• Etosha Tag 2

    April 8, 2021 in Namibia ⋅ ☀️ 28 °C

    Der Wecker klingelt um 5:20 Uhr.
    Viel zu früh für Urlaub, aber wir haben uns für eine Safari zum Sonnenaufgang angemeldet.
    Raffa hofft auf Löwen, Leoparden, Geparden... irgendwas das jagt. Und am Besten noch den Riss dazu. In den frühen Morgenstunden nicht unwahrscheinlich. Da wir aber am Tag zuvor kaum Gazellen oder ähnliche Beute entdecken konnten holt uns unser Fahrer auf den Boden der Tatsachen zurück.
    „Die Gazellen befinden sich zu dieser Jahreszeit im Nordosten des Parks, und die Katzen folgen ihrer Nahrung nunmal“...
    Mit warmen Decken und einem Rotlicht-Strahler geht es los, auf dem Safari-Fahrzeug der Lodge. Der kalte wind braust uns ins Gesicht und schon nach wenigen Minuten die erste Sichtung. Eine Herde Impalas, die wenig erfreut über unsere frühe Störung die Flucht ins Buschland ergreift. Kurz darauf ein Schakal und ein paar weitere Impalas, die noch schlaftrunken das rote Licht anstarren und sich kein bisschen rühren.
    In der Morgendämmerung entdecken wir noch ein Nashorn bevor erstmal nichts mehr zu sehen ist. Unser Guide fährt hoffnungsvoll alle ihm bekannten Wasserstellen an, bleibt aber erfolglos. Und so erzählt er uns alles Mögliche über das brutverhalten des Vogel Strauß, die lokale Flora und welche Raupen und Käfer von den früheren Bewohnern des Gebiets bevorzugt verspeist wurden.
    Auf unserem Rückweg zur Lodge laufen uns noch zwei weitere Nashörner über den Weg bevor wir gerade noch rechtzeitig zum Frühstück kommen.

    Unser Guide hat uns noch empfohlen in Richtung Osten (Namutoni) zu fahren. Da wir aber am Vortag von dort gekommen sind brechen wir nach zwei Tassen Kaffee und einem Omelett in Richtung Westen auf.
    Es folgen erfolglose Pirschfahrten auf holprigen Schotterpisten, über Schlaglöcher so groß, dass ein Smart darin verschwindet und durch „Pfützen“ in denen ein Elefant baden könnte.
    Kilometer um Kilometer schmilzt unter unseren Reifen dahin ohne auch nur eine einzige Entdeckung.
    Am späten Nachmittag wenden wir gefrustet am letzten Wasserloch nördlich von Okaukuejo und treten die Heimreise an.
    In Gedanken versunken sausen wir die Straße runter als es plötzlich „STOP“ vom Beifahrersitz krakelt. Ich lege eine Vollbremsung hin und hoffe nichts überfahren zu haben. Aufgeregt wie ein kleines Kind am Weihnachtsmorgen fuchtelt Raffa mit den Armen in der Gegend herum, „Stop! Löwe! Löwe! Daaaaa!!!“
    Rückwärtsgang... Ausschau halten und tatsächlich direkt neben dem Auto am Straßenrand. Unter dem einzigen Baum im Umkreis von 20 Kilometern liegen zwei Löwinnen.
    Die eine hatte den Kopf angehoben, nur so waren die Beiden im hohen Gras zu erkennen.
    Die eine Löwin liegt und abgewandt, die andere schaut uns direkt in die Augen. Mit dicken Bäuchen räkeln sie sich im Schatten und reiben ihre Köpfe aneinander. Wir vermuten, dass sie sich nach einem erfolgreichen Festmahl jetzt ausruhen und können in aller Ruhe Bilder schießen.
    Ein Safari-Fahrzeug, wie wir es am Morgen hatten, nährt sich von der angrenzenden Lodge und platziert sich uns gegenüber. Die beiden Gäste sind sichtlich aus dem Häuschen und können Ihr Glück ebensowenig fassen wie wir.
    Doch der Löwin, die uns während ihrer gesamten Schmusedarbietung nicht aus den Augen gelassen hat, wird es wohl zu bunt. Sie steht auf und kommt ein paar Schritte auf uns zu. Da das Safari Fahrzeug ihr, so scheint es, zu groß ist knöpft sie sich unseren Mini-SUV vor.
    Sie stellt sich vor die Motorhaube, begutachtet die Blechkiste und kommt bis zur Fahrertür. Noch nie war ich so heilfroh über ein Stück Karosserie zwischen mir und der Außenwelt.
    Die schaut uns an und wartet. Wir sitzen da wie versteinert.
    Dann dreht sie sich um, läuft wieder zwischen die beiden Fahrzeuge und präsentiert uns ihre scharfen Fangzähne. Danach schlendert sie zurück zur anderen Löwin in den Schatten und lässt sich wieder zu ihr ins Gras plumpsen.
    Das Safar-Fahrzeug dreht ab, wir knipsen noch ein paar Bilder und müssen dann auch weiter. Es ist schon spät geworden und wir müssen vor Schließung der Tore wieder in der Lodge sein.

    Zurück in unserem Chalet fallen wir ohne Abendessen ins Bett und schlafen bis zum nächsten Morgen durch.

    PS: Ich hatte das große Objektiv drauf und die Löwin war zu nah. Daher war der Fokus etwas zu langsam :(
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