• Périgord noir

    Sep 13–15, 2024 in France ⋅ 🌙 11 °C

    Ein Step von lediglich 60 Kilometern und wir erreichten Montignac-Lascaux im Périgord noir. Die Ortsschilder hier weisen eine skurrile Besonderheit auf: Beim Ortseingang stehen die Ortsnamen auf dem Kopf, beim Verlassen sieht es 'normal' aus. Die Landschaft gewinnt immer mehr Charakter. Die Flusstäler sind tiefer ausgeschnitten, die Hügel höher und ab und an sehen wir auch die ersten Weingärten.
    Der Campingplatz in Montignac: Hervorragend! Mit Innen- und Außenpool, kleinem See, großen Stellplätzen, 500 Meter zur Altstadt, dicht an der Vézère und ca. 1500 Meter zu den Höhlen von Lascaux. Neben uns einige freundliche Engländer, die hier die Mehrheit der Touristen stellen, und ein nettes Paar aus Viersen. Niederrhein ist allerorten!
    Montignac ist ein größeres Dorf, aber diese Gemeinde ist quicklebendig. Wieder begegnet uns das typische historische Siedlungsbild des Périgord, aber hier sind wirklich alle Häuser bewohnt, die Straßen und Gassen nach Schul-Schluss voller Kinder und Jugendlicher. Eine sehr nette Deutsche mit israelisch-englischer Lebensgeschichte, die seit ca. 35 Jahren hier lebt, bestätigte unseren Eindruck. Trotz Landflucht mancher junger Menschen sei dieser Teil des Périgord jung, lebendig und voller Zukunft. Zu Tourismus, Land- und Bauwirtschaft kämen so manche kulturell bewegten Aussteiger, vor allem Engländer, die hier spirituelle Zentren, z. B. des Buddhismus, gründeten und dabei durchaus Geld mitbrächten.
    Der Ort Montignac ist wirklich schön. Der alte Teil klebt an den Kalkstein-Klippen oberhalb der Vézère (den haben wir uns noch gar nicht angeschaut!), der jüngere Teil des Dorfes, auch schon zwei Jahrhunderte alt, erstreckt sich an der rive droite und ist nicht weniger schön. Wir unternahmen dort einen kurzen Spaziergang und erwarben schon einmal Walnuss-Öl, Blocs de foie gras de canard et de oie, einige Pasteten und Rilettes. Manches für den Verzehr auf der Tour, einiges für das heimisch-kulinarische Überleben. In einer der pittoresken Gassen des Dorfes fanden wir eine kleine Gedenktafel, die an Marcel Ravidat erinnert, einen der vier jungen Männer, die die jungsteinzeitlichen Malereien der Lascaux-Höhle am 12. September 1940 entdeckt haben.
    Heute Abend dann ein Dinner, das in Erinnerung bleiben wird. Für mich Foie gras mit Meringue aus Eiweiß und Ingwer, dazu Feigenbrot und kleine Früchte, danach eine Roulade von der Caille (der Wachtel!), gefüllt mit Foie gras und dazu rote Bete, kleine eingelegte Zwiebel und rote Bete-Mousse. Monika hatte Confit vom Lachs mit geeistem Fenchel, danach Confit von der Ente. Das Essen war nicht nur köstlich, sondern, wie die Fotos belegen, eine Augenweide: Kulinarik auf Sterne-Niveau. Aber hier, im Périgord, darf man so etwas fast erwarten. Die Preise? Etwa das, was bei uns in Duisburg ein mittelprächtiger Italiener zu verlangen pflegt. Nach den Tagen hier verbietet sich, zumindest nach unseren letztjährigen Erfahrungen, all das, was man in Griechenland anzubieten wagte!

    Auf dem Heimweg vom Essen dann noch ein Blick auf den hiesigen 'Nationalsport' Rugby. Unter Flutlicht hatten die hiesigen Athleten um die 200 Zuschauer. Speziell beim 'Ruck' zählte allerdings eher Masse als Athletik. Aber alle auf dem Feld und auf den Rängen waren 'in der Sache bewegt'.
    Jetzt noch ein wenig Ausklang in den eigenen vier Wänden.
    Morgen zunächst auf den Wochenmarkt hier, dann 12.30 Uhr in die Höhlen von Lascaux. Wir sind gespannt.
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