• Prado

    22–23 Eki 2024, Ispanya ⋅ 🌙 19 °C

    Heute stand der Prado auf dem Programm, ein Museum das oft in einem Atemzug mit dem Louvre genannt wird. Und das, so meine ich, mit Fug und Recht. Dabei haben wir vielleicht ein Viertel der Ausstellungsräume gesehen und Künstler wie Hieronymus Bosch und seinen Garten der Lüste, Pieter und Jan Bruegel oder Dürer erst gar nicht wahrgenommen.
    Wir haben uns auf die Klassiker der spanischen Malerei 'beschränkt'. Denn irgendwann werden die Augen müde!
    Was bleibt in Erinnerung?
    El Greco, dessen in die Länge gezogene asketische Figuren (vielleicht auf einen Sehfehler des Künstlers zurückzuführen) eine ganz besondere Aura ausstrahlen.
    Diego Velazques, der sich in 'Las Meninas', immerhin einem Portrait von Mitgliedern der Herrscher-Familie, selbst als Maler derselben abbildet und damit in der europäischen Kunstgeschichte den ersten Schritt zum Genie-Begriff der modernen Kunst vollzog. Der Künstler tritt endgültig als begabtes Individuum aus dem Schatten seiner Förderer. Imposant ist sein Monumental-Gemälde, die 'Übergabe von Breda/Las Lanzas', in dem die Augen über viele Minuten schweifen können.
    Dann natürlich Goya, der als erster die Mitglieder der Herrscherfamilie so zeichnete, wie sie aussahen: Kinder als Kinder und Langnasen als Langnasen; der als erster die Hofnarren und Schelme zum Gegenstand der höfischen Malerei machte, der den mühsamen Alltag der spanischen Bauern zum Motiv nahm und so zum Wegbereiter des Realismus wurde; und der in seinen 'Los Desastres de la Guerra' die Grausamkeit der napoleonischen Kriege auf der iberischen Halbinsel zeigte und der wegen dieser Bilder und Stiche als früher Wegbereiter des europäischen Impressionismus gilt. Und natürlich gab es auch DAS Skandalbild Goyas zu sehen, den Akt der Herzogin von Alba. Dieses Bild hätte Goya Kopf und Kragen kosten können, denn es rief die - im 19. Jahrhundert allerdings schon schwächelnde - spanische Inquisition auf den Plan.
    Als letztes gab es noch einen Besuch beim Flamen Peter Paul Rubens: In einem der Ausstellungsräume ist seine Werkstatt nachgestellt und man sieht in exemplarischer Gegenüberstellung Originalwerke des Meisters und Kopien derselben durch die Werkstatt, also durch seine Mitarbeiter. Da Rubens abschließend immer noch selbst 'Hand anlegte' und den Bildern den 'letzten Schliff' gab, fällt es bis heute selbst Kunsthistorikern schwer, ein Original des Künstlers von der Arbeit seiner Werkstatt zu unterscheiden. Als Museumsbesucher darf man selbst raten, welches Bild von der Hand des Meisters stammt und welches nicht. Amüsant und lehrreich!
    Da jegliches Photographieren verboten war, bleiben dem Besucher dieses großen Museums, wie bis zum 19. Jhdt. weltweit üblich, das Gedächtnis und das, was man aufgeschrieben hat. Uns hat das Photographierverbot erst später erreicht..
    Nach diesem gewaltigen 'Happen' Kunst und Kultur ging es in das Viertel rund um die Museumsmeile. Dort auf der Calle de Jesus fanden wir eine Tapas-Meile, die Happen ganz anderer Art anbot. Da unser Appetit auf Kunst bereits gestillt war, fanden wir schnell den Weg in die kleine urspanische Bar von José, der nicht nur laut Urkunde 'Meister des Zapfhahns' ist, sondern zudem exzellente Weine, rot wie weiß, und leckere Tapas anbot. Für uns gab es Bacalao in Öl und Tomaten, Anchoas mit süßen Paprika, Salat mit Thun und Fleischbällchen.
    Danach, in jeder Hinsicht gesättigt, noch ein Bummel durch die Gassen, vorbei am monumentalen und gut bewachten Landwirtschaftsministerium und zum Atocha-Bahnhof, der mit seiner Stahl-Glas-Konstruktion aus dem 19. Jahrhundert Architektur-Geschichte geschrieben hat. Leider wird er renoviert. Das hieß: Kein Zugang!
    Inzwischen sind wir zurück am WoMo. Morgen geht's weiter.
    Madrid, nos vemos de nuevo. Wir sehen uns wieder! Diese Stadt gilt es weiter zu entdecken!
    Okumaya devam et