• Die ganze Nacht hat es geregnet und so richtig ruhig schlafen konnte ich nicht, denn wir stehen neben einer schmalen Schlucht an einem Fluss. Man weiß ja nie, inwieweit sich so ein kleiner Fluss zu einem reißenden Strom ausbreitet. Micha ist wie immer entspannt. Das beschert ihm auch ruhigere Nächte. Nach dem Frühstück kämpft sich unser Womo den Berg hoch. Hier wird schon einiges von ihm abverlangt, denn die steilen Anstiege sind durch den Starkregen teilweise abgetragen und große Wasserrinnen haben sich gebildet. Dann kommen wir in die Stadt Perito Moreno, wo wir gern nochmal unsere argentinische Gasflasche aufgefüllt hätten (auf die Füllung unseres Gastanks machen wir uns hier schon mal keine Hoffnungen), aber leider ist es nicht möglich. So fahren wir weiter zum Grenzort Los Antiguos. Dieser liegt am zweitgrößten See Südamerikas, dem Lago Buenos Aires. Da er durch Gletscher gespeist wird, ist das Wasser wundervoll klar und blau. Wir bleiben dort eine Nacht stehen, um unsere Wäsche in einer Lavanderia abzugeben und starten den Versuch, unsere Dachfenster- Verkleidung zu reparieren, die sich während der Huckelpisten gelöst hat und beinah auf unsere Köpfe gefallen wäre. Es gelingt uns jedoch nicht. Dafür können wir hier doch noch die Gasflasche füllen. Dann fahren wir zur chilenischen Grenze. Dieses Mal werden wir wie eine Weihnachtsgans ausgenommen. Bisher liefen alle Grenzkontrolle locker ab und wir achteten immer darauf, kein Gemüse und Obst dabei zu haben. Aber alles, was eingefroren war, durften wir behalten. Doch diese Grenzer sind schlimmer als in der DDR. Unser schönes argentinisches Fleisch (eingefroren), tiefgefrorene Erdbeeren, getrocknete Kräuter, Körner... einfach alles wird beschlagnahmt. Ich bin stinksauer. Jede Grenze scheint es hier anders zu handhaben!
    Frustriert fahren wir nach Chile Chico. Der Ort ist niedlich, aber ich bin sauer und kann ihm nichts abgewinnen. So fahren wir weiter am See entlang, der nun aber Lago General Carrera heißt, aber mit jedem Kilometer schöner wird. Meine schlechte Laune verfliegt somit schnell. Herrliche Ausblicke eröffnen sich, so dass wir aller paar Kilometer stehen bleiben, um ein Foto nach dem anderen zu schießen. Ein absoluter Traum! Wegen der vielen Fotografiererei schaffen wir auf der Schotterpiste der übelsten Sorte es nicht, Puerto Rio Tranquilo zu erreichen. Macht nichts. So genießen wir den restlichen sonnigen Tag auf einem Parkplatz den Blick auf den See.
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