• Campo Santo Teutonico

    March 12, 2024 in Vatican City ⋅ ☁️ 9 °C

    Deutsch im Vatikan

    Mein Tag begann mitten in der italienischen Hauptstadt, nein, im Vatikan mit einem deutschen Privileg und einem deutschen Satz: "Ich möchte gerne zum deutschen Friedhof"
    Geht man links an den Kolonaden des Petersplatzes vorbei und hält sich dann weitmöglichst rechts, findet man eine vergitterte Toreinfahrt, vor der zwei Schweizergardisten Wache halten.
    Man spricht sie freundlich mit diesem Satz an und bekommt mit herrlichsten Schweizer Dialekt nach einer Sicherheitskontrolle die Erlaubnis, den Vatikan an einer Stelle zu betreten, die kaum ein anderer Tourist erreicht.
    Ein paar Meter weiter kommt ein weiteres Gittertor, das man noch durchschreitet.
    Womöglich muss man sich dort noch mal (ohne jedes Problem) bei der Gendarmerie rechtfertigen oder den Weg zur 50 m weiter entfernten Pforte erfragen, jedenfalls steht man dann vorm deutschen Friedhof; einer kleinen Oase in all dem Getümmel.
    Gnocci genoss die Ruhe auch und hockte sich an die Schautafel.

    Nach Rom kamen schon immer seit Beginn der christlichen Zeit Pilger; auch und vor allem aus deutschsprachigen Gebieten.
    Bei den Gefahren und Anstrengungen solch einer Reise konnte man auch schnell mal erkranken oder gar sterben.
    Diese Menschen aufzufangen und ggf auch zu bestatten, wurde Gründungszweck einer franziskanischen Bruderschaft, die zunächst ein Hospital betrieb.
    Die Folgegesellschaft verwaltet heute noch alle daraus resultierenden Rechte, vor allem, was Bestattungen angeht.
    Später erhielt sie nämlich entsprechende päpstliche Genehmigungen und dieses Areal im Vatikan als Friedhof zugewiesen.
    Noch heute hat man als Mitglied dieser Gesellschaft das Anrecht auf eine hiesige Bestattung.

    So findet man unter Pinien und zwischen Efeu im Schatten des Petersdoms deutsche Spuren, vornehmlich auch aus dem intensiven 19. Jh.
    Vor der dazugehörigen Kirche, in der auch deutsche Gottesdienste abgehalten werden fand ich sogar ein Büchlein mit Lageplan der Gräber und interessanten Lebensgeschichten ihrer Inhaber.

    Auf einem Stein steht: "Hier erwarten eine glorreiche Auferstehung: ... ", dann folgen die Namen der Hoffenden.

    Dann hörte Gesang aus der Kirche und konnten nach einem Gottesdienst den Raum als Oase der Ruhe betreten.
    Der Priester, den ich noch in der Sakristei ansprechen konnte, gab mir strahlend und in meiner Muttersprache die Erlaubnis "ja, gerne, herzlich willkommen"... Und so wurde der Traum wahr, in Rom, ja sogar im Vatikan Flöte zu spielen.
    Die ganzen Tage hatte ich sie in der Tasche...

    Dass die Ausstattung der Kirche für römische Verhältnisse weniger touristische Besuche gedacht ist, war dabei ziemlich egal.
    Im Gegenteil: Endlich wurde mal deutlich, wofür eine, ja die Kirche eigentlich da ist.
    Und dass eine Friedhofskirche ihren Besuchern die Vergänglichkeit intensiv präsentiert, ist auch nicht ganz so falsch.
    Deswegen habe ich trotzdem die Lieder gespielt, die ich im Herzen habe: Lieder vom Leben.
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