• Feierlaune im Februar

    6 hours ago, Atlantischer Ozean ⋅ 🌬 19 °C

    Salut!

    Ende Januar erreichten wir Guadeloupe (siehe letzter Bericht).
    Unser erster Ankerplatz war bei den Inseln Les Saintes. Der kleine Ort Terre-de-Haut hat sehr viel Charme...- man könnte fast sagen eine kleine Perle.
    Da ich in Point-a-Pitre einen Termin bei einer Chiropraktikerin vereinbart hatte, mussten wir dann aber termingerecht weiter. Wir versuchten uns dort einen Hafenplatz zu sichern - leider ohne Erfolg. Die Lage unseres Ankerplatzes war jedoch überaus spektakulär: Jeden Abend zog mindestens ein Kreuzfahrtschiff (eines grösser als das andere!) direkt vor uns vorbei. Wir haben uns jeweils zugewunken!
    Point-a-Pitre ist die Hauptstadt von Guadeloupe, das ein französisches Departement (= Kanton) ist. Viel zu sehen gibt es allerdings nicht! Abgesehen von einem beeindruckenden Stoff-Geschäft, das ich entdeckte und wo ich einiges an Stoff eingekauft habe. Meine kreative Seite hat sich wunderbar angesprochen gefühlt. Die Ideen haben mich buchstäblich überflutet! Nachdem mein letztes Projekt gut gelungen ist (das kreolische Tischtuch) war ich ganz in Nählaune! Auch Wolle hab ich mir noch gekauft, um an meinem Projekt, dem Plaid, weiter arbeiten zu können. Ich stricke verschiedene quadratische "Blätz", um sie am Schluss zu einem grossen Ganzen zusammen zu fügen...- ein Plaid.
    Nach gut einer Woche zog es uns weiter. Neben hübschen kleinen Ankerbuchten, welche wir noch besuchten, erreichten wir Bouillante an der Westküste. Ein Ort der bekannt ist für seine sehr heissen Quellen, welche ins Meer fliessen: Die Thermes de Bouillante. Diese natürliche Thermalquelle am Meer wird durch die vulkanische Aktivität des Soufrière gespeist und sprudelt mit einer Temperatur von über 70 Grad Celsius hervor, bevor sie sich mit dem Meerwasser vermischt und so ein natürliches Bad mit idealer, fast heisser Temperatur (ca. 35 - 40 Grad) schafft. Es gilt als Naturjuwel von Basse-Terre. Ein wirklich spezielles Erlebnis zum Geniessen.
    Etwas weniger gut ist es mir ergangen beim Anlegen mit dem Dinghy (Beiboot) beim Steg in Bouillante... Der grosse Abstand vom Boot zum Steg, den es zu erklimmen galt, hat mich gepiesakt! Ich kam in Rückenlage und fiel schnurstracks zwischen Boot und Steg mitsamt dem Hut, Sonnenbrille und Kleider ins Wasser! - "Nicht schon wieder", dachte ich als erstes! Was ihr nämlich noch nicht wisst: Bereits in Dominica bin ich ins Wasser gestürzt, als wir uns auf unserer Wanderung durch den Fluss befanden. D.h. im Wasser war ich ja bereits. Dort bin dann über einen Felsen geschlittert und auf meine rechte Hüfte geprallt, was mir ein richtig "schönes" Hämatom verpasst hat! Beim Sturz in Bouillante kam ich zum Glück mit ein paar Schrammen davon!
    Gleich um die Ecke von Bouillante befindet sich eine weitere Perle: Deshaies. Eine anschaulich grosse Bucht vor diesem kleinen Städtchen. Es ist bekannt und entsprechend voll mit Booten, die um die Plätze ringen. So kommt es dann manchmal doch auch zu unschönen verbalen Aussetzern des einen oder anderen Skippers! Einer unserer direkten Nachbarn, ein Franzose, verlor sehr schnell die Nerven, wenn jemand in seiner Nähe ankern wollte! Lauthals schrie er seinen Schiffsnachbarn an und da dieser keinen Grund sah, sich vertreiben zu lassen, ist er völlig ausgetickt, hat seinen Anker neu gesetzt und zu guter letzt noch ein Geschrei mit seiner Frau veranstaltet! - Wir blieben zum Glück verschont!
    Es waren alles in allem aber wunderschöne Tage in Deshaies. Ein Besuch im botanischen Garten hoch auf dem Hügel, mit einem Restaurant, eingebettet in dieser traumhaften üppigen Landschaft war beeindruckend. Das grosse Highlight in Deshaies war definitiv der Besuch eines Delphins in der Bucht! Die Menschen waren bezaubert und einige schwammen zu ihm. Auch Andi hatte das Glück den Delphin noch in nächster Nähe zu erleben. Der krönende Abschluss am letzten Abend war das Dîner délicieux à la "Kaz du Douanier"...- c'était magnifique!
    Wir verlassen Deshaies am 6. Februar und erreichen nach rund 6 Stunden die schöne Bucht Freemans Bay bei English Harbour in Antigua. Zahlreiche Segelschiffe buhlen auch in dieser Bucht um die wenigen Plätze und es gilt gut aufzupassen, wie der Anker ideal gesetzt werden kann. Manchmal kommt man sich verdächtig nahe, obschon es nicht passieren sollte (genug Abstand)! Laut Andi herrscht in dieser Bucht eine spezielle Situation bezüglich der Windverhältnisse, welche jeweils alle Schiffe in eine andere Richtung stellen. Normalerweise bewegen sich die Schiffe simultan.
    English Harbor ist bekannt für die karibische Party hoch auf dem Hügel, im "Shirley Heights" mit phänomenaler Sicht über die Bucht. Andi war vor 37 Jahren schon mal dort - ich wollte diesen Ort unbedingt auch besuchen...- Das schöne Wetter an diesem Sonntagabend war einladend, die Musik und Stimmung echt toll! Es gab eine Steelband, Reggaeband und einen riesigen Grillplatz, wo sich Andi beim Anstehen für das Essen fast eine Rauchvergiftung einfing! Obwohl es ein touristischer Anlass ist, kann ich einen Besuch in „Shirley Hights" nur empfehlen.
    Am 9. Februar erlebten wir hautnah mit, wie ein vierköpfiges Frauenteam nach 57 Tagen in ihrem Ruderboot im Hafen von English Harbour ankam! " The world's toughest row" wird die Atlantiküberquerung mit dem Ruderboot genannt. Auf engstem Raum Tag und Nacht rudern, Schlafen alle zwei Stunden für zwei Stunden. Der Körper ist permanent gefordert. Salzwasser, Sonne, Wind und hohe Wellen gehören zum Alltag. Am 14. Februar kam die letzte Equipe im Ruderboot an: Ingrid und Walter Glässer aus Deutschland erreichten nach 59 Tagen über den Atlantik Nelsons Dockyard und schreiben Ozean-Ruder-Geschichte: Altersrekord in der Kategorie Mixed Pair! Die Bilder der Ankunft sprechen für sich: Erschöpft, aber strahlend stehen sie auf ihrem Boot, rote Signallichter in den Händen, hinter ihnen der Atlantik. Ein Moment der Wochen von Entbehrung bündelt und zeigt, was möglich ist, wenn Wille und Teamgeist zusammen kommen! Sehr emotional, was auch uns die Tränen in die Augen trieb!
    Wir haben in English Harbour für zwei Nächte ein wunderschönes historisches Hotel im Hafen gebucht. Dies zum Anlass meines runden Geburtstages, den ich am 18. Februar feiern durfte. Vorher wollten wir aber noch für 2 -3 Tage ostwärts fahren nach Green Island. Ein unglaublich idyllischer Ort. Auf dieser kleinen Insel gibt es bis auf Strand und ein tolles Beach-Restaurant nichts! Natürlich wollten wir uns das Beach-Restaurant genauer ansehen und entschlossen uns nach einem Schnorchel-Tauchgang mit dem Dinghy dorthin zu fahren...- schliesslich hatten wir ein "Hüngerli" beieinander! Wir staunten nicht schlecht über den erstklassigen Service und das Essen, das uns im "Reef" geboten wurde! Das haben wir definitiv nicht erwartet...- den Preis allerdings auch nicht!!
    Pünktlich auf meinen Geburtstag waren wir zurück in English Harbour. Es galt ein paar Sache zu packen und uns mit dem Wasser-Taxi abholen zu lassen, um im "Admiral's Inn" einzuchecken. Zwei Tage Verwöhnprogramm - inklusive Massage durfte ich mir zugute kommen lassen! Einen schöneren 60. Geburtstag hätte ich mir nicht vorstellen können! - Von Herzen ein grosses Danke meinem Liebsten!
    Am 20. Februar segelten wir an die Westküste nach Jolly Harbour, wo wir einen Liegeplatz in der Marina reserviert hatten. Endlich: Strom und Wasser zur unbeschränkten Verfügung! Haare waschen ist angesagt - Momente der Ruhe und Re-Organisation. Wir mieten ein Auto mit mir als alleinigem Driver, da der Linksverkehr mehr meine Sache ist. In St. John - der Hauptstadt von Antigua - besuche ich erneut eine Chiropraktikerin, welche sehr humorvoll viele gute Inputs vermittelte... - wir haben viel zusammen gelacht!
    Am 3. März segeln wir weiter nach Barbuda an die „Princess-Diana-Beach“. Karibischer Sandstrand vom Feinsten! In den drei Tagen in Barbuda hat uns der Wind jeweils kräftig um die Ohren gepfiffen. Wir nutzen diese Windverhältnisse und segeln in einer 14-stündigen Überfahrt nach St. Martin. Kurz vor Mitternacht erreichen wir Philipsburg im holländischen Teil der Insel. Vorgestern kamen wir in Marigot an - im französischen Teil von St. Martin.
    Gestern Abend haben wir einen Tisch im "Le Marocain" reserviert (ein sehr hübsches Restaurant) und heute Abend nehmen wir den Anker auf...- es geht weiter bis zu den britischen Jungferninseln, welche wir voraussichtlich morgen Vormittag erreichen werden. - Es bleibt spannend!

    Bis bald!

    Herzliche Grüsse
    Priska & Andi
    und die Kaileuna

    Anmerkung: Übrigens die Sieger-Equipe im "the world's toughest row" war ein vierköpfiges Schweizer Männerteam, die 44-West (31 Tage, 8 h und 8 Min. für 4800 Kilometer). Dies entspricht ungefähr 1/8 des Erdumfangs. Jedes Teammitglied leistete 375'000 Ruderschläge!!
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