• Good old Germany: Leipzig

    August 31, 2024 in Germany ⋅ ☁️ 24 °C

    Die letzte Station der Ostroute unserer EastWestSideStory ist Leipzig. Der Step dorthin war mit gut 700 Kilometern recht ambitioniert. Aber Polens Straßen machen das möglich! Nach den ersten 200 Kilometern: Ein Déjà-vu für uns Ruhrpott-Kinder. In der Industrieregion von Katowice gab es doch tatsächlich noch betriebstüchtige Kohlekraftwerke, Kokereien und auch Stahlwerke. Wahrscheinlich werden die Polen hier alles in Betrieb lassen, demnächst modernste CO2-Capture-Storage-Technik anwenden und sich so die teuren Umwege ersparen, die wir in Deutschland zu gehen pflegen.
    Der Platz in Leipzig, ein Knaus-Campingpark, liegt stadtnah an einem See, bietet großzügig Platz und eine Waschbärfamilie, die sich gerne bei den Campern und deren Hinterlassenschaften bedient.
    Am nächsten Morgen waren wir nach 20 Minuten ÖPNV in Leipzig. Die Gebühr von 60 Euro für den 'freundlichen Innendienst' der Verkehrsbetriebe, den ein Schild in Bus und Bahn ankündigt, hätten wir fast 'berappen' müssen. Denn die nicht so freundliche App der Verkehrsbetriebe verweigerte leider bei Kontrolle ihren Dienst. Aber wir blieben hartnäckig und widersetzten uns. Leipzig ist schließlich die Stadt des friedlichen Widerstandes.
    Ganz eindeutig: Die Stadt hat Spaß gemacht!
    Zunächst der historische Bahnhof, um 1900 gebaut, mit einer Länge von 300 Metern und 27 Gleisen: Eine Kathedrale der ehemals durchaus funktionstüchtigen deutschen (genauer: preußisch-sächsischen) Eisenbahn.
    Dann das historisch so vielfältige Stadtbild von Leipzig. Um nur Weniges zu nennen:
    Die romanisch-gotische Nikolai-Kirche, die mit klassizistischem Innenschmuck, mit der Luther-Kanzel und natürlich mit ihrer herausragenden Rolle in 1989 glänzt.
    Die hochgotische Thomas-Kirche, u.a. mit der Bach-Grablege.
    Dann die zahlreichen Gebäude aus Renaissance und Barock, die prachtvollen Jugendstilfassaden und Jugendstil-Passagen bis hin zur Modernität der Universität und der vielen Büro-Hochhäuser. Nicht zu vergessen: Die geradezu phantastischen Innenhöfe, die es in fast unüberschaubarer Zahl gibt, die fast alle von Gewerben und weniger für den Tourismus (Berlin) genutzt werden und die zumeist mit herrlichem Jugendstil prunken und zum Verweilen einladen.
    Natürlich gibt es auch neben der BRD-Gegenwart Leipzigs eine ordentliche Portion DDR-Nostalgie, an die wir mit Rotkäppchen- Sekt im Hinterhof anknüpfen mussten.
    Zudem ist Leipzig Kulturstadt. Hier werden sogar Socken mit den Konterfeis deutscher Geistesgrößen (auf dem Foto leider Beethoven, nicht Bach) verkauft! An Kulturgütern sind ansonsten noch zu erwähnen:
    Zunächst der Auerbach-Keller, in dem der leibhaftige Goethe als Student zechte und in dem sein faustischer Mepisto zum ersten Mal den Versuch unternahm, dem Doctor Faustus die Seele zu nehmen, indem er ihn zu dem entscheidenden Satz verführen wollte: "Werd' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön. Dann magst du mich in Fesseln schlagen." Nun, wir wissen, dass dieser Versuch in Auerbachs Keller fehlschlug! Wir haben auf einen Besuch des Kellers verzichtet. Das Restaurant erinnert doch in Optik und Speisekarte sehr an die übliche deutsche Rathauskeller-Gastronomie.
    Dann Johann Sebastian Bach, der Musikdirektor und Thomaskantor zu Leipzig. Sein Denkmal vor der Thomaskirche ist sehenswert!
    Und natürlich Gottfried-Wilhelm Leibnitz: Früher Aufklärer und Namensgeber der Leipziger Universität, dessen Statue den modernen Innenhof des Universitätshauptgebäudes schmückt. Sein zeitloses Werk könnte so manchem zeitgeistigen Moralisten der Berliner Politik eine durchaus pragmatischere Weltsicht eröffnen: Wenn er/sie ihn denn kennen oder - geschweige - gar einige Zeilen seines Werkes lesen würde/könnte!
    Zum Abschluss zu erwähnen ist der hypermoderne, weit überteuerte, architektonisch sehr gelungene, aber völlig überdimensionierte Kubus (Verwaltungs- und Redaktionsgebäude) des MDR, weitaus größer als das entsprechende Universitätsgebäude und sinnfälliger Beleg dafür, wie leichtfertig und teils sogar korrupt der MDR und der Öffentlich-Rechtliche-Rundfunk der Republik lt. Einschätzung des Bundesrechnungshofes mit den üppigen Zwangsgeldern seiner Gebührenzahler umzugehen pflegte. Aber was soll's?
    Für Leipzig halten wir fest: Die Stadt ist mehr als eine Reise wert!
    Jetzt geht's zunächst einmal nach Duisburg zu einem viertägigen Zwischenhalt. Dann in den Westen, Burgund, Périgord, Spanien und wohl Portugal warten auf uns!
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