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  • Day29

    Station 11: Rotorua

    April 6 in New Zealand ⋅ 🌧 16 °C

    Ein großer Grund warum ich Neuseeland besuchen wollte, war meine Faszination für ureinwohner Kulturen. Ich finde es interessant mir vorzustellen, wie diese Menschen gelebt haben und wie ihre Länder heute wohl aussehen würden, wäre die Kolonialzeit ein wenig freundlicher zu ihnen gewesen. Aber wie jeder weiß, hatten Europäer zu der Zeit so eine gewisse Neigung zum Völkermord, sobald sie tolles neues Land und ihre lästige nicht-weiße Bevölkerung gefunden und sich erinnert haben, dass sie ja tolle Waffen und so besitzen.

    In Australien zum Beispiel haben die britischen Siedler sich vorgenommen, Aboriginie-Kinder ihren Eltern wegzunehmen und sie in sogenannte Reeducation-Camps gesteckt, um ihnen die britisch-christliche Kultur einzutrichtern und schließlich durch gezielte Züchtung ihre Rasse auszulöschen.
    In Amerika hat man's sich da leichter gemacht und die Ureinwohner einfach ganz klassisch zusammengepfercht und systematisch ermordet. Und afrikanische Ureinwohner wurden natürlich gefangengenommen und in alle Welt verschärbelt.
    Abgesehen von den offensichtlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die diese Völkermorde darstellen, finde ich es einfach tragisch, wie viel Kultur und Weisheit dabei verlorengegangen sein muss.

    Aber wenn man ein Land besuchen will, in dem die Ureinwohner und ihre Art zu Leben noch weitestgehend verschont geblieben ist, ist man in Neuseeland jedenfalls nicht verkehrt. Die polynesischen Maori besiedelten Aotearoa (ihr Name für Neuseeland, was so viel bedeutet wie "Land der langen weißen Wolke") viele Jahrhunderte bevor James Cook es fand. Und wie für Cook üblich, wusste er sich als Gast zu benehmen. Sicher hat es hier und da Auseinandersetzungen gegeben, aber soweit ich weiß hat es nie Versuche der britischen Siedler auf Neuseeland gegeben, die Maori zu vertreiben oder gar auszulöschen. (Was eventuell auch daran gelegen haben könnte, dass Maori-Krieger gemeinhin gigantische Fleischberge mit gruseligen Tattoos waren.) Und auch die Maori respektierten ihre Besucher, vor allem Handelspartner. Sicher hat es die Briten nicht gestört, dass sie das Land das sie wollten kriegen konnten, in dem sie den Maori einfach süchtigmachenden Zucker und Musketen verkaufen konnten, mit denen die Häuptlinge sich dann einfach gegenseitig umbrachten.

    Natürlich hat sich die britische Kultur heute durchgesetzt, trotzdem ist die Maori-Kultur noch immer quicklebendig und fest in die Identität des Landes integriert. Mann sieht es überall, von der Art, wie die Gebäude und Straßen verziert sind, bis hin zum Essen, Schmuck und der Musik. Es gibt Maori-Feiertage, Maori-Schulen und sogar Maori-Fernsehkanäle in der Maorisprache, welche zusammen mit Englisch als offizielle Landessprache zählt und auch in Schulen unterrichtet wird. Auch politisch scheinen Maori noch viel zu sagen zuhaben. Sie haben ihre eigenen Parteien und jeder Teil von Neuseeland wurde einem der überlebenden Maori-Stämmen zugesprochen, damit sie ein Mitspracherecht darüber bekommen.

    Lange Rede, wenig Sinn: das ist der Grund, warum ich nach Rotorua gekommen bin. Es ist eine der ältesten Städte des Landes, von den Maori selbst gegründet und noch bis heute ein heiliger Ort/Kulturzentrum/Touristenattraktion/beschauliche Kleinstadt.
    Hier gibt's viel zu tun, ganz abgesehen von den vielen Heißen Quellen, den Thermalaktivitäten und der "Eat Street", auf der sich Restaurants aneinanderreihen. (Ja, die heißt tatsächlich so.)
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