• #21 – Endlich Musik!

    June 13, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 22 °C

    13. Juni
    Der Tag heute ist ein grande Casino! (ein großes Durcheinander)
    Morgens arbeite ich normal im space, aber mit vielen eng getakteten Terminen, bei denen viel soziale Interaktion gefragt ist. Mittags treffe ich mich mit Lorenzo zum Mittagessen. Wir haben uns seit einigen Wochen nicht gesehen und ich bin sehr gespannt zu hören, wie es ihm so geht. Lorenzo hat immer tausend Projekte am Start, also mal schauen, was er so zu erzählen hat!
    Er lädt mich zum Essen ein, was ich sehr nett finde! Und es schmeckt sehr lecker :-) Wie so oft hat er sehr viel Redeanteil – aber mittlerweile habe ich gelernt, dass viele Italiener:innen reden können wie Wasserfälle und man nicht höflich (deutsch?) warten sollte, bis sie fertig sind. Denn das kann unter Umständen (wirklich!) Stunden dauern.

    Tatsächlich erzählt er mir einige interessante Dinge, die er gerade plant und an denen er arbeitet. Und auch, dass in Florenz Wahlen waren und die Italiener Fans von einem Deutschen sind, der sich zur Wahl hat aufstellen lassen. Er könnte -Zitat von Lorenzo- die verkrusteten politischen Strukturen in Florenz etwas auflockern. Denn hier herrschen seit dem Mittelalter einige reiche Familien – und zwar immer dieselben! Er meint, es sei Zeit für einen Wechsel.

    Und er habe den Eindruck, dass sehr viele Ausländer mittlerweile nach Florenz kommen, um hier zu wohnen. Wir vermuten, dass es eine Mischung aus Pandemie-Nachwirkungen, home-office-Möglichkeiten und der Schönheit von Florenz ist. Besonders Amerikaner seien sehr angetan von Florenz sagt er. (Abends lerne ich einige amerikanische Schüler:innen kennen, die hier für die Sommerferien einige Zeit verbringen – vielleicht wird da der Grundstein für die Begeisterung für Florenz gelegt?)

    Wir verabschieden uns nach 1,5 Stunden herzlich und er sagt: „Lass uns nochmal treffen, bevor du fährst!“ – „Sehr gerne!“ . Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn kennen gelernt habe und er mich auf dieser Reise begleitet und auch viel unterstützt!

    Der Arbeitstag vergeht zäh, da ich an einer recht anstrengenden Aufgabe sitze und wird nochmal aufgehellt, als ich mit Michael (meinem Freund und Arbeitskollegen) telefoniere und er mir erzählt, dass wir uns in der Folgewoche evtl. treffen können, weil er mit seiner Freundin in Italien sein wird! …vielleicht klappt es ja :-)

    Abends artet es dann richtig in Stress aus -irgendwie kamen nach und nach mehr und mehr Sachen dazu heute!- : zuerst habe ich Yoga und direkt im Anschluss einen Kochkurs. Yoga geht 15min länger als angegeben, der Kochkurs eine Stunde länger als angegeben – sodass ich leider früher gehen muss, weil ich mich nach dem Kochkurs verabredet hab. Aber ich bin absolut begeistert, dass sowohl der mega gute Yogakurs auf der Dachterrasse, als auch der Kochkurs in meinem Coworking-Abo inkludiert sind!

    Beim Kochkurs lernen wir, wie man selbst Pasta macht: Tagliatelle, Tortelloni, etc. . Die Lehrerin ist ca. Ende 60 und eine mega coole Socke. Alle anderen Teilnehmer:innen sind sehr jung (jugendlich), sehr offen und nett. Hier erfahre ich, dass einige amerikanische Schüler:innen für die Sommerferien in Florenz sind und irgendwelche Kurse besuchen (hab noch nicht herausgefunden, was für Kurse...). Nächste Woche nehme ich mir mehr Zeit für den Kurs! …denn am Ende isst man das zusammen, was man fabriziert hat - und das verpasse ich heute leider.

    Denn um 21 Uhr hat mich Cris für ein kostenloses Live-Konzert einer Band eingeladen. Einige Freunde von ihm gehen dort hin und ich darf dazu kommen :-) Der Bruder einer Frau aus der Runde spielt in der Band – sau cool! Endlich wieder etwas (live) Musik in meinem Leben :-)

    Die Location ist gemütlich und schön, Cris integriert mich gut und es ist cool, nochmal neue Leute kennen zu lernen. Wir sind in einer Art Park direkt am Arno (dem Fluss in Florenz), wo ein paar Buden für Essen und Trinken, die Bühne und ein paar Tische und Bänke stehen. Die meisten in der Runde sprechen entweder Spanisch (aus Südamerika) oder Italienisch und eher mäßig gutes Englisch, sodass ich nicht so viel (Tiefgründiges) zur Unterhaltung beitragen kann.

    Leider bin ich klamottentechnisch nicht gut ausgestattet für die Tageszeit (Cris hatte mich erst vormittags dazu eingeladen), sodass es mir gegen 23h zu kalt wird und ich nach Hause fahre. Was für ein voller und toller Tag!

    14. Juni
    Heute kläre ich, wie ich meinen Koffer und meinen wertvollen Laptop versichert nach Deutschland schicken kann. Und bekomme ein Kompliment für meine Sprachfähigkeiten. Klar – besonders blutigen Anfängern macht man solche Komplimente, aber freuen tue ich mich trotzdem darüber :-)

    Ansonsten ist der Tag relativ ruhig; ich gehe in ein Café, schreibe etwas Blog und treffe mich abends mit Reem für eine Tanzveranstaltung, wie sie sagte.

    Tatsächlich ist es eher ein live-Konzert – aber in einer mega coolen Location und einer mega Band. Die Musik ist eine ganz eigenartige Mischung, aber die Musiker sind gut und wissen, wie sie die Menge mitnehmen.

    Reems Mann Stefano und eine Freundin von ihr namens Giorgia kommen auch dazu. Was mir gefällt: sie sind Italiener!
    Wir quatschen ein bisschen auf einer Picknickdecke und beobachten die sehr schönen Menschen, die hier nach und nach eintreffen. Irgendwann bekomme ich ein bisschen Komplexe, weil sie alle so schön und wahnsinnig stilvoll angezogen sind. Ich fühle mich wie eine richtige deutsche Kartoffel neben ihnen. Aber macht nix - es geht ja nicht immer nur um's Äußere, ne!

    Nach dem Konzert, gegen 22.30h, wollen Stefano und Giorgia noch runter in die Stadt, um feiern zu gehen. Da ich auf Reisen bin, bin ich dabei – solche Gelegenheiten sind meistens einmalig und müssen daher genutzt werden! Reem und ich wollen zum Glück nicht lange bleiben, sodass wir uns auf 1,5 Stunden einigen. Wir fahren zusammen mit dem Auto dorthin. Und zu meiner Überraschung fährt Giorgia… die nicht wenig betrunken ist. Reem schnallt sich noch nicht mal an. Mir fällt innerlich die Kinnlade herunter und ich bete, dass alles gut geht.

    Am Club angekommen fragt uns der Türsteher nach Eintrittsgeld. Ich weiß nicht genau, was Stefano mit ihm bespricht, aber er belabert ihn so, dass wir alle vier keinen Eintritt bezahlen müssen. Als hätte er ihn verhext. Die Musik ist mies, die Leute größtenteils betrunken. Reem und ich sind gar nicht begeistert, Giorgia schon und Stefano schwirrt irgendwo in der Menge mit seinen Freunden herum, die er hier getroffen hat.

    Nach den vereinbarten 1,5 Stunden fahren wir zum Glück zurück, wieder mit dem Auto, wieder fährt Giorgia– ich bete wieder – und es geht alles gut. Als ich wieder auf meinem Fahrrad auf dem Weg nach Hause sitze, geht’s mir besser. Selbst das Steuer in der Hand zu haben ist doch immer noch das Beste! Vor allem unbetrunken!
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