Resumee der Reise
25. januar, Tyskland ⋅ ☁️ 1 °C
Wie schon bei meiner letzten großen Reise nach Indien und Nepal versuche ich eine grobe Zusammenfassung: Als ich mich an eine Auflistung meiner Aktivitäten in diesen 25 Tagen und 26 Nächten in Japan machte, fiel mir selbst erst auf, WIE VIEL Verschiedenes ich dort unternommen und angeschaut habe. Von außen betrachtet sieht es vielleicht nach Aktionismus und Stress aus. Es fühlte sich aber meistens gar nicht sooo hektisch an. Als ich kurz vor der Reise Nami meinen Plan mit den 15 verschiedenen Unterkünften in 10 Städten gemailt habe, war ihr Kommentar: "Dein Plan ist gut - du lässt dir überall genügend Zeit". Die Taktung der in Japan lebenden und arbeitenden Menschen scheint mir generell sehr eng zu sein. Vielleicht überträgt sich dieses Tempo ja auf uns Japanreisende?
2 HALBE UND 1 GANZER TAG MIT FREUNDIN /COUSIN
mit Nami: 1 Museum, 1 Meditationsstunde, einige Tempel, Läden und 2 Restaurantbesuche
mit Andreas: 1 Cafe- und 1 Restaurantbesuch
9 VORGEBUCHTE AKTIONEN UND FÜHRUNGEN
3 Stadtführungen (2 in Tokyo, 1 in Kyoto im Gion-Viertel)
1 Stunde "Kochkurs" Okonomyaki
1 Teezeremonie
1 Wassertaxi-Rundfahrt (Tokyo)
1 Kinobesuch (Osaka)
2 x Aussichtsplattformen (Tokyo, Osaka)
10 MUSEUMSBESUCHE / KUNSTORTE
8 Kunstmuseen in Tokyo (3), Nara (2), MIHO (1), Hiroshima (1), Setoda (1) Osaka (2)
1 Enoura-Observatory (Parkgelände mit Kunstwerken, Naturdenkmalen, kleinen Tempeln)
1 Kunstbiennale in Omihachiman (am Biwa-See)
4 SPIRITUELLE EVENTS
1 ZEN-Meditation in Kamakura
1 Yogastunde in Hakone
1 Gebetsritual in Koyasan
1 Homa (Feuerzeremonie) in Koyasan
7 TAGE MIT LEIHFAHRRÄDERN
Hikone (1), Kyoto (2), Hiroshima (1), Miyajima (1), Shimanami Kaido (2)
--> davon 3 längere Insel-Radtouren in der Natur (Miyajima / Inselhopping)
12 x ÖFFENTLICHE SETO-BÄDER UND HAUSEIGENE ONSEN IN RYOKANS UND HOTELS:
abendliche Badbesuche in Tokyo (2), Hakone-Yumoto (2), Hikone-Ryokan (2) H iroshima (3), Koyasan (2), Osaka-Hotel (1)
UNZÄHLIGE TEMPEL UND SCHREINE, 3 FRIEDHÖFE
ÄHNLICHKEITEN zu meiner Indien- und Nepalreise empfand ich
1. besonders bei der großen MENGE VON MENSCHEN IN DEN TOURISTISCHEN HOTSPOTS UND IN STÄDTEN: Allerdings war IN JAPAN der TOURISTENANTEIL VIEL HÖHER! (Ich konnte zwar Chinesen und Koreaner nicht so eindeutig wie Europäer oder Amerikaner als "Touristen" identifizieren, aber insgesamt waren es sehr viele.)
2. Ähnlich wie in Indien und Nepal fühlte ich mich nirgends ganz unbeobachtet. Trotzdem sind die Straßen in Japans Städten im Vergleich zu Indien viel freier - keinerlei Chaos! Vor allem, weil es wenig motorisierte Zweiräder gab.
3. Beide Asien-Reisen waren dominiert von TEMPELN UND SCHREINEN - quasi jeden Tag besichtigte ich mehrere. Wobei ich das Gefühl hatte, dass die RELIGIÖSEN UND SPIRITUELLEN Praktiken / Gebete / Riten in Japan von den meisten Personen wesentlich kürzer und pragmatischer - weniger "innig" und überzeugt - absolviert wurden als in Indien. Andererseits ist in Japan der Shintoismus eng verknüpft mit Naturgottheiten, an die auch die meisten Buddhisten glauben und diese verehren. Es gibt - wiie in Nepal - diese Koexistenz verschiedene Glaubensrichtungen, die sich nicht gegenseitig ausschließen: geheiratet wird christlich (westlich) oder shintoistisch, beerdigt wird buddhistisch. Auch der NON-DUALISMUS schien mir in allen diesen asiatischen Ländern zu herrschen. Nicht "entweder-oder", sondern viel öfter "sowohl - als auch". Es gibt nicht den EINEN richtigen Weg, die EINE zutreffende Antwort...
UNTERSCHIEDE:
1. Der Aspekt GEFÜHRT UNTERWEGS SEIN:
In Indien und Nepal hatte ich in den fast 10 Wochen mindestens in der Hälfte der Tage (eher öfter) irgendeine geführte oder begleitete "Tour", Wanderung, Besichtigung: durch eigene private Führer/innen (Kavita, Dil /Gajanajam, Ellen Dietrich, Rekha, Prasun, Nikhil, Dipa), seltener durch "öffentliche" Führer (Chitwan, Taj Mahal, Neu Delhi). Obwohl mein Aufenthalt in Japan nur ein gutes Drittel der Indien-Nepal-Reisezeit dauerte, musste ich MEHR Besichtigungen etc. SELBER ORGANISIEREN, BUCHEN, SUCHEN. Seltsamerweise hatte ich in den nicht einmal 4 Wochen in Japan eher das Gefühl ALLEINE unterwegs zu sein. Was ich manchmal als anstrengend empfand. In Indien und Nepal war ich jeweils nur einzelne Tage dazwischen mal NICHT geführt oder "begleitet" unterwegs. In Japan nach den 3 Tagen mit Andreas und Nami dagegen fast durchgehend.
2. der EXOTIKFAKTOR war in Indien und Nepal viel größer!
Was auch an dem VIEL größeren Entwicklungs- bzw. Zivilisationsgrad in Japan liegt. Japan ist eine verhältnismäßig kleine Insel (Gesamtfläche ca gleich wie Deutschland) - Indien ist ein riesiger Subkontinent, Nepal ist dominiert vom höchsten Gebirge der Welt. Japan hat ein extrem dichtes Netz von Schienen und Straßen - alles funktioniert dort schnell und meistens reibungslos. Der Grad der Erschließung ist in Japan um ein Vielfaches höher als zum Beispiel in Nepal oder in Rajasthan. Es ist ein hoch zivilisiertes , technisiertes, elektrifiziertes, digitalisiertes Land.
a) In Japan fehlen: GERÜCHE (besonders Körpergeruch wird verabscheut), FARBEN (außer bei den roten Torii, Tempeln und Schreinen sowie bei Kimonos), MUSIK, KLÄNGE UND GESÄNGE (in der Öffentlichkeit), jede Art von ungeregeltem CHAOS. Es gibt außer Vögeln und den Rehen / Hirschen in Nara und Miyajima kaum TIERE. Auch wenig Haustiere (außer kleine verhätschelte Hunde und Katzen - oft in Kinderwägelchen) in den Städten, kein GEHUPE; GESCHREI oder andere spontane Lebensäußerungen. LAUB UND STAUB vor Hauseingängen, auf den Straßen und in den Parks werden ständig gekehrt, gesammelt und entfernt.
b) Ich bin KEINE ZUMUTUNG für meine Umgebung: Das oberste Prinzip scheint zu sein: Nicht auffallen!!! - also bin ich zweckmäßig, ordentlich und sauber gekleidet und bewege mich zügig, aber kontrolliert. RENNEN in der Öffentlichkeit ist ebenso unüblich und verpönt wie ESSEN, TRINKEN, RAUCHEN, SCHREIEN, LACHEN, HEULEN, BERÜHRUNGEN MIT ANDEREN MENSCHEN. Dementsprechend gibt es ÜBERALL Warnhinweise, was man tunlichst unterlassen sollte: nicht drängeln in den Bahnhöfen, im Bus nicht aufstehen während der Fahrt , auf jeder Verpackung gibt es X-Hinweise, was mit diesem Produkt keinesfalls getan werden soll. VORSCHRIFTEN UND REGELN sind nochmal deutlich präsenter als in Deutschland, dem dieser Ruf ja auch vorauseilt. VERKEHRSREGELN werden unhinterfragt befolgt - eine rote Ampel ist GESETZ!!! Die Straßen drum herum können komplett autofrei sein - ALLE Fußgänger und ALLE Fahrzeuge warten geduldig, bis das Licht grün wird. Jede Baustelle wird "bewacht" von mindestens einem Lotsen - meist mehreren, die mit Lichtern und Kellen den Auto- und Fußgängerverkehr darum herum leitet. Ähnlich sieht es an großen Museums- oder Tempeleingängen aus - die Besucherströme werden von Lotsen kanalisiert und genau kontrolliert. Schulklassen unterwegs laufen in ordentlichen Reihen hintereinander und tragen gleichfarbige Mützen oder Kappen - und zwar auch noch ältere Schüler/innen. Natürlich tragen sie außerdem Schuluniformen - genau wie in Indien und Nepal.
Der SPONTANEITÄTSFAKTOR geht gegen null. Es gibt wenig bis KEINE ÜBERRASCHUNGEN im Alltag. (Selbst einem Erdbeben gehen viele Warnungen und Anweisungen voraus!)
Eigentlich dürfte es auch kaum Unfälle und Gewalt geben... (Das zu recherchieren wäre interessant!)
b) KÖRPERHYGIENE UND SAUBERKEIT:
Wie bei uns in der Coronazeit trägt auch heute etwa die Hälfte der Bevölkerung in der Öffentlichkeit Mund-Nasen-Masken. Besonders häufig in den öffentlichen Verkehrsmitteln (mindestens 2/3 bis 3/4 der Fahrgäste), aber selbst, wenn Personen alleine unterwegs sind auf Fahrrädern, in Parks und in den Straßen. PANTOFFELN sind das meist getragene Schuhwerk in jeder Art von Gebäude. Oder Socken. SCHUHE UND SCHIRME MÜSSEN DRAUSSEN BLEIBEN: aus Tempeln, Scheinen, Hostels, kleinen Museen, vielen Hotels, Restaurants, aus Privathäusern und Wohnungen sowieso. Überall gibt es SCHIRMSTÄNDER UND SCHUH-SCHLIESSFÄCHER. Socken gehen auch, werden aber nicht so gerne gesehen - nackte Füße gehen nicht. Vor vielen Toiletten stehen zusätzliche Toilettenpantoffeln. Onsen dürfen ohnehin nur komplett nackt betreten werden. (Über den Reinigungswahn dort habe ich ja ausführlich beschrieben.) Lebensmittel sind in den Läden grundsätzlich industriell verpackt - selbst Bananen, Orangen und Äpfel - alles Obst und Gemüse ist in Plastik eingeschweisst. Plastik ist allgegenwärtig. Wird aber nicht auf die Straße geworfen - ebenso wenig wie Papier, Flaschen, Dosen oder Zigarettenkippen.
Es gibt keine öffentlichen Abfallbehälter - jeder nimmt seinen Müll mit nach Hause. Nur direkt in den Supermärkten, vor Imbissen und Kiosken und manchmal in Bahnhöfen gibt es manchmal Mülleimer. Trotzdem - oder deswegen? - sind alle Straßen sauber. Öffentliche Toiletten sind überall zu finden und - genau wie in Neuseeland - picobello. Werden ständig gereinigt. (Siehe Wim Wenders "Perfect days"-Film) Fast alle Toiletten haben eine elektrische Armatur mit unzähligen Funktionen: Bidet vorne oder hinten, Gebläse, Geräuschkulissen, Sitzheizung - nur die einfache Spülfunktion musste ich oft lange suchen. Die meisten Waschbecken haben Seife, warmes Wasser und Trockengebläse - selten Papierhandtücher (potentieller Abfall!!!) Wenn man all DAS als exotisch betrachtet, ist Japan sehr exotisch!
c) KOMMUNIKATION / HÖFLICHKEIT / HILFSBEREITSCHAFT (WEGE ZEIGEN, ERKLÄRUNGEN...)
sind vorbildlich. Man und frau wird nicht angequatscht ohne triftigen Grund (angefasst sowieso nicht!), gegrüßt allenfalls durch Nicken bzw. Verbeugungen (sogar die Rehe in Nara verbeugen sich ;-)) Dagegen wird jede Frage und Bitte um Information ernst genommen und beantwortet. Auch wenn der / die Gefragte keine Ahnung hat, wo der richtige Weg oder wie die Lösung meines Problems ist. Die meisten bemühen sich aber WIRKLICH um eine Hilfe, d.h. geben weitere Hinweise oder begleiten einen ein Stück.
ENGLISCH sprechen oder verstehen nicht alle - ganz anders als in Indien, wo wirklich JEDE/R Englisch spricht - selbst Analphabetinnen wie Dipa aus Varanasi.
Allerdings ist oft nicht klar, ob mein Gegenüber WIRKLICH KEIN Englisch versteht und spricht. Man möchte sich keine Blöße geben, bloß keine Fehler machen. Bevor ich einen Fehler beim Sprechen mache, gebe ich vor, überhaupt kein Englisch zu können...
TRANSPORT UND VERKEHR:
sehr gut, quasi keine Probleme beim Ticketkauf, besonders dank Google Maps!!! auch bei der Orientierung selbst WÄHREND Bus- oder Metrofahrten, Anschlüsse, Pünktlichkeit, Beratung an den Bahnhöfen, Möglichkeit, Fahrräder auszuleihen - alles bestens. ALLES; was PLANBAR ist, ist geregelt: die Laufrichtung bei Treppen, die Aufstellpunkte bei Zügen, Bussen, Trams, das Tempo (NICHT rennen, nicht drängeln, EINZELN hintereinander warten!)
SEHENSWÜRDIGKEITEN: Toll, alles sehr gut aufbereitet in den Ausstellungen und bei den Führungen / Events
EINKAUFEN: 24/7 SHOPS an jeder Ecke, d.h. man kann fast alles dort kaufen: etwas zu essen und zu trinken (ABER kaum Käse, Kräutertee, frisches Obst), die wichtigsten Drogerieartikel, Elektroartikel, Zeitungen, Spielzeug, Regenschirme... Man kann dort auch Geld wechseln, Geld abheben, SIM-Karten oder Geld-karten für Metro und Bus kaufen / aufladen, Fotos ausdrucken, kopieren. Es gibt oft auch heißen Kaffee / Tee und Mikrowellengeräte, um sich etwas warm zu machen.
Sprich:
Der Alltag ist so gut wie möglich durchorganisiert, zeiteffizient und quasi OHNE REIBUNGSVERLUSTE. Das ist für ausländische Reisende einerseits großartig, andererseits aber auch ein bisschen schade, wenn man wie ich, kleine harmlose Abenteuer, Überraschungen und spontane Kontakte zu Einheimischen schätzt. Kurz gesagt: Es war eine schöne, spannende Reise, auf der ich vieles gesehen, genossen und gelernt habe. Worüber ich wenig erzählen kann ist die Natur und die Vielfalt der Landschaften. Es gibt riesige Wälder, tolle Berge, Inseln, Strände, Meer und Seen hier. Die habe ich allesamt kaum erlebt, weil ich meistens in Städten unterwegs war! Aber auch dort ganz wenig Historisches, wirklich Altes, die Städte sind vom Gesamtbild längst nicht so attraktiv wie so viele bei uns in Süd- und Mitteleuropa. Es gab hier einfach zu viele Erdbeben und Brände, so dass kaum alte Gebäude erhalten geblieben sind. Wegen des geringen Anteils an Landwirtschaft gibt es - jedenfalls auf der Hauptinsel - in den Läden nur wenig frisches Obst und Gemüse. "Wochenmärkte" wie bei uns habe ich keine gesehen. Kaum Exotisches, Spontanes, Sinnliches. Aus all diesen Gründen ist Japan nicht mein Sehnsuchtsland. Ich bin aber froh, dass ich einmal hier sein und diese mir eher wesensfremde Welt selbst "sinnlich" erleben konnte!Læs mere















RejsendeEin aufregender Reisebericht!Ich glaube,ich habe schon viel vom Japansalltag "miterlebt"!Ich fand es außerdem lustig,dass du dabei Spontaneität und Abenteuer vermisst hast!😀