• Sina Gutsche
  • Sina Gutsche

Oder-Neisse-Radweg 2020

Von Groß-Lindow nach Frankfurt Oder, Manschnow, Kienitz, Zollbrücke und Hohenwutzen. Ein Abstecher zu den Schiffhebewerken und weiter in Richtung Mecklenburg-Vorpommern mit dem Ziel Trassenheide auf Usedom zu erreichen. Read more
  • Kopfhörerdisko in Zollbrücke

    August 2, 2020 in Germany ⋅ 🌙 18 °C

    Nichtmal eine Minute saßen wir auf dem Rad Richtung Zelt, schon rauschten wir inmitten in einer grünbeleuchtete Partygesellschaft. Kopfhörerdisko wieder mitten im Nichts. Auf dem Oderdamm. Anke feiert ihren 60. Geburtstag und das DJ-Pult stand auf dem Radweg. Kleini schlief auf zwei Campingstühlen in meiner Fleecedecke und ich lernte mit einem Bier in der Hand echte Zollbrücker kennen. Das Dorf hat 22 Einwohner.-Kinder mit eingeschlossen. Dafür hat es schon an dem einen Abend mehr Kultur als in Frankfurt Oder. In 5 Tagen beginnt hier ein Festival. Unsere Ostseepläne geraten mit dem Blick auf die Wetterkarte ins Wanken. Der Rückweg durch die Nacht auf dem Oderdamm gestaltete sich ohne Wildtierzwischenfall. Der Mond leuchtete hinter uns ein bisschen durch die Wolken und ich fand mich schon wieder irre mutig. 11 km durch die Nacht. Auf der polnischen Seite waren hin und wieder Lagerfeuer der Fischer zu sehen. Und mit soviel Mut aufgeblasen rauschten wir an Hohenwutzen vorbei. - Noch rechtzeitig gemerkt liegen wir nun im Zelt und machen jetzt die Augen zu.

    GLÜCKSMOMENT für heute: ein Vogel hat mir bei der Rücktour vom Schiffshebewerk auf den Arm gekackert. Zum Glück war es kein Schwan.
    Read more

  • Platten, Bienenstich und Gewitter

    August 2, 2020 in Germany ⋅ ☁️ 27 °C

    Ein holpriger Start in den Tag bescherte uns ein Regenschauer heute morgen um halb sechs. Der aber eher romantisch klang als das Gewitter, was gerade auf uns zu kommt. Ein platter Reifen unseres Anhängers verzögerte unsere Abreise aus Hohenwutzen. "Opa Olaf" vom Getränkemarkt half tatkräftig aus und flickte die löchrige Innennaht. Karli verliebte sich währenddessen in die kleine Anni und den Schäferhund Elvis. Nach dem Aufpumpen platzte der Reifen komplett und ich sah schon das Ende unserer Reise kommen. Und dann stach mich noch eine Biene. Olaf nahm selbstlos das alte Fahrrad der Enkelin auseinander, versorgte uns mit einem neuen 16-er Schlauch, pumpte noch das Fahrrad auf und schickte uns in die Spur.
    Mit 10 anderen Oder-Neisse-Radwanderern teilen wir uns eine Holzhütte und Nachbar Jan aus Dresden kocht uns Kaffee. Man trifft sich doch immer wieder. Ein kurzer Plausch über die Zielorte der anderen Radler weckt meinen Ehrgeiz. Der sportliche Frieder und seine Jungs mit den Rennrädern fahren nach Trassenheide auf Usedom. Noch ganz verliebt in Brandenburg klingt Usedom für mich unendlich weit weg und doch sollen wir Frieder nicht nur einmal wiedertreffen.
    Read more

  • Pullerpause im Maisfeld

    August 2, 2020 in Germany ⋅ ☁️ 26 °C

    Ein herrlicher Ort! Wir lachen uns kaputt über das Mais-Männlein mit den wilden Haaren, dass so aussieht wie ich mich nach dem Stromschlag aus der Waschmaschine fühlte. Die Jungs spielen Fangen im Maisfeld und wir bemerken eine schöne Stille, das untere Odertal beginnt mit all seiner Vielfalt an geschützten Vögeln und in allen Farben blühenden Pflanzen am Wegesrand.Read more

  • Zelten in der Marina

    August 2, 2020 in Germany ⋅ 🌧 20 °C

    Zugegeben, aus Angst vor dem drohenden Unwetter haben wir uns nicht weiter ins Ungewisse getraut und haben nun schon hier unser Zelt aufgeschlagen. In einer Marina umgeben von Wohnmobilen gefüllt mit Rentnern. Wir sind ein echtes Highlight, nicht nur durch die Lautstärke, die wir mitbringen.

    GLÜCKSMOMENT für heute war definitiv die schnelle Hilfe von Olaf, der uns fachmännisch und irre schnell den Reifen repariert und damit unsere Reise gerettet hat. Und das große Stück Leberwurst heute morgen beim Frühstück, serviert von Olafs Frau.
    Read more

  • Frühstück in der Hafenmeisterei

    August 3, 2020 in Germany ⋅ ☁️ 17 °C

    Heute morgen um acht rüttelte es an unserem Zelt. "Frau Siiiina!" Die alte Dame von nebenan aus dem Göttinger Wohnmobil, mit der ich gestern abend über die Vertreibung aus Westpreussen, ehemals Thorn, fachsimpelte, überreichte mir mein erstes Westpaket. Vollgepackt mit Anziehsachen, dessen Wert ich sofort in der anstehenden Nacht schätzen konnte: lange, angerauhte, dicke Fleeceunterhosen sind bei 12 Grad wirklich ein Gedicht. Und das lange weiße Sportoberteil zog ich heute sofort gegen die Sonne auf dem Fahrrad an. Selbstgemachtes Gelee, eine Kinderzeitung für Kleini sammt Schokolade und eine aufwendig gefaltete blaue Glücksblume für Tuncay waren mit dabei. Das Westpaket roch auffällig nach fremdem Waschmittel. So riecht also der Westen?

    GLÜCKSMOMENT des Tages: Am Abend bibbernd in die warme Unterhose schlüpfen.
    Read more

  • Erster Sturz. Bergauf.

    August 3, 2020 in Germany ⋅ ☁️ 22 °C

    Damit haben wir nicht gerechnet: kurz vor der Ostseeküste wirds nochmal bergig. Zum Glück haben die Sachsen noch den Knall gehört und zogen uns von der Straße. Kleini hat sich den Ellenbogen angerumst und ich mir die linke Hand. Aber alles gar nicht schlimm, Schrecktränen getrocknet und weiter geht's.Read more

  • Totalschaden. 8km Schieben.

    August 3, 2020 in Germany ⋅ ☁️ 14 °C

    Kaum vom See losgefahren, knallt auf der Überlandstrasse die Kette runter, zerschießt mir sechs Speichen und eine wickelt sich in das Ritzel. Es gibt kein Vor und Zurück. Schieben bis zur nächsten Ortschaft Schönefeld ist nun angesagt. Hier wird nur polnisch gesprochen, keiner kennt sich aus und niemand kann weiterhelfen. Also weiterschieben übers Feld nach Penkun. Der örtliche Fahrradmechaniker ist leider verstorben und "Locke" von der Kneipe ,der sowas noch können könnte, ist im Urlaub. Die Stimmung ist trotzdem bestens. Wirklich zum Glück fahren die Sachsen ja die gleiche Strecke und Jan gab sein Bestes, dass wir mit dem demolierten Rad mit der fetten Acht im Hinterrad wenigstens irgendwie vorankamen. Im entspannten Fussmarsch durch ein Windräderfeld im Sonnenuntergang hatten wir endlich genug Zeit die Landschaft mal so richtig zu genießen. Im Ort angekommen ließ Kleini seinen Charme spielen und ich stoppte per Anhalter einen Bundespolizisten sammt Frau, der uns gleich zu sich einlud und mit Bier, Chips, Keksen und Brombeeren versorgte um wenigstens die Kinder glücklich zu machen. Die Nachbarin beschenkte uns noch mit Tomatenfisch aus der Dose, einer Schokolade und eine Packung Tomaten. Nur noch bergab rollten wir mit den Rädern zum Strand. Jan opferte seinen Rest Nudeln für uns, der mit Dosenfisch verfeinert wurde und als Zeichen der guten Nachbarschaft spannten wir unsere 10 Meter Lichterkette von unserem Zelt zu ihrem Zelt. Morgen gehen wir hier erstmal baden und Ingo, der Strandbesitzer macht uns Frühstück.

    GLÜCKSMOMENT des Tages: mit dem bisher schönsten Platz zum Zelt aufschlagen, wurden wir nach unserem langen Fussmarsch belohnt.
    Read more

  • Von Angermünde nach Anklam

    August 4, 2020 in Germany ⋅ 🌙 17 °C

    Karli reist in der Hutablage. Wir alle sparen den kompletten Sparpreis von Penkun-Angermünde-Anklam und gehen dafür richtig fett Shrimps essen in der Wartezeit der Werkstatt. Jan hat den Borschtsch nicht vertragen. Sein Bauchgrummeln beschützt uns in dieser Nacht vor Füchsen. Kleini wurde beim Einschlafen das erste Mal von einem Ohrenkneifer gezwickt und hielt mit seinem Schreien jedes Wolfsrudel fern.Read more

  • Notaufnahme oder Strand? Strand!

    August 4, 2020 in Germany ⋅ ☀️ 20 °C

    Nur ein paar Meter aus der Werkstatt gerollt, wickelten Karli und ich uns volle Möhre auf einer Brücke um das Geländer. Zugegeben: für mich war's vorbei. Ich lag auf dem Fahrradweg und mir war alles egal. Der Mitreisende Sachse merkte an, dass sich das Krankenhaus in 800 Metern befindet. Ich wollte in Ruhe gelassen werden, der Sachse ging auf Sicherheitsabstand.
    Nach 10 Kilometern fahren mit Zähne zusammenbeissen wollte ich auch wieder reden und nach dem zweiten Bier kann ich auch wieder laufen.
    Read more

  • Dosenbier am Peenestrom

    August 4, 2020 in Germany ⋅ 🌙 17 °C

    Osteseeluft! Mit Mühe und Schmerzen vom Sturz, erreichen wir den Naturcampingplatz und bekommen zum ersten Mal auf unserer Reise einen Begriff davon, dass ganz Deutschland in diesem Sommer zur Ostsee gereist ist. Der Campingplatz wirkt sehr sehr voll. Doch zu allererst bekommen wir Dosenbier und Cola, nachdem wir erzählten was passiert ist- von einem Busbesitzer in gestreiften Hosen und langen Haaren -Marke Altpunk-.Die Stimmung wird besser. Nach einigem Suchen ergattern wir uns doch den schönsten verfügbaren Platz, direkt neben dem Steg mit Blick aufs Wasser. Die Kids finden es super hier und stürzen sich gleich ins Getümmel. Mit einer Meute Kindern sausen sie in Kettcars um die Wette.Read more

  • AHOI schöne Ostsee!

    August 7, 2020 in Germany ⋅ ☀️ 25 °C

    Zelt abbauen, Frühstück, der kleine Drache Kokosnuss im Kindertheater und jetzt schon am Bahnhof. Wir verabschieden uns von der schönen Ostsee und haben einen Zugmarathon vor uns.

    Pünktlich eine halbe Stunde vor Abfahrt standen wir auf dem falschen Bahnhof und warteten auf den falschen Zug. Gerade noch in letzter Sekunde erreichten wir den richtigen Bahnhof 3 Kilometer weiter und trafen zum dritten Mal auf unserer Reise auf Frieder, Adam und Elias. Die drei Männer packen natürlich mit an und buchsieren uns sammt Fahrrad, Kind und Anhänger ins Fahrradabteil. In Berlin werden sich unsere Wege vorerst trennen. Die Männer fahren weiter nach Dresden und wir Richtung Frankfurt OderRead more

  • Endlos im Zug

    August 7, 2020 in Germany ⋅ ☀️ 31 °C

    Alle Radreisende der ganzen Ostsee sind auf dem Rückweg versammelt in unserem Fahrradabteil. Die Stimmung schwankt zwischen blanken Nerven, Aggression und Kreislauf. Karli ergaunert sich von Mitreisenden Käsebrötchen, Käsescheiben und Würstchen. Es ist unfassbar heiß, es riecht stark nach Mensch, ich habe Kopfschmerzen. Die Stimmung in unserer Dresdner Reisegruppe ist trotzdem gut.Read more

  • Zugfahrzeug kaputt.

    August 7, 2020 in Germany ⋅ ⛅ 32 °C

    Anschlusszug verpasst. Karli redet immer noch wie ein Buch. Meine Reisemoral ist sehr sehr niedrig. Die unzähligen Stockwerke des Berliner Hauptbahnhofes, das undurchsichte Leitsystem, die vielen, vielen Menschen und der Fahhradanhänger fordern meine letzte Kraft. Ich habe genug nach diesem Höllenritt auf der letzten Strecke. Ich fühle mich nicht gut, mein Kopf ist heiß und ich fluche tausend Mal auf die deutsche Bahn.Read more