• Granada

    October 13, 2024 in Spain ⋅ ☁️ 20 °C

    Granada ist jeden Ton jener Arie wert, die ein Mexikaner vor fast 100 Jahren dieser Stadt 'auf den Leib' geschrieben hat.
    Es ist nicht nur die prachtvolle Erscheinung der weltweit berühmten Alhambra (die wir bereits vor Jahren besucht haben), die Granada als legendären Ort Spaniens auszeichnet. Da ist auch der Albaicín, das älteste und nasridisch geprägte Stadtviertel, das auf und an den Hängen eines Bergrückens erbaut wurde, der dem Hügel der Alhambra direkt gegenüber liegt. Wenn man sich der Mühe unterzieht und bis zum Aussichtspunkt dieses Bergrückens, dem Mirador San Nicolás, hinaufklettert, hat man einen phantastischen Blick auf den Nasriden-Palast und die dahinter liegenden Gipfel der bis zu 3 500 Meter hohen Sierra Nevada. Auf dem Bergrücken Albaicín gibt es einige nette Cafés und Restaurants mit herrlichem Blick auf die Stadt und die Berge, die keine Phantasie- Preise wegen ihrer guten Lage einfordern. Wir haben einen Tisch auf der Terrasse einer Bar direkt gegenüber der Alhambra ergattert, von dem wir den phantastischen Blick wie auf ein Gemälde genießen konnten. Die Straßen-, besser 'Gassen'führung des Viertels und manche Häuser am unteren Hügel stammen aus der Zeit der Mauren. Das gesamte Viertel gewährt auch heute noch einen Blick in die Kultur dieses letzten Bollwerks muslimischen Glaubens auf der iberischen Halbinsel. Es gibt enge Souks mit viel touristisch-arabisch anmutendem Angebot und dunkle, arabisch scheinende Restaurants und Bars, die in ihre kulinarischen 'Höhlen' locken wollen. Skurril: Inmitten des maurischen Bazars werden Krippenfiguren der 'Heiligen drei Könige' zum Verkauf geboten. Mehr Reconquista geht nicht. Eine Ausnahme im Multikulti des EU-Europa.
    Und natürlich ist Granada das mächtige Symbol der erfolgreichen spanisch-christlichen Reconquista. Um diese zu feiern, haben die spanischen Könige für viel Geld bauen und künstlerische Kreativität einkaufen lassen: Da ist die gewaltige Kathedrale, die erste im Stil der Renaissance auf spanischem Boden. Da ist die Real Audiencia y Chancillería, die auf Geheiß von Isabelle I. von Kastilien erbaut wurde und bis heute das höchste Gericht südlich des Tejo beherbergt. Dann ist da die Capilla Real, in der das Königspaar der Reconquista beigesetzt ist und vor der an diesem Wochenende des spanischen Nationalfeiertages Massen von Spaniern, darunter auch viele Schulklassen, Schlange standen. Und es sind die zahllosen Brunnen, die die Rückeroberung und die spanische Vormachtstellung des 'goldenen Zeitalters' feiern, wie etwa der, der Columbus zeigt, während er der Königin die Pläne seiner Entdeckungsreise darlegt, und, und, und ... .
    Über all das hinaus ist Granada eine moderne, wohlhabende, sehr gelassen wirkende Stadt: Die Gran Via verströmt Eleganz, die Plätze sind lebendige Orte dieses Lebenstils und viele Restaurants bieten, trotz des Tourismus, ausgezeichnete Küche. Die haben wir natürlich genossen.
    Zugleich allerdings belegen Protest-Plakate, dass das Leben in der Stadt unter dem massiven Alhambra-Tourismus leidet und die Bürger an dem Overtourism etwas ändern wollen. Die Alhambra ist nach dem Vatikan die meistbesuchte Tourismus-Attraktion Europas.
    Wir haben den Tag in Granada genossen. All das hier ist immer wieder einen Besuch wert. Monika und ich stellen erneut fest:
    Y viva españa!
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