• Museo Reina Sofia

    21 Ekim 2024, Ispanya ⋅ ⛅ 17 °C

    Wenn man aus der Estación del Arte emporsteigt, fällt der Blick auf ein beeindruckendes städtebauliches Ensembel, die Plaza 'Glorieta Carlos V': Ein gewaltiger Platz, gerahmt vom Prado, dem Stahl-Glas-Palast des Atocha-Bahnhofs, dem ethnografischen und dem Reina-Sofia-Museum sowie dem Retiro-Park.
    Unser Ziel heute ist Reina Sofia. Das berühmte Museum (Top 10 Europas) birgt zeitgenössische Kunst des 20. Jahrhunderts. Das Gebäude war von 1788 bis 1970 ein königliches Hospital und wurde dann, ohne den baulichen Größenwahn bei Berliner Kunstmuseen oder dem Neuen Schloss, in ein Museum umgewandelt. Den Treppenhäusern und manchen Gebäudeteilen sieht man noch heute ihre frühere Funktion an. Den Kunstschätzen im Innern 'tut das keinen Abbruch'.
    Da ist zuallererst Picassos nur in Grau, Weiß und Schwarz gemaltes Guernica. Wir haben eine Replik des Gemäldes bereits in der gleichnamigen Stadt besucht, wo es eher lieblos präsentiert wird. Hier im Museum erst erkennt man die christliche Triptychon-Altar-Struktur des riesigen Kunstwerks, die sich Picasso mit seiner ganz eigenen Symbolik und Ikonographie angeeignet hat. Auf den Flügeln die Lichtträgerin, die zur brennenden Frau mutiert, und der Stier, der eine Mutter mit Kind/Pieta zu durchbohren droht. Im Zentrum das von einem Speer verletzte, zusammenbrechende Pferd, das einen dem Tode geweihten und von einem Schwert durchbohrten Menschen unter sich begräbt. Am oberen Bildrand ein Gottes-Auge, das dieser Apokalypse des Pisasso kalt und teilnahmslos zuschaut. Vor diesem Gemälde hocken immer wieder zahllose Gruppen von Grundschulkindern auf dem Museumsboden und lauschen fasziniert und still ihren Lehrerinnen. Wer etwas sagen will, meldet sich und darf nach vorn treten. Die Lehrerinnen engagiert und zugewandt, die Kleinen, in ihrer Schuluniform, begeistert und neugierig. Es bot sich ein Blick auf eine andere Grundschul-Kultur, als ich sie inzwischen kenne.
    Reina Sofia präsentiert insgesamt große Kunst: U.a. Braque, Miró, Dalí, Max Ernst, Griss, Picasso, Magritte. Man sieht von diesen nicht nur die weltbekannten Werke, die man selten als Original, aber eben als Abbilder und Drucke immer schon 'irgendwo' gesehen hat. Neben diesen bekannten Werken sieht man auch Werke aus deren Jugend und deren künstlerischen Sozialisation. Bevor Dalí, Miró und Picasso sich der puren Abstraktion von den Gegenständen der Abbildung verschrieben haben, eigneten sie sich jede bedeutsame Maltechnik spanisch-kulturhistorischer Tradition an. Die Frühwerke beweisen das sehr eindrücklich. Die Kunst dieser Künstler fußte tatsächlich auf Können!
    Interessant auch: Ein Dalí, der eine Languste eher real als surreal auf die Leinwand bannt. Der Mann war in Sachen Kulinarik Realist und nicht bereit für surreale Experimente.
    Noch zu erwähnen: In einem der Räume das innovative Werk 'Zwei Frauen im Garten', von mir photographisch dokumentiert. Die eine Frau, eine Plastik aus Blech und Stahl, gefertigt von Picasso, die andere die leibhaftige Monika Wachtel!
    Nach zwei/drei Stunden im Museum bummelten wir dann wieder durch neue, uns unbekannte Prachtstraßen und Gassen dieses irgendwie 'endlosen' Madrid in das Chueca Viertel: Erneut Prachtbauten, vor allem die für Madrid so typischen Flatiron-Gebäude, die man auch aus anderen Metropolen kennt, aber nirgendwo so verziert mit Stuck, Gold, mit Balkonen und barocken Figurinen sind. In einem dieser Pracht-Gebäude gibt es eine stilvolle Luxus-Einkaufsmeile, die wirklich alle Labels bot, die den Titel 'Luxus pur' für sich vereinnahmt haben.
    Direkt davor eine Lorca-Statue. Wie sehr die Spanier ihren Nationaldichter und Opfer der Franco-Diktatur auch heute verehren, zeigt die rote Rose, die ihm in die bittend geöffneten Hände gelegt worden ist.
    In Chueca, nach immerhin dreizehn Kilometern 'Madrid', ein wohlverdientes kühles Bier und für Monika in der bereits bekannten Boutique eine wärmende Hose für die kalten Tage, die auf der Rückfahrt gewiss auf uns warten werden.
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