• Guido Luterbach
  • Guido Luterbach

Luzern Rom auf dem Pilgerweg

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  • Tromello

    13 Mei 2025, Italia ⋅ ☁️ 20 °C

    Nur einen kurzen Espresso, und wir sind startbereit. Frühstück werden wir erst in Mortara zu uns nehmen.
    Der Himmel ist dunkel, es hatte über Nacht geregnet und wohl erst kurz zuvor aufgehört. Zu Beginn müssen wir auf einer stark befahrenen Überlandstrasse gehen. Alle fahren gestresst zur Arbeit, überholen und rasen, was das Zeug hält. Wir sind froh, als wir diese Strasse hinter uns lassen und auf die bereits bekannten Wege zwischen den Reis- und Maisfeldern kommen. Dieses Mal geht es nicht im Zickzack, sondern eher diagonal dem nächsten Ziel entgegen. Die Wege sind oft mit Gras überwachsen oder sandig.
    Nach sieben Kilometern erreichen wir Mortara und suchen uns in der Altstadt ein ansprechendes Frühstückslokal. Ausserdem kaufen wir noch zwei Sandwiches als Zwischenverpflegung für den Mittag. Bald verlassen wir die Stadt und kommen an einem alten, stillgelegten Werkgelände vorbei, das bereits von Pflanzen überwachsen wird.
    Der weitere Weg ist ähnlich wie zuvor, nur gibt es mehr Baumpflanzungen und Bauernhöfe. Teilweise wundert man sich über die Grösse der Höfe und deren Zustand. Ein Teil der Gebäude verfällt, ist stillgelegt oder in einem miserablen Zustand. Es entsteht der Eindruck, dass man auf dem Land sehr bescheiden lebt. Die Wegesanierungen sind ebenfalls speziell: Auf manchen Streckenabschnitten wird einfach ein Fuder Mischabbruch, ausgebauter Asphalt oder unsortiertes Kiesmaterial mit Steinen über 30 cm aufgeschüttet – fertig.
    Den Friedhoefen sollte man auch Beachtung schenken. Sie liegen meist 1 bis 2 km ausserhalb der Doerfer, oft hinter hohen, tristen Mauern und wirken recht lieblos.
    Der Weg zu unserem Zielort Tromello zieht sich ploetzlich in die Laenge. Vermutlich liegt das an der Eintoenigkeit der Landschaft und der drueckenden Mittagsschwuele, die das Wandern anstrengender machen.
    Der Hotelbezug läuft mit eingespieltem Ablauf ab – erst beziehen wir das Zimmer, dann erkunden wir ohne Ballast das Dorf.
    Den Apero nehmen wir in der Dorfbar ein, zwischen Kartenspielenden. Es wird dabei manchmal recht laut. Nach und nach trudeln Einheimische ein, und es wird voll. 2erli Weisswein mit Chips fuer 1,50 Euro – das passt!
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  • Pavia

    14 Mei 2025, Italia ⋅ ☀️ 21 °C

    Mit je zwei Espresso und einem Croissant sowie leichtem Regen starten wir in den Tag. Schnell verlassen wir das Dorf Tromello und folgen den Feldwegen. Lange geht es entlang eines grösseren Kanals. Danach erreichen wir die Kleinstadt Garlasco, wo wir auf dem Hauptplatz einen Kaffee trinken und in etwa zehn Bars vergeblich nach einem Pilgerstempel fragen.
    Weiter geht es über Felder, immer wieder entlang von Kanälen und durch kleinere Bauerndörfer.
    In Gropello Cairoli angekommen fällt uns auf, dass sich an jedem Ende der Hauptstrasse eine Kirche gegenübersteht – um eine der Kirchen ist sogar ein Kreisel gebaut. Man muss fast den Kopf einziehen und etwa 1,5 Meter hinabsteigen, um in die Kirche zu gelangen. Offenbar ist sie beim Bau des Kreisels „abgesoffen“.
    An einem grossen Friedhof machen wir Halt und besichtigen die Anlage. Rundherum sind schmale, hohe Grabhäuschen angeordnet, innen Gräber wie bei uns. Es gibt sogar ein Kellergeschoss mit Wandgräbern.
    Heute ist die Landschaft abwechslungsreicher mit mehr Baum- und Heckenbestand. Sogar ein Reh kam über das Reisfeld durchs Wasser auf uns zu, sprang direkt vor unserer Nase über die Strassenhecke, über die Strasse und verschwand in den Landhecken.
    Bevor wir endlich zum Ticino gelangen, müssen wir eine gefühlt endlose Strecke auf einer asphaltierten Nebenstrasse zurücklegen, was uns zu schaffen macht. Umso mehr freuen wir uns auf den Waldstreifen entlang des Ticinos, auch weil inzwischen die Sonne brennt und wir im Schatten der Bäume etwas Kühle erhoffen. Doch die Freude hält nicht lange: Mückenschwärme stürzen sich hungrig auf uns. Stehenbleiben ist nahezu unmöglich, ohne von den Mücken gefressen zu werden. Die Devise lautet: Immer in Bewegung bleiben und mit den Armen fuchteln – die einzige Lösung, um die lästigen Viecher abzuwehren.
    Der Weg kurz vor Pavia ist offiziell gesperrt wegen einer fehlenden Fussgängerbrücke. Um weitere stark befahrene Strassenabschnitte zu vermeiden, ignorieren wir die Sperrung. Bis auf je einen Schuh voll Wasser können wir den Bach trotz fehlender Brücke problemlos queren. Bald darauf liegt Pavia mit den drei hintereinander angeordneten Brücken über den Ticino vor uns. Nach 32 Kilometern freuen wir uns, herrlich über die alte gedeckte Brücke in die Stadt einzulaufen. Mit dem Rucksack auf dem Rücken fühlt man sich in der Innenstadt zwischen Touristen und Einheimischen schon etwas ausserirdisch.
    Mit dem Appartement haben wir es auch wieder einmal gut getroffen. Morgen, nach 30 Tagen Aufbruch, steht ein Ruhetag zur Erholung und Stadtbesichtigung an.
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  • Pavia

    15 Mei 2025, Italia ⋅ ☀️ 25 °C

    Heute sind wir spät, erst um 08:00 Uhr, aufgestanden. Wir gönnen uns einen Ruhetag, um die Stadt ausführlich zu erkunden. Nach einem gemütlichen Morgenessen gehen wir als erstes ins Touristenbüro, um den Pilgerstempel von Pavia zu holen und Informationen zur Stadt zu erhalten. Besonders sehenswert sind vor allem die Kirchen. Auf der Piazza geniessen wir bei herrlichem Sonnenschein einen weiteren Espresso.
    Beim Stadtrundgang zeigt sich, dass die Pavaneser mehr aus ihrer Stadt machen könnten. Es dünkt einen, als würden sie sich auf dem Bestehenden ausruhen und dieses mehr schlecht als recht unterhalten. Einzig die Schnellimbissläden sind in letzter Zeit dazugekommen. Die Stadt lebt aber – das Palaver ist allgegenwärtig, und man hat sich immer etwas zu sagen.
    Wir haben schon gefühlte hundert Kirchen gesehen und sind immer wieder überrascht über die Vielfältigkeit der Gebäude und ihrer Ausstattung: Bilder, Malereien und die Andersartigkeit, was Prunk, Schlichtheit oder Gepflegtheit anbelangt. Damals wurde vom Klerus dem Volk viel abverlangt, und vermutlich noch heute für den Unterhalt – Spendentöpfe stehen überall.
    Speziell in Pavia sind die mittelalterlichen, schlanken und hohen Türme. Von einst über hundert sind heute nur noch fünf vorhanden. Sie waren Status- und Machtsymbole einflussreicher Familien.
    Da heute ein sehr warmer Tag ist, war der Ruhetag gut platziert. Auf unserer Stadtbesichtigung finden wir in den teilweise engen Gassen immer wieder Schatten.
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