Périgord vert
September 10, 2024 in France ⋅ ☀️ 20 °C
Gestern Abend gab es noch einen kleinen Spaziergang ins romantisch beleuchtete Brantôme. Und, quelle surprise, wieder einmal führte uns der Weg zu einem netten und diesmal sehr einfachen Restaurant. Mein Eindruck: Für Gourmands. Aber weit gefehlt, auch Gourmets kamen hier auf ihre Kosten. Auf unserem Tisch: Ein einfacher, aber leckerer Bergerac sec, eine gewaltige Scheibe Foie gras de Canard mit Aprikosen-Purée, Blätterteig-Pastete, gefüllt mit Kalbfleisch, Morcheln und Steinpilzen, ein knuspriges Confit von der Entenkeule, dreierlei Käse und ein Montbazillac. Um Monika zu zitieren: Martin auf Wolke 7 zum Quadrat.
Heute gab es dann einen ausführlichen Blick auf und in die Abtei von Brantôme, gegründet im 8. Jhdt. von Charlemagne, der auch die Reliquien des heiligen Sicarius, eines kindlichen Märtyrers, spendete. Solcherlei Reliquien füllten in mittelalterlichen Zeiten die Schatullen der Mönche. Die folgten zunächst frommen Einsiedlern und lebten, wie die Einsiedler, in den Höhlen der Kalkstein-Klippe, die sich über der Dronne erhebt. Später dann, dank sprudelnder Einnahmen, wurde gebaut. Allerdings machten marodierende Wikinger 100 Jahre später alles dem Boden gleich. Im 11. und 12 Jhdt. dann ein prachtvoller Wiederaufbau, von dem bis heute der romanische Glockenturm, immerhin der älteste Frankreichs, erhalten geblieben ist. Erwähnenswert: Dieser Turm ist weithin sichtbar, obwohl nur 15 Meter hoch. Des Rätsels Lösung: Er steht nicht, wie üblich, vor der Kirche, sondern auf einem Kalkfelsen weit oberhalb des Kirchenschiffs. So spart man Baumaterial und hinterlässt, ganz im Sinne der Neuzeitigen, einen kleinen ökologischen Fußabdruck. Dennoch: Die Mönche des Mittelalters wussten, wie und wo sich das französiche 'savoir vivre' verwirklichen lässt. Dank der zahllosen Pilger und deren Spenden, man hatte kostbare Reliquien und lag am Jakobsweg, sieht man noch heute gewaltige Treppenhäuser, große Säle, eine prachtvolle Kirche. Hinzu kommt die herrliche Lage direkt am Fluss und in einer Gegend, die für ihr gemäßigtes Klima berühmt ist. Auch der 'Lust'-Garten der Mönche zeugt von deren Lebensart. Im historischen Ambiente diese Lustgartens steht heute ein romantisches Vier-Sterne-Hotel, dessen Küchenchef immerhin stolze zwei Kochmützen beim Gault Millau erkocht hat. Hier lässt sich lustwandeln. Wir können das bestätigen!
Die Höhlen, in denen die ersten Mönche siedelten, sind auch heute noch zu sehen, aber leider nur von außen zu besichtigen.
Ein Grund: Die Abtei ist seit der französischen Revolution säkularisiert. Die Höhlen dienten seitdem teils als Forellenzucht, teils als Steinbrüche. Inzwischen müssen sie neu gesichert werden. Allerorten drohen Felsstürze. Andere Teile des Klosters beherbergen heute die Mairie und einige Kunstausstellungen. Alles sehr sehenswert!
Nach 'getaner Arbeit', die uns wie immer kaum schwer fällt und schwer fiel, ein Einkauf französischer Leckereien. Heute Abend gibt es kalte, aber sicher essenswerte Küche am Ufer der Dronne.
Morgen: Die Hauptstadt des Périgord, Périgueux.Read more



















Traveler
Wunderschöne Fotos!! Ich beneide Euch!! Hier Zeit für die Übergangsjacke