• Offroad Erlebnisse im Buffalo Core Park

    April 3, 2021 in Namibia ⋅ ☀️ 29 °C

    Nach den vielen Tieren und über 2h im Mahango habe ich eigentlich keine Lust mehr und möchte gerne die lange Strecke hinter mich bringen. Da aber die erhofften Gnuherden und Elefanten ausgeblieben sind fahren wir doch noch in den Buffalo Core.
    Wieder die 90N$ zum Erhalt des Parks abgegeben und eine freundliche Einweisung bekommen die aus gerade mal zwei sehr deutlichen Ansagen bestens:
    1. Unser Auto hat nicht so viel Bodenfreiheit wie andere, daher bei der ersten Gabelung links halten
    2. Es gibt in diesem Park Löwen. Also unter keinen Umständen das Auto verlassen.

    Los gehts über die schmale Schotterpiste. Schon hier wird klar, die Straßen werden deutlich unangenehmer als bisher. Dann die erste Sandpiste, die unser verhältnismäßig kleiner Geländewagen problemlos meistert.
    Als wir das Auto am Flughafen im Empfang genommen haben war ich beeindruckt, wie groß der Wagen ist. Kaum auf den Straßen mussten wir aber feststellen, dass die Namibier mindestens doppelt so große Autos fahren. Unter den Einheimischen Gefährten könnte ich mit meinem kleinen Audi zuhause locker unten durch fahren ohne hängen zu bleiben.

    Und schon kommt auch die zweite Sandpiste. Diesmal schmaler, der Sand gibt mehr nach als beim ersten Mal und dann kommt auch noch Gegenverkehr. Nicht bremsen, nicht ausweichen, sonst stecken wir fest, denke ich mir Und das erkennt wohl auch der Gegenverkehr. Locker lässig weicht er in die Sträucher neben der Straße aus und genießt dabei so viel Bodenfreiheit, dass der ganze Busch am Straßenrand unter seinem Auto durch passt. Davon bin ich jetzt schon beeindruckt und denke zum erstem Mal, wir hätten doch noch eine Klasse größer buchen müssen. Allrad hin oder her, ich habe zu wenig Schwung und muss nochmal Anlauf nehmen, um nicht stecken zu bleiben.
    Geschafft, wir erreichen eine alte, schon ziemlich verfallene Militärbasis. Bis auf ein paar Affen haben wir noch nichts entdecken können.
    Die Sandpiste wird immer weicher und immer tiefer.
    Wir hören schon die Gräser an unserem Unterboden schleifen und beginne eine Diskussion, ob wir überhaupt noch weiter sollen. Da wir ja aber auf Hochzeitsreise sind habe ich keine Lust einen Streit anzufangen und fahre weiter.
    Schon in der nächsten Kurve dämmert auch dem Herrn, dass das wohl die flasche Entscheidung war. Jetzt bloß nicht an Schwung verlieren und möglichst gleichmäßig fahren. Immer wieder hören wir jetzt nicht nur das Gras sondern auch den Sand am Unterboden schleifen. Zum Glück geht es Bergab - denke ich noch, kurz bevor wir wieder ein Stück Schotter-Piste erhaschen - dann ein Rumps und ein ekelhaftes kanartschen in der Karosserie.
    Wir Stecken fest.
    Im Rückwärsgang scheint sich erst was zu tun, dann aber die Enttäuschung dass wir uns nur noch tiefer in den Sand graben. Also Motor aus und einen Plan schmieden.

    Raffa hat am Flughafen eine SIM Karte gekauft für den Notfall, problem gelöst. Wir rufen am Gate an, die Nummer steht ja auf dem Beleg und auf der Karte, die uns die nette Dame mitgegeben hat, und wir bekommen Hilfe.
    Aber die Nummer funktioniert nicht, weder die auf dem Beleg noch die auf der Karte.
    Aussteigen sollen wir nicht, da es ja Löwen hat, also können wir uns auch nicht selbst ausgraben. Panik macht sich bemerkbar.
    Der Park ist riesig und laut Anmelderegister sind gerade einmal fünf Fahrzeuge heute rein gefahren, inclusive uns. Die Chancen andere Menschen zu treffen ist also relativ gering.

    Wir schauen uns um, unsere Lage ist relativ bescheiden, knapp 2 km hinter den verfallenen Baracken, nahe dem Flussufer. Um uns herum kann man 20 Meter in jede Richtung schauen, danach Dickicht.

    Wir müssen also doch selbst raus, Luft aus den Reifen lassen, Sand weg buddeln und dann sollten wir doch weiter kommen... Also Schuhe an und los. Was Anderes bleibt uns ja nicht. Und da haben wir ihn - den Streit auf der Hochzeitsreise.
    Raffa weigert sich auszusteigen, weil in dem gebiet Löwen sein könnten. Er will kein Appetithäppchen für Raubkatzen und ich will kein Schmorbraten im heißen Auto werden sondern so schnell wir möglich von der Piste runter.

    Ich steige aus und fange an die Reifen frei zu graben. Diese waren noch nicht einmal das Problem, sondern ein Schlagloch in der Fahrbahn. Die Schnauze des Autos hat sich in den Sand zwischen den Spuren gegraben. Erst beim Versuch rückwärts zu fahren haben sich dann auch die Reifen mit eingegraben. Und der feine, rund geschliffene Flusssand des Okowango ist hier alles andere als vorteilhaft. Kaum hat mein eine Hand voll Sand auf die Seite geschoben rieselt die gleiche Menge schon nach.
    Raffa sitzt in der Zwischenzeit immer noch im Auto und versucht zu telefonieren.
    Mittlerweile hat er die Nummer der letzten Lodge aus den Unterlagen gekramt und versucht einer Dame, die der englischen Sprache kaum mächtig ist, zu erklären wo der Schuh drückt. „We will call you“ und zack hat sie aufgelegt. Doch kaum eine Minute später klingelt tatsächlich sein Handy. Die Lodgebesitzerin ist dran, die akzentfreies deutsch spricht und deren Mann sich im Park wohl sehr gut auskennt. Raffa beschreibt die Lage und unseren Standpunkt und uns wird Hilfe zugesagt.

    Just in diesem Moment kommt ein (offensichtlich einheimisches) Auto um die Kurve hinter uns gebogen. Sie legen eine Vollbremsung hin und starren in die Weiten. „Scheiße, Löwe - ab ins Auto“. Ich warte, sie warten... nichts tut sich. Ich strecke meinen Kopf wieder aus dem Fenster und schaue die Leute im Auto hinter uns an. Der Fahrer, sichtlich verwirrt, lässt auch sein Fenster runter und fragt, was wir sehen.
    Ich versuche ihm klar zu machen, dass wir feststecken und nichts sehen, da fängt er an zu lachen. Ich kann mir vorstellen, was die sich gedacht haben: Touris mal wieder - kommen hier mit den motorisierten Keksbüchsen an und meinen sie könnten fahren.
    Lachend springt er aus dem Auto, in Hawaii-Hemd und Flip-Flops, seine Gattin tut es ihm gleich. Die Tochter übernimmt das Lenkrad, setzt zurück und beginnt am Handy zu tippen.
    Auch ich bewege mich wieder aus dem Auto, nachdem offensichtlich kein Raubtier in der Nähe ist. Er umrundet unser Auto und stellt fest „ja, ihr steckt da fest“.
    Raffa sitzt noch immer im Auto und hält Ausschau nach Löwen.
    Er spricht etwas mit seiner Frau auf Afrikaans da biegt auch schon ein weiteres Auto um die Ecke. Ein weiterer Mann springt aus einem, für meine Verstandnisse völlig überdimensionierten Geländewagen. Sie reden kurz und die Frau fängt schon an den Sand unter den Rädern wegzuhören. Ich schließe mich ihr an während die beiden Männer Luft aus den Reifen lassen. Sogar mit Messgerät und Werkzeugkoffer... ich komme mir vor wie ein richtig dämlicher Tourie und würde vor Scham am liebsten im Sand versinken, da kommt noch ein drittes Auto auf uns zu, dieses Mal von der geschotterten Piste vor uns die es zu erreichen galt. Lachend kurbelt ein bierbäuchiger Mittvierziger sein Fenster herunter, offensichtlich kennt er die anderen beiden, und bietet hilfsbereit seine Seilwinde an. Er könne uns auch raus ziehen wenn wir mit graben fertig sind - auch er springt belustigt aus seinem XXL Geländewagen und legt mit Hand an.
    Jetzt traut sich auch Raffa aus dem Auto und hilft buddeln.
    Ich schwinge mich auf den Fahrersitz und lege den Rückwärtsgang ein während meine eingeschüchterte Hälfte und die drei bärtigen Buren in Hawaii-Hemden und mittlerweile Barfuß die Front des Autos anheben.

    GESCHAFFT - wir sind befreit.
    Das Auto rollt wieder, ich hole Schwung und fahre auf das mit Gras bewachsene Unland neben der Sandpiste. Mir egal, ob ich den Unterboden aufreiße oder wir die Kaution nicht wieder bekommen, aber auf den Sand fahre ich nicht wieder.

    Die drei Helfer und Ihre Begleiterinnen ermahnen uns noch, wir sollen unbedingt den anderen (also den rechten) Weg zurück nehmen. Am Gate hätte man uns sagen müssen, dass der Linke Piste nur für richtigen Geländewägen sei.
    Toll, da sag nochmal jemand was wenn ich Rechts und Links verwechsle. Immerhin sind meinetwegen noch keine Menschen im Sand stecken geblieben.

    Wir folgen dem Rat der Namibier, biegen 100 Meter später rechts ab auf eine halbwegs Asphaltierte, teilweise geschotterte Straße und kommen ohne Mühen wielded am Gate an.
    Während ich mir auf der Toilette den Sand von Händen und Füßen wasche will Raffa sich die Empfangsdame vorknöpfen, doch die hat sich mittlerweile in ihre Mittagspause verdrückt.
    Ihre unschuldige Kollegin bekommt also die Beschwerde über die falschen Anweisungen und nicht funktionierenden Telefonnummern ab.
    Dann, mit guten drei Stunden Verspätung, begeben wir uns endlich auf die lange Fahrt nach Katima Mulilo.

    Neben einem Bild von einem Äffchen, geschätzt 100 Bissen von Sandflöhen und einer im Nachhinein lustigen Geschichte haben wir dem Buffalo Core Park nichts abgewinnen können.
    Nur eins steht fest: Nächstes Mal ein noch größeres Auto!
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