• Brasília, die künstliche Hauptstadt

    September 29 in Brazil ⋅ ☀️ 34 °C

    Von den Kolonialstädtchen bis nach Brasília ist es noch ein ganzes Stückchen zu fahren. Wir schaffen es aber noch am frühen Abend in Brasília anzukommen und finden einen tollen Stellplatz am Ufer des künstlichen Sees Paranoá. Ein riesiger Parkplatz, auf dem schon einige Wohnmobile, die meisten aus Brasilien, stehen. Hier kann man sogar sein Schmutzwasser entsorgen und Trinkwasser tanken. Der Ort ist fantastisch. Wenn man will, kann man baden gehen, direkt vor uns laufen Capivaras herum und an der anderen Seite schaut man auf Brasília. Eigentlich müsste man hier länger verweilen, aber leider haben wir nicht so viel Zeit. Am nächsten Morgen fahren wir in die Hauptstadt hinein. Alles, alles ist enorm weit voneinander entfernt. Ohne Auto ist es nicht möglich, die Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Überhaupt wurde beim Bau der Hauptstadt nicht an Fußgänger gedacht. Nirgendwo gibt es Fußgängerwege. In den 1950er Jahren wurde die Stadt mitten im Binnenland Brasiliens errichtet, um Rio de Janeiro als alte Hauptstadt abzulösen, die wir zu negativ mit der kolonialen Vergangenheit verbunden war. Betrachtet man Brasilia von oben, fällt auf, dass es wie ein Flugzeug aussieht. Wir steuern die Zentralachse (Eixo Monumental) an. Dort befinden sich alle Ministerien, die aneinander gereiht, sehr hässlich an DDR- Wohnblöcke en erinnern, die Hauptattraktionen, wie der Congresso Nacional, die Praça dos três Poderes, also der Platz der drei Gewalten und der Fernsehturm mit einem tollen Wasserspiel davor. Die meisten Bauwerke sind aus der Feder von Oscar Niemeyer, dem Star-Architekten Brasiliens. Leider ist der Fernsehturm für die nächsten Jahre wegen Bauarbeiten geschlossen. Schon allein, um sich diese Gebäude anzuschauen, läuft man sich einen Wolf. Außerdem ist es wieder mal sehr heiß und in dieser sengenden Sonne zu laufen, ist kein Spaß. Sehr schön ist die Kathedrale Metropolitana. Wir sind der Meinung, dass das die schönste moderne Kirche ist, die wir bisher gesehen haben. Wenn sich eine Person neben den Eingang an die gerundete Wand stellt und die anderen Person auf die andere Seite an die Wand, dann kann man sich gegenseitig hören, auch wenn man ganz leise spricht. Lustiger Klangeffekt.
    Danach fahren wir noch zum Santuário Dom Bosco, aber vorher machen wir einen Halt vor einer Schule, bei der junge Leute Mittagessen verkaufen, was frisch zubereitet wird und wirklich sehr lecker ist. Die Kirche Dom Bosco landet bei uns auf Platz 2.der schönsten, modernen Kirchen der Welt. Die Fassade besteht von Boden bis zur Decke aus blauen Glaswürfeln, die die gesamte Kirche in vielen unterschiedlichen Blautönen taucht. Von der Decke hängt ein Leuchter herab, der über 2 Tonnen schwer sein soll und aus Murano-Glas besteht. Also schon allein, um diese beiden Kirchen zu sehen, hat sich der kleine Umweg nach Brasília gelohnt. Für uns geht es am Nachmittag weiter. Morgen wollen wir uns eine der vielen Höhlen hier in Minas Gerais anschauen.
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