• Tiwai Island - Tokeh

    November 27, 2024 in Sierra Leone ⋅ ⛅ 25 °C

    Auf nach Westen. Nach dem Frühstück tuckerten wir etwa 8:30 Uhr mit dem Motorboot, 12 Insassen und dem gesamten Gepäck über den Fluss nach Kambama. Der Regen hatte die Luft gereinigt, die Oberfläche des Moa war glatt und glänzte in der Morgensonne. Die leicht wippenden Palmwedel und schaukelnden Äste der ufernahen Bäume, deren Wurzeln bereits weit in den träge strömenden Fluss hineinragten, spiegelten sich fotogerecht im Wasser.
    Die Stimmung eines afrikanischen Dschungels in den Momenten, da rings herum nur Natur und keine menschliche Spur zu sehen ist, sind erhebend.
    Den menschlichen Spuren folgten wir nach unserer Anlandung in zwei Fahrzeugen auf der bereits bekannten Sand-Lehm-Piste, die bereits getrocknet und nur von wenigen Pfützen garniert war. Die glänzenden oder dunkel im hellen Boden eingeschlossenen Pfützen waren eine hilfreiche Markierung der Schlaglöcher, denen wir ohne Wasser weniger gut ausweichen konnten, da wir sie zu spät gesehen hatten.
    Wieder auf der asphaltierten Hauptstraße unterwegs, erreichten wir 10:30 Uhr die erste Polizeikontrolle, die irgendwelche fehlenden Papiere beanstandete und eine Gebühr von 100 Leones kassierte.
    10:55 Uhr stoppte uns die nächste Polizeikontrolle. Diesmal standen gleich drei Lametta- und Medaillen-Dekorierte Spalier, um unsere Pässe zu inspizieren. Obgleich den Reisepass in Händen die Frage „Where do you come from?“ unsinnig war, antworteten wir wahrheitsgemäß „Germany“.
    Dies wurde vom Fragesteller mit einem zünftig-zackigen „Welcome.“ quittiert, worauf sich die anderen beiden mit Hand zum Gruß an die Mütze ausgerichtet mit einem weiteren „Welcome!“ anschlossen und uns abfahren ließen.
    11:10 erreichten wir eine kleine Reifenreparatur-Werkstatt, wo einerseits unser neues Mietfahrzeug auf uns wartete und zum anderen Luft getankt werden konnte. Am Ende gab es ein längeres Gezeter, da unser Fahrer nur den Reifen hinten rechts aufgepumpt haben wollte, der Pumper seinem Boss aber gesagt hat, dass er überall den Schlauch angelegt hätte. Dieses wäre bei den auf der Fahrbahn stehenden Reifen schon von der Länge des Schlauches gar nicht möglich gewesen, doch am Ende einigte man sich mit einem wütenden Mahamadou auf einen Preis für die begehrte und teure Luft aus Sierra Leone.
    12:05 Uhr hielt unser Fahrer plötzlich an, um mit dem Radkreuz die Muttern der Reifen nachzuziehen. Vielleicht hatte die Sierra Leone Luft die Muttern gelockert? Als alles wieder fest war, ging es weiter?
    Allerorten finden sich fliegende Händler, die ihre Waren loszuwerden hoffen - vielfach vergeblich. Es ist bedrückend, dieses Heer an Wandersleuten zu sehen, die ihre Waren in Händen und auf dem Kopf tragen, schultern, buckeln und irgendwie von einem zum anderen bugsieren, in der immer wiederkehrenden und zumeist enttäuschten Hoffnung, eine Tasche, ein Paar Schuhe, eine Decke, eine Flasche Limonade, eine geschälte Orange oder eine Handvoll Cola-Nüsse an den Mann bringen zu können. Ich kaufte für 20 Leones zwei Beutel Bananenchips.
    12.30 Uhr kam der nächste Police Stop. Eine neben dem Auto mitlaufende Frau bot mir durchs Fenster frisch gelegte Eier an. Ich lehnte dankend ab. Ohne zu halten rollten wir am freundlichen Kontrollpersonal langsam vorbei.
    Ohne weitere Polizeiontrollen erreichten wir 14:30 Uhr einen völlig neuartigen Kontrollpunkt, an welchem unser Fahrer 10 Leones einem Mann in orangener Weste durch das Fenster in dessen Amtsstube reichte. Mit einer Autobahn-Mautstelle hatte ich nun beim allerbesten Willen nicht gerechnet 😄
    14:55 Uhr wurden wir wie alle anderen Fahrzeuge auf der Autobahn (!) an einer Polizeikontrolle gestoppt, konnten aber langsam weiterfahren, während Frauen nebenherlaufend Obst und Nüsse zu verkaufen suchten.
    15:10 Uhr passierten wir die nächste Mautstelle und bezahlten wieder 10 Leones. Wofür auch immer.
    15:25 Uhr stoppte uns die Sicherheitstechnische Polizeikontrolle in Waterloo (!), die an unserem schwer von der Rundreise gezeichneten Fahrzeug irgendwas fand und dafür vom genervten Mahamadou eine Strafgebühr einforderte.
    Gegen 16:45 Uhr erreichten wir das Paradies.
    Nach dieser Tour kommt einem ein vernünftiges Strandhotel am Meer wie purer Luxus vor.
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