Etosha - Tag 1
April 7, 2021 in Namibia ⋅ ⛅ 28 °C
Die letzten beiden Tage waren recht unspektakulär. Wir lagen im Caprivi am Pool und haben die Seele baumeln lassen. Den folgenden Tag haben wir knappe 800 km raus aus dem Stechmückengebiet zurückgelegt.
Boxenstop haben wir im Pondoki Restcamp, ca 100 km vor dem Etosha Nationalpark eingelegt. Die Räumlichkeiten sind bisher die am wenigsten komfortablen aber es ist ja nur für eine Übernachtung. Punkten kann diese Unterkunft dafür umso mehr mit der abendlichen Speisekarte. Von fleischigen Appetizern über riesige T-Bone Steaks bis hin zu Surf&Turf wird hier alles angeboten, und das zu einem Spottpreis.
Mit Vorspeisen, Hauptgerichten und reichlich Bier lagen wir zu zweit bei gerade einmal 31,-€.
Um die Zeit im Etosha bestmöglich nutzen zu können geht es sofort nach dem Frühstück auf die Straße und in Richtung des Gates „Namutoni“ im Osten des Parks.
Wir haben uns heute vorgenommen die Region nördlich um Namutoni, entlang der „Fishers Pan“, einer kleineren Salzpfanne, zu erkunden. Diese liegt von unserer gebuchten Unterkunft „Halali“ im Zentrum des befahrbaren Bereichs, am weitesten entfernt.
Nach kurzem Check unserer Personalien und der Buchung dürfen wir in den Park und machen uns auch gleich auf die geplante Route. Entlang der Fishers Pan können wir zahlreiche Tierherden beobachten. Gnus und Zebras in Herden, wie man es sonst nur aus Filmen kennt.
Die Impalas quetschen sich natürlich wie immer mit ins Bild. Ein paar Straußen Familien lassen sich beobachten, sind aber eher scheu.
Auf halbem Weg zum Nördlichen Rand der Pfanne dann die erste Straßensperre. Zwei Zebras stehen in der üblichen Aufpass-Position mitten auf der Straße. Das uns zugewandte, ein fast ausgewachsenes männliches Exemplar, macht uns unmissverständlich klar, dass wir hier nichts zu suchen haben. Er scharrt mit den Hufen, fletscht die Lefzen (falls das bei Zebras so heißt) und kommt sogar ein paar Schritte auf unser Auto zu. Stur bleibt er auf der Straße stehen, dreht uns den Hintern zu und schaut uns nicht mehr an. Da der Weg breit genug ist versuchen wir an ihm vorbei zu fahren, da fängt das Spektakel wieder an: Hufe scharren, Zähne zeigen, umdrehen... immer wieder. Das zweite Zebra hat sich längst von der Straße begeben und beobachtet das Spektakel von einem Schattenplatz aus.
Nach gut 5 Minuten des Machtgehabes gibt er endlich nach, geht ein paar schritte zur Seite und lässt uns durch. Doch kaum ist der Außenspiegel auf seiner Höhe dreht er den Kopf und zeigt uns noch einmal seine gelben Beißer, um klarzustellen, dass er hier der Boss ist.
Es bietet sich weiter das gleiche Bild an riesigen Herden mit unzähligen Jungtieren.
Kleine Gnus staksten hinter den rennenden Elterntieren her; Zebras, die noch gesäugt werden und überall nach Zitzen suchen; sogar eine Herde Orix Antilopen lässt sich in aller Ruhe beobachten und ablichten. Auf der weiteren Fahrt ertappen wir noch ein schwarzes Rhino bei seinem Schlammbad und endlich das erste weiße Rhino in freier Wildbahn beim Grasen.
Leider können wir die Pfanne nicht umrunden, da die Straße teilweise unter Wasser steht. Daher müssen wir wenden und den Kontrollposten Zebra noch einmal passieren.
Da es schon relativ spät ist und unser Camp gut 70 km entfernt liegt begeben wir uns auf die „Hauptstraße“ des Parks. Trotzdem fahren wir noch einige Wasserlöcher, angelegte und natürliche, an. Leider mit wenig Erfolg. Aufgrund des ergiebigen Regens in den letzten Monaten haben die Tiere im Moment genügend Gelegenheiten zu trinken und müssen die Wasserlöcher nicht nutzen.
Doch am letzten Wasserloch vor Halali dann endlich ein kleiner Erfolg: Der lang ersehnte Elefant läuft uns vor die Motorhaube. Als er uns bemerkt verschwindet er jedoch in das umliegende Dickicht.
Beeindruckt von diesem gigantischen Dickhäuter fahren wir in unser Camp.
Same procedure as every day... einchecken, Lageplan studieren, Essenzeiten merken, Zimmer suchen. Doch schon hier wird klar, dass es das Halali aus meiner Erinnerung nicht mehr gibt.
Vor einigen Jahren war ich mit meinen Eltern hier und habe ein unglaubliches Camp in Erinnerung, gepflegt, sauber, lebendig, freundlich. Egal wen man fragt, jeder empfiehlt diese Adresse zum übernachten innerhalb des Parks. Vor allem da diese Unterkunft ein eigenes angelegtes Wasserloch hat, welches man rund um die Uhr von einem gesicherten Felsvorsprung aus beobachten kann. Ich erinnere mich noch, wie ich mir mit meiner Mutter die Nächte um die Ohren geschlagen und Tiere beobachtet habe. Dass wir jetzt vermutlich keine Tiere hier antreffen werden ist mir bewusst. Aber über den Zustand des Camps bin ich schockiert.
In den letzten Jahren sind die Preise um knapp 20% pro Jahr angehoben worden. Offensichtlich wurde hier aber nie investiert. Da es preislich keinen Unterschied gemacht hat haben wir uns eine Hochzeitsreise-Suite gebucht, prinzipiell entspricht diese den Chalets, die wir bisher hatten, außer dass sie einen eigenen Whirlpool mit sichtgeschütztem Garten hat. Das war wohl der Hauptgrund der Buchung.
Schon auf dem Weg zum Chalet stellen wir fest, dass nicht nur während dem Beherbergungsverbot in Coronazeiten nichts gemacht wurde. An sämtlichen Schildern sind die Schriftzüge abgeblättert, die Wege sind zugewuchert, die Holztüren der Chalets modern, teilweise fehlen die Ziegel auf den Dächern.
In unserem Chalet liegen viele sehr tote Fliegen und Falter in den Ecken. Ja, ich weiß, ich bin in Afrika. Aber wer die von NWR ausgerufenen Preise für diese Unterkunft anschaut versteht vielleicht, warum ich wenigstens erwarte, dass vor Belegung der Zimmer zumindest einmal durchgesaugt oder gekehrt wird. Die Decke auf dem Bett ist zerrissen, auf dem Kopfkissen ist noch Makeup zu finden und der versprochene Whirlpool ist stillgelegt.
Nach kräftigem Nörgeln an der Rezeption wird wenigstens der Pool betriebsbereit gemacht. Die Decke bleibt, das Kopfkissen auch, genau so wie die toten Fliegen, Falter und Spinnen. Das machen wir dann morgen - zack, Rezeption geschlossen. Wir sind eindeutig jetzt schon die unbeliebtesten Gäste ever.
Leider haben wir keinen Grill zur Verfügung und essen daher im Restaurant.
Auch hier macht sich schnell Ernüchterung breit. Kein bisschen mehr das, was es einmal war.
Die Bezüge der Stühle sind zerrissen und die Polsterungen angenagt. Von den Holztischen blättert der Lack ab. Die Speisekarte kann leider auch nicht mehr überzeugen. Es stehen ca. 10 Gerichte zur Auswahl, 2 davon gibt es eigentlich nicht mehr. 3 sind ausverkauft. Wir haben also die Wahl zwischen Rumpsteak, Burger, Caesar Salad und Spaghetti Bolognese. Die Entscheidung fällt auf Burger und Steak, was essbar aber auch nicht wirklich reichlich ist.
Nach dem Essen schnappen wir uns die Kamera und eine Flasche Wein und begeben uns an das hauseigene Wasserloch. Auch hier nagt der Zahn der Zeit. Teile des Holzzaunes, der uns unter anderem von den wilden Tieren abgrenzen soll, sind einem Buschbrand zum Opfer gefallen und seither nicht erneuert worden. Uns trennen also auf dem Weg zum Aussichtspunkt nur ein gerade mal 1 Meter hoher Maschendrahtzaun von der Wildnis.
Doch wenigstens am Wasserloch haben wir Glück - kaum sitzen wir und haben die Kamera aufgebaut kommt auch schon ein weißes Rhino ans Wasserloch spaziert. Es nagt gemütlich alle Büsche und Gräser um das Wasserloch an und ist die Ruhe selbst - bis wir Gesellschaft von anderen Touristen bekommen. Schon auf dem Weg zum Aussichtspunkt unterhalten sie sich Lautstark, was uns das ein oder andere Augenrollen entlockt. Mit grellen Taschenlampen funzeln sie die Steine entlang und kommentieren dabei ihren Weg bis sie endlich einen geeigneten Patz gefunden haben.
Dem weiße Rhino, fast blind aber dafür mit einem hervorragenden Gehör und Geruchssinn ausgestattet, ist dieses Getummel natürlich nicht entgangen. Unsicher dreht es sich in alle Richtungen und ist schon wieder auf dem Sprung, aber sein Durst scheint zu groß zu sein. Da wieder Ruhe eingekehrt ist begibt es sich wieder an den Wasserrand uns trinkt. Dann plötzlich ein heller Blitz hinter uns, der nicht einmal dem fast blinden Nashorn entgangen ist.
Die andere Gruppe hält es für eine Gute Idee mit Blitz zu fotografieren und erschreckt das Rhino damit mehr, als dass sie vernünftige Bilder bekommen würden. Und das wars dann auch schon - Das Rhino dreht sich um und marschiert schnurstracks in das umliegende Gebüsch.
Die Gruppe tut es dem Nashorn gleich und zieht ebenfalls relativ zügig wieder ab.
Nur wir sitzen noch da, ohne Nashorn, ohne andere Tiere... knapp eine Stunde später folgt noch eine einzelne Hyäne. Dann brechen auch wir wieder auf.
Morgen Früh geht es zu einem Morning Drive, Abfahrt 6:00 Uhr. Die Nacht wird also kurz.Read more





