• Radtour mit Hindernissen

    October 9, 2024 in Portugal ⋅ 🌙 18 °C

    Heftiger Regen trommelte schon frühmorgens auf das WoMo-Dach. Das blieb die Begleitmusik bis zum frühen Nachmittag. Aber auf die Wetterfrösche war Verlass. Ab zwei Uhr zogen die letzten Schauer ab und der stürmische Wind legte sich ein wenig. Übrig blieb das, was man böig nennt.
    Wir haben dann unsere Räder flott gemacht. Quer durch das von Sielen, moorigen Abschnitten und zahlreichen Salinen-Becken durchzogene Hinterland der Ria Formosa führt der gleichnamige Radweg nach Tavira. Die Tour ließ sich gut an. Fahrradbrücken zur Überquerung der Siele und kleinen Flüsschen, landeinwärts Palmen, ab und an ein typisches, in portugiesischem Weiß gekälktes Haus. In und an den Salinen wurde gearbeitet. Ende der Sommersaison ist die Zeit, in der Meersalz und auch das Flor de Sal geerntet wird. Zunächst wird es an die Ränder der Becken gezogen, getrocknet, bis es seine strahlend weiße Farbe hat, mit Baggern auf LKW geschaufelt und abtranportiert. Was wir dann wenige Kilometer vor Tavira sahen, machte uns sprachlos. Es waren keine Eisberge oder Schneegipfel, die da schneeweiß den Weg säumten, aber mächtige Gipfel aus purem Salz. Als ich den ersten von Nahem betrachten wollte, war meine Kurventechnik jenseits des Radweges brillant. Aber dann stieß ich an meine fahrerischen Grenzen. Schon nach wenigen Metern lauerte gemeiner, lehmiger Matsch, vom Dauerregen des Vormittages zusätzlich durchweicht. Die Reifen sammelten dieses Lehm- Matsch-Gemisch auf, pressten es perfekt in den Raum zum Schutzblech, die Räder blockierten und ich stand mit meinen sauberen Schuhen und meiner frisch gewaschenen Hose knöcheltief im Matsch. Einen Sturz konnte ich nur knapp verhindern. Für jeden, der ein wenig Freude an Schadenfreude hat, der perfekte Slapstick. Mit Stöckchen, Papier und Pfützen haben wir in konzertierter Aktion mein Rad und mich wieder fahrbar gemacht und uns Richtung Tavira bewegt. Dort ein Himmelsgeschenk: eine Tankstelle mit Waschbox, Hochdruckreiniger und ganz viel Schaum. Die Moral von der Geschicht' : Kein Unglück ist so groß, dass man nicht irgendeinen Nutzen daraus ziehen könnte. Mein Fahrrad und auch Monikas glänzen wie schon lange nicht mehr. Die Schuhe waren durchweicht, aber stadtfein! So stand einem Bummel durch das Städtchen nichts mehr im Wege. Eine alte Burg, eine schöne weiße Kirche, zwei attraktive Fluss-Ufer-Promenaden, nette Gassen und Geschäfte, gemütliche Bars, Cafés und angenehm wärmende Sonne. Und ... Unmengen an Engländern. Wir konnten uns nicht des Eindrucks erwehren, dass sich die Engländer für den Verlust ihres ehemaligen Kolonialreichs hier in Tavira, nicht unweit von Gibraltar, entschädigen wollen. Die zumeist alten Damen und Herren - der Alters-Schnitt ist so hoch, dass selbst wir ihn nicht zu senken vermögen - tragen zum Zeichen ihres ungebrochenen Abenteuer-Mutes und ganz gleich, ob die Sonne scheint oder nicht, Sonnenhüte: teils geflochten, teils aus Stoff, gern auch aus Leder.
    Im nächsten Jahr fahren wir nach England. Das Land muss im Herbst recht menschenleer sein!
    Bei dieser Überzahl 'behüteter' Comic ähnlicher Insulaner lasse ich meine Kopfbedeckung, die mich seit Jahren in den Süden begleitet, nun lieber im WoMo, Sonnenschutz ist zur Zeit eh kaum nötig.
    Nach dem Bummel durch Tavira radelten wir dann - komplikationsfrei - zurück nach Cabanas und zu unserem Jour Fixe in der kleinen Bar an der Ria Formosa.
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