ich lehne dankend ab, weil ich sonst nicht schlafen kann.
Wir fahren nach Hause und ich falle ins Bett. Zufrieden in dem großen Bett, in dem gemütlichen Zimmer, in dem netten Haus, in dem freundlichen Land – schlafe ich endlich ein.
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#4 - Ankommen
April 30, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 27 °C
Die Blumen im Titelbild sind "echter Jasmin" (- danke Viki!) und in Prato riecht es überall ganz wundervoll danach!
>> Everyday Life Nuggets <<
• in jedem (privaten) Badezimmer gibt es ein Bidet
• man unterhält sich gerne von der einen auf die andere Straßenseite lautstark darüber, wie es der Ehefrau und den Kindern geht
• der Verkehr läuft nicht wie in Deutschland nach dem Motto: "Ist hier frei? Kann ich fahren?", sondern eher "Achtung, hier komm ich!" - also genau mein Stil!
• Bambus wächst hier öfter am Wegrand
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30. April
Heute habe ich viel vor: mein Leben hier organisieren.
Erste und allerwichtigste Amtshandlung: ein Fahrrad kaufen. Schon in Deutschland habe ich einen Gebrauchtfahrradladen entdeckt und gespeichert.
Zweite Amtshandlung: Lebensmittel einkaufen. Natürlich im Bioladen. Und tatsächlich scheint es einen Biosupermarkt in Prato zu geben!
> Ausflug nach Prato (Innenstadt)
Das Wetter ist traumhaft sonnig und sehr warm (ca. 24°C), als ich gegen 10 Uhr loslaufe. Da ich ja noch kein Fahrrad habe, muss ich mein Lieblingstransportmittel -nicht!- benutzen: einen Bus. Na, gut.
An der Bushaltestelle angekommen stelle ich fest, dass der nächste Bus erst in 25 Minuten kommt. Ich setze mich also direkt an die Haltestelle, damit ich ihn ja nicht verpassen kann. Auf dem Platz links von mir haben einige Chines:innen Stände aufgebaut, an denen sie Kleidung verkaufen. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass das meine Vorurteile bestätigt. Direkt gegenüber von mir ist ein kleines Café, wo buntes Treiben herrscht. Vielleicht hole ich mir dort einen Kaffee… und ein Croissant. Ich habe furchtbar Hunger und der Bus kommt ja erst in 25 Minuten. Gesagt, getan.
Als der Eigentümer mir gerade den Kaffee fertig macht und das Croissant schon vor meiner Nase steht, sehe ich wie draußen ein Bus ankommt. Verdammte Axt!! So schnell kann ich weder den Kaffee trinken, noch das Croissant essen. Und bezahlen muss ich auch noch. Und bis ich ihm erklärt habe, dass ich schnell weg muss (wenn das überhaupt klappt), ist der Bus wahrscheinlich schon weg. Ok – piano, piano! Das ist nur ein anderer Bus, der zwar auch in die richtige Richtung fährt, aber nicht „mein“ Bus. Also erstmal entspannt meinen Cappuccino trinken!Ich setze mich raus auf die kleine Terrasse -mit Blick auf die Bushaltestelle!- und eine Italienerin macht mir Platz, obwohl genügend Platz da wäre. Sie redet irgendwas und ich sage ihr, dass ich nur ein bisschen Italienisch spreche. Sie: „Ah, bist du Ausländerin?“ – „Ja“ „Schön! Ich warte auf eine Freundin, aber sie ist noch nicht da“. Ich bin stolz, dass ich überhaupt etwas verstanden habe und adäquat antworten konnte! Schweigend trinke ich meinen Cappuccino, esse das Croissant und setze mich dann wieder an die Bushaltestelle.
Der Bus kommt pünktlich, ich steige ein und los geht’s! Ich habe ein Wochenticket von Florenz nach Prato, weiß aber nicht, ob das auch für die Busse IN Prato gilt. Da hier aber keiner Englisch spricht, traue ich mich nicht, nachzufragen und sitze etwas angespannt im Bus. Glücklicherweise kommt kein Kontrolleur!
Ich steige etwas früher aus, um das Risiko einer Kontrolle zu minimieren und laufe den letzten Kilometer zum Fahrradladen. Es ist so schön warm und sonnig und es richtig nach Blumen. Ich genieße die sommerliche Atmosphäre und atme die satte Luft ein. Hatschi! …und auch mein Heuschnupfen gehört zu dieser Atmosphäre.
Am Fahrradladen angekommen wird es mal wieder spannend: der Eigentümer spricht 0 Englisch und ich erkläre ihm, dass ich ein Fahrrad für mich suche. Er sagt, er habe gerade keins, weil die Leute nur saisonal fahren und jetzt im Frühjahr alle ein Fahrrad gekauft haben. Nächste Woche würde evtl. eines in meiner Größe reinkommen. Ich bin sehr enttäuscht und traurig und nehme seine Visitenkarte mit, um ihn nächste Woche zu kontaktieren. So lange ohne Fahrrad! No way! Eventuell kann ich doch das von Marta flott machen und mir in Florenz im Juni ein anderes kaufen. Happy bin ich mit der Lösung aber gar nicht.
Aber jetzt geht’s erstmal weiter zum Supermarkt – der tatsächlich ein >richtiger< Biosupermarkt ist, teilweise mit Produkten aus Deutschland, die ich sonst auch kaufe. Lustig! Allerdings ist es sogar teurer als bei uns, obwohl Italiener etwas weniger verdienen. Ich shoppe also in einem Luxusladen!
Ich bin sehr angespannt, weil ich hoffe, dass mich keiner plötzlich anspricht oder irgendwas schief geht und ich einen Verkäufer bzw. Verkäuferin ansprechen muss. Leider ist mir das Glück nicht hold: die Rolle für die Preisetiketten im Drucker der Gemüse- und Obstwaage ist leer, als ich meine Kartoffeln wiegen möchte. Ich schaue dumm durch die Gegend, weil ich mich nicht traue, mich wieder als den Volldepp ohne Sprachkenntnisse zu outen. Die Kassiererin sieht mein Problem und redet irgendwas – also muss ich mich doch wieder outen und sage, dass ich kein Italienisch spreche aber bedeute ihr mit Körpersprache mein Problem. Sie versteht es zum Glück und holt einen Kollegen, der das Problem behebt. Oh man, is das anstrengend, wenn man sich nicht mitteilen kann!
Anschießend bringe ich meine Einkäufe schnell nach Hause, ziehe mich um (mittlerweile hat es 28°C und ich will was Leichteres anziehen) und fahre nach Florenz. Ich bin schon sehr gespannt, einen ersten Blick auf die Stadt zu werfen!
> Erster Besuch in Florenz
1. Coworking-space auschecken
2. Nico treffen
3. Free treffen
1. Coworking-spcae auschecken
Ich lasse mir eine Führung durch den Coworking-space in Florenz geben. In Deutschland hatte ich bereits Kontakt mit einem Mitarbeiter, um die Rahmenbedingungen abzuklären. Der space ist sehr groß, modern und ist kombiniert mit einem Hotel für Studierende. Ich fühle mich wie in New York o.ä., weil ein deutlicher internationaler Flair zu spüren ist. Bei der Führung fällt mir die Kinnlade herunter: es gibt eine Küche, diverse Arbeitsplätze in verschiedenen Räumen, eine Bar, ein Restaurant, eine Außenterrasse mit Tischtennis, abends verschiedene Kurse (Vorträge, Yogakurse, etc.), ein Fitnessstudio – und einen Pool auf der Dachterrasse. WTF! Und jetzt rate mal, wieviel man dafür im Monat bezahlt? 140€. Ich kann es nicht fassen.Da am nächsten Tag der erste Mai ist, kann ich den Vertrag erst am Donnerstag starten.
2. Treffen mit Nico
Nico ist ein italienischer Touristenführer, den ich auf Couchsurfing kennen gelernt habe und mit dem ich seit Ende März ab und zu schreibe. Er hat mir schon viel geholfen und ich bin gespannt, ihn jetzt persönlich zu treffen. Nico spricht gutes Englisch (und diverse andere Sprachen), d.h. die Kommunikation ist in dem Fall gesichert!
Ich schlendere zum Treffpunkt mit Nico in der Stadtmitte von Florenz. Da ich gerne Dinge spontan entdecke, habe ich mich sehr wenig mit der Stadt und ihren Sehenswürdigkeiten beschäftigt. Sonst rennt man mit einer Liste herum, die man abhakt, um dann alles ganz gewissenhaft erledigt zu haben. Als ich auf dem Platz ankomme, tut sich langsam der Blick auf der beeindruckende Dom auf. WOW! Mir verschlägt es wirklich den Atem beim Anblick auf den gigantischen weißen Dom.
Ich bin beeindruckt vom Gebäude rechts... (und von den vielen Touristen :-O )
...und sehe dann erst den Dom links davon! Das Foto kann absolut nicht einfangen, welche Wirkung der Dom hat
Da ich -mal wieder- Hunger habe, suchen wir nach einem geeigneten Platz, um erstmal ein Panino zu essen. Er zeigt mir eine wunderschöne Bibliothek, die mal ein Kloster war, und in der ich bei Bedarf auch Home Office machen könnte (oder auf die Toilette gehen, falls es mal dringend ist, sagt er).
Leider hat das Café in der Bibliothek keine Paninis mehr, sodass wir woanders hingehen und dort ein phänomenales Brot mit Tomaten und Oliven essen. SOOOO lecker!!! (und Nico verdreht die Augen, als ich einen Cappuccino bestelle, da man nach 11.30h nur noch Espressi trinke, sagt er). Als wir an dem Tisch sitzen, reicht er mir eine Tüte, die er die ganze Zeit getragen hat und bedeutet mir, dass es ein Geschenk für mich sei. Ich bin sehr überrascht und freue mich wahnsinnig, dass er mir ein Willkommensgeschenk gebracht hat!
Es ist ein zweisprachiges Buch „Wie wird man Italiener“, das von einem Deutschen geschrieben ist, der eine Italienerin geheiratet hat. Ich bin absolut begeistert und bedanke mich 1000x. Wie nett ist das denn !!
Danach gehen wir mein erstes Gelato essen. Ich versuche auf Italienisch zu bestellen und der Bedienende ist extrem freundlich und geduldig mit mir. Ich bin absolut platt, wie sehr ich hier willkommen geheißen und nett behandelt werde. …bei all den Touristen, die hier täglich reinschneien, wäre ich glaube ich tierisch genervt und hätte sicher nicht die Geduld. Ist das eine italienische Eigenheit? Alles nicht so schwer nehmen und daher für gewisse Dinge mehr Geduld mitbringen? Stress fühle ich hier jedenfalls deutlich weniger – aber das kann natürlich auch daran liegen, dass ich nicht mehr in meinem Alltag bin.
Wir laufen etwas durch die Gegend, wieder Richtung Stadtmitte. Auf einmal bleibt Nico an einem kleinen unscheinbaren Laden stehen, den ich gar nicht als solchen identifiziert hatte. Unscheinbar, dunkel und vielleicht 12m2 groß: ein Fahrradladen! Ich bekomme große Augen. Nico übersetzt dem Verkäufer / Fahrradschrauber, dass ich ein Fahrrad kaufen möchte. Er zeigt mir sein Angebot und ich entscheide mich für ein Rad mit Gepäckträger, Kettenschaltung (immerhin 6 Gänge) und einem Korb. Perfekt! 120€ bezahle ich für meine Unabhängigkeit, Freiheit und mein Glück. Ich strahle über beide Ohren. Jetzt bin ich zu Hause!
Nico und ich verabschieden uns. Ich fahre wieder Richtung Bahnhof, denn dort in der Nähe arbeitet ein Freund in einer Bar/Café, den ich in Deutschland kennengelernt hab: Freemitive (ja, er heißt wirklich so).
3. Free treffen
Ich rufe in die Bar rein: „Ciao, Free!“ – das würde ich in Deutschland nie machen! Free kommt hinter der Bar hervor und begrüßt mich. Ah ist das schön, ein bekanntes Gesicht zu sehen!
Wir quatschen lebhaft über das, was ich in Italien vorhabe, wo ich bleibe, wie es ihm so geht, etc. in einem Mix aus Italienisch, Englisch und Deutsch (Free ist Italiener, spricht aber sehr gut Englisch und gut Deutsch). Ich bin ultra happy, ihn zu sehen, obwohl wir uns nicht so gut kennen. Auf Reisen jemanden zu treffen, den man kennt, ist was ganz Besonderes!
Nach ca. einer Stunde verabschiede ich mich auch von ihm, denn es wird langsam spät (ca. 20 Uhr) und ich muss ja noch mit dem Zug zurück nach Prato. Stolz wie Oskar schiebe ich mein Fahrrad durch den Bahnhof. Und frage am Schalter komplett auf Italienisch (!), ob ich für das Fahrrad eine Karte brauche und wo ich sie bekomme. Juhuu! Erstes sprachliches Erfolgserlebnis :-)
In Prato angekommen fahre ich im Dunkeln auf dem Fahrrad nach Casale und bekomme das Grinsen nicht aus meinem Gesicht. Was für ein toller Tag!Read more
#5 - Oh, grüne Toskana - oh, viel Regen!
May 1, 2024 in Italy ⋅ 🌧 16 °C
--- Disclaimer: meine sprachliche Ausdrucksfähigkeit wird in Zukunft wahrscheinlich abnehmen – durch die vielen Sprachwechsel und auch den ständigen neuen Input im Italienischen, scheint mein Deutsch etwas zu leiden. ---
>> Everyday Life Nuggets<<
- Marta redet sehr viel und schnell mit mir -immer total lieb!-, aber ich verstehe leider nur einen Bruchteil davon. Vermutlich sieht man die Fragezeichen über meinem Kopf sehr deutlich. Lorenzo ermahnt Marta, langsamer zu sprechen und einfachere Wörter zu verwenden
- Sirenen von Rettungswägen scheinen immer zu gehen, auch nachts
- Zu meinem Entsetzen, werden hier viele Plastiksachen eingesetzt: Plastikbecher zum Trinken im space, Plastikbecher an Imbissbuden (für Getränke und Kaffee! Um Himmels Willen…), etc. – ohje!
- Von wegen dolce far niente (das süße Nichtstun): Marta sitzt selten still, sondern ist ständig unterwegs oder wirbelt im Haus herum, um den Haushalt zu erledigen – und sie ist fast 80 Jahre alt!
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1. Mai
Heute ist auch in Italien Feiertag – und es regnet in Strömen. Damit hab ich irgendwie nicht gerechnet: Regen in Italien… wo gibt’s denn sowas!? Für Marta und Lorenzo scheint das ganz normal zu sein „Wir sind in der Toskana, da regnet es eben öfter.“ Mir gefällt die Aussage. In Deutschland meckern wir ständig über das Wetter (zu warm, zu kalt, zu viel Regen,…) – statt es als Gegebenheit der Region oder der Jahreszeit hinzunehmen.
Um zu meiner Küche bzw. meinem Koch-Häuschen zu kommen und zu frühstücken, muss ich zuerst durch Martas Küche und dann durch den Garten laufen. Marta und Lorenzo sitzen in ihrer Küche und lesen etwas. Als sie mich sehen, fragen sie, ob sie ein Feuer im Kamin des Koch-Häuschens machen sollen – ich stimme begeistert zu: ich liebe Feuer! Der Geruch, die Gemütlichkeit, die Wärme, wie die Flammen tanzen,…
Nach meinem gemütlichen Feuer-begleiteten Frühstück, nimmt mich Lorenzo mit dem Auto mit in die Stadt und zeigt mir dort ein Café, wo ich WLAN habe. Da es immer noch regnet, ist das der perfekte Zeitpunkt, um meinen Blog aufzusetzen! Ich mache noch ein paar Italienisch-Übungen in meinem Heft (aus Papier!) und kämpfe mich für 3h mit dem Blog ab.
Dann mache ich mich auf den Heimweg – zu Fuß, denn es ist 18.30h an einem Feiertag und es macht nicht den Anschein, dass noch ein Bus fährt. Wieder mal, wüsste ich nicht, wie ich das auf Italienisch fragen soll und denke mir: wird schon passen, ein bisschen frische Luft und Laufen hat noch niemandem geschadet. Ich brauche 1,5h – und bin wirklich angepisst, in beiden Hinsichten. Obwohl ich meine Regenjacke anhatte, sind meine Kleider nass, meine Schuhe und Socken – und Marta stellt erschrocken fest, dass meine Haare nass sind und ich sage ihr, dass ich den Weg gelaufen bin. Ihre Antwort: Los, unter die warme Dusche mit dir!
Das mache ich – und es geht mir direkt besser.
Am Abend habe ich die erste kleine Krise, inklusive Heimweh. Langsam realisiere ich, was hier eigentlich passiert und dass ich für lange Zeit „in der Fremde“ unterwegs sein werde – und keine meiner Freunde und Freundinnen persönlich zu Gesicht bekommen werde. Das macht mich traurig und mir auch etwas Angst. Außerdem bin ich etwas aufgeregt, weil ich morgen wieder arbeite und noch nicht weiß wo – denn das mit dem Coworking space ist noch nicht geklärt.
Lorenzo hat mir einen Coworking space in Prato vorgeschlagen (er kennt dessen Besitzer) und ich habe der Rezeption eine WhatsApp-Nachricht geschrieben, ob ich für eine Besichtigung vorbeikommen kann. Leider habe ich noch keine Antwort (heute ist ja auch Feiertag). Der space in Prato wäre deutlich günstiger (ca. 50€), als der in Florenz, ich müsste keine Karte für den Zug bezahlen und 3h jeden Tag pendeln (hin und zurück) – und vermutlich wären mehr Italiener:innen im space --> mehr Herausforderung, aber auch mehr Lernmöglichkeiten! Schauen wir mal, was morgen passiert…
2. Mai
Meinen ersten Arbeitstag in Italien starte ich im Home Office. Ich setze mich zu Lorenzo in die Küche bzw. das Esszimmer (sie sind verbunden). Marta wirbelt durch das Haus und erledigt den Haushalt. Von ihrem Handy aus läuft die Tonspur eines Gottesdienstes. Es ist irgendwie seltsam, dazu/daneben zu arbeiten – wie zwei Welten, die für mich nicht zusammenpassen.
In der Mittagspause besichtige ich den Coworking space in Prato. Leider kann Veronica, die Dame an der Rezeption, quasi kein Englisch. Einzelne Wörter kann sie sprechen – ich bin etwas überrascht, da sie in meinem Alter ist.
Sie ist sehr nett und entschuldigt sich vielmals, dass sie nicht besser Englisch spricht. Und ich entschuldige mich vielmals, dass ich nicht besser Italienisch spreche. Am Ende müssen wir einen online-Übersetzer nutzen, um sicherzugehen, dass ich die Geschäftsbedingungen richtig verstehe. Ich entscheide mich für den space und wir verabreden uns für den nächsten Tag für die vertraglichen Sachen.
Auch an diesem Tag regnet es stark. Ich bin -natürlich- mit dem Rad zum space gefahren (ca. 7km, da er in der Stadtmitte von Prato ist) und fahre dementsprechend damit zurück. Ohne Regenhose. Und es SCHIFFT!
Als ich nach Hause komme, bin ich noch nasser als am Vortag. Marta ist gerade zufällig in der Garage und fragt mich: „Bist du nass geworden?“ Und dann kommt der Moment, an dem ich meinen ersten Witz auf Italienisch mache: „Ja, ich hab eben geduscht“ – sie lacht lauthals. Und fragt mich, ob sie den Kamin anmachen soll. Ich stimme dankend zu. „Und jetzt dusche erstmal warm, sonst wirst du krank!“
Ich fühle mich wahnsinnig toll umsorgt und starte mit trockener Kleidung und mit dem Gefühl des Wohlbehütet-Seins in den zweiten Teil meines Home Office-Tages: vor dem Kamin! …fast schon romantisch.
Als ich abends ins Bett gehe, höre ich einen lauten Schrei von Marta. Ich spitze die Ohren, aber sie bewegt sich weiter und alles scheint in Ordnung. Sie sagt „Aaaah, im Bett!“ – und ich muss innerlich grinsen, weil sie so ausdrucksstark kommuniziert. Ich mag diese alte Dame wirklich gerne.Read more
#6 - Der Tag, an dem Marta mich küsste
May 3, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 16 °C
Foto: Eingang des coworking spaces
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• Cappuccino kostet hier nur 1,50€ !! (statt bei uns 4€)
• Vorurteile bzgl. Pünktlichkeit stimmen, aber nicht so extrem wie ich dachte
• In der Schlange zu stehen, empfinde ich als weniger stressig, weil von hinten kein Druck kommt, wenn man sich nicht direkt bewegt, sobald der Vordermann nach vorne rückt!
• An Waschbecken in privaten Küchen gibt es einen extra Hahn für Trinkwasser (… ob das tatsächlich eine extra Leitung ist, weiß ich nicht :D )
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3. Mai
Am Morgen werde ich vom Geräusch rollender Koffern über den Asphalt geweckt. Als ich merke, dass es mehr als eine Person ist, stehe ich auf und schaue neugierig aus dem Fenster: kleine Kinder ziehen wie Entchen ihre Koffer hinter sich her und laufen -vermutlich- zu ihrer Grundschule. In den folgenden Tagen stelle ich fest, dass das jeden Morgen um ziemlich genau 8.30h passiert.
Bevor ich gehe, sage ich Tschüss zu Marta und sie verabschiedet mich das erste Mal „italienisch“: mit zwei Küsschen auf die Wangen (wie die Franzosen das auch machen). Und irgendwie erwärmt mir das sehr das Herz, ich fühle mich mehr zugehörig dadurch. Mittlerweile nennt sie mich oft „cara Lea“ (liebe Lea) oder „amore“ (Schatz).
Heute ist mein erster Arbeitstag im coworking space!
Der space ist nicht groß, aber sehr modern und hell. Im Gegensatz zu gestern, bei meiner Besichtigung, sind die Räume voll und es herrscht ein buntes Treiben. Nachdem ich mich an meinen persönlichen Platz gesetzt habe, kommen nach und nach die anderen Coworker dazu. Sie sind alle eher zurückhaltend und vorsichtig. Ich frage mich, ob das an meiner unsicheren Art liegt (ich fühle mich noch sehr unwohl, wenn mich jemand aus der Kalten heraus auf Italienisch anspricht) oder ob sie mich auch einfach als neue Person erst beschnuppern wollen.
Alle arbeiten schweigend nebeneinander und gegenüber. Wir sind mittlerweile sechs Personen in dem Büro (maximal acht Plätze). Ich hoffe innerlich, dass ich irgendwie mit ihnen mehr in Kontakt kommen kann. Sie anzusprechen, traue ich mich aber nicht, da ich in Konversationen sehr schnell nichts mehr verstehe oder nicht antworten kann.
Gegen 13 Uhr steht einer auf und fragt in die Runde, ob wir Mittagessen wollen. Ich steh sofort auf und sage: „Ja, ich!“ . Insgeheim weiß ich nicht, ob ich ihn überhaupt richtig verstanden habe. Und wo wir hingehen, was wir da essen, wie lange das dauern wird und wann genau es losgeht. Ich fühl mich wie ein Schaf in der Schafsherde, das darauf wartet, in die richtige Richtung getrieben zu werden – aber ohne in der Lage zu sein, selbst großartig die Situation beeinflussen zu können. Es ist interessant, dass ich viele Dinge hinnehmen muss - denn ich kann mich nicht richtig ausdrücken oder nachfragen. Ich weiß (noch) nicht genau warum, aber ich versuche den Moment meines „Outings“ immer so lange wie möglich hinauszuzögern.
Es kommt also oft vor, dass ich nicht weiß, was passiert. Oder dass ich etwas gesagt habe und wirklich nur die ganz grundlegende Message rüberbringen kann - aber keine Zwischentöne. Was mir ja sonst immer sehr wichtig ist: dass ich nicht falsch verstanden werde oder der andere angepisst ist von irgendwas. Da muss ich aktuell drüber stehen - weil richtig stellen kann ich es nicht.
Wir laufen also zu viert los (Andrea, Leo, Camilo und ich) und ich fühle mich wieder wie im Studium: in die Stadt tingeln, im gleichen Raum arbeiten/lernen, neue Leute kennen lernen, in einer fremden Stadt unterwegs sein.
Und wie man sich das so vorstellt, dauert alles extreeeem lange. Wir laufen -oder eher: schlendern- in die Stadt, die ca. 10 Minuten zu Fuß entfernt ist. Als wir fast da sind, sagt der eine „Ich muss noch Geld abheben, hab kein Bargeld mehr“. Alle sind vollkommen entspannt und wir schlendern zum Geldautomaten.
Die Deutsche in mir schreit nur: „GEHT DAS NICHT SCHNELLER!?“ …ich muss schließlich irgendwann nochmal arbeiten. Herrgott…
Mit 10 Minuten Umweg haben wir dann auch das Geld abgeholt und sind endlich auf dem Weg zum Imbiss. Da ist es sehr eng, viele Menschen, laut, chaotisch. So richtig, wie ich mir das in Italien vorstelle. Wir bestellen uns Panini und Andrea hilft mir bei der Auswahl: Es gibt nur ein (!) vegetarisches Panino und ohne ihn würde ich nicht alle Begriffe für diverse Wurst- und Fleischwaren verstehen. Wir warten ungefähr 20 Minuten auf unsere Panini und trinken in der Zwischenzeit Wasser aus Plastikbechern (no comment…). Andrea und Leo holen sich für die Wartezeit noch einen Rotwein in Plastikbechern dazu und verziehen die Gesichter, als sie die eklige Plörre trinken; ich muss lachen.
Alle Panini kommen an den Tisch – bis auf meins. Nach einiger Zeit fragt Andrea nach und es stellt sich heraus, dass mein Panino an einen anderen Tisch gebracht wurde; warum auch immer die Personen das dann gegessen haben bzw. es nicht aufgefallen ist… keine Ahnung! Die Wirte entschuldigen sich und versprechen, es direkt als nächstes zu machen. Es vergehen weitere 15 Minuten… und meine Kollegen warten alle mit dem Essen, was ich extrem höflich und lieb finde, denn alle haben Hunger.
Während dem Laufen, dem Warten und dem Essen unterhalten wir uns auf Italienisch. Ich höre hauptsächlich zu, kann aber auch manche Dinge sagen, wenn sie mich etwas fragen. Das allermeiste kann ich gut verstehen und bin wahnsinnig stolz. Sie müssen langsam sprechen, aber zum Glück haben sie nicht viel Dialekt, sodass es kein Problem ist.
Wenn mich Leute plötzlich und ohne Kontext ansprechen, versteh ich nicht die Bohne. Aber mit etwas Vorlauf, ohne Druck und mit Kontext läuft es ganz gut.
Andrea ist 50 Jahre halt, arbeitet als ITler und hat eine jugendliche Tochter, die Koreanisch und Finnisch lernt; Camilo ist 30 Jahre alt, Wirtschaftsingenieur und arbeitet in einem Start-up, ist eigentlich Kolumbianer und wegen seiner italienischen Freundin nach Prato gezogen; Leo ist Mitte 20 und macht Videos für Influencer.
Nachdem alle aufgegessen haben, machen wir uns auf den Rückweg – den wir wieder extrem laaaangsam schlendern. Wir sind mittlerweile seit 1,5 Stunden unterwegs und ich frage mich, wie lange diese Mittagspause verdammt nochmal noch dauern soll ! Auf dem Weg trinken wir noch einen schnellen Espresso (= jeder schüttet ihn herunter wie einen alkoholischen Shot) … und schlendern weiter Richtung Büro.
Zurück im Büro sind alle wieder hoch konzentriert und arbeiten bis mindestens 18 oder 19 Uhr. Dolce far niente ist auch hier eher fern – bis auf die Mittagspause.
Als ich nach Hause komme, grüßt Marta mich wieder sehr herzlich und fragt mich, ob ich etwas zu Essen haben möchte. Ich stimme zu, denn ich will unbedingt typisch toskanische / italienische Gerichte probieren. Sie gibt mir „Panzanella“, ein bäuerliches, traditionelles Gericht aus der Region mit saisonalem Gemüse und getrocknetem Brot – und es ist seeeehr lecker! (obwohl es nicht so aussieht)
Der Tag hat mich sehr glücklich gemacht, weil ich mich erneut sehr willkommen hier fühle. Alle sind so nett, offen und auch geduldig mit meinen minimalen Sprachkenntnissen. Bello!Read more
#7 - Party
May 4, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 18 °C
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• Geschäfte haben mittags von 13-16 Uhr geschlossen (Supermärkte nicht, aber alle anderen)
• Kinder spielen auf öffentlichen Plätzen oft Ball (zumindest in Prato)
• Wenn Italiener:innen sich angeregt unterhalten, reden sie oft gleichzeitig und ich frage mich, wie man sich da verstehen kann :D
• Es gibt einen dm in Prato!!
• Autofahrer:innen sind relativ vorsichtig und rücksichtsvoll zu mir als Radfahrerin. Sie halten Abstand oder bleiben sogar hinter mir – das habe ich nicht erwartet!
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4. Mai
Heute möchte ich etwas runterkommen, um mich von dem Stress der Vorbereitungen und der neuen Eindrücke zu erholen.
Ich laufe etwas ziellos durch Prato, um ein paar Bilder für den Blog zu machen und fahre dann nach Florenz, um mein Wochenticket noch gut zu nutzen (geht noch bis morgen). Ich treffe mich mit Free, der bald 3 Stunden Pause hat. Wir essen und trinken Kaffee zusammen und es ist schön, sich mal wieder etwas komplexer ausdrücken zu können.
Später versuche ich einen Secondhand Laden in Florenz zu finden, aber alles ist unfassbar teuer: Es werden hauptsächlich Markenklamotten verkauft und starten mit einem Preis von 100€ :-O Florenz ist eben eine Touristenstadt (vor allem da, wo ich mich bisher aufhalte). Schade!
Abends schaue ich einen deutschen Film mit deutscher Musik. Normalerweise fänd ich das ziemlich nervig und unnötig – heuet gefällt es mir sehr. Warum fällt es uns mit Abstand oft leichter, Dinge zu schätzen? Ich bin ganz selig, obwohl es kein besonderer Film war. Aber es hilft mir gerade wie eine helfende Hand, einen kurzen Abstecher in meine Kultur zu machen.
5. Mai
Auch heute passiert nicht viel. Ich genieße ein wenig die Sonne im Garten, koche und esse, schreibe etwas Blog und führe kurze Gespräche mit Marta.
Als ich mir einen Cappuccino in der Bar „um die Ecke“ (800m) holen möchte und das Marta auf Italienisch mitteile, bin ich ganz stolz, dass ich das hinbekommen habe. Sie sagt: „Wieso willst du dir einen Kaffee holen? Wir können auch hier einen machen!“ „Weil ich Schaum liebe!“ „Aber wir können auch hier Schaum machen!“ „Echt?“ „Ja, ich zeig’s dir!“ – und zack, sie holt einen Espressokocher für den Herd hervor. Aber keinen normalen… dieser magische Kocher kann tatsächlich gleichzeitig Schaum und Espresso kochen. Ich bin beeindruckt. Schmecken tut er leider nicht so gut; aber ich bin ganz selig, weil sie so lieb ist.
6. Mai
Heute ist wieder Montag und ich bin wie erschlagen: Marta ist heute Morgen um 4.50h aus dem Haus gestürmt, weil sie mit einer Freundin nach Slowenien fährt (ca. 5h Fahrt mit dem Auto) und ich werde davon geweckt. Außerdem habe ich mir offensichtlich eine Erkältung eingefangen: Ich habe heftige Halsschmerzen, eine extrem laufende Nase (5min ohne Taschentuch ist unmöglich) und Kopfschmerzen. Aber es hilft nix – der Alltag ruft!
Ich fahre ins Büro und führe kurze Gespräche mit einer Frau aus meinem Raum. Außerdem hilft mir die Dame am Empfang herauszufinden, ob und wie man Koffer von Italien nach Deutschland schicken kann – was mal wieder eine kleine Herausforderung ist, weil wir die Sprache des anderen nur so wenig sprechen. Sie ist aber sehr geduldig und ich bekomme sehr hilfreiche Informationen.
Ich mache etwas früher Feierabend, weil ich so kaputt bin und komme gegen 15 Uhr endlich nach Hause. Lorenzo ist zu Hause und wir essen gemeinsam zu „Mittag“. Er erzählt mir von seinem Wochenende, an dem er an einem zweitägigen, traditionellen Lauf teilgenommen hat.Der Hintergrund ist, dass wohl zwei Personen irgendwann in frühen Zeiten eine Wette abgeschlossen haben, dass Person x es nicht innerhalb von 24h schafft, an einen bestimmten Ort (dessen Name ich nicht mehr weiß) zu kommen, ohne den Fluss zu überqueren. Das bedeutet einen Umweg von 80km. Daher laufen alle die Lust haben an einem bestimmten Datum im Mai von Prato zu diesem Ort – aber in zwei Tagen, also ca. 40km pro Tag. Es ist ein großes Event, wo Essen und Unterkünfte für die Teinehmenden organisiert werden und jede:r am Ende eine kleine Geschenketasche bekommt (oft mit hilfreichen Dingen für Trekkingtouren).
Lorenzo muss gegen 17 Uhr los und lädt mich abends zu einem Geburtstag einer Freundin ein. Er sagt: „Es geht gegen 19.30h los. Du kannst dazukommen, wenn du möchtest!“ Ich sage ihm, er solle mir den Ort schicken und ich würde gerne kommen. Neue Leute finde ich immer spannend und ich kann etwas mehr Italienisch üben. Lorenzo ist irgendwas um die Mitte/Ende 40, also werden es wahrscheinlich eher ältere Gäste sein, aber das macht nichts – ich bin neugierig!
Ich schreibe Lorenzo, dass ich gegen 20h da sein werde und er schickt mir die Bar, wo die Freundin feiert. Kurz nach 20 Uhr finde ich die Bar, aber Lorenzo ist leider nicht da. Diese Italiener! Ich schreibe ihm und frage, ob er schon da ist. Er sagt, er sei noch auf der Arbeit und würde später kommen.Da es mir sehr unangenehm ist, mich unter die fremden Menschen zu mischen, die höchstwahrscheinlich wenig bis kein Englisch sprechen und eine andere Generation sind, entschließe ich mich, noch etwas durch das abendliche Prato zu schlendern. Ich bin ultra müde und mir fallen fast die Augen zu, sodass ich beschließe: wenn ich bis 20.30h nichts von Lorenzo gehört habe, fahre ich nach Hause – denn einfach ins Bett zu fallen klingt EXTREM verlockend!
…“leider“ meldet sich Lorenzo um 20.15h mit einem live-Standort und ich folge ihm in die Bar, wo der Geburtstag gefeiert wird (das ist die Bar: https://maps.app.goo.gl/uVQoVvr5iaTQVyYZ7 ). Ich fühle mich etwas fehl am Platz und er stellt mich einer kleinen Gruppe von Frauen vor und sagt ihnen, dass ich nur ein bisschen Italienisch spreche.
Sie sind alle zwischen 40 und 50 Jahre alt und sehr lieb. Ich sage ein paar Dinge über mich und während ich spreche, fallen meine Haare anscheinend ins Buffet und alle vier weisen mich direkt darauf hin und versuchen mir zu helfen. Ich bin sehr erstaunt, weil man in Deutschland diese peinliche Situation bei der Person belassen hätte – vor allem bei einer fremden Person: man hätte meine Haare im Buffet gelassen und sich danach darüber unterhalten, wie peinlich das war und dass man nicht weiß, was man hätte machen sollen; weil es wäre zu „nah“, so in den persönlichen Bereich der Person einzugreifen. Ich bin gottfroh, dass es hier nicht so lief.
Eine nach der anderen beginnt ein kurzes Gespräch mit mir; da die Musik so laut ist, kann man sich in einer Gruppe nicht verstehen (es läuft übrigens Modern Talking :D ). Sie sind sehr lieb und -erneut- sehr geduldig mit mir. Tatsächlich läuft das Gespräch relativ gut: ich kann immer antworten und verstehe, was sie mich fragen. Allerdings kann ich das Gespräch nicht am Laufen halten, weil mir gefühlt alle Wörter dafür fehlen, um tiefer in eine Materie einzusteigen.
Die Runde ist insgesamt sehr dynamisch und die Personen mischen sich ständig neu, sodass ich bald etwas am Rand stehe und meinen Wein trinke. Zum Glück dauert es nicht so lang, denn es kommt der nächste Programmpunkt: die Kerze auf dem Geburtstagskuchen muss ausgepustet werden! Das Geburtstags“kind“ (sie ist 50 geworden) setzt sich alleine an einen Tisch mit der Torte und muss sie auspusten. Danach werden Fotos mit den Gästen gemacht – getrennt nach Männern und Frauen (vermutlich aus Spaß, weniger wegen einem kulturellen Hintergrund) und sie winken mich explizit dazu. Ich freue mich sehr und geselle mich gerne dazu.
Kurz danach trinke ich meinen Wein aus und schließe mich einigen Gästen an, die nach Hause fahren. Es ist mittlerweile 22 Uhr und ich bin todmüde. Lorenzo unterhält sich meistens mit Freunden und Freundinnen, sodass es schwierig für mich ist, Anschluss zu finden. Zufrieden fahre ich -natürlich mit dem Fahrrad- nach Hause und falle komplett kaputt ins Bettchen.Read more
#8 - Schwankend
May 7, 2024 in Italy ⋅ ☁️ 14 °C
Hier ist mein geliebtes Fahrrad!
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• Schwarztee heißt (bei Marta) "normaler Tee" (Ich hab sie gefragt: "Ist das schwarzer Tee?" "Nein, normaler Tee!" - Lorenzo klärte mich dann auf
• Wasserkocher gehören nicht zum Standardrepertoire einer Küche. Wenn man sich Tee machen möchte, benutzt man die Mikrowelle
• das Standardhaus in der Region ist sonnengelb (kräftig oder pastell) mit grünen Fensterläden und Türen - super schön!
• die Rollläden sind oft (halb) geschlossen, sodass es im Haus relativ dunkel ist
• einige Italiener:innen singen gerne vor sich hin (manchmal lautstark und ohne Hemmungen, manchmal nur kurze Passagen) - egal wo sie gerade sind.
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7. Mai
Ich habe immer noch einen kräftigen Schnupfen und Kopfschmerzen. Morgens kämpfe ich mich aus dem Bett und ins Büro. Fahrradfahren ist echt anstrengend und ich will einfach nur in mein Bett.
Das Wetter ist aktuell sehr wechselhaft mit einem kühlen Wind und sehr schwülem Klima. Sobald ich mich bewege, fange ich an zu schwitzen, ziehe ein paar Sachen aus, um nicht noch mehr zu schwitzen – und dann kommt der kühle Gegenwind (der sich nicht kühl anfühlt).
Als ich im Büro sitze, schüttet es aus allen Kübeln (zum Glück bin ich dieses Mal im Trockenen!). Da es draußen nur noch 15-17°C hat, macht eine Kollegin gegen Mittag die „Heizung“ (= Klimaanlage) an. Als mich die warme Luft erreicht, realisiere ich erst, wie kalt mir war. TUT DAS GUT!
8. Mai
…und die nächste Quälerei ins Büro. Wann hört diese Nase endlich auf zu laufen!? Und wann kann ich endlich den ganzen Tag in meinem Bett verbringen? Mit Wärmflasche und drei Decken?!
Heute erreichen mich erste Rückmeldungen zu meinem Reiseblog. Ich merke, wie wichtig Teilen für mich ist und freue mich mega darüber! Wenn du Kommentare oder Gedanken zu irgendwas hast, schreib mir gerne – das macht die Erfahrung für mich noch schöner :-)
Insgesamt mag ich es sehr, hier meinen Alltag zu leben. Allerdings nervt mich der Wechsel von den Sprachen manchmal sehr (ist aber nicht vermeidbar). Ich kann nicht richtig ins Italienische eintauchen, obwohl ich das dringend möchte (u.a. um mich hier besser zurechtfinden zu können).
Als ich auf dem Fahrrad nach Hause fahre, packt mich der Frust, weil ich das Gefühl hab mit der Sprache auf der Stelle zu tappen. Warum hab‘ ich nicht vorher mehr gelernt? War ich zu naiv? Die zwei Monate werden so schnell umgehen und von meinem Ziel, ein einigermaßen flüssiges Gespräch führen zu können, fühle ich mich meilenweit entfernt (ich weiß, ich bin sehr ungeduldig!)…
Ich komme nach Hause und sehr wohl genauso aus, wie ich mich fühle: tierisch müde und kaputt. Marta begrüßt mich, ganz fleißig in der Küche arbeitend -wie immer- und fragt mich ob ich müde sei. Ich sage: „Ja, sehr!“ Sie sagt: „Komm, setz‘ dich erstmal und trink einen Tee. Ich mach dir einen.“ (Schwarztee mit Zitrone)
Sie ist eine richtige Großmutter: umsorgend, vor allem kulinarisch gesehen, ständig am kochen und für die Familie da sein – UND: sie hat ein ganz bestimmtes Bild von der Welt und das muss dann auch so umgesetzt werden (Betten gemacht müssen jeden Tag gemacht werden, Blumen sollen gepflegt sein, alles muss jeden Abend an seinem Platz sein (Töpfe, Geschirr, andere Gegenstände ...).
Sie erklärt mir, dass sie gerade frische Tomatensoße macht (aus Tomaten, Zwiebeln, Sellerie, Basilikum). Alles wird gekocht, dann passiert, nochmal kurz aufgekocht, dann in Gläser gefüllt. Diese werden fest zugedreht und auf den Kopf gestellt, damit es lange hält. Sie erklärt mir alles, während sie das macht und ich verstehe ca. 40%. Wir essen zusammen und unterhalten uns. Und meine Sorge, dass es mit Italienisch nie klappt, bessert sich etwas. Danke, Universum! (Oder so :-) )
9. Mai
Langsam geht's mir endlich besser und ich hab‘ wieder mehr Kraft, um meinen Alltag hier zu wuppen – inkl. Sprache zu lernen. Das war die letzten Tage etwas viel.
Ein Kollege empfiehlt mir ein Café in der Nähe. „Gibt es da guten Kaffee?“ – „Ja, der Kaffee ist ok. Und der Besitzer ist auch freundlich – meistens zumindest.“ Ein anderer Kollege kommentiert: „Wieso empfiehlst du das Café, wenn der Kaffee ok ist und der Besitzer nur manchmal nett ist?!“ Wir lachen alle. Ich probiere es trozdem – und es ist der beste Kaffee in Prato bisher!! Und nett waren sie alle. Immer wenn ich neu in einer Stadt bin, möchte ich das leckerste Café finden – tadaa, da ist das leckerste Café in der Gegend gefunden! Danke, Andrea!
Später fragt Camilo mich, ob wir zusammen Mittagspause machen wollen. Ich stimme natürlich zu – mehr Italienisch sprechen! Leider ist es wieder relativ frustrierend: Ich kann einfach noch nicht flüssig sprechen, da mir die Konjugationen nicht geläufig genug sind. Ich kenne sie, aber während dem Sprechen kommen sie mir nicht schnell genug in den Sinn. Und mir fehlen seeehr viele Wörter, um mich erklären zu können.
Trotz arbeiten habe ich einen weniger vollen Alltag, als alle die normal zu Hause sind. Mittlerweile hab‘ ich alle Sprachnachrichten, die noch offen standen, beantwortet (das war seit 4 Jahren nicht mehr der Fall!) und ich fühle mich etwas alleine. Heute hat mich ein Freund sehr enttäuscht, was meinen Bedarf nach liebevollem und vertrautem Kontakt noch erhöht. Uff!Read more
#9 - Erdung
May 10, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 23 °C
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• Ich fühle mich hier nicht klein, da viele ähnlich groß sind wie ich und alles entsprechend darauf ausgelegt ist (Küchenschränke, Waschbecken, Spiegel, etc.)
• Croissants haben entweder eine dünne süße Glasur, oder sind mit Pistazie, Vanille oder Schokolade gefüllt
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10. Mai
Heute habe ich endlich frei und beschließe einen gaaaanz gediegenen Start aus dem Bett. Gegen 8.30h werde ich wieder von den lustigen Schulkindern mit ihren Koffern geweckt (…täglich grüßt das Murmeltier!). Um 9h genehmige ich mir Frühstück im Garten auf der Bank, während ich in den blauen Himmel schaue und die Sonne genieße. Auf einmal landet ein sehr lustiges weißes Insekt auf mir. Es sieht aus wie ein Pokémon und fasziniert mich irgendwie… sowas hab‘ ich noch nie gesehen!
Dann schlappe ich wieder ins Bett und kuschle mich unter der Decke ein. Aaaaah! Frei haben ist toll!Ich frage mich, ob mein Erleben hier deutlich anders ist, durch die Sprachbarriere. Ohne Barriere hätte ich evtl. mehr den Anspruch, in Kontakt zu kommen und mich mit Leuten anzufreunden. So bin ich froh, wenn ich durch den Tag komme und alle Dinge erledigen kann, die ich brauche.
Um 13.30h schaffe ich es dann doch vor die Tür - ich hab langsam wieder Lust auf Action, weil meine Erkältung fast überstanden ist! Ich gehe spazieren, geniiiiieße die Schönheit des toskanischen Dorfs und fühle mich sehr in meine Kindheit zurückversetzt: meine Großeltern haben in einem Dorf gewohnt und irgendwie erinnert mich das hier an das Dorf meiner Großeltern.
Ich laufe in die Dorfmitte, zur „Bar in piazza“ (eine Bar ist hier sowas wie ein Café) und hole mir einen Cappuccino. Auf der Karte sehe ich, dass ca. 1,5km entfernt ein See liegt. Da die Sonne so schön scheint, will ich noch etwas draußen bleiben und entscheide mich dorthin zu laufen. Google schlägt mir einen Weg vor, dem ich folge – ca. 600m bis ich zu einer Schnellstraße ohne Gehweg komme. Wie soll ich denn da entlanglaufen, ohne, dass mich die Italiener über den Haufen fahren?! Der alternative Weg führt zurück. Na gut, also nochmal… cazzo (= Scheiße auf ital.)!
Dem alternativen Weg folge ich ca. 1km bis ich auf dasselbe Problem stoße. So ein Mist! Anscheinend sind die Italiener:innen -zumindest hier im Dorf- eher mit dem Auto unterwegs, sodass keine Fußwege nötig sind?? Vielleicht ist das eine gute Vorbereitung auf Kanada, denke ich. …dann eben kein romantisches Sitzen am See! Hmpf.
Ich schlendere etwas ziellos durch’s Dorf – und finde endlich eine Bank in einem Wohngebiet. Sitzen und Kaffee trinken! Mit ein bisschen Romantik (eher nicht…).
Wenigstens kann ich hier die Sonne genießen. Und irgendwie fühle ich mich wie eine alte Frau, die aus dem Altenheim ausgebrochen ist und nichts Besseres mit sich anzufangen weiß, als auf einer Bank auf eine Häuserwand zu starren.Das Gute: jetzt kommen die Metagedanken! Gedanken, die das Leben, mein Leben, die Welt betreffen. Ich mag das und denke nach.
Als ich mir die Häuserwand vor mir genauer anschaue, muss ich an den Bodensee denken (da war ich als Kind oft) – und rufe spontan meine Eltern an. Die Gespräche mit ihnen tun mir gut, sie erden mich und es ist schön, mehr von meinen Erfahrungen (live!) zu teilen. Danach fühle ich mich geerdet und schlendere fröhlich nach Hause.
Einige, mit denen ich über meine Reise gesprochen haben, sagten mir, wie mutig sie es finden, dass ich diese Reise mache. Sie haben Recht, wenn ich darüber nachdenke, wieviel Angst es mir teilweise macht. Allerdings finde ich es heutzutage DEUTLICH weniger mutig, als früher, wo man nicht so einfach telefonieren oder schreiben konnte; da war man wirklich auf sich allein gestellt – DAS finde ich richtig mutig!
Und das, was ich eigentlich am beängstigendsten und auch am wertvollsten an solchen Reisen finde: wie direkt und unverblümt man mit seinem absolut nackten Ich in Kontakt kommt.
Hier ein Zitat dazu von Rainer Maria Rilke, was mir heute entgegenkam: „Wenn die Sehnsucht größer als die Angst ist, wird Mut geboren. Ohne Sehnsucht machen wir uns nicht auf den Weg.“ – dem stimme ich absolut zu. Und meine Sehnsucht nach Reisen und direktem Kontakt mit mir, waren sehr groß. So groß, dass sie reichten, die Ängste beiseitezuschieben oder zu überstrahlen – zum Glück :-)
Als ich nach Hause komme, koche ich mir eine Gemüsepfanne mit Kartoffeln und Linsen. Zum Essen setze ich mich wieder auf die Bank in den Garten und schaue mir die schönen Blumen an.
Marta kommt auch nach Hause und ich frage sie (ich bin ganz stolz!), wie die Blumen heißen. Sie sagt: „Calla. Wir können welche in dein Zimmer stellen, wenn du möchtest!“ Ich sage: „Aber dann sterben sie!“. Marta: „Neeein, wir reißen nur die Blumen raus. Schau, so!“ – und zackzack, reißt sie die langen Blumen raus. Na gut… Diskutieren kann ich mit ihr nicht, oder ihr sagen, dass die armen Blumen ja trotzdem sterben. Und ich finde es sehr lieb von ihr, dass sie mir Blumen für mein Zimmer schenkt.
Und am Ende fragt sie mich nach dem Rezept für die Gemüsepfanne: ich hab sie probieren lassen und es schmeckte ihr anscheinend gut. :-)
Anschließend erklärt sie mir, welche Pflanzen sie noch in ihrem Garten hat. Unter anderem einen Zitronen- und einen Birnenbaum. Sie sagt, sie habe nichts davon gepflanzt, alles sei von selbst da gelandet und gewachsen. Und sie pflege es jetzt.
Da Marta gestern für mich gekocht hat, frage ich sie, ob sie heute mein Essen probieren möchte. Sie grinst, nickt und nimmt sich zwei Gabeln. „Hmm! Das ist sehr lecker! Nächstes Mal, wenn du es machst, sag mir Bescheid. Ich möchte es lernen!“ – wie cool ist sie denn!Read more
#10 - Entstauben
May 11, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 24 °C
Drachenskulptur in einem Park in Florenz
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• Pudel und Dackel scheinen besonders beliebte Haustiere zu sein
• Es gibt wenige Tattoo- und Piercingläden und auch wenige Leute, die gepierct oder tattoowiert sind
• Hier ist Glutentoleranz (laut den Supermarktregalen und manchen Cafés) eher ein Thema als bei uns (zu viel Pasta?!)
• Jugendliche lungern eher auf den Straßen rum als bei uns
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11. Mai
Ich glaub ich hab‘ mich beim dolce far niente angesteckt. Warum ist faulenzen so schön? Heute hab‘ ich gar keine Lust rauszugehen. Ich hab‘ schlechte Laune, bin müde und abgespannt.
Als ich frühstücke -und eigentlich nur meine Ruhe haben will- höre ich Marta mit einer Nachbarin quatschen. In dem kleinen Häuschen, in dem auch meine Küche ist, sind noch ein Waschraum und ein kleines Badezimmer direkt neben meiner Küche. Marta ist mit der Nachbarin nebenan und quatscht fröhlich, dann schweigen beide für einige Zeit, dann wieder viel Geplapper – was machen sie da bloß?! Schaut die Nachbarin ihr beim Waschen zu?! Als ich kurz in Martas Küche bin (direkt gegenüber) kann ich einen Blick hinüber werfen – ich will ja nicht neugierig erscheinen! – und sehe, dass Marta der Nachbarin die Haare schneidet. Aaaah! Marta hat Friseurin gelernt. Später öffnet sie die Türe zu meiner Küche und sagt: „Schau! Die Haare sind ganz kurz!“ – Stimmt… die Frau hatte schulterlange Haare und hat jetzt einen richtigen Kurzhaarschnitt. Was für eine Veränderung! Ich kann nur sagen „Che bello! Wow!“ – wie gern hätte ich mehr gesagt.
Zurück in meinem Zimmer raffe ich mich zum Anziehen auf, aber ich hab keeeeine Lust! – Doch, das wird dir sicher gut tun, raus mit dir!!
Ich schwing mich auf mein Fahrrad, schaue grimmig durch die Gegend und will EINFACH NUR IN MEIN BETT. Aber ich peitsche mich stattdessen nach Pistoia, ca. 20km von Prato entfernt. Als ich am Bahnhof ankomme, fühlt es sich an, als hätte ich eine halbe Weltreise hinter mir. Wahrscheinlich bin ich noch nicht ganz gesund.
In Pistoia angekommen finde ich alles doof. Der Weg vom Bahnhof in die Stadt kotzt mich an – wer hatte nochmal gesagt, dass es hier schön sein soll? Pah! Hässlich hier, alles…! Oh… ein Musikladen… Gitarren… EIN KLAVIER! Ich lächle wehmütig und schaue sehnsüchtig auf das Klavier. Der Laden ist in der Mittagspause, sonst wäre ich reingegangen. Wie sehr ich mein Klavier vermisse… so sehr!! Und wir sind erst zwei Wochen getrennt ;-(
Auf einmal sehe ich eine kleine Gasse und spähe hinein. Wie süß ist das denn! – und schon hat mich meine touristische Weltentdecker-Neugier wieder gepackt! Es ist wie ein Labyrinth und ich fühle mich in eine andere Zeit versetzt; kleine Gässchen, hohe und alte Gebäude außen rum, manchmal sieht man den Himmel – und da hinten ist ein Kirchturm! Los geht’s!
Ich entdecke auch eine kostenlose Ausstellung „starke Frauen“, in der Skulpturen und Malereien von einem männlichen Künstler ausgestellt sind. „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“ (P. Picasso) – wie war! Die Kunst hilft mir etwas, meinen blöden Trott etwas abzuschütteln.
Danach schlendere ich weiter erkundend durch das kleine gemütliche Städtchen und fühle mich etwas isoliert. Unter anderem, weil ich nicht sprechen möchte. Zu unsicher fühle ich mich immer noch mit Konversationen – meistens ist nach einem Satz des Gegenübers schon Schluss, vor allem wenn ich die Person nicht kenne. Und auf die Frustration hab‘ ich gerade gar keine Lust. Zuhören mag ich aber gerne – ich finde einen schönen Park und genieße es, den Gesprächen und Zurufen auf der Straße zuzuhören, weil es immer so schön klingt.
Auf einmal habe ich Lust auf ein Eis! (passiert sonst quasi nie…) – und es scheint das Richtige zu sein: Heute rettet mir Eis den Tag, nicht Kaffee – wie sonst!
In der Gelateria sage ich dem Besitzer, dass ich nicht so gut Italienisch spreche, aber es versuchen möchte. Es fühlte sich deutlich besser an, dann zu bestellen. Ich nehme mir vor, das öfter zu sagen, damit ich mich selbst weniger unter Druck setze.
Während ich mein Eis esse, entdecke ich an einigen Mauern ein paar Liebeserklärungen, die ich irgendwie interessant finde: „Für dich bewege ich die Welt, auch wenn ich nichts habe“ „Ich hab dich lieb, weil ich dich liebe, aber ich traue mich nicht, es dir zu sagen“ „Wenn ich dich sehe, habe ich einen Zoo im Magen“
Mittlerweile ist es 16 Uhr und das Städtchen Pistoia erwacht richtig zum Leben – denn jetzt ist die Mittagsruhe vorbei! Tische und Stühle werden vor die Restaurants und Cafés gestellt und alle Gassen und Straßen füllen sich auf einmal mit Menschen. Faszinierend! Irgendwie gefällt mir das, dass es zwischendrin mal Pause gibt, an der alle sich zurückziehen.
Abends bin ich wieder in Prato und gehe das erste Mal alleine auswärts essen. Überraschenderweise fühle ich mich überhaupt nicht alleine, das ist schön :)
Ein paar Tische weiter, direkt in meiner Blickrichtung füttert ein Papa seine kleine Tochter (etwa 1,5 Jahre alt); er gibt sich sehr viel Mühe und macht animierende Geräusche (Aaaah! Brrrrummm!! Tatütatata), um sie motiviert zu halten. Ich denke darüber nach, wieviel Mühe Eltern in die tägliche Versorgung ihrer Kinder stecken.
Fazit des Tages: es wird keine einfache Geburt, mich auf diese Reise einzulassen. Zu viel Staub liegt auf mir und den abzuklopfen ist sehr unangenehm. Manchmal wehre ich mich dagegen. Einige Schichten hab‘ ich schon abklopfen können und ich hoffe, dass ich entstaubt und poliert zurückkomme.
12. Mai
Gestern spät abends hat mich nochmal etwas Zwischenmenschliches enttäuscht. Glücklicherweise spürt ein guter Freund das und ruft an (danke, Uvo!) – das hilft sehr. Eine weitere Freundin bietet ihre Unterstützung für den nächsten Tag an. Das wird schon wieder…
Ohne jeden Tag etwas (gänzlich) Neues zu sehen und diese Dopamin- und Adrenalinflut zu bekommen ist es ein anderes Reisen. Krisen kommen anders auf, zumindest für mich. Das Reise-Ich vermischt sich mit dem Alltags-Ich, was irgendwie seltsam und eigenwillig ist.Trotz einem Alltag, der sich langsam einschleicht fühle ich mich enorm roh und nackt. Dabei aber nicht schlecht. Sehr verletzlich, sehr offen, sehr gefüllt mit Eindrücken, sehr inspiriert und trotzdem leicht – und manchmal sehr intensiv und schutzlos.
Ich fahre trotzdem nach Florenz und lasse mich in der Mittagshitze in einem dunklen Café nieder; weniger Reize! Hier sind überall Touristenmassen unterwegs und es ist mir in dem Modus viel zu viel. Um mich herum reden fast alle Englisch und ich will mir am liebsten die Ohren zuhalten. Es ist eine süße Verführung, da ich in den Gesprächen alles verstehen würde. Aber ich will lieber Italienisch hören… ich habe irgendwie Angst, dass mir das Einlassen auf das Englische wieder meine Fähigkeiten im Italienischen klaut (was natürlich Quatsch ist).
Ich denke währendessen darüber nach, wie die Globalisierung dazu geführt hat, dass die Grenzen verschwimmen, die Kulturen sich vermischen, Menschen unterschiedlicher Länder sich einfach unterhalten und austauschen können, manchmal sogar voneinander lernen können. Andererseits mischen sich „ursprüngliche“ Kulturen mit anderen, verwaschen, verändern sich – so wie ich in Italien gerade viel Englisch höre, obwohl man das hier nicht ursprünglich spricht. Wie alles hat auch die Globalisierung positive und negative Seiten.
Zum Glück meldet sich Nico bald und fragt, ob ich zu ihm und einer Freundesgruppe dazustoßen möchte. Sie wollen mit dem Auto in ein nahe gelegenes Dorf fahren. Ich stimme sofort zu und treffe die vier am Bahnhof: Nico, Matteo (ein Italiener aus Sardinien), Ada (eine sehr junge Polin) und Silvio (einen Deutschen aus Berlin). Silvio spricht ganz gut Italienisch und gutes Englisch, trotzdem quatscht er direkt auf Deutsch mit mir, als wir im Auto sitzen. Was mich hochgradig irritiert – das ist das erste Mal seit 2 Wochen, dass ich persönlich mit jemandem auf Deutsch spreche. Und das noch in diesem Kontext… irgendwie verwirrt mich das. Aber es ist auch ganz schön, also lasse ich mich darauf ein (auch wenn ich es den anderen gegenüber sehr unhöflich finde).
Wir fahren nach Fiesole, einem Bergdorf in der Nähe von Florenz (ca. 15min Fahrt). Es wurde scheinbar von den Etruskern erbaut, Anno Dazumal. Oben auf dem Berg/Hügel (ab welcher Höhe kann man eigentlich Berg sagen?!) steht ein Mönchskloster, das wir uns anschauen. Es ist sehr klein und hat im Keller ein Museum (freier Eintritt, mein Schwabenherz lacht!) von Gegenständen, die die Mönche damals von ihren Reisen mitgebracht haben, vorwiegend aus Asien, vermutlich China?, und aus Ägypten. Dann schauen wir uns noch die winzigen Zimmerchen der Mönche von damals an, die aus einer Bank, vermutlich zum Schlafen, einem Stuhl und einem Tisch bestanden – alles auf 2-3 Quadratmetern. Krass!
Als wir wieder rausgehen, verschlägt mir die Aussicht fast den Atem. Man sieht Florenz aus einiger Entfernung und kann aufgrund des klaren Himmels auch die Landschaft und die Hügel im Hintergrund sehen. Es ist wunderschön. Nico sagt -er ist ja Touristenführer und war schon oft hier-, dass man von diesem Anblick nie genug bekommt.
Nico, Matteo und Silvio sprechen etwas Italienisch und mein Herz singt – da ist sie wieder, die italienische Kultur und ihre wundervolle Sprache! Ti amo…
Wir fahren wieder zurück nach Florenz, genehmigen uns ein wundervolles Eis, entspannen gemeinsam in einem schönen Park und fahren dann zum „Aperecena“ (ein Mix aus Aperitivo und Cena = Abendessen). Das Aperecena nehmen wir im Hof eines ehemaligen Gefängnisses ein, in dem heute Abend offensichtlich Karaoke stattfindet. Wir werden herrlich unterhalten, manchmal überrascht und bewegt. Es ist ein sehr schöner Abend und ich bin absolut glücklich. In der (vergleichsweise) vertrauten Gesellschaft traue ich mich sogar, einige italienische Sätze zu sagen. Sie fallen mir deutlich schneller ein, wenn ich Menschen besser kenne – und vor allem wenn ich nicht in einer Situation bin, wo man selbst oder das Gegenüber etwas erledigen möchte (einkaufen, am Bahnhof, im Restaurant) und deshalb nicht so viel Zeit ist.
Um 23.10h komme ich mit dem Fahrrad nach Hause, nach Casale. Marta steht im Nachthemd auf dem Balkon und ruft mir zu, als sie mich sieht. „Das bist du ja! Ich habe mir Sorgen gemacht!“ Sie umarmt mich, als ich zur Tür reinkomme. Ich hatte sie morgens nicht gesehen, um ihr zu sagen, dass ich nach Florenz fahre – demnach wusste sie nicht, wo ich bin und wann ich wiederkomme. „Ich hab mir schon ganz hässliche Sachen vorgestellt! Dass sie dich geklaut haben… Du bist so eine zarte Person und so hübsch und da haben sie dich vielleicht geklaut!“ Ich sage ihr, dass ich mich verteidigen kann (mit Köpersprache…) und sie meint „Ja, um mich selbst habe ich auch nie Angst, aber um andere!“
Ich bin sehr gerührt von ihrer ehrlich gemeinten und herzlichen Für-Sorge und gehe zufrieden ins Bett. Auch wenn mir die Ent-Täuschungen des Kumpels am Donnerstag und von Samstagabend noch sehr nachhängen und mich enorm viel Kraft kosten. Aber jetzt erstmal schlafen – morgen ist ja wieder Montag und die Arbeit ruft!Read more
#11 - Der Alltag... er hat mich!
May 13, 2024 in Italy ⋅ ☁️ 23 °C
>> Everyday Life Nuggets <<
- die meisten Italiener sind eher schlank – und das, obwohl Italiener gerne Süßes essen (scheint mir zumindest so :-) ) In Florenz fällt mir das richtig auf, weil dort mehr übergewichtige Menschen, die sehr nach Touristen aussehen, rumlaufen.
- Frauen sind recht elegant und stilvoll gekleidet. Tiefe Ausschnitte oder kurze/enge Kleider sieht man selten. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie hab ich das nicht erwartet.
- es gibt viele Geschäfte dezidiert für Männer!
- Kleidung gibt es in Prato und Florenz hauptsächlich in Boutiquen zu kaufen; man sieht einzelne Ketten, aber wenige. Leider sind die Boutiquen relativ teuer: das Günstigste was ich bisher gesehen hab, waren 80€ für eine Bluse
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13. Mai
Mittlerweile hat mich der Alltag – und ich habe schlechte Laune.
Ohne jeden Tag was Neues zu sehen und diese Dopamin- und Adrenalinflut ist es ein anderes Reisen. Krisen kommen anders auf, zumindest für mich. Das Reise-Ich vermischt sich mit dem Alltags-Ich, was irgendwie seltsam is.
Trotz dem Alltag fühle ich mich enorm roh und nackt/schutzlos. Das ist nicht unbedingt schlecht. Ich bin etwas offener als zu Hause, denn um mich hier, in der neuen Umgebung, orientieren zu können, muss ich sehr wachsam und aufmerksam sein. Das macht mich auch verletzlicher, sehr gefüllt mit Eindrücken, sehr inspiriert und trotzdem leicht (vermutlich, weil ich hier etwas weniger Verpflichtungen habe).
Ich denke heute viel nach. Vielleicht weil ich nicht so gut drauf bin, dann hat man eher die Motivation nachzudenken.
Mir kommt ein Gedanke über Italiener: Sind sie gut im Anfangen, aber nicht im Instandhalten? Sie haben damals ein großes Imperium aufgebaut, was nicht mehr existiert (wobei Imperien ja immer kommen und gehen- zum Glück). Aber es geht weiter bei Pompeji (Deutsche halten es mittlerweile instand), ihren Straßen die überall löchrig sind, Kaffee der eigentlich gut ist aber nicht genossen wird (Lorenzo hat mir dazu einen guten Artikel gezeigt, die Sichtweise kommt also nicht ursprünglich von mir) --> Espressi werden wie ein Shot heruntergeschüttet und nach expliziter Kaffeekultur sieht es für mich nicht so sehr aus. Bei uns gibt es deutlich mehr Personen, die sich mit Rösten von Bohnen, verschiedenen Brüharten, etc. intensiv beschäftigen. Hier ist Kaffee so im Alltag verankert, dass er nichts Besonderes mehr darstellt, habe ich das Gefühl.
14. Mai
Langsam kommt die Lust zurück, Italienisch zu lernen; das war mir in den letzten Tagen zu viel: arbeiten, gesund werden, Neuorientierung in der Kultur/im Ort, Land erkunden. Ich habe heute endlich wieder mehr Energie, obwohl die Erkältung immer noch nicht ganz durch ist (obwohl es hier herrlich warm ist).
Ich habe darüber nachgedacht, dass ich es verstehen kann, wenn Einwanderer es irgendwann aufgeben sich zu integrieren und auch die Sprache nicht lernen. Je nachdem, wen man kennenlernt, in welchem Umfeld man ist, wieviel Kapazitäten und Talent man hat: neue Kulturen und Sprachen sind enorm verunsichernd und es kostet viel Aufmerksamkeit und Kraft, die Unterschiede zu bemerken und sich einzufügen (ohne sich als Person zu ändern oder zu verlieren).
Ich fühle mich weiterhin psychisch sehr nackt und nah an der Wahrheit, am Universium, an mir. Wünsche oder Gedanken (…deren Wahrwerdung nicht immer erwünscht ist) werden häufig direkt wahr oder versorgt:
1) Auf dem Heimweg von der Arbeit, fahre ich -mit dem Rad- an einem Reparaturladen vorbei. Ich denke darüber nach, dass ich da ja vorbeischauen könnte, falls mal was mit meinem Fahrrad wäre. ZACK! Keine 100m weiter fällt mir auf einmal die Kette runter. …was soll das denn!?
Ich halte an, stelle das Rad verkehrt herum, um die Kette wieder zu arretieren. Direkt hält ein Auto mit einem Pärchen drin an und fragt mich, was mit meinem Fahrrad ist. Ich verstehe leider nicht viel und kann es auch nicht beschreiben – aber die Situation ist eindeutig und der Mann steigt aus, um mir zu helfen. Ich hätte es höchstwahrscheinlich auch selbst hinbekommen, aber bin trotzdem sehr dankbar, dass er mir hilft! Nach 1 Min ist die Kette wieder drauf und wir verabschieden uns. Ich liebe sowas!
2) Ich habe in den letzten Tagen deutlich zu wenig gegessen, weil mir noch etwas die Orientierung hier fehlt: Welche Lebensmittel gibt es hier zu kaufen und wie kann ich sie sinnvoll für mich kombinieren? Ja, es ist extrem ähnlich zu unserer Auswahl, aber nicht dieselbe. Zum Beispiel gibt es in Bäckereien wenig Vegetarisches, geschweige denn Veganes zu kaufen. Heute beschließe ich, endlich wieder genügend zu essen – vermutlich hatte damit auch meine schlechte Laune und Dünnhäutigkeit zu tun.
ZACK! Glücklicherweise hatte Marta mich gestern gefragt, ob wir zusammen zu Abend essen wollen und ich habe zugestimmt. Was gibt es Sättigenderes, als ein Essen einer italienischen Nonna? In der Tat gibt es ein richtiges Menü -extra vegetarisch für mich!- und ich bin danach endlich wieder satt:
1) Aufgeschnittenes Baguette mit einem Frischkäseaufstrich (so ähnlich wie Bruschetta)
2) Reis mit Zucchini und Parmesan (klingt simpel, ist aber unfassbar lecker!)
3) Frittata (Omelette mit Kartoffelschnitzen)
4) Tiramisu alla Marta – seeeeehr lecker!
- und natürlich Wein dazu
3) Auch heute habe ich wieder einen Frust mit meinen Italienischkenntnissen: Ich habe das Gefühl, dass ich absolut auf der Stelle tappe und nur minimale Fortschritte mache. Das hab ich mir anders vorgestellt – auch wenn das höchstwahrscheinlich unrealistisch war.
Als ich mit Marta zu Abend esse (Lorenzo ist auf Geschäftsreise in den USA), unterhalten wir uns. ZACK! Es geht tatsächlich etwas besser als letztes Mal! Es dauert noch extrem lange, bis ich einfache Sätze zustande bringe, aber sie wartet geduldig und hilft mir. Wir lachen viel und genießen den Abend. Am Ende sagt sie sogar: Dein Italienisch hat sich sehr verbessert, wirklich!!
Mit gefülltem Magen und Herzen gehe ich ins Bett – und schlafe fantastisch!
15. Mai
Auch heute hat mich der Alltag und es passiert wenig Erzählenswertes.
Lorenzo kommt zurück und ich freu mich, dass ich mal wieder ein komplexeres Gespräch führen kann. Wir bestellen Pizza und essen sie zusammen mit Marta.
Er erklärt mir auf Italienisch, dass ein Start-Up aus Darmstadt mit einem Satelliten
(1) bestimmte Daten aus dem Lichtspektrum verwenden, um mit Algorithmen erkennen zu können, um was es sich handelt (eine grüne Pflanze oder eine grüne Sitzbank oder ein grünes Gebäude?).
Und (2) erkennen kann, wieviel Wasser sich knapp unter der Oberfläche befindet, um z.B. beim Gärtnern zu unterstützen.Ich bin ultra stolz, dass ich alles -bis auf 2x nachfragen- verstanden hab!Viel dazu sagen kann ich aber leider noch nicht.
Lorenzo und ich sitzen 2-3 Stunden nach dem Essen noch in der Küche, unterhalten uns über physikalische und logische Phänomene und kommen ins Philosophieren (dann aber auf Englisch...). Ich schätze das sehr und habe den Austausch genossen. Nachts träume ich sogar von einem der logischen Grundsätze und versuche, einen neuen Sinn daraus zu ziehen.
"{People} who don't listen will eventually be surrounded by people who have nothing to say" - Andy StanleyRead more
#12 - Was für ein Theater!
May 16, 2024 in Italy ⋅ ☁️ 20 °C
>> Everyday Life Nuggets <<
- Es gibt, zumindest in Prato, mehr Kreisverkehre als Ampeln. Manchmal ist das stressig und gelinde gesagt aufregend, weil man nie weiß, wer in welchem Moment losfährt. Manchmal flowt es richtig gut und man düst nur so dahin
- Ich glaube, Italiener müssen Geld bezahlen, wenn sie bremsen.
- Oft sind breitere Straßen auf zwei Fahrbahnen ausgelegt, haben aber keine Fahrbahnstreifen – vermutlich als Puffer-/Knautschzone für den flexiblen Fahrstil…
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16. Mai
…und täglich grüßt das Murmeltier: Aufstehen, auf die Arbeit hetzen (wer hat eigentlich diese Uhr erfunden?! Ich hasse diesen morgendlichen Stress!), Kram im coworking space abladen, Kaffee in meinem Stammcafé holen und los geht’s!
In meinem Stammcafé kennen sie mich mittlerweile: „Einen Cappuccino zum Mitnehmen und ein Croissant?“ „Nein, heute nur einen Cappuccino bitte!“ Als ich bezahle, verwickelt mich die Besitzerin in eine kurze Unterhaltung. Ihr Mitarbeiter, ein älterer Herr, wiederholt ein paar Sätze eines deutschen Gesprächs, das er mal vor 20 Jahren gehört hat (mit sehr witzigem, aber korrekten Deutsch). Ich muss lachen und bin stolz, dass ich „out of the blue“ ein kurzes Gespräch mit Fremden hinbekommen habe.
Witzig - gerade dachte ich noch "Heute bin ich in Stimmung für Italienisch sprechen" - und schon werde ich das erste Mal von ihr in ein Gespräch verwickelt. Und auch heute fühle ich mich sehr verbunden mit der Welt / dem Universum / Gott / whatever you wanna call it.
Der Mann verwundert mich etwas. Am ersten Tag hatte er ein Schild um den Hals auf dem stand: Ich bin stumm. Heute hat er ganz normal gesprochen und es wirkte nicht ungewöhnlich auf mich. Was es damit wohl auf sich hat!?
Den Arbeitstag bekomme ich irgendwie hinter mich. Camilo sehe ich heute das letzte Mal (ein Kollege aus dem space), weil ich ja bald abreise bzw. nach Florenz ziehe. Wir tauschen Nummern aus. Ansonsten ist es, wie immer, eher schweigsam im Büro, weil jeder und jede an den eigenen Aufgaben arbeitet, Meetings hat, etc. Was ich sehr schade finde, aber verstehen kann. Ich will ja auch konzentriert arbeiten.
Nach der Arbeit treffe ich mich mit Freemitive bzw. Danilo (so nenne ich ihn ab jetzt, da das sein eigentlicher Name ist, wie ich heute erfahren habe) – heute in Prato statt in Florenz, weil wir ins Theater gehen wollen. Als ich nach Hause fahre, um meine Sachen abzuladen, merke ich wie gestresst ich heute bin: ich hab einen Tinnitus, schon den ganzen Tag Bauchschmerzen und mein linker Fuß schmerzt furchtbar wegen einer riesigen Blase.
Danilo ist mit dem Fahrrad aus Florenz gekommen und wir schließen unsere Fahrräder an einem öffentlichen Platz ab (mit drei Schlössern, um auf Nummer sicher zu gehen!). Er erzählt mir, dass er Schilder für eine Kirmes in Prato gesehen hat und fragt mich, ob wir hingehen wollen – weil da wohl live-Musik gespielt werden würde. Ich willige sofort ein: (Live-)Musik ist immer gut! Es gebe in Florenz kaum Live-Musik, sagt er. Schade! Ich hoffe, ich entdecke vielleicht doch noch Plätze dafür, wenn ich da bin.
Auf der Kirmes schlendern wir etwas ziellos herum und bleiben an einem stark duftenden Süßigkeitenstand stehen. Danilo ist ganz begeistert und kauft ein bisschen Süßkram („Hab ich seit 15 Jahren nicht mehr gegessen, auf einer Kirmes!“). Kurz danach fängt es mega an zu regnen und wir schnabulieren den Süßkram unter einem Baum. Leider wurde die Live-Musik wegen dem Regen abgesagt :-(
Aufgemuntert werde ich dann aber nochmal (abgesehen von den Süßigkeiten), durch einen schönen Regenbogen und einen coolen Klamottenstand: lauter Hippie-Klamotten!! Ich verliebe mich in ein Kleid und kaufe es. Danilo kauft sich eine abgefahrene Jacke und wir freuen uns über den tollen Fang. Die Sachen sind von der Besitzerin selbst genäht und von Schnitten aus Asien und Indien inspiriert – und dabei noch nicht mal teuer!
Wir laufen zurück in die Stadt, um noch ein schnelles Getränk zu nehmen. Das Theater fängt in 20 Minuten, um 21 Uhr, an. Ganz entspannt trinken wir unsere Getränke leer, obwohl dann schnell 21 Uhr ist. Aber zu spät kommen ist hier kein Problem -was mich tatsächlich ultra entspannt !!!-, sodass wir erst um 21.15h gemütlich ins Theater eintrudeln. Auch die Kontrolleurin am Einlass ist ganz entspannt und nicht genervt oder gehetzt, als sie uns zum Raum führt. Tatsächlich sind wir genau pünktlich und das Stück fängt an!
Vom Stück verstehe ich sehr wenig und übersetzen kann Danilo mir nicht, weil sich die anderen Gäste gestört fühlen. Der Hauptdarsteller -verkleidet als alte, singende Dame- nuschelt, verwendet Dialekt und spricht oft ohne Mikrofon. Aber das macht nichts: ich wollte gerne mal ein Theater in Italien erleben und hab wieder etwas mehr Sprache hören können – das macht mich schon glücklich.
Danach holen wir uns nochmal ein Getränk in der Bar um die Ecke, da hier live-Musik gespielt wird. Die zwei-Mann-Band spielt sogar einige Lieder von Pearl Jam <3
Als wir ausgetrunken haben, laufen wir noch etwas durch die nächtlichen Straßen von Prato und sprechen Italienisch. Auch Danilo lobt mich sehr für meine Fortschritte und ist erstaunt, dass ich in so kurzer Zeit (auch in den 2-3 Monaten vorher) einiges gelernt habe. Ich bin unfassbar stolz! Zahlen sich meine Geduld, mein Frust und meine hohe Motivation endlich ein bisschen aus?
Im Gespräch mit ihm fällt es mir relativ leicht, Italienisch zu sprechen, weil wir uns etwas besser kennen und ich fehlende Worte durch englische Worte ersetzen oder auf Englisch nachfragen kann – das entspannt mich ungemein!
Gegen 1h holen wir unsere Fahrräder und ich begleite ihn zum Fluss. Er hat sich in Florenz ein e-Bike gemietet, um nicht auf den letzten Zug angewiesen zu sein - das wäre mit dem Theaterstück etwas knapp geworden (Ende war um 23h). Leider ist sein Handyakku leer und wir konnten es nicht aufladen (Stecker kaputt). Daher muss er jetzt im Dunkeln und ohne Navi irgendwie nach Florenz kommen.
Gegen 4 Uhr nachts schreibt er mir, dass er gut angekommen sei, aber einiges erlebt habe – Puh!
Ich muss innerlich grinsen, weil das nach einem ziemlich witzigen Abenteuer klingt, was mir typischerweise passiert wäre: Es kommen einige seltsame Zufälle, ein bisschen Verpeiltheit, „Pech“ und Abenteuerlust zusammen – und schwupps, findet man sich nachts um 1.30h im kalten Italien auf einer 20km Radtour wieder. Aber irgendwie klappt es dann doch!
Zuhause genehmige ich mir noch einen Mitternachtssnack, halte einen kurzen Plausch mit Lorenzo -der auch gerade erst nach Hause kam- und falle gegen 3h dann tot und zufrieden ins Bett.Read more
#13 - Balance / Dysbalance
May 17, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 16 °C
17.-18. Mai
Ich habe mir zwei Tage freigenommen, um mal etwas runterzukommen. Erstaunlicherweise nutze ich keine mediale Unterhaltung (Filme, Serien, o.ä.) und bin trotzdem beide Tage voll beschäftigt – obwohl ich hier ja eigentlich kaum Dinge zu tun hab.
19. Mai
Man gewöhnt sich an alles, sogar die schöne toskanische Landschaft.Ich versuche, mich daran zu erinnern, dass ich in einer besonderen Situation und in einem fremden Land bin. Genuss, bitte komm' zurück!...ich hab wieder keine Lust rauszugehen und frage mich, ob das mit meiner comfort zone zu tun hat. Wann sollte man raus aus der comfort zone und wann lieber drin bleiben, um sich nicht zu überreizen? Finde das immer wieder schwierig, den Unterschied in der Situation zu begreifen: Manchmal hat man ja auch keine Lust auf eine Party zu gehen und am Ende war es einer der besten Abende, wenn man sich dann doch aufraffen kann…
Heute geht's nach Pisa. Der Zug ist voller Touristen (inkl. mir).
Irgendwie ist Pisa so, wie ich mir eine typisch italienische Stadt vorgestellt hab - die Atmosphäre ist anders, anders als das was ich kenne, anders als Prato, anders als Florenz. Man hört Möwen und ich komm‘ mir irgendwie vor wie in Monopoly. Vielleicht weil hier viel Geld fließt? Waren die Medici auch hier??
Ich recherchiere, aber Pisa hat nichts mit Geld zu tun. Außer das Folgende: "Italiener ... begannen, die Dinge pragmatisch-arabisch statt römisch-umständlich zu beziffern. Römische Zahlen waren nämlich nicht gerade das Nonplusultra, um hohe Beträge zu dividieren oder multiplizieren. ... Es war ein Zollbeamtensohn aus Pisa, der stattdessen einfach 2378 schrieb und die Buchhaltung auf Arabisch in Europa einführte." (Quelle hier)
Ich frage mich, ob es manche Personen gibt, die quasi weltbekannt sind, weil sie auf vielen Bildern in Touristenstädten zu sehen sind und dort eigentlich wohnen aber immer wieder ausversehen fotografiert werden. Wäre sicher witzig, darauf eine KI anzusetzen.
Pisa ist eine Studentenstadt und ich bleibe länger als gedacht. Eigentlich wollte ich nur den Turm sehen und schlendere dann doch mehr herum, fotografiere ständig. Beim Turm von Pisa sind extrem viele Leute und alles -sogar die Stadtmauer- kostet Eintritt. Nein, danke. Ich schau mir alles von außen an, aber mir wird das schnell zu viel - denn mit ursprünglicher Kultur hat dieser Touristenmagnet gefühlt wenig zu tun... Aber das hatte ich schon erwartet. Also: Haken dran und weiter geht's!
Gegen 15 Uhr kippt meine Laune (zu viele Eindrücke + zu wenig Essen) und ich beschließe, nach Lucca zu fahren, um dort zu essen (30min mit dem Zug).
Gesagt, getan.
In Lucca beschließe ich, keine Fotos zu machen, weil das echt anstrengend auf Dauer ist. Lucca ist voll mit Leuten, aber irgendwie mondäner als Pisa. Als ich in die Innenstadt laufe sehe ich, dass die Stadt dieses Wochenende Sommerfest hat und auf einem Platz vor dem Rathaus spielt eine Art Kapelle, mit „traditionellen“ Kostümen (sieht nach Mittelalter aus).
Ich finde ein gutes und günstiges Restaurant am Rand des Platzes und bestelle eine Pizza. Endlich Essen !!!
Sie ist sehr lecker und ich belausche ein Gespräch vom Nebentisch auf Englisch (Australier und Amerikaner) von Touristen. Und irgendwie kommen mir ihre Gesprächsthemen sehr egozentrisch vor; kann nicht genau sagen warum, aber ich versuch’s mal: Italiener sprechen viel darüber, was sie sehen, was sie erlebt haben, wie sie Politik finden, etc. Bei dem englischen Gespräch kommt es mir vor, als ginge es hauptsächlich um die Meinung dieser Person – und die ist unumstößlich! Irgendwie schwierig, so ein Bauchgefühl in Worte zu fassen und wahrscheinlich werfe ich dabei nur so mit Stereotypen um mich (apropos egozentrisch :-D).
Um den Platz herum, auf dem die Kapelle weiter fleißig Trommelwirbel und Bläser ertönen lässt, befinden sich überall Restaurants und Cafés. Einige von den verkleideten Personen kommen immer wieder an Geschäfte, rauchen eine Zigarette, holen einen schnellen Kaffee. Ob das wohl in Deutschland auch so wäre? Ich glaube eher, dass sie alle auf dem Platz bleiben würden – bis zum bitteren Ende!
Mit gefülltem Magen und deutlich besserer Laune schlendere ich weiter durch die Stadt, denn sie hat meine Neugier geweckt. Leider kickt meine Allergie so richtig: ich habe eine ganze Packung Taschentücher gebraucht und jetzt ist sie leer. Ich niese weiter fleißig rum und muss aufpassen, dass ich nicht direkt in die Gesichter der Menschenmassen um mich herum niese. Wie ätzend !! Für mein Durchhaltevermögen werde ich belohnt, als ich auf eine wunderbare Piazza stoße (ein großer Platz). Ein Straßenmusiker spielt wundervoll Gitarre, die Sonne scheint, ein entspanntes Gemurmel erhebt sich von den vielen Restaurants auf dem Platz – auf dem gerade auch ein Handwerkermarkt stattfindet. Ich bin SOWAS von verliebt !!! Ich bestelle mir einen Limoncello Spritz – man soll ja ab und zu was Neues probieren. Leider werde ich dafür gar nicht belohnt, denn er schmeckt GANZ grausam. Wer zu Hölle hat dieses widerliche Gesöff erfunden!
Danach laufe ich minimal angeschwipst durch die vielen kleinen Gässchen und verliebe mich hinter jeder Ecke auf’s Neue. Liegt’s am Alkohol oder ist das wirklich meine Lieblingsstadt?
Kurz verweile ich am Straßenrand auf einer Treppe, weil hier jazzige Live-Musik gespielt wird. Perfetto, assolutamente!
Ich genieße die Ästhetik, die Rohheit und die Schönheit des kleinen Städtchens (ca. 90.000 Einwohner) und bin sehr traurig, als ich Richtung Bahnhof für die Rückfahrt laufe. Hier will ich nochmal hin!
Im Zug nach Hause sitzen neben mir drei jugendliche Mädels (ca. 15 Jahre alt), die offensichtlich üben, Englisch zu sprechen. Ich muss grinsen: Sowas hab ich früher auch gemacht. Irgendwann fangen sie mega an zu kichern: Sie haben ihren Ausstieg und sind jetzt – um 21.30h an einem Sonntag – am falschen Bahnhof. Sie kriegen sich nicht mehr ein vor Lachen. Und ich muss nochmal grinsen: Jap… so kenn ich das auch manchmal. Man ist so vertieft in die Gesprächsthemen, dass alles andere unwichtig wird.
In Prato is um 21.30h noch viel los, wie bei uns an einem Samstag.
Zu Hause ist Marta noch wach. Wir unterhalten uns über unseren Tag und dass wir beide traurig sind, dass ich gehe. Sie sagt, dass sie immer etwas Herzschmerz hat, wenn ihre Gäste gehen. Würde mir glaube ich auch so gehen… erst Recht nach längerer Zeit. Sie sagt: „Und du musst mir noch zeigen, wie du das Kartoffelgericht letztens gemacht hast! Ich will lernen, wie es geht!“ Finde ich super cool, dass sie – die sich auf ihrer Erfahrung ausruhen könnte- Lust hat, ein vegetarisches Gericht zu lernen. Ich sage ihr: „Und du musst mir noch zeigen, wie man das Zucchinigericht macht!“ Sie: „Ok, warte“ Ich denke „Sie macht das jetzt nicht wirklich, oder? Es ist 22.30h! – aber doch: sie holt Zucchini und fängt an zu kochen. „Das geht schnell, man muss es einen Tag vorher kochen und morgen fertig machen.“ Schwuppdiwupp – nach 15-20min ist es fertig vorbereitet. Ich bin baff. Diese Frau hat mehr Energie als ich!
Morgen wird mein letzter ganzer Tag in Prato sein… Uff!
20. Mai
Heute bin ich traurig. Nicht schlecht drauf, sondern traurig. Abschied liegt in der Luft, denn morgen ist mein letzter Tag in Prato, bei Marta, im Co-Working space,…
Marta war heute Morgen wieder sehr lieb „Hab einen schönen Tag. Und fahr vorsichtig auf der Straße!“ „Ja, immer, Marta!“ „Warte, ich mach dir die Tür zur Garage auf“ „Aber ich hab doch die Schlüssel“ „Ja, aber warte… ich hol meine kurz. Dann musst du deine nicht aus dem Rucksack kramen“
Die Barista fragte mich heute nach meinem Namen. Und irgendwie macht es einen Unterschied; ich bin nicht mehr irgendeine Fremde, sondern ich habe einen Namen…
Im space/Büro kann ich mich kaum konzentrieren. Ich versuche es mit Kaffee, Essen, Musik, Raumwechsel, mitschreiben beim Lesen – hilft alles nichts. Und Lucca vermisse ich auch – es war so schön dort!!
Ich sitze alleine in einem Raum, um dort in Ruhe arbeiten zu können und mir ist zum Heulen zumute.
Abends esse ich mit Marta zusammen (sie hat nochmal mein Lieblingsgericht gekocht). Das Gespräch läuft etwas besser: ich verstehe mittlerweile ca. 60-80% von dem was sie sagt und kann auch in kurzen Sätzen sagen, was ich denke. Sie macht gerne Kreuzworträtsel, also machen wir nach dem Essen drei Rätsel zusammen. Und sie schenkt mir Hausschuhe, weil ich sie so bequem finde „Dann denkst du an mich, wenn du sie trägst.“ – so lieb!!
Morgen geht’s aus der fürsorglichen Geborgenheit wieder in die weite Welt!
Rezepte von Marta sind jetzt nur für meine Follower sichtbar (da der Blog an sich öffentlich ist)Read more
#14 - Sizilien!
May 21, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 24 °C
>> Everyday Life Nuggets <<
- Gleisnummern sind nicht fix, sondern werden auf der digitalen Anzeige angezeigt, sobald sie feststehen (manchmal 30min vorher, manchmal erst 5min), was dazu führt, dass die Leute wirr im Bahnhof vor der Tafel stehen und warten, bis das Gleis angezeigt wird
- in Prato gab es extrem viele Einbahnstraßen (30-50%), sodass ich häufiger Mal falsch gefahren bin weil es sonst sehr umständlich gewesen wäre
- Oft steht ich vor dem Problem, dass ich beeindruckende Gebäude nicht richtig fotografieren kann: sie sind unfassbar groß und wuchtig. Vertikal krieg ich die Höhe hin, aber für gleichzeitig die Breite sind überall in Italien die Gassen / Plätze zu eng! ...damals war eben der Fotoapparat noch nich erfunden, deshalb bestimmt...
- Auberginen und Orangen schmecken tausendmal besser in Sizilien als bei uns
- sizilianische Nachtische sind zum Umfallen süß - Zucker-Overload! Schmeckt mir gar nicht
- in Prato gab es extrem viele Einbahnstraßen (30-50%), was extrem nervig war: einmal falsch abgebogen und schon fährt man gegen den Verkehr!
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21. Mai
Heute geht's mir besser, vielleicht, weil ich jetzt nicht mehr auf etwas warte, sondern es losgeht. Wieder beginnen die Abschiede. Die Barista sagt "Du gehst schon? Alles Gute!" und wirft mir einen Luftkuss zu. Die space-Kollegen verabschieden sich herzlich, teilweise mit Umarmung.
Nach der Arbeit fahre ich zu Marta und packe die letzten Sachen. Marta fährt mit dem Auto mein Gepäck zum Bahnhof und ich fahr mit dem Rad. Ich finde sogar einen guten Weg, das Fahrrad, einen Rollkoffer und die beiden Rucksäcke (vorne und hinten einen) zu rangieren.
Sobald ich alleine bin, ändert sich mein Ich zum Reise-Ich, was stärker, aber auch launischer ist.
Mein Nachtzug nach Palermo fährt um 20.30h, aber ich fahre schon gegen 15h nach Florenz, um mein Fahrrad und meinen Koffer bei Nico zwischenzulagern. Bis Nico Zeit hat, treffe ich mich noch auf ein schnelles Eis mit Danilo, trinke einen Kaffee und er zeigt mir ein typisch florentinisches "Dolce": Cantuccini, die man in eine Art Weinbrand tunkt und dazu Espresso trinkt. Sehr lecker!
Danach treffe ich mich mit Nico und wir verstauen das Rad und den Koffer in seinem Auto. Cool! Ich dachte, ich müsste jetzt noch durch die Stadt fahren (ca. 5km). Wie immer ist Nico umgeben von internationalen Freunden, die wir in einer Bar treffen: zwei Italiener, eine Spanierin, eine Frau aus Lithauen, die aktuell in Sizilien lebt. Einige von ihnen sprechen Deutsch bzw. haben eine Zeit lang in Deutschland gelebt, was ich amüsant finde. Ich esse noch etwas, um für meine 15-stündige Reise gewappnet zu sein - leider ist es nur eine kleine Portion, die mich nicht satt macht.
Nico bringt mich noch zum Bahnhof und wir unterhalten uns auf dem Weg darüber, dass Italiener und Deutsche eine besondere Verbindung haben - vermutlich, weil die Kulturen ähnlich sind und sich trotzdem ergänzen: die italienische Leichtigkeit und die deutsche Gewissenhaftigkeit.
Wie alle Züge bisher, ist der Nachtzug pünktlich und es klappt wie geschmiert. Ich bin mit 3 anderen Frauen im Abteil und finde es aufregend. Vielleicht etwas zu sehr, schlafen ist nämlich schwierig. Am Ende komme ich immerhin auf 4h Schlaf.
22. Mai
Um 6.30h steige ich auf die Fähre um. Tatsächlich könnte ich auch im Zug liegen bleiben, aber das dauert länger: der Zug wird -unglaublicherweise- auf eine Fähre verladen und fährt dann in Sizilien weiter. Finde ich ziemlich lustig - was für ein Aufwand!
Am Hafen bin ich etwas verloren, alles ist sehr unübersichtlich. Zum Glück seh ich klein und hilflos aus, sodass mich ein Geschäftsmann (Ende 40, im Anzug und mit Köfferchen) anspricht, ob ich Hilfe möchte. Da er auch die Fähre nach Messina (Hafen auf Sizilien) nehmen wird, verbringen wir die 40min Wartezeit mit einem morgendlichen Kaffee.
Er spricht gutes Englisch, kommt aus Messina und ist gerade auf der Rückreise von einem Geschäftstermin in Bologna. Als er hört, dass ich nach Kanada reisen werde, sagt er: Vielleicht fahren wir dieses Jahr in den Urlaub da hin! Mit Menschen über Reisen zu sprechen, öffnet schnell Türen.
Wir nehmen die Fähre und verabschieden uns in Messina. Dort nehme ich den Zug nach Palermo - die drei Stunden kommen mir ewig vor.
Hinter mir sitzen zwei Touris aus Augsburg 😅 wieso sitzen die immer bei mir? Keine Lust auf deutsche Sprache - aaah! Zum Glück steigen sie nach 30min aus...
Was mir auf Sizilien auffällt, als ich mit dem Zug an der Küste entlangfahre:
...mehr Hochhäuser, überall wachsen Kakteen, Palmen, Zitronenbäume und Blumen mit extrem kräftigen Farben, sehr viele kaputte, halbfertige (und trotzdem bewohnte) oder verlassene Häuser, wunderschönes Wasser und tolle Berglandschaft.
Es fühlt sich absolut surreal an, hier in Sizilien, in Palermo zu sein, vielleicht wegen dem wenigen Schlaf.
Im Hostel klappt dank meinem Italienisch alles easy, dann endlich was zu Essen: Antipasti (ultra lecker hier!), Spaghetti mit den leckersten Auberginen ever, gemischte Früchte und zum Abschluss einen Amaro (typisch sizilianischer Schnaps, süsslich-kräuterig vom Geschmack her).
Mein Hostel ist mitten in der Innenstadt, die Sonne scheint, keine Wolken - und es ist warm!(ca. 27°C) Endlich!
Aber jetzt erstmal zum Meer!
Palermo fühlt sich an wie ein anderes Land. Es erinnert mich vielfach an Asien: viel und schneller Verkehr, viele Roller, sehr dreckige Ecken, bunte Lichter, schöne und andere Pflanzen - und seeehr leckeres Essen!
Es gibt extrem viele Kirchen, sehr viele große und pompöse Gebäude in kleinen Seitenstraßen, als wäre es normal, eine 10m hohen Freskenfront vor der Haustür zu haben. Ich bin definitiv beeindruckt!
Ich möchte dringend Wäsche waschen - eins der ätzendsten Themen beim Reisen, finde ich. Leider bietet das Hostel keinen Wäscheservice an, da die Waschmaschine die Sicherung raushaut und es erst repariert werden muss - whatever... Der Host empfiehlt mir zwei Waschsalons und schreibt mir die Namen auf den Zettel. Als ich auf den Zettel schaue steht da "Piazza San Domenico" und "Lidl". Okay... gibt es hier einen Waschsalon, der Lidl heisst?? Ich laufe hin und stelle fest, dass er mir einfach Orte in der Nähe der Waschsalons genannt hat. In Zeiten des Internets hätte er ja easy die Namen der Waschsalons suchen können. Naja... ! Ich entscheide mich gegen Waschen in Palermo, da es sehr dreckig aussieht.
Abends schneidet eine Frau einem Mann im Gemeinschaftsbad die Haare, sie üben Englisch und hören dazu U2 ?! :-D #hostellife
Ich bin emotional ziemlich drüber, am Ende des Tages und hab das Gefühl, dass ich in Palermo nicht besonders willkommen bin: der Host is unfreundlich, in meinem Zimmer schläft ein Mann (er ist sehr nett, als ich mich mit ihm unterhalte - d.h. ich merke, dass keine Gefahr von ihm ausgeht-, aber er raubt mir durch sein durchdringendes Schnarchen einige Stunden Schlaf).
Zusätzlich bin ich gerade sehr dünnhäutig, wieder alleine als Backpackerin unterwegs - das erfordert Umstellung. Zuhause ist es ungefähr so: Ah ok, jetzt könnte aus dem emotionalen Tropfen evtl. eine Pfütze werden. Und auf Reisen -zumindest gerade- ist es eher so: aus einem Tropfen wird ein Ozean.
23. Mai
Ich entscheide mich, am nächsten Tag nach Cefalù zu fahren. Das ist eine Stunde Zugfahrt östlich von Palermo an der Küste. Cefalù erdet mich. Obwohl es unglaublich touristisch ist, ist es deutlich ruhiger als Palermo.
Ich weiß jetzt wieder, warum ich reise.
Als ich in ein Dorf in der Nähe von Palermo fahre und das Meer sehe, ist alles wieder gut.
Ich sitze lange auf den warmen Steinen und schaue auf's Meer. Obwohl es in Cefalù extrem touristisch ist, gefällt mir die Atmosphäre deutlich besser als in Palermo.
Und schon finden einige nette Begegnungen statt:
Nach meinem morgendlichen Kaffee + Croissant treffe ich auf dem Weg um die Stadt einen Mann und laufe ein Stück mit ihm den Berg hinauf. Er spricht Italienisch und erzählt mir, dass seine Tochter auch Lea heisst und in Palermo studiert.
Irgendwie tut mir seine väterliche Art gut. Später bitte ich ein deutsches Paar ein Foto von mir zu machen. Sie geben mir Tipps, wie ich zu einer Kirche in Palermo komme - solche Tipps sind immer Gold wert! In einem kleinen Laden spreche ich mit einem Ecuadorianer ein bisschen Italienisch und kaufe dort eine kleine Handtasche + tolle Armbänder. Und last bat not least: In einem Kleiderladen treffe ich ein serh nettes amerikanisches Pärchen - zack, der Tag ist toll! Ich habe ausgesprochen gute Laune und schlendere durch das süsse, kuschlige und schöne Cefalù.
...und probiere Cannoli: eine typisch sizilianische Süssspeise aus einer extrem krossen Teigrolle, in die gesüsster, cremiger Ricotta gefüllt wird. Widerlich süss!
Abends kommen einige kurze Gespräche mit anderen Reisenden im Hostel zustande; das mag ich besonders, weil jede:r ganz eigene Geschichten, Reisen und Gründe fürs Reisen hat.
Und kein Schnarchen heute Nacht!
Ich finde es phänomenal, wie die Welt oft ein Spiegel deiner eigenen Wahrnehmung ist bzw. zurückspiegelt und entsprechend reagiert... wie ein Perpetuum mobile.Read more
#15 - Mein Kampf mit den Seemonstern
May 24, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 24 °C
>> Everyday Life Nuggets <<
- stereotypisch hängt hier überall Wäsche am Balkon / im Garten
- das Gestikulieren hilft mir, die Sprache besser zu verstehen, weil es etwas mehr Kontext herstellt
- ich hätte gedacht, dass mehr gestikuliert wird. In normalen Gesprächen ist es wenig. Wenn mehr Emotionen reinkommen wird aber deutlich mehr gestikuliert, als bei uns - und im Süden ist es auch etwas mehr und etwas lauter
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24. Mai
Heute muss ich früh aufstehen: um die Touristenmassen an einem der beliebtesten und scheinbar spektakulärsten Tourismusziele von Palermo zu vermeiden, möchte ich früh da sein. Der Bus fährt um 7.50h und ich laufe 1,5km durch das morgendliche Palermo und bekomme erstmalig etwas Alltag von den Einwohner:innen mit. Ich mag das!
Schulkinder überall, chillen an Kiosks, in Parks wo sonst alles vor Tourist:innen explodiert, Leute rauschen zur Arbeit, die Strassen sind voll mit hektischen Autos. Und ich steige in den -man glaube es kaum- pünktlichen Bus nach Monreale: dem Berg, auf dem die Kirche steht.
Auf der Busfahrt nach Monreale sehe ich endlich etwas vom Palermo abseits des Tourismus. Oben angekommen bin ich begeistert von der arabisch aussehenden Kirche. Und den vielen kleinen Gassen, mit roten Türen, vielen Pflanzen, Treppen, die an untouristische Orte führen. Die Kirche ist wirklich beeindruckend: komplett (!) verkleidet mit Mosaik aus goldenen Plättchen. Die Mosaiks stellen Szenen aus der Bibel dar. Die Säulen sind aus Marmor und toll verziert. Am besten gefällt mir die Decke mit ihren Holzbalken und den gold-grünen Mosaikmustern; es sieht aus wie eine Mischung aus skandinavischen und arabischen Einflüssen (tatsächlich waren die Normannen auch eine der Besetzer von Palermo).
Leider wird die Kirche nur wenige Minuten nach Öffnung geflutet von Touristengruppen verschiedener Länder. Ich höre Tourguides auf Französisch, Niederländisch und Spanisch erklären. Schnell weg hier!
Auf dem Weg zurück steige ich früher aus, um das untouristische Palermo besserkennen zu lernen. Leider schmerzt mein linker Fuss immer mehr und jeder Schritt ist unangenehm. Ich suche mir ein Steinchen und lege ihn in den linken Schuh - so wird mein Fuss bei jedem Schritt leicht massiert. Und tatsächlich sind die Schmerzen (vorübergehend) komplett weg, als ich den Stein nach ca. 15min rausnehme. Cool! Danke, liebes Steinchen!
Den Rest des Tages (zwischen 11-17 Uhr) erkunde ich die unzähligen Sehenswürdigkeiten in der Stadt von Palermo.
Viele sprechen Englisch mit mir, obwohl ich konsequent Italienisch spreche - das nervt mich. Ja, sie wollen wahrscheinlich nur nett sein, aber ich mag es nicht und es lässt mich isolierter fühlen. Denn es zeigt: Wir sprechen Englisch mit dir, denn du bist eine Fremde.
Ich wildere also durch die Stadt, und irgendwann tut mein Füß doch wieder weh. Hinter jeder Ecke lauert ein neuer Schatz zum Entdecken. Unzählige Kirchen (87 Stück!!), diverse Palazzi und Piazze (Paläste und Plätze). Reizüberflutung! Irgendwann will ich nur noch raus aus dem Trubel und fliehe in einen englischen Garten.Dort findet leider ein Festival statt, also keine Ruhe hier. Ich fühl mich wie in einem Käfig. Großstadt is nix für mich! (Palermo hat ca. 635.000 Einwohner).
Abends gönne ich mir so richtig was, ziehe mein neues grünes Kleid aus Cefalu an und esse in einer traditionellen Focacceria ein "richtig" sizilianisches Menü: ein Mischgetränk mit Amaro (dem trad. Alkohol), Arancine (frittierte Bälle aus Reis, in die verschiedene Zutaten gemischt werden, z.B. Käse, Erbsen und Hackfleisch) und einen Schwertfisch mit gegrilltem Gemüse.
Es war sehr lecker!Hier ist ein Link zu dem Restaurant: https://www.anticafocacceria.it/menu-pdf/menu.p…
Abends lerne ich noch eine inspirierende Französin im Hostel kennen. Sie hat eine Vereinigung gegründet, um Frauen eine Plattform für die Präsentation und das Teilen ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten zu ermöglichen.
Und dann ist mein Kampf mit Palermo endlich zu Ende - what a ride!
25. Mai
Heute fahre ich von Palermo aus wieder auf's Festland, nach Scilla.
Danke, Palermo!Du warst sehr lehrreich, wunderschön, grauenvoll, lecker, schmerzhaft und interessant. Palermo verabschiedet mich mit Regen (was einigermaßen besonders ist, da es hier nicht so viele Regentage gibt).
Nach der Fähre fahre ich mit dem Zug weiter nach Scilla - und verpasse meine Haltestelle. Die Zugfahrt hätte nur 10min gedauert und irgendwie war das so ungewöhnlich für meine sonstigen Zugfahren hier, dass ich es nich gecheckt hab.
Ok... also direkt am nächsten Bahnhof aussteigen. Und feststellen, dass der nächste Zug in zwei Stunden fährt !!Ich bin in einem kleinen Kaff namens Bagnara mit schlechtem Internet und hier ist gerade Mittagspause/Siesta - also alles leergefegt. Die Restaurants sind sau teuer (30-40 Euro), mein Rucksack is sackschwer, es is heiss und ich bin völlig überfordert, frustriert und müde.
Ich will einfach nur in ein ruhiges Zimmer, wo ich mal nichts wahrnehmen muss. Und mein Fuss tut wieder weh und ich hab wahnsinnigen Hunger. Obwohl die beiden Bahnhöfe gerade mal 6min Fahrtzeit entfernt liegen, finde ich auf google maps auch keine Busverbindung. Kann das sein?!
Ich bin so nah am Ziel, an meinem ruhigen Zimmer - und komme einfach nicht hin.
Ok... durchatmen. Alles wird gut. Es ist mitten am Tag und ich werde noch in Scilla ankommen. Und was wäre eine Reise ohne Umwege? Ein Abenteuer ohne Tiefpunkte? Erstmal ans Meer, sind nur 5min Fussweg. Dort setze ich mich hin, heile meinen Fuss (er tut auch Tage danach nicht mehr weh!) und verfalle in tiefe Regulation. Lehrreich!
Möchte ich vielleicht meine Erwartungen anpassen? Zu einem Abenteuer gehören nunmal Dinge, die schief oder zumindest anders als geplant laufen. Ich habe schon vor langer Zeit gelernt, das Beste aus allem zu machen. Aber Kognition und Emotionen liegen da manchmal weit auseinander - erst recht, wenn man gerade aus Palermo kommmt, wenig geschlafen und gegessen hat!
In Scilla erwartet mich bereits der nächste Kampf: Um zu meiner Unterkunft zu kommen, muss ich 100 (!) Höhenmeter auf 1,5km Strecke in der Mittagshitze mit meinen 15kg auf dem Rücken laufen. Am Rand der viel befahrenen Strasse. Ich kotz gleich! Alle starren mich an. Liegt's an meinem Aussehen (blaue Augen und blonde Haare sind hier eher selten), meinem grimmigen verschwitzten Gesicht, dem Fakt, dass ich mit Backpack hier hochkraxle - was wollt ihr von mir!? Grrrr...
An der Unterkunft angekommen zeigt mir der Host das Zimmer. Endlich Ruhe! Ich beschliesse, zuerst zu duschen und dann zu kochen. Endlich Essen! Und nicht erst ein Restaurant heraussuchen, sondern endlich mal die Kartoffeln loswerden, die ich seit Florenz mit mir rumschleppe. ...allerdings geht der Herd nicht an... Ich stapfe zum Host und frage nach einem Topf, da es ein Induktionsherd zu sein scheint. Seine Antwort: "Man kann hier nicht kochen." Ich: "Wieso kann man hier nicht kochen? Es gibt eine Küche!" Er: "Es stand online, dass man nicht kochen kann." (was tatsächlich nirgends in der Beschreibung stand und auf den Bildern war mehrfach die Küche abgebildet)
ICH RASTE GLEICH AUS! ...Ich glaub ich hab heute die feurige Italienerin in mir entdeckt, lasse ihn einfach stehen und schlage die Türe zu. Was für ein Arschloch. Wie wär's mit etwas Mitgefühl, Charme, Nettigkeit?
Wegen Siesta machen die ersten Restaurants erst um 18h auf, also in 1,5h. Nagut, bleibt ja nix übrig! Immerhin finde ich dann eine extrem leckere Pizzeria. Und werde danach mit dem wunderschönen Firschdorf Scilla belohnt. Es liegt direkt am Berg, hat viele kleine und sehr romantische Gassen. Ich sehe vier Brautpaare - anscheinend eine Hochburg der Romantik, hier!
Ein Freund schickt mir einen Link zu Scilla: Sie ist ein Monster aus der griechischen Mythologie.
U.a. Odysseus hat während seiner Odyssee gegen Skylla/Scilla und Charybdis gekämpft. In der Meerenge zwischen Sizilien und Kalabrien (= ital. Festland), bei Messina, gab es laut der Mythologie die beiden Monster Skylla und Charybdis. Wenn man durch die Meerenge wollte, musste man sich zwischen den beiden Monstern entscheiden. Aus dem Mythos sind Sprichworte in verschiedenen Sprachen entstanden: die Entscheidung zwischen Pest oder Cholera bzw. das geringere Übel wählen.
Und irgendwie passt es: beim Übergang von Sizilien zum Festland kämpfe ich mit einigen Dämonen. Zuerst kämpfe ich gegen Palermo, dann gegen Scilla. Zum Glück ist Scilla am Ende etwas netter zu mir bzw. zumindest schöner und ruhiger. Und da ich es am nächsten Tag -nach einem erneuten Stressanfall am Bahnhof, weil ich 15min lang den Eingang gesucht habe-, als ganzer Mensch nach Tropea abfahre, scheint Skylla/Scilla mich nicht gefressen zu haben.
Hier ein Link zu Skylla und Charybdis: https://histoires-du-monde.com/de/griechische-m…Read more
Fotos von Palermo
May 24, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 26 °C
...ich habe schon massiv aussortiert, aber alles in nur 10 Fotos zu zeigen wäre schade!
Bei uns wären z.B. die Quattro Canti alleine ein absoluter Touristenmagnet. In Palermo ist es nur eine von unzähligen Attraktionen, die fast unter all dem anderen Glanz untergehen!Read more
Fotos von Scilla
May 25, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 22 °C
Hier bringe ich nur die ganzen wunderschönen Fotos von Scilla unter, weil ich maximal 10 pro Beitrag hochladen kann :)
#16 - Bergauf und bergab
May 26, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 21 °C
>> Everday Life Nuggets <<
- Auf öff. Toiletten gibt es manchmal keine Dinger zum Aufdrehen des Wasserhahns, sondern ein Fußpedal. Eigentlich clever
- Hier gibt es sehr oft Papiertischdecken und Papierplatzdeckchen, die nach jedem Gast natürlich weggeschmissen werden. Urgh!
- Trinkgeld is bereits in den Preis der Speisen und Getränke eingerechnet. Finde ich irgendwie angenehm
- Die Art, Ciao zu sagen, scheint von der Region/Stadt abzuhängen (C-c-c-ciao, ciaociao, Ciaooo)
26. Mai
Heute habe ich so gut geschlafen wie seit Monaten nicht mehr! Endlich mal ungestört, keine lauten Nachbarn. Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, endlich mal tief geschlafen zu haben 😍
Heute geht's mit dem Zug weiter nach Tropea. Nach einer kurzen Panikattacke, weil ich 15min lang den Eingang zum winzigen Bahnhof gesucht habe - wie schwer kann es sein?! Skylla hatte mich scheinbar nochmal herausfordern wollen. Aber ich hab den Absprung nach Tropea geschafft.
In Tropea geht es zur Unterkunft steil bergab (66 Höhenmeter auf km)! Die Landung wird angepeilt in 3...2...1... - sanft gelandet! Es ist eine sehr nette Unterkunft, etwas schäbig, aber ich fühl mich willkommen und irgendwie wie auf einer australischen Farm. Die Atmosphäre ist sehr gut und locker, ich kann das Meer rauschen hören, das Wetter ist sehr gut und es laufen Hühner auf dem Grundstück herum. Und ich habe eine Küche,die ich sogar benutzen darf! Hammer!
Warum sagt man eigentlich bergauf für Situationen, die sich bessern? Das is doch eigentlich der schwere Teil... die Person, die sich die Analogie ausgedacht war wohl nie in Scilla oder Tropea und musste mit Backpack eine Steigung hinauflaufen!
Wobei es in Tropea weniger schlimm wird wieder raufzulaufen, als gedacht. Scheinbar hat Scilla mir ein paar Muskeln und Ausdauerpunkte verschafft.
Ansonsten passiert in Tropea nicht viel. Es ist extrem touristisch hier, in diesem kleinen Örtchen. Das blaue Meer, der Sandstrand + Palmen, die Kirche auf dem weiss-gelben Felsen und die hellgrauen Felsen mitten durch die Stadt machen eine ganz wundervolle visuelle Komposition.
In einem Cafe etwas ausserhalb der Stadt finde ich die leckersten Dolci bisher: so etwas wie Windbeutel mit verschiedenen, cremigen Füllungen.
Mittags koche ich mir was und bin froh, mich mal nicht in ein Restaurant setzen zu müssen. Ausserdem kann ich hier endlich günstig und unkompliziert meine Wäsche waschen. Ah!
27. Mai
Heute geht's schon wieder weiter nach Paola, einem kleinen Örtchen etwas weiter rauf an der Westküste. Auf dem Weg zum Bahnhof sehe ich Wildschwein, das ein Italiener versucht zu verjagen. Das arme Schweinchen... aber in der Stadt ist es sicherlich nicht so gut für sie.
Ich hab ständig Angst, dass mit den Zügen wieder was schief geht, wegen dem Erlebnis in Scilla.
Und irgendein Bahnmitarbeiter wollte wohl testen, ob ich es jetzt endlich gelernt hab, aufmerksam zu sein: sowohl in Tropea als auch am Umsteigebahnhof fahren die Züge für die gegensätzlichen Richtungen zur exakt selben Uhrzeit. Also, jetzt genau aufpassen!
Aber es geht alles gut.
Paola ist hübsch, extrem hügelig und unspektakulär. Wie immer hab ich mich wenig über den Ort informiert und aus dem Bauch heraus entschieden. Es is so unspektakulär, dass ich nur einen kleinen Drang verspüre, zu erkunden. Und das passt genau zur richtigen Zeit: Ich bin müde von den vielen Eindrücken und verbringe viel Zeit in meinem ruhigen und gemütlichen Zimmer.
Das tut verdammt gut!
Paola ist ein Wallfahrtsort für Gläubige; hier war ein bekannter Heiliger -San Francesco- und man kann einige sakrale Plätze besuchen.
Ein lustiges Erlebnis hatte ich noch, als ich Mittags mit einem Bärenhunger endlich mal ein salziges Frühstück möchte. Das gibt's hier quasi nicht. Das salzigste, was man bekommt sind Croissants. Also frage ich in einem Café nach, was sie Salziges zum Frühstück haben. Die Besitzerin beschreibt mir: Wir haben Eier, Wurstel (ein remake der deutschen Wurst), Speck (auch das wird genau so geschrieben!) und Panini mit Käse und Schinken. Ich nicke, um zu signalisieren: "Danke, ich habe genug Informationen und ich werde etwas davon essen" - also setze ich mich, der Kellner nimmt meine Getränkebestellung auf. Und ich wundere mich etwas, dass er nicht nach meinen Essenswünschen fragt. Aber er wirkt etwas intellektuell eingeschränkt und vielleicht kommt er nochmal. De facto: Nein.
Als ich ihn nochmal herwinken möchte sagt er: "Das Essen ist quasi fertig!" - What?! Joa... und dann kommt auch schon der Speck, das Panini mit Schinken und Käse, Eier, 3 Wurstel und Pommes. Ohje. Naja... dann bleibt eben die Hälfte liegen (ich esse ja kein Fleisch). Und die Pommes schmecken erstaunlich gut, nur etwas trocken und seltsam in Kombination mit Eiern.
Etwas später frage ich in einem Café, ob in diesen Keksen Schokolade drin ist. Die Bedienung sagt Ja und nimmt direkt eins heraus. Scheinbar gilt hier (zumindest in diesem Dorf) die schiere Nachfrage als eindeutiges Interesse :-D
Abends schaue ich einen Film über eine Französin namens Corine Sombrun die den Schamanismus in der Mongolei erlernt hat und sich danach wissenschaftlichen Untersuchungen zur Verfügung gestellt hat. Sehr faszinierend!
28. Mai
Morgens genehmige ich mir ein Frühstück im Sitzen in einem Café in Paola und erlebe das erste Mal, wie Italiener ihr Colazione einnehmen. Ein lebendiges Geschnatter, rauchend, trinken entweder schnell ihren Espresso oder setzen sich und quatschen vom einen Tisch zum anderen.
Und endlich hab ich auch wieder Energie, meine Aufmerksamkeit auf den Klang dieser wundervoll beschwingten Sprache zu lenken.
Ich lausche der lebendigen "Musik". Gegen 9.30h muss ich mich aufmachen zum Zug nach Neapel.
Ich sitze im Zug, höre das Lied Olalla von Blanco White und bin unfassbar glücklich. Es gibt einfach nichts auf der Welt, was mich so glücklich macht, wie reisen. Diese Freiheit, die Leichtigkeit und alles was ich brauche, habe ich immer dabei. Ich muss mich sehr zusammenreissen, nicht heftig zu weinen, um den intensiven Glücksgefühlen Ausdruck zu verschaffen.
An einem Zwischenhalt beobachte ich sehr interessiert einige Fliesenleger, die den Bahnhof modernisieren. Sie bemerken meine Blicke und lächeln und winken. Hihi :) - Es is immer wieder krass, wie die innere Einstellung die Erlebnisse und Reaktionen im Aussen prägen oder sogar formen.
Als ich Richtung Neapel komme, zieht sich mir die Brust zusammen: Ich hab gar keine Lust auf diesen Käfig aus Grossstadt. Ein Kumpel empfiehlt mir, den Vesuv zu besteigen (Pompeji hab ich schonmal gesehen). Eigentlich habe ich keine Lust auf so ein Abenteuer heute, aber is vielleicht besser, als sich in dieser wilden Stadt aufzuhalten.
Im Hostel hole ich alle Infos für die Fahrt zum Vesuv ein. Hetze dann zum Bahnhof - denn es ist schon 14 Uhr und ich will nicht im Dunkeln nach Neapel zurückkommen. Gegen 17h bin ich zurück in Neapel, aber ohne den Vesuv bestiegen zu haben. Wie ist das passiert? Tja... ich und die Öffis halt...
14.35 Uhr: Abgehetzt kaufe ich ein Ticket und renne zum Gleis 3, was mir der Mann am Schalter als richtiges Gleis genannt hatte. Mein Zug steht nicht an der Anzeige, aber einer, der 4 Minuten später fährt - mit demselben Ziel (vielleicht nehmen es die Napolitaner nicht so genau oder der Plan hat sich leicht geändert?), aber von einem anderen Gleis. Als ich das bemerke, renne ich zum anderen Gleis und erwische den Zug zum Glück noch.
...leider hält der gute Zug nicht an meinem Halt, sondern fährt unbehelligt weiter. Ich bringe in Erfahrung, dass der Zug nur einen Zwischenhalt vor seinem Endziel hat... - also sitze ich doch im falschen Zug. Eine Frau empfiehlt mir, dort auszusteigen und einfach einen Zug zurück zu nehmen. Ok, kein Problem.
Nach 20min Fahrt steige ich also aus, in den nächsten Zug ein und warte bis er losfährt. Was er nicht tut... Einige Leute laufen vor zum Zugführer, der gestresst durch den Zug hetzt. Der Motor des Zuges geht aus. Schlechtes Zeichen - irgendwas is hier los. Auf einmal gibt's eine grosse Diskussion mit dem Zugführer: einige Leute wollten aussteigen, aber offenbar waren die Türen verriegelt, sodass sie den nächsten Zug nach Neapel verpassen haben.
Irgendwann steigen alle aus und diskutieren am Bahnsteig weiter über die Unfähigkeit des Zugführers. Eine ältere und beruhigende Dame erklärt mir, dass der Zug wohl kaputt sei und er vermutlich versuche, ihn zu reparieren. Ob es einen Ersatzzug gäbe, wisse sie nicht. Aber das sei typisch für Neapel, sagt sie.
Ok... alle regen sich mega auf, diskutieren und gestikulieren wild am Gleis miteinander. Zwischendrin rennt der Zugführer durch die Menge, steigt in den Zug, macht irgendwas, rennt wieder raus, etc.
Irgendwann steigen alle wieder in den Zug. Aber es geht nicht los. Also wird wieder laut diskutiert, keiner bleibt auf seinem Platz sitzen - sie gehen zum Zugführer und schreien ihn an, was der Scheiss soll. Dann gehen die Türen wieder nicht auf und es gibt einen riesen Aufstand; denn am Nachbargleis steht wieder ein Zug nach Neapel, der wieder verpasst wird. Viele schreien laut herum, beschimpfen den Zugführer und ich fühle mich wie ein Teil einer Revolution. Endlich gehen die Türen auf und alle rennen raus, um auf den über-übernächsten Zug nach Neapel zu warten. Ich muss grinsen, weil ich etwas Kultur erfahren durfte.
Wenn ich jemals irgendwo eingesperrt sein sollte, dann mit einem Napolitaner, denn die scheinen richtig Feuer unterm Hintern zu haben.
Endlich kommt der Zug, ich fahre zurück zur Haltestelle, von wo aus der Bus zum Vulkan fährt. Ich laufe direkt zum Busschalter: "Der letzte Bus zum Vesuv ist vor 10min abgefahren" - Ok. Ich hab's wirklich versucht. Vesuv und ich werden wohl heute keine Bekanntschaft mehr machen. Jetzt erstmal Kaffee!
Learning: Nur das machen, worauf ich RICHTIG Bock hab (wenn es ums Reisen geht). Andernfalls scheint es (eher)schief zu gehen, weil ich nicht 100% dahinterstehe. Denn eine Stadttour schien mir anfangs deutlich sympathischer, aber ich hatte es mir durch die vielen Empfehlungen für den Vesuv ausreden lassen.
Abends lernen ich einen sehr lieben Neuseeländer kennen, mit dem ich Pizza essen gehe - die leider wenig spektakulär ist. Nachts kann ich wegen dem lautesten Schnarcher ever nur ein paar Stunden schlafen. Merke für Kanada: Keine mixed dorms mehr in Hostels buchen! Ich hab kein Problem, mit Männern in einem Raum zu sein, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie schnarchen ist deutlich höher. Gar keinen Bock mehr drauf! Das hatte mir in Palermo schon die Nacht versaut.Read more
#16.5 Fotos von Paola und Napoli
May 28, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 24 °C
Ich hab so wenig Fotos in den beiden Städten gemacht! Sonst immer so 100-400 und Paola und Napoli nur so 10-40 :-D
...eindeutiges Zeichen von Reizüberflutung und folgender Reizmüdigkeit!
#17 Montepulciano
May 29, 2024 in Italy
Gerade bin ich zurück nach Florenz gekommen, musste mich erstmal orientieren und alles "aufsetzen". Heute bekomme ich Besuch aus Deutschland, daher werde ich erstmal keinen neuen Beitrag schaffen. Aber hier schonmal ein paar wundervolle Fotos aus Montepulciano!
Da Montepulciano mittlerweile recht lange her ist, hier nur stichwortartig, was mir noch im Gedächtnis ist:
- Montepulciano ist wunderschön und genau so, wie man sich ein typisch toskanisches Dorf vorstellt: wahnsinnig viel grün, die charakteristischen schlanken Zypressen stehen überall in der Landschaft
- leider ist es auch wahnsinnig touristisch. Das bedeutet, dass man kaum Einheimische trifft und alles teuer und das Meiste weniger hochwertig oder authentisch ist - so zumindest hatte ich das Gefühl
- der Wein ist SEHR lecker!
- Hier gibt es ein Foltermuseum - faszinierend, abschreckend und krass, was hier im Mittelalter so für Praktiken angewendet wurden!
- das vierte und fünfte Foto zeigen Teil des unterirdischen Tunnelsystems von Montepulciano, wo unter anderem geheime Treffen abgehalten wurden.
- Montepulciano wirkt insgesamt sehr mittelalterlich und ich komme mir vor wie in einer anderen Zeit
- Ich habe hier die widerlichste Lasagne meines Lebens gegessen (nur Käse und Nudeln, keine Tomatensoße! Und dafür hab ich schlanke 18€ bezahlt. Totally worth it.
Hier noch ein paar Notizen von meinem Handy:
Nördlich von Rom erinnert es mich landschaftlich an Deutschland. Fühlt sich ein bisschen an, wie nach Hause zu fahren- seltsame Überlappung von Assoziationen, verschiedenen Ichs finden statt.
Die grüne, sanfte toskanische Landschaft beruhigt mich. Es is weniger aufgeregt, weniger schillernd und weniger farbenfroh als im schönen Süden. Aber beruhigender; das tut mir gut.
Der Bus nach Montepulciano ist eine kleine Herausforderung (ÖFFIS!!), aber ich bin endlich mal zwei Nächte an einem Ort und nicht nur eine, d.h. ich hoffe, etwas zur Ruhe kommen zu können. Montepulciano ist genau so wie ich es mir vorgestellt hab. Malerisch und wunderschön!
Es passiert nicht viel. Ich laufe durch die schönen Gassen, es sind aushaltbar viele Touristen hier und ich fühle mich wie im Mittelalter, weil alles so alt und verschachtelt is.
Unterirdische Gänge, Folterinstrumente aus dem Mittelalter.
Doch schon am nächsten Tag hab ich wieder schlechte Laune. Es gab zwei Tropfen, die meinen empfindlichen Ozean heute getrübt haben - und ich bekomme leider keine Erleichterung geschickt. Und alles is furchtbar teuer und nicht mal lecker (ich hab hier die widerlichste schlechteste Lasagne meines Lebens gegessen: nur Nudelplatten und Käse, zero Tomatensoße!!!).
Morgen is zum Glück ein neuer Tag und ich fahr quasi in "meine Hood" zurück: westliche Toskana. Genauer gesagt nach Siena.
Hier, in Siena, is der Kaffee besser, meine Laune und das Wetter auch 😍 Bisher hab ich nirgends -nichtmal auf Sizilien- besseren Kaffee als in der Gegend hier getrunken. Hab ich ein Glück, dass ich mich für die Gegend als Dreh- und Angelpunkt entschieden hab :)Read more
#18 - Der italienische Tag
May 31, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 25 °C
>> Everyday Life Nuggets
- Viele Toiletten haben vorne an der Klobrille eine Aussparung - keine Ahnung warum! Man kann sich nicht hinsetzen und ich hab das Gefühl, dass da so manches auf dem Boden landet, was man eigentlich nicht auf dem Boden sondern in der Toilette haben möchte
- Ich glaube, Italiener:innen legen mehr Wert auf ihr Aussehen. Vor allem an den Schuhen fällt mir der Unterschied oft auf.
- Ich habe den Eindruck, dass mehr nach aktueller Stimmung agiert/kommuniziert wird. Man reißt sich weniger zusammen, sondern ist mal was pampiger/ausfallender/fröhlicher/expressiver. Aber das Umfeld scheint es auch eher zu verzeihen.
31. Mai
Von Montepulciano aus fahre ich mit dem Bus (wirklich!) nach Siena. Die Stadt soll sehr schön sein und ich freue mich auf etwas größere Zivilisation, da Montepulciano aufgrund der Abgelegenheit nur sehr beschränkte Möglichkeiten bietet, wenn man auf eigene Faust / unvorbereitet erkunden möchte.
Als ich mir von meinem Handy den Weg zur Unterkunft berechnen lasse, trifft mich fast der Schlag: Ich soll 370 Höhenmeter auf 2km bewältigen. Was zur Hölle ! Da ich aber keine Lust auf weitere Busfahrten hab, marschier' ich mal wieder los. Und es geht gut aus: Die Sienesen (= Einwohner von Siena) haben Öffi-faulen-Leuten ein großes Geschenk gemacht und 10 sehr steile Rolltreppen gebaut, mit denen man 300 Höhenmeter UMSONST hochgefahren wird! (Die Pisesen -oder so... die Leute in Pisa- hätten dafür garantiert 15€ verlangt)
Triefend vor Schweiß komme ich in der Unterkunft an - denn ca. 70 Höhenmeter muss ich noch selbst bewältigen und es ist 12 Uhr mittags.
Aber wie so oft lohnt sich die Anstrengung: Ich komme in einer wunderschönen, ruhig und am Hang gelegenenen Villa an. Die Hausdame oder Eigentümerin (sie hat sich nicht vorgestellt) ist sehr nett und die Unterkunft hat alles, was ich brauche: einen kleinen Kühlschrank, Ruhe, Natur, ein Bett, ein Bad, Wasser, eine Kaffeemaschine und Geschirr. Hammer!
Den restlichen Tag verbringe ich nahezu wie eine Italienerin:
1) Gegen 13 Uhr mache ich eine Mittagspause und esse Antipasti
2) Danach bin ich fauler als eine typische Italienerin: Ich liege geschlagene fünf Stunden in der Hängematte in der Sonne und mache NICHTS
2) Gegen 18 Uhr bewege ich mich in die Stadt, trinke einen Kaffee und lese italienische Zeitung - wobei ich nur so 10% verstehe
3) Gegen 20 Uhr esse ich frische Pasta in einem kleinen, netten Laden. Aber zwei Portionen, damit ich endlich mal satt werde! ...und weil es hier endlich mal keine 20€ kostet... (wobei Italiener wohl klassischerweise noch später zu Abend essen)
4) Abends telefoniere ich noch mit einer Freundin, also socialising wie Italiener
5) ...dann ist es vorbei mit dem italienischen dolce vita: Ich falle tot ins Bett.
- von Siena sehe ich also so gut wie nichts, weil ich einfach keine Lust mehr habe! Aber so läuft das manchmal. Erholsam war es auf jeden Fall, ganz wundervoll erholsam sogar!
01. Juni
Heute geht es schon nach Florenz!
Ich freue mich wahnsinnig, wieder in "meine hood" zu kommen. Zwar hab ich ja noch nicht in Florenz gewohnt, aber die Kultur ist mir nun etwas vertrauter, ich kenne die Stadt schon und bin nicht komplett orientierungslos - und ich kenne ein paar Leute!
Am nächsten Tag frühstücke ich in Siena noch etwas Antipasti und unterhalte mich mit einer Kroatin, die mit ihrem Mann und einem befreundeten Pärchen auf dem Motorrad durch Italien fahren. Sie haben schon zwei erwachsene Kinder, sind Mitte 40 und waren schon oft in Italien.
Sie fasziniert mich, weil sie ein sehr selbstbewusstes und abenteuerlustiges Auftreten hat. Erstaunen tut mich dann ihre Begründung, warum ich Sonnencreme benutzen soll: "Weißt du... ich finde es schön, wenn ich reifere Frauen sehe, die immer noch gut aussehen. Das zeigt mir, dass sie auf sich achten." Eine Deutsche hätte wahrscheinlich gesagt: "Du solltest Sonnencreme benutzen, damit du keinen Krebs bekommst"
Kulturen sind so spannend!
In Florenz angekommen, muss ich mal wieder Bus fahren, da mein Fahrrad ja noch bei Nico untergestellt ist.
Es läuft aber alles super und ich finde meine neue Bleibe auf Anhieb. Anna, mein Host/meine Gastmutter, öffnet mir die Türe. Sie begrüßt mich mit einer Mischung aus herzlich und distanziert, was mich etwas irritiert.
Das Zimmer ist süß eingerichtet und gemütlich und ich habe ein ganz eigenes Bad! Was für ein Luxus nach dem ganzen Backpacking!
Wir setzen uns in die Küche und sie erzählt mir von ihrem musikalischen Sohn und ihrer Tochter, die noch bei ihr wohnt. Die Tochter ist wohl nicht einverstanden damit, dass Anna AirBnB anbietet, weshalb ich die Küche nicht benutzen darf. Das wird eine echte Herausforderung! Immerhin bekomme ich in ein paar Tagen einen Kühlschrank ins Zimmer...
Anna erzählt mir noch einen Schwenk aus ihrem Leben, einer verstörenden Erfahrung mit einem Psychologen - und dann werde ich auch schon von Nico abgeholt: Ich brauche ja meinen Koffer und mein Fahrrad!
Netterweise liest er mich mit dem Auto auf, nachdem er heute eine Tour mit einem französischen Paar hatte. Nico und ich laden die beiden ab, machen einen kleinen Spaziergang durch einen Park am Stadtrand und quatschen ein bisschen.
Er beschreibt mir den Unterschied zwischen Carabinieri und der Polizia (vermutlich so etwas wie Bundes- und Landespolizei: sie haben ähnliche Aufgaben, aber sind organisatorisch anders angebunden).
Außerdem erzählt er mir von einem Event, das bald in Florenz stattfinden wird: Es wird ein Spiel mitten in Florenz von einem alten Sport geben: von calcio storico. Calcio storico meint so etwas wie "historischer Fußball" (keine Garantie für die Übersetzung!). Es scheint ein sehr rabiater, gewaltvoller Sport aus dem Mittelalter zu sein; eine Mischung aus Fußball, Rugby und Football, bei dem zwei Teams gegeneinander antreten und sich die Chefs gegenseitig grün und blau schlagen. Er mag es nicht, weil es so gewalttätig sei, sagt er. Ich will mir definitiv ein Video davon anschauen!
Danach fahren wir mit den Rädern zu einem Laden, in dem man "Apericena" (also diese Mischung aus Aperitivo und Abendessen) buchen kann. Für 15€ bekommen wir einen wahnsinnig hochwertigen Drink und kleine Snacks, die nach und nach serviert werden und sehr hübsch aufbereitet werden.
Ich frage mich, ob das ein Date sein soll, da ich die italienischen Gepflogenheiten nicht so kenne. Einige Tage später erfahre ich, dass er Urlaub mit einer "Freundin" plant - daher war das wohl nicht als Date gemeint, auch wenn es nach deutschen Maßstäben sehr danach aussah.
Gegen 22 Uhr fahre ich mit meinem Fahrrad nach Hause und entdecke eine neue Gegend von Florenz, die reiche Gegend mit vielen Alleen und großen Villen, inklusive Plattform mit fantastischem Ausblick. SO schön! (und natürlich sehr touristisch)
Ich bin so dankbar, hier sein zu dürfen und freue mich, die nächsten vier Wochen in dieser Stadt sein zu können.Read more
#19 - Auf ein Neues!
June 2, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 24 °C
2. Juni
Heute starte ich ganz entspannt in den Tag, fahre in ein sehr cooles Studentencafé und setze meinen Blog neu auf – hier auf findpenguins.
3. Juni
Heute ist mein erster Tag im neuen Coworking space, direkt in der Florenzer Innenstadt. Ich hatte den space Ende April besichtigt und mich dann aber für den space in Prato entschieden, um Zeit und Geld für die tägliche Zugfahrt zu sparen.
Der space in Florenz kostet doppelt so viel wie der in Prato, aber ist dafür, was er bietet trotzdem noch günstig:
- diverse Events und Veranstaltungen (z.B. einen Kochkurs, Yogakurse, afterwork Musik mit DJ(ane), freitags kostenfreie Drinks auf der Dachterrasse)
- einen Italienischkurs (der seltsamerweise immer nur mit 2-3 Schüler:innen besetzt ist – wie cool ist das bitte, einen kostenfreien Italienischkurs zu bekommen!?)
- Fitnessstudio (24/7 nutzbar)
- Rooftopbar mit Pool und ganz tollem Blick auf Florenz
- 20% Rabatt auf die hausinterne Bar und das hausinterne Café
- und natürlich einen flexiblen Platz im coworking space :-)
Viele Leute kennen sich hier untereinander und ich fühle mich etwas fremd und verloren. Vor allem, weil ich in kein Gespräch einsteigen kann, weil ich nicht genug verstehe oder dazu beitragen könnte – denn die meisten sprechen hier italienisch (zum Glück! :-) ).
Heute und am Dienstag (4. Juni) passiert nicht viel.
1) Sue hat entschieden, dass sie mich aus Regensburg besuchen kommt für drei Nächte und ich versuche, die Zeit so schnell wie möglich totzuschlagen. Dann sehe ich endlich jemanden, der mir WIRKLICH vertraut ist!
2) Mein Fahrrad hat einen Platten. Zum Glück steht mein Fahrrad zu Hause, sodass es sicher ist und ich es nicht erst nach Hause schieben muss (denn das wären ca. 5km). Zum Glück verlässt Anna -mein Host- zur gleichen Zeit wie ich das Haus und nimmt mich mit in die Stadt. Mega nett!
05. Juni
Heute Abend kommt Sue und die Stunden können gar nicht schnell genug vergehen! Sie kommt erst um 19.30h am Florenzer Flughafen an; ich bleibe solange im space und arbeite weiter. Als sie endlich am Bahnhof ankommt, will ich sie gar nicht mehr loslassen – so surreal und unglaublich schön, sie hier zu sehen!!! Ich freue mich wahnsinnig! Wir gehen direkt am Domplatz (innerste Stadtmitte) was essen.
Während wir essen und quatschen wird mir klar, dass ich seit Wochen kein so langes (und vertrautes) Gespräch mehr persönlich mit jemandem geführt habe. Ich fühle mich etwas verunsichert, ob ich für so viel Kommunikation gewappnet sein werde die nächsten Tage – aber kurz danach bin ich schon wieder umgestellt :-)
06. Juni
Morgens laufen wir in die Stadt, da ich dort mein Rad reparieren lassen möchte (ich hab hier ja kein Werkzeug…) und die Busfahrer keine Räder mitnehmen ! Was zur Hölle…
Anschließend gehen wir in ein schönes Café frühstücken, dann meinen Coworking space anschauen, ich spiele kurz auf dem Flügel und Sue freut sich und ist sehr gerührt – was mich seeeehr freut :-)
Wir machen noch kurz ein Foto an einem dieser alten Fotoautomaten und besprechen dann, was wir heute tun wollen. Die wichtigsten / bekanntesten Museen kosten jeweils 30€ Eintritt, was wir ziemlich übertrieben finden. Wir entscheiden uns, in das Da Vinci Museum zu gehen, wo seine Erfindungen nachgebaut wurden und man sie teilweise „testen“/erfahren kann – wie cool! Das Museum gefällt uns ziemlich gut und wir verbringen einige Zeit dort. Es ist wahnsinnig faszinierend zu "erfahren" (statt es nur in einem Buch zu lesen), was Leonardo da Vinci alles erfunden und entwickelt hat. Sue und ich glauben, dass wir ohne seine Erfindungen heute an einem anderen Punkt wären, weil er den Grundstein für unfassbar viele moderne Entwicklungen, Maschinen, Techniken hatte. Sehr beeindruckend!
Außerdem bringe ich mein geliebtes Fahrrad zur Reparatur. Nach 30 Minuten hat es einen neuen Mantel, ich einen ekligen Kaffee im Magen und ich wieder Freude am Fahren :-) Jetzt bin ich erleichtert!!
Abends treffen wir uns mit Nico und zwei Freunden von ihm zum Abendessen. In einem sehr unscheinbar aussehenden Restaurant/Bistro bestellen wir uns allerlei Leckereien und teilen sie uns. Wie so oft, wenn ich Nico treffe, ist noch ein weiterer „Ausländer“ beim Abendessen dabei: Harrison, ein Amerikaner, der Nico auch über Couchsurfing kennen gelernt hat. Er wohnt in New York, hat italienische Vorfahren und schaut sich Italien für ungefähr zwei Wochen an – ganz schön weite Reise für so einen kurzen Urlaub!
Als ich kurz auf die Toilette geht, wird mir klar, dass das Bistrot zu einem richtig schicken Nobelhotel gehört. Der Innenhof ist sehr stimmnugsvoll, mit tollen Farben, Lichtinstallationen und gemütlich angeordneten Tischen und Sitzgelegenheiten. Später zeigt uns Nico noch einen Raum, in dem rundum Bücher stehen, ein paar Lesesessel, ein Kamin und ein Billardtisch. Vielleicht mag ich doch mal reich sein und in solchen Hotels hausen!
Nach dem Abendessen gehen wir noch zu einer Eisdiele und setzen uns mit unseren Eistüten auf die Treppen einer nahegelegenen kleinen Kirche. Der Platz vor der Kirche ist gespickt mit gemütlichen Restaurants und Bars und es herrscht dieser gemütliche Geräuschpegel von vielen entspannten, sich unterhaltenden und amüsierenden Menschen im Sommer. Ich liebe das!
Gegen 22.30h gehen Sue und ich nach Hause – wir sind todmüde von dem Tag. Sie muss noch müder sein, weil sie noch mehr neue Eindrücke verarbeiten muss. Zu Hause schlafen wir beide direkt ein.
07. Juni
Heute gehen wir es sehr entspannt an. Ich habe morgens noch einen Termin, den ich nicht verschieben konnte. Deswegen starten wir getrennt in den Tag und Sue frönt ihrer Fashion-Leidenschaft und besucht das Gucci-Museum.
Wir frühstücken erst gegen 12 Uhr und wollen danach in ein Naturkundemuseum. Leider sind wir zu spät: Es macht um 17 Uhr zu und ab 16 Uhr ist kein Einlass mehr. Wir sind den Tag wohl etwas zu entspannt angegangen. Sue ist sehr enttäuscht, weil sie sich für die Präparate leidenschaftlich interessiert und die Rezeptionsdame auch echt harsch war. Ich versuche, sie aufzumuntern, aber irgendwie ist gerade die Luft raus. So ein Mist! Die anderen Museen sind uns zu teuer, sodass wir erstmal über die Ponte Vecchio laufen, eine sehr alte Brücke, auf der überall Geschäfte sind, sodass man den Fluss nicht sehen kann. SOOOO viele Touristen!
Auf dem Weg zu einem geeigneten Café finden wir uns in einer wunderschönen Bücherei wieder. Es wird offenbar sowohl als Bücherei, als auch als Kino und Theater genutzt – wie clever!
08. Juni
Heute fliegt Sue schon nach Hause! Die Zeit ist viel zu schnell vergangen. Gerade habe ich mich an sie gewöhnt und schon ist sie wieder weg :-(
Zum Glück geht ihr Flieger erst gegen 17 Uhr, sodass wir den Tag noch für einen Besuch im Naturkundemuseum von gestern nutzen können! :-)
Wir holen uns ein Frühstück auf die Hand (ohne Kaffee!) und saugen das Naturkundemuseum auf. Da Sue viel Ahnung von Anatomie, Medizin und Geschichte hat, ist es besonders interessant, mit ihr die teilweise menschlichen Präparate anzuschauen und darüber zu staunen, was Menschen aus dem 17./18. Jahrhundert aus Wachs hergestellt, nachgebaut, konserviert haben.
Nach ca. zwei Stunden gründlichem Durchgehen aller Museumsstücke wird es uns zu viel – es sind einfach zu viele faszinierende Dinge ausgestellt! Wir rennen durch den letzten Teil, in dem „nur“ Steine ausgestellt sind und machen uns dann auf dem Weg in eine teure, aber sehr leckere Pizzeria. Dann gehen wir nochmal in ihr Lieblingscafé, besorgen ein paar Souvenirs für zu Hause und ich begleite sie zum Flughafen. Das ist hier top organisiert mit einer Bahn, die direkt zum Flughafen fährt! Hammer.
Um mich abzulenken, dass Sue schon geflogen ist, gehe ich nicht direkt nach Hause, sondern schaue spontan bei Danilo im Café vorbei. Wir haben uns seit Ende Mai nicht gesehen, weil ich ja unterwegs war und er freut sich sehr, mich zu sehen (und ich mich auch, ihn zu sehen). Es ist sehr lustig, weil seine Schwester auch da ist und ich etwas mehr authentisch italienische Kultur und Sprache schnuppern kann. Sie redet allerdings unfassbar schnell, sodass ich kaum etwas verstehe (und möglicherweise auch Dialekt aus einer anderen Gegend).
Spontan schreibe ich Reem eine Nachricht, was sie heute so treibt. Sie ist die Nachbarin von Anna und wir sind uns öfter im Hausflur begegnet. Wir sind ungefähr in einem Alter, sie kommt aus dem Bahrain und hatte mich gefragt, ob wir mal was trinken gehen wollen. Sie antwortet schnell und fragt, ob wir in eine Bar in der Nähe von unserem Haus gehen wollen. „Klar, gerne!“
Die Bar ist 5 Minuten Fußweg von unserem Haus und wir quatschen über alles Mögliche. Sie ist Grafikerin, seit fünf Jahren in Florenz und seit Kurzem mit einem Italiener verheiratet, Stefano. Der Zufall habe sie nach Florenz getrieben, sie habe recht schnell Stefano kennen gelernt und sei dann in Florenz „hängen geblieben“, weil es so schön sei. DAS kann ich zu 100% nachvollziehen!
Das einzige, was sie hier störe seien die geringen Löhne und die Behörden, die unfassbar lange für die Bearbeitung von Anträgen bräuchten. Zum Beispiel hat sie mehrfach ein Jahr (!) auf ihre Arbeitserlaubnis warten müssen – als sie sie bekommt, ist sie also quasi wieder abgelaufen. Aber sie sagt, dass es vielen so ginge und man dann damit lebe, dass man quasi illegal in Italien arbeite. Wie ätzend das sein muss! Die ganze Zeit so eine Anspannung im Hintergrund zu haben…
Wir quatschen lange und ich trinke zwei ganze Weine und bin -da ich ja sonst nicht trinke- ordentlich angeschwippst. Und morgen muss ich früh raus!! Gegen 0 Uhr sage ich ihr, dass ich nach Hause gehen möchte. Sie hätte gerne noch länger gequatscht, was ich super cool finde :-) Aber ich brauche dringend etwas Ruhezeit, bevor ich morgen auf eine Trekkingtour mit Nico gehe!Read more
#20 Der Tag, an dem Nico mich küsste
June 9, 2024 in Italy ⋅ ☁️ 25 °C
>> Everyday Life Nuggets
- Essen wird in der Toskana schneller schlecht / schimmelt, ich vermute, dass es was mit dem Klima zu tun hat (obwohl es bisher nicht wärmer als in Deutschland ist)
- Stechmücken gibt es hier den ganzen Tag und sie lieben das menschliche Festessen – man muss also oft aufpassen, wenn man in der Nähe (= 1km Umkreis) von Grünstreifen ist
- Lieblingsfarbe für Autos von Italiener:innen : weiß!
- Ich habe noch nie eine italienische Person rennen sehen (außer beim Joggen)
09. Juni
Morgens um 9.30 Uhr holt mich Nico ab (er is wie immer ganz untypisch italienisch zu früh), wir frühstücken in einer Bar (so sagt man hier für Café) und es is so herrlich italienisch. Alle stehen an der Bar, holen ihren Shot Kaffee ab, die Barista wirbelt herum und schreit, um alles im Griff zu behalten. Die Tassen und Untertassen klappern, Zischgeräusche, die Kasse geht auf und zu. Was für ein lebendiges Treiben!
Wir fahren heute mit ein paar Freunden von ihm -insgesamt sind wir zu siebt- in die Natur und wandern zu ein paar Wasserfällen. Der Wald/Wanderpfad ist in einem Naturschutzgebiet ca. 1,5 Stunden nördlich von Florenz. Dante hat anscheinend einige Gegenden in diesem Nationalpark beschrieben. Irgendwie verrückt, dass Dante in derselben Gegend unterwegs war und man quasi (ein winziges Bisschen) in seinen Fußstapfen laufen kann!
Wir fahren alle in einem Auto und anfangs fühle ich mich etwas unsicher, weil es so viele neue Leute sind und einige nicht so gut Englisch sprechen – daher ist eine Konversation schwierig. Sie sind trotzdem sehr interessiert und ermutigen mich, fragen nach und ich gebe mein Bestes, um alles auf Italienisch zu beantworten. Nico hilft mal wieder an vielen Punkten und weiß auch immer wieder, interessante Gemeinsamkeiten anzusprechen, damit das Gespräch in Gang kommen kann. Er ist so ein Engel, wenn es um soziale Integration geht!!
Im Auto mit mir sitzen:
- Nico = Fahrer
- Giacomo, ein etwas exzentrischer aber sehr netter Italiener in seinen 40ern
- Cris, ein Kolumbianer, der mit einem Stipendium in Florenz zum Thema KI promoviert und einen lustigen Mix aus Italienisch und Spanisch spricht (31 Jahre alt)
- Dritta (oder so ähnlich), eine Frau aus dem Kosovo, die seit 25 Jahren in Italien lebt und damals alleine als Flüchtling nach Italien kam. Der Großteil ihrer Familie lebt in Deutschland und sie ist auch Mitte 40
- Teresa, eine Psychologin, die im Krankenhaus in der Psychoonkologie arbeitet (sie ist Psychotherapeutin), auch Mitte 40 und sehr lieb
- Niccolò, ihr 10-jähriger Sohn
Das Trekking macht sehr viel Spaß. Ich mag es, dass man sich während dem Wandern immer wieder mit anderen Leuten unterhalten kann und dabei über die Natur staunen kann. Manchmal sagt jemand (auf Italienisch): „Schaut, da ist ein….“ – oft muss ich nachfragen, was das dann ist und lerne so einige neue Wörter. Ich mag es sehr, neue Wörter mit Situationen oder sogar Geschichten verbinden zu können. Das macht das Lernen so viel einfacher und spaßiger – und auch schöner, eine Sprache zu lernen! Ich. Liebe. Es!
Als wir an einem der Wasserfälle ankommen, der Acquacheta heißt, erklärt mir Nico, dass es dazu ein Sprichwort gibt: Acqua cheta rompe i ponti (übersetzt ungefähr: Stille Wasser beschädigen Brücken) – also ungefähr das Gegenteil von unserem Sprichwort „Stille Wasser sind tief“, das eher positiv konnotiert ist. Ich frage mich, ob das mit dem Kulturunterschied zusammenhängt.
Dabei wird mir nochmal ein Unterschied zwischen (den meisten) Deutschen und Italienern bewusst: fühle mich so wohl, weil es wärmer ist, in einigen Hinsichten. Aber vermutlich hat das an manchen Punkten auch negative Konsequenzen, die ich als Außenstehende noch nicht so wahrnehme.
Wir wandern weiter, bis zu einem Gipfel, sonnen uns da ein wenig in Badesachen -man will ja regelmäßig braun werden!-, kühlen uns dann unten an einem Wasserfall wieder ab und wandern dann zurück zum Auto. Anschließend fahren wir zu einem sehr urigen Restaurant und essen von gemeinsamen Platten verschieden zubereitete Nudelgerichte. Zum Abschluss noch ein Dessert und für manche einen Espresso (es ist mittlerweile 22.30h! – das werde ich nie verstehen :-D ). Die Rechnung wird durch sechs geteilt, sodass jeder gleich viel bezahlt.
Mittlerweile ist es stockdunkel draußen. Wir steigen alle wieder ins Auto und Nico fährt uns durch die Nacht. Ich bin so glücklich wie lange nicht. Viel Natur, Gemeinschaft, gutes und sättigendes Essen – und abends nach Hause gefahren werden. Das hat etwas sehr Heimeliges. Im Radio läuft das Lied „Soul food to go“ von Manhattan Transfer (für’s Protokoll :-D ).
Nach und nach liefert Nico alle zu Hause ab. Alle verabschieden sich mit einer Umarmung und „französischen“ Küsschen auf die Wangen. Niccolò, der Sohn von Teresa, kommt zu mir an die Autotüre und drückt mir einen richtigen Kuss auf die Wange. Wir haben uns sehr gut verstanden und irgendwie mag ich ihn – und es war extrem unterhaltsam ihn dabei zu haben, weil er die manchmal verkopfte Welt der Erwachsenen etwas aufgebrochen hat. Und von einem Kind, bei dem es meistens von Herzen kommt, eine so liebevolle Geste zu empfangen, erwärmt mein Herz besonders. Danke, kleiner Nico!
11. Juni
Als ich heute im Coworking space sitze und in meinen Terminkalender schaue wird mir bewusst, dass es nicht mal 3 Wochen sind bis ich fliege... ich will nicht weg! :( Neinneinnein!
Zusätzlich habe ich heute mal wieder kräftigen Hunger (die fehlende Küche macht sich bemerkbar…) und ich habe seit zwei Tagen mit niemandem persönlich gesprochen -> Einsamkeitsgefühle
Nach Feierabend habe ich meinen Italienischkurs vom Coworkingspace. Heute sind wir nur zwei Schüler, Juan und ich. Es ist sehr anstrengend, aber auch hilfreich und schön, mit ein paar netten Leuten zu sprechen. Ich habe die Hoffnung, dass ich später vielleicht ein Stück mit Juan nach Hause gehen kann. Er ist sehr nett und ich hoffe, etwas Kontakt knüpfen zu können. Leider kommt seine Verlobte dazu und sie schlendern nach dem Kurs weg. Ich bin traurig und fühle mich alleine. Da hilft nur beten: Ich schicke einen Wunsch in die Welt, dass mir heute was Schönes passiert.
Und tatsächlich passiert etwas: Als ich nach Hause komme, fragt mich Anna ob ich mit ihr einkaufen gehen möchte. Ich stimme direkt zu und wir fahren mit Cipolla, dem kleinen Dackel, einkaufen. Cipolla ist wirklich knuffig!
Danach fahren Anna und ich gemeinsam in die Stadt, um eine Pizza zu essen. Ihre Tochter arbeitet in dem Restaurant und wir werden schnell von allen Kellnern und Kellnerinnen begrüßt – und vor allem Cipolla ist das Zentrum der Aufmerksamkeit. Annas Tochter Mariam hält immer noch etwas höflichen Abstand zu mir. Was ich einerseits verstehen kann, da sie keine AirBnB-Gäste möchte, aber auch sehr schade finde. Let’s see…
12. Juni
Es ist seltsam, den Trip nach/in Kanada zu planen und sich darauf einzustellen und gleichzeitig in Italien zu sein. Fühlt sich an, als würde ich zwei unmöglich zu vereinende Dinge vereinen wollen.
Abends schaue ich nochmal bei Danilo vorbei und wir haben viel Spaß. Seine Schwester kommt irgendwann auch mit ihren beiden Hunden dazu. Einer ist sehr aggressiv/schwierig zu lesen und macht mir Angst (auch wenn er scheinbar nie beißen würde). Aber es ist cool, nochmal mit ihnen zu quatschen und etwas Zeit in Gesellschaft zu verbringen.Read more
#21 – Endlich Musik!
June 13, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 22 °C
13. Juni
Der Tag heute ist ein grande Casino! (ein großes Durcheinander)
Morgens arbeite ich normal im space, aber mit vielen eng getakteten Terminen, bei denen viel soziale Interaktion gefragt ist. Mittags treffe ich mich mit Lorenzo zum Mittagessen. Wir haben uns seit einigen Wochen nicht gesehen und ich bin sehr gespannt zu hören, wie es ihm so geht. Lorenzo hat immer tausend Projekte am Start, also mal schauen, was er so zu erzählen hat!
Er lädt mich zum Essen ein, was ich sehr nett finde! Und es schmeckt sehr lecker :-) Wie so oft hat er sehr viel Redeanteil – aber mittlerweile habe ich gelernt, dass viele Italiener:innen reden können wie Wasserfälle und man nicht höflich (deutsch?) warten sollte, bis sie fertig sind. Denn das kann unter Umständen (wirklich!) Stunden dauern.
Tatsächlich erzählt er mir einige interessante Dinge, die er gerade plant und an denen er arbeitet. Und auch, dass in Florenz Wahlen waren und die Italiener Fans von einem Deutschen sind, der sich zur Wahl hat aufstellen lassen. Er könnte -Zitat von Lorenzo- die verkrusteten politischen Strukturen in Florenz etwas auflockern. Denn hier herrschen seit dem Mittelalter einige reiche Familien – und zwar immer dieselben! Er meint, es sei Zeit für einen Wechsel.
Und er habe den Eindruck, dass sehr viele Ausländer mittlerweile nach Florenz kommen, um hier zu wohnen. Wir vermuten, dass es eine Mischung aus Pandemie-Nachwirkungen, home-office-Möglichkeiten und der Schönheit von Florenz ist. Besonders Amerikaner seien sehr angetan von Florenz sagt er. (Abends lerne ich einige amerikanische Schüler:innen kennen, die hier für die Sommerferien einige Zeit verbringen – vielleicht wird da der Grundstein für die Begeisterung für Florenz gelegt?)
Wir verabschieden uns nach 1,5 Stunden herzlich und er sagt: „Lass uns nochmal treffen, bevor du fährst!“ – „Sehr gerne!“ . Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn kennen gelernt habe und er mich auf dieser Reise begleitet und auch viel unterstützt!
Der Arbeitstag vergeht zäh, da ich an einer recht anstrengenden Aufgabe sitze und wird nochmal aufgehellt, als ich mit Michael (meinem Freund und Arbeitskollegen) telefoniere und er mir erzählt, dass wir uns in der Folgewoche evtl. treffen können, weil er mit seiner Freundin in Italien sein wird! …vielleicht klappt es ja :-)
Abends artet es dann richtig in Stress aus -irgendwie kamen nach und nach mehr und mehr Sachen dazu heute!- : zuerst habe ich Yoga und direkt im Anschluss einen Kochkurs. Yoga geht 15min länger als angegeben, der Kochkurs eine Stunde länger als angegeben – sodass ich leider früher gehen muss, weil ich mich nach dem Kochkurs verabredet hab. Aber ich bin absolut begeistert, dass sowohl der mega gute Yogakurs auf der Dachterrasse, als auch der Kochkurs in meinem Coworking-Abo inkludiert sind!
Beim Kochkurs lernen wir, wie man selbst Pasta macht: Tagliatelle, Tortelloni, etc. . Die Lehrerin ist ca. Ende 60 und eine mega coole Socke. Alle anderen Teilnehmer:innen sind sehr jung (jugendlich), sehr offen und nett. Hier erfahre ich, dass einige amerikanische Schüler:innen für die Sommerferien in Florenz sind und irgendwelche Kurse besuchen (hab noch nicht herausgefunden, was für Kurse...). Nächste Woche nehme ich mir mehr Zeit für den Kurs! …denn am Ende isst man das zusammen, was man fabriziert hat - und das verpasse ich heute leider.
Denn um 21 Uhr hat mich Cris für ein kostenloses Live-Konzert einer Band eingeladen. Einige Freunde von ihm gehen dort hin und ich darf dazu kommen :-) Der Bruder einer Frau aus der Runde spielt in der Band – sau cool! Endlich wieder etwas (live) Musik in meinem Leben :-)
Die Location ist gemütlich und schön, Cris integriert mich gut und es ist cool, nochmal neue Leute kennen zu lernen. Wir sind in einer Art Park direkt am Arno (dem Fluss in Florenz), wo ein paar Buden für Essen und Trinken, die Bühne und ein paar Tische und Bänke stehen. Die meisten in der Runde sprechen entweder Spanisch (aus Südamerika) oder Italienisch und eher mäßig gutes Englisch, sodass ich nicht so viel (Tiefgründiges) zur Unterhaltung beitragen kann.
Leider bin ich klamottentechnisch nicht gut ausgestattet für die Tageszeit (Cris hatte mich erst vormittags dazu eingeladen), sodass es mir gegen 23h zu kalt wird und ich nach Hause fahre. Was für ein voller und toller Tag!
14. Juni
Heute kläre ich, wie ich meinen Koffer und meinen wertvollen Laptop versichert nach Deutschland schicken kann. Und bekomme ein Kompliment für meine Sprachfähigkeiten. Klar – besonders blutigen Anfängern macht man solche Komplimente, aber freuen tue ich mich trotzdem darüber :-)
Ansonsten ist der Tag relativ ruhig; ich gehe in ein Café, schreibe etwas Blog und treffe mich abends mit Reem für eine Tanzveranstaltung, wie sie sagte.
Tatsächlich ist es eher ein live-Konzert – aber in einer mega coolen Location und einer mega Band. Die Musik ist eine ganz eigenartige Mischung, aber die Musiker sind gut und wissen, wie sie die Menge mitnehmen.
Reems Mann Stefano und eine Freundin von ihr namens Giorgia kommen auch dazu. Was mir gefällt: sie sind Italiener!
Wir quatschen ein bisschen auf einer Picknickdecke und beobachten die sehr schönen Menschen, die hier nach und nach eintreffen. Irgendwann bekomme ich ein bisschen Komplexe, weil sie alle so schön und wahnsinnig stilvoll angezogen sind. Ich fühle mich wie eine richtige deutsche Kartoffel neben ihnen. Aber macht nix - es geht ja nicht immer nur um's Äußere, ne!
Nach dem Konzert, gegen 22.30h, wollen Stefano und Giorgia noch runter in die Stadt, um feiern zu gehen. Da ich auf Reisen bin, bin ich dabei – solche Gelegenheiten sind meistens einmalig und müssen daher genutzt werden! Reem und ich wollen zum Glück nicht lange bleiben, sodass wir uns auf 1,5 Stunden einigen. Wir fahren zusammen mit dem Auto dorthin. Und zu meiner Überraschung fährt Giorgia… die nicht wenig betrunken ist. Reem schnallt sich noch nicht mal an. Mir fällt innerlich die Kinnlade herunter und ich bete, dass alles gut geht.
Am Club angekommen fragt uns der Türsteher nach Eintrittsgeld. Ich weiß nicht genau, was Stefano mit ihm bespricht, aber er belabert ihn so, dass wir alle vier keinen Eintritt bezahlen müssen. Als hätte er ihn verhext. Die Musik ist mies, die Leute größtenteils betrunken. Reem und ich sind gar nicht begeistert, Giorgia schon und Stefano schwirrt irgendwo in der Menge mit seinen Freunden herum, die er hier getroffen hat.
Nach den vereinbarten 1,5 Stunden fahren wir zum Glück zurück, wieder mit dem Auto, wieder fährt Giorgia– ich bete wieder – und es geht alles gut. Als ich wieder auf meinem Fahrrad auf dem Weg nach Hause sitze, geht’s mir besser. Selbst das Steuer in der Hand zu haben ist doch immer noch das Beste! Vor allem unbetrunken!Read more
Musikvideo
June 14, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 24 °C
Da ich pro Beitrag nur ein Video hochladen kann, hier ein extra Beitrag für ein Video des Konzerts mit Reem, Stefano und Giorgia.








































































































































































































