• Abenteuerliche Fahrt auf dem Altiplano

    19. maj, Chile ⋅ 🌬 9 °C

    Am Chungara See zu übernachten, bedeutet zwar herrliche Ruhe, doch bei dieser Höhe lässt es sich sehr schlecht schlafen. Immer wieder wacht man auf, wahrscheinlich, weil die Sauerstoffversorgung so schlecht ist. Deshalb sind wir auch schon früh wach und überlegen, wie es nun weitergeht. Option 1: wir fahren Richtung Putre zurück und zur Küste. Langweilig, aber dafür keine großen Höhen mehr. Option 2: die abenteuerliche Strecke über den Salar de Surire. Ganz klar: Wir entscheiden uns für die Abenteuerstrecke! Was uns bis dahin nicht klar ist, was für eine Strecke da auf uns zukommt!
    Zunächst sind wir noch ganz glücklich über unsere Wahl, denn die kleine Straße ist schön asphaltiert. Allerdings nur die ersten Kilometer. Dann Schotterpiste. Geht aber auch noch alles gut. Wir fahren an mit bunten Schleifchen geschmückten Lamas vorbei und vielen Vicuñas. Die Landschaft ist beeindruckend. Auf den etwa 100km begnen wir nur sehr wenigen anderen Fahrzeugen. Kurz vor dem Salzsee ist ein Auto liegen geblieben. Wir versuchen dem armen Kerl mit unserer Starter-Hilfe zu helfen. Liegt aber nicht an der Batterie. Kurz darauf kommen aber noch zwei seiner Kollegen, die ihn schließlich abschleppen.
    Wir fahren weiter zum Salar. Dort sind wir enttäuscht. Der Salzsee liegt auf 4250m Höhe und ist über 17.000ha groß. Allerdings so schön blendend weiß mit Flamingos, wie er im Reiseführer beschrieben wird, sieht er gar nicht aus. Außerdem wird in großen Mengen Borax abgebaut und viele LKWs fahren herum. Wir könnten hier übernachten (am Ufer steht auch ein Womo aus der Schweiz), aber wir haben keine Lust auf noch eine Nacht in über 4000m. Laut IO-App gibt es in 90km eine Schlafplatz, der 3.900 m hoch liegt. Eindeutig besser, denken wir uns und fahren weiter. Nun werfen wir einen Blick auf den DPF und oh Schreck: 98% und jetzt wird uns bewusst, dass die Strecke mehrere Kilometer über einen Berg führt, der 4.750m hoch liegt. Voller DPF und höchster Punkt unserer bisherigen Reise im Doppelpack 😱😱! Ich schreie Micha an, dass er zurück runter zum See fahren soll, denn falls wir stehen bleiben, sind dort zumindest Leute, die uns helfen könnten. Aber Micha meint, dass es besser ist, weiterzufahren und unter 4000m zu kommen. Noch dazu kommt, dass der Weg immer schlechter wird. Tiefe Furchen, immer wieder trennt sich der Weg und wir fahren die falsche Strecke, die wegen ausgewaschener Rinnen ins Leere führt und wir zurück müssen. Wenn wir jetzt hier liegen bleiben und eine Nacht in dieser Höhe verweilen müssen... Es ist die völlige Katastrophe. Unsere Nerven liegen brach. Der DPF zeigt nun 106%!!! Wir wussten gar nicht, dass das möglich ist. Dann erreichen wir 4300m und was soll ich sagen: der DPF regeneriert wieder!🤩👏👏
    Uns fällt ein Stein vom Herzen!
    Nun kämpfen wir gegen die zunehmende Dunkelheit und wollen noch unseren Übernachtungsplatz vor Sonnenuntergang erreichen. Wir müssen einen Fluss durchfahren, bei dem in IO steht, dass man ihn nicht an dieser Stelle überqueren soll, sondern nach links auf den Weg abbiegen soll. Als wir die beschriebenen Koordinaten anfahren, kommen wir zu einer Hütte, aus der mehrere Hunde auf uns zu stürmen. Hinterher rennen die zwei Bewohner der Hütte. Zwei hutzelige, völlig verschmutzte Indigene, deren Gesichter von der Sonne vertrocknet sind. Es ist wie in einem Horrorfilm! 😱 In meiner Fantasie sehe ich das Ehepaar schon mit Gewehren auf uns zu rennen. Tatsächlich hat die Oma Angst, dass wir ihren Dackel überfahren und sie so schnell rennt, um ihn schützend in die Arme zu nehmen😅. Die beiden erklären uns, dass dieser Weg über den Fluss noch viel schlimmer ist und wir lieber wieder auf den anderen Weg fahren sollen. Also wieder zurück und zweiter Anlauf. Ich teste die Tiefe. Das eiskalte Wasser geht mir nur bis zu den Knien. Also Auto passt durch! Alles gut! Die nächsten 10km gestalten sich noch einmal sehr herausfordernd. Es geht bergab und auch hier teilen sich die Wege. Immer wieder haben wir den falschen Weg gewählt, der zu unüberwindbaren Rinnen führt und Micha im Rückwärtsgang bergauf fahren muss. Gerade, als die Dunkelheit herein bricht, haben wir den schlimmsten Teil der Strecke überstanden. Nun geht es durch verlassene Ortschaften, in denen die Fensterläden unheimlich im Wind schwingen und die Häuser gespenstische Schatten in der Dunkelheit werfen. Plötzlich kommen wir zu einem Militärposten. Diese Strecke ist, weil sie parallel zur bolivianischen Grenze führt, eine Schmugglerroute. Unsere Pässe werden kontrolliert und wir können weiter fahren. Endlich erreichen wir den Parkplatz an einer Therme. Allerdings parken wir 500m davor, denn wir sehen im Dunkeln den Weg nicht mehr und die Therme scheint, wie der Ort davor schon seit langem verlassen. Völlig erschöpft gehen wir früh ins Bett und sind wahnsinnig dankbar, dass alles nochmal gut gegangen ist.
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