• Mileştii Mici und fahrt nach Orhid.

    September 1 in Moldova ☁️ 26 °C

    Nach einer ruhigen Nacht wird dann auch gemeinsam gefrühstückt bevor ich zum weltgrößten Weinkeller Mileştii Mici aufmache. Es sind zwar nur 15 min Fahrtzeit dorthin aber ich verfahre mich mächtig. Umdrehen ist schwierig auf der 4-spurigen Straße. Aber ich komme noch rechtzeitig an. Es soll kalt werden in den Stollen, darum habe ich auch eine lange Hose an und eine Jacke griffbereit. Als wir um 11:00 mit einem elektrisch betriebenen Bummelzug starten und in den Stollen einbiegen, erschlägt es mich fast. Antarktis lässt grüßen. Auch unser weiblicher Guide ist in mehrere Schichten gehüllt. Und dann fängt sie an voller Begeisterung zu erzählen.

    Also, ich schwöre: Ich bin nur kurz wegen einer „kleinen Führung“ in Mileștii Mici rein – und plötzlich stand ich in einer ganzen Untergrundstadt, in der die Straßen nach Wein benannt wurden. Cabernet-Straße hier, Merlot-Allee da – ich hab ernsthaft überlegt, ob ich mir ein Navi für Weine einbauen soll.
    Die Fässer waren so groß, dass ich dachte, da wohnt jemand. „Nur Deko?“, fragte ich. „Nein, die sind leer – zu alt, über 50 Jahre.“ Also quasi Wein-Omas im Holzmantel. Alles bei 12 °C und 85% Luftfeuchte gelagert– perfektes Wein-Wetter, nur leider ohne Balkon.
    Dann kam die Ansage: 200 km Gänge, wir nutzen 55 km, Tour nur 5 km. Ich hab gerechnet: Selbst wenn ich jeden Tag eine der 2 Millionen hier lagernden Flasche trinken würde, wär ich in 5.475 Jahren fertig.

    Dann die goldene Galerie: 1.5 Millionen Flaschen, Guinness-Rekord, inzwischen 2 Millionen. Alles käuflich. Ich hab gefragt, ob man Ratenzahlung hat. Der Guide hat gelacht. Ich auch. Laut.
    Es gibt sogar einen geheimen Raum von 1968, 50.000 Flaschen wurden hier versteckt während eines Weinverbots. Kein Alkohol – äh, ich meine: für besondere Anlässe doch, oder? Ich hab versucht, die Tür mit Blick zu öffnen. Hat nicht funktioniert.
    Am Ende stand ich vor einem riesengroßen Eichenfass voller Cabernet und hab ernsthaft überlegt, ob ich da einziehe. Konstantes Klima, Wein an der Wand, Ruhe. Einziger Nachteil: Kein WLAN. Aber bei 2 Millionen Flaschen braucht man eh keine Freunde mehr.
    Fazit: Mileștii Mici ist der einzige Ort, wo man sich in einem Berg verirren kann – und trotzdem nur Wein riecht. Zum Abschluss gab es dann noch eine Flasche Sekt. Ob die bei einem Verkaufspreis von 2€ mundet? Wer weis das schon.

    Danach geht es zum Essen fassen. Ich fahre nach Old Orhei und da gibt es nicht viel. Bevor ich dann aber los starte gönn ich mir noch was großes.

    Und dann ist es endlich so weit. 100.000 km im 35 Jahr nach Produktion hat Caligula am Buckel. Happy Birthday! Auf die nächsten 100.000 km mein treuer Begleiter. Und nein ich bin nicht betrunken, weil es im Video so wackelt. Das ist die glatte Straße hier in Moldawien.

    Kurz vor dem Campingplatz werde ich dann auch von der Polizei angehalten. So lustig. Er versteht kein einziges Wort English. Darum reden wir einfach Deutsch. Das kann er nämlich ausgezeichnet.

    Der Campingplatz ist verhältnismäßig teuer mit 17.5€. Aber es gibt eine Waschmaschine. Somit kann ich meine bereits nach Giftgas riechende Schmutzwäsche mal entmüffeln. Gute Nacht.
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