• Caprivi Mutoya Lodge

    April 4, 2021 in Namibia ⋅ ☀️ 26 °C

    Die gestrige Fahrt war lang und der Tag offensichtlich Erlebnisreich.
    Entlang der Straßen immer wieder Kuh- und Ziegenherden die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, den Verkehr auszubremsen. Ansonsten die gewohnten Rundhütten, kleine Stände die Brennholz verkaufen und ab und zu eine Ortschaft bestehend aus einem Brunnen, einer Tankstelle und einer höheren Dichte an Rundhütten.
    Keine Wildtiere, keine Abwechslung in der Landschaft, nicht einmal eine Wolke am Himmel.
    Die Sonne brutzelt mit unerbittlichen 33°C auf den Asphalt aber trotzdem laufen unzählige Menschen am Straßenrand entlang. Sie treiben ihre Viehherden zu den Brunnen, tragen Wasserkanister auf ihren Köpfen oder treffen sich zum Fußball spielen auf einem ebenen Stück Steppe.
    Entsprechend spät sind wir in unserer nächsten Unterkunft angekommen und gleich mal in ein paar andere Deutsche reingestolpert.

    Im Laufe des Abend erzählten sie uns, dass sie mit zwei Amphibienfahrzeugen vor 8 Jahren in Deutschland los sind und seither all ihre Urlaubstage damit verbracht haben, die Westküste des Afrikanischen Kontinents bis hier her zu fahren.
    Schwer beeindruckt von dieser Unternehmung lassen wir uns von den beiden Herren und Ihren Geschichten und Erlebnissen bei einem Bier berieseln. Nach dem Abendessen fallen wir erledigt ins Bett und werden erst am nächsten Morgen unsanft von einem Streifenhörnchen geweckt, das Nüsse auf das Dach unseres Chalets wirft.
    Es ist gerade einmal 6:30 Uhr und wir sind hellwach.
    Wir packen Wasser und die Kamera ins Auto, frühstücken und wollen jetzt den Caprivi Zipfel entlang der Grenze zu Botswana abfahren in der Hoffnung ein paar Elefanten zu entdecken.

    Namibia hat ein relativ einfaches System, seine Verkehrsadern zu benennen:
    A = Asphaltierter Highway, teilweise zweispurig
    B = Asphaltierte Landstraße, teilweise zweispurig. ich vermute, wenn eine A-Straße zu viele Schlaglöcher hat wird sie zu einer B-Straße degradiert.
    C = Schotter oder Asphalt, jedenfalls mehr Schlaglöcher als Fahrbahn. Alternativ eine verfestigte Sandpiste, aber in der Regel mit 80 km/h noch gut befahrbar
    D = Mehr Schlagloch als Schotter, gerne mit Sand aufgefüllt oder mit losen steinen ausgebessert.

    Natürlich gibt es nur eine D-Straße entlang der Grenze und ausgerechnet diese soll es heute also sein. ich stelle mich auf Schlaglöcher, Sandpisten und Geröll ein und mag schon garnicht mehr losfahren bei dem Gedanken an die gestrigen Erlebnisse auf einer vermeintlichen D-Straße. Davon abgesehen ist Ostersonntag, Pannendienste gibt es hier wohliger nicht und auf andere Fahrzeuge hoffe ich eher wenig an einem Feiertag.
    Umso überraschter bin ich, dass wir eine perfekt ebene asphaltierte Straße mit 120 km/h befahren. Anscheinend werden Straßen nicht mehr umbenannt nachdem sie saniert wurden.
    Es folgen knapp 100 km der gleichen Landschaft wie am Vortag, außer den üblichen Ziegen und Kühen ist nichts zu sehen. Die Menschen wandern wieder entlang der Straße, heute aber in feinen Anzügen und farbenfrohen Kleidern. Die Nutztierherden scheinen den Sonntag Morgen unbewacht verbringen zu müssen.
    Dann Passieren wir wieder ein Gate zu einem vermeindlichen Nationalpark. Niemand zur Kontrolle im Häuschen - wir fahren auf den Parkplatz um die obligatorischen 5,-€ abzutreten, aber die Rezeption ist verriegelt. Alle Rollläden geschlossen, der Weg zugewuchert... Man erkennt deutlich, dass hier die letzten Monate nichts, wirklich gar nichts, mit Tourismus war.
    Also steigen wir ein und fahren weiter.
    Raffa hat schon wieder ein paar Seitenstraßen auf der Karte entdeckt, auf denen man bis zum Fluss fahren kann. Da am Gate aber ausdrücklich stand, man soll diese Straßen nur mit Geländewagen und nur mit Passierschein befahren weigere ich mich strikt, in eine solche Straße einzubiegen. Offensichtlich verfügen wir nämlich nur nach Europäischer Auffassung über einen Geländewagen, nicht aber nach Afrikanischer. Und einen Passierschein haben wir schon zweimal nicht, Diskussion beendet. Wir fahren weiter, und so schnell wie wir im Park drin waren sind wir auch wieder raus.
    In dieser Gegend zählt alles als Nationalpark, was nicht besiedelt ist, habe ich den Eindruck.
    Tiere gab es hier nämlich ebenso wenig wie sonstige Lebewesen oder Sehenswürdigkeiten.
    In Kongola biegen wir wieder auf den Caprivi Highway und düsen mit den gewohnten 120 km/h zurück nach Katima Mulilo.

    Zurück in der Lodge ist es mittlerweile schon 15 Uhr.
    Die Weiten, her die sich dieses Land erstreckt, werden uns erst jetzt allmählich klar.
    Ja, man liest oft ie Distanzen und überlegt auch wie lange man benötigt um sie zurückzulegen. Aber wirklich realisieren tut man es erst, wenn man Stunde um Stunde Fährt, die Landschaft an einem vorbei zieht und man dem Ziel einfach nicht näher kommt.

    Mich beschleicht das Gefühl, wir haben uns zu viel für die 3 1/2 Wochen vorgenommen.
    Read more