• Hinab zum Mare mediterraneum

    October 14, 2024 in Spain ⋅ ☁️ 21 °C

    Inzwischen sind wir am Cabo de Gata angekommen. Unser Platz liegt inmitten einer alten Vulkan-Landschaft direkt am Mittelmeer. Der nächste Ort, Las Negras, ist ein kleines, recht ursprüngliches Fischerdorf und in 20 Minuten Fußweg leicht zu erreichen.
    Der Weg von Granada hierher war mehr als spektakulär. Zunächst ging es am Nordrand der Sierra Nevada entlang. Die Straße lag über weite Strecken höher als der Brenner. Mehrfach wurden uns zwischen 1400 und 1500 Meter angezeigt. Nach Nord-Osten hin, bevor wir eine karge, unwirtliche und staubtrockene Karstebene durchquerten, verwandelt sich die Sierra in eine einzigartige Landschaft. Auf zweihundert Quadratkilometern sind dicke Lösschichten zu einer Art Lös-Felsen verdichtet, der allerdings deutlich weicher ist als normales Felsgestein. Dieses gelbliche Gestein bildet Felskamine, Hügel, die mehrere hundert Meter hoch sind und dann steil, fast senkrecht abbrechen. Das alles formte eine Landschaft, die einem mexikanischen Western entsprungen zu sein scheint.
    In die aus 'weichem Fels' bestehenden Abbrüche - insbesondere in der Gegend um Guadix - haben Menschen Wohnhöhlen gegraben. Diese Art Wohnsiedlung gibt es bereits seit der Bronzezeit, hat also eine 'gewisse' Tradition, die bis in die Jetztzeit reicht. Denn die Wohnhöhle kann ein durchaus angenehmer Ort sein. Im heißen Sommer und z.T. unwirtlichen Winter halten diese Wohnungen ohne viel Kühlung oder Heizung angenehme 20 Grad. Klimaanlagen haben wir an diesen Wohnstätten trotz der andalusischen Hitze nicht gesehen. In grauer Vorzeit waren die Höhlen eine attraktive Alternative zum Haus- oder Hüttenbau, da Baumaterial nicht notwendig ist und einfaches Werkzeug zum Graben reicht. Als Rauchfang dienen gemauerte Kamine, die dann irgendwo aus dem Boden oberhalb der Höhle hervorragen.
    Die modernen Höhlen werden parallel zum Hang gebaut, sind in der Front mit weiß-gekälkten Wänden oder sogar mit Klinkern verkleidet, größere Fenster lassen natürliches Licht in die vorderen Räume. Die historischen Höhlen haben eine schmale Fassade, die gerade für Tür und ein Fenster Platz boten. Lt. Prof. Dr. Google müssen die heutigen Bewohner der gegrabenen Wohnungen weder auf Strom noch Wasser verzichten und müssen nur zum Telefonieren auf die Straße gehen, da das Gestein auch vor dem Mobilfunknetz schützt. Als wir etwa 1990 hier auf dem Weg nach Murcía durchgefahren sind, war von den modernen Tuff-Höhlen noch nichts zu sehen. Damals herrschten hier pure Armut und Abgeschiedenheit.
    Von Guadix aus ging es quer durch die wasserlose Karst-Ebene hinunter ans Mittelmeer. Als wir vom Gebirge auf die Ebene hinabsahen, staunten wir über die verschneiten Täler. Was da an weißen Flächen zu sehen war, entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als riesige Gewächshaus-Plantagen von der Größe unzähliger Fussballfelder, alle mit weißen Zeltplanen überzogen. Unter diesen Planen wachsen Tomaten, Gurken, Paprika, Erdbeeren, Melonen und Zucchini, und das unabhängig von jahreszeitlichen Schwankungen. Da Wasser hier nirgends zu fördern ist, wird es in Pipelines aus dem spanischen Norden hierher geleitet. Wie ich bei einem Besuch in der Rioja erfuhr, geschieht dies sehr zum Unwillen der baskischen Nordspanier. Der insgesamt größte Teil des hier 'erwässerten' Gemüses geht nach Deutschland. Was wir sahen, gilt als die größte Obst-und Gemüseplantage der Welt!
    Der Rest des Weges führte uns auf schmaler Straße durch die hiesige Vulkan-Landschaft, diesmal ohne Gewächshäuser, und dicht ans Mittelmeer. Der Camping- Platz hier hat einen kleinen eigenen Strand. Alles ist von kargen Felsen gerahmt, die wir demnächst erkunden werden.
    Jetzt wollen wir das warme mediterrane Klima genießen!
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