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  • Day6

    Schweiß - Highline 179 - Migration

    September 10, 2020 in Austria ⋅ 🌙 12 °C

    Zitat:

    Reisen macht einen bescheiden. Man erkennt, welch kleinen Platz man in der Welt besetzt.
    (Gustave Flaubert)
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    Als der Deutsche Krieg 1866 zu Ende ging, waren Bayern und Österreich von den Preußen besiegt worden. Der bayerische König Ludwig II war zu diesem Zeitpunkt bereits finanziell am Ende. Er lebte in einer Traumwelt, glaubte er sei Parzival, und war baubesessen. Er baute mehrere Schlösser und das letzte, Schloss Neuschwanstein, so aufwändig, dass seine Finanzen dabei zugrunde gingen.
    Bismarck von Preußen wollte gerne Kaiser werden, benötigte dafür aber die Befürwortung des süddeutschen Adels und auf diesen hatte Ludwig II wiederum Einfluss. Also nutzte Bismarck die finanzielle Not von Ludwig II und bestach ihn mit Millionen. Im Gegenzug befürwortete der bayerische König die Kaiserkrönung. Seitdem waren ( und sind?) die Bayern Untertanen von Preußen.

    Wir bestiegen unsere Maschinen und steuerten über einsame und kurvenreiche Landstraßen zum Schloss Neuschwanstein, das, nach dem Willen von Ludwig II, niemals ein Fremder betreten sollte. Jedoch: Seit dem Tod von Ludwig II besuchten mittlerweile 130 Millionen Menschen das Schloss.

    Wir parkten und machten uns auf den Weg: 200 Höhenmeter waren zu bewältigen. Bei hochsommerlichen Temperaturen, strahlend blauem Himmel und brennender Sonne. Schon nach kurzer Zeit brannte uns der Schweiß in den Augen und wir keuchten den steilen Anstieg in unserer Motorradkluft hoch. Oben angekommen konnten wir das Schloss nur von außen besichtigen: Wegen der Abstandsregeln gab es nur wenige Tickets. Nach einer Weile machten wir uns auf den Abstieg, durchquerten das Tal und besichtigten auf der anderen Seite das Schloss „Hohenschwangau“, das ebenfalls etwa 200 m über uns lag. Fantastische Aussichten belohnten unsere erneuten Mühen und wir waren glücklich, hier zu sein..... Aber auch ziemlich fertig.

    Nach dem erneuten Abstieg erreichten wir unsere Motorräder Schweiß durchtränkt und waren froh, uns zunächst vom Fahrtwind trocknen lassen zu können. Doch schon nach kurzer Zeit stand die nächste Besichtigung an: Die „Highline 179“. 2014 wurde diese Brücke fertiggestellt und fand ihren Eintrag im „Guinness-Buch der Rekorde“ als längste Fußgängerbrücke der Welt im „Tibet Stil“, also freitragend. Über 100 m hoch und über 400 m lang. Von unten sehr schön anzuschauen, will man jedoch darüber laufen, muss man auch hier erst den Berg besteigen. So machen wir uns also auf dem Weg: Die Sonne brennt erbarmungslos, die brütende Hitze ist schon ohne Motorradsachen kaum auszuhalten. Keuchend und schwitzend setzen wir einen Fuß vor den anderen, höher und immer höher. Völlig fertig, total außer Atem und mit rasendem Puls erreichen wir endlich den Brückeneingang: Und keine Kneipe weit und breit!! Ich mache mich selbstständig: Jeder der hier hochkommt ist mit Sicherheit bereit, zehn Euro für eine Cola zu bezahlen. Das wird das Geschäft meines Lebens! Bei 160.000 Gästen pro Jahr wird es ja wohl zu schaffen sein, 50 Cola am Tag zu verkaufen.....

    Die Ausblicke sind phänomenal, aber das Laufen auf der Brücke, mit den durchsichtigen Gitterrosten, ist absolut nichts für Leute mit Höhenangst.

    Erkenntnis des Tages:
    1866 wurden die Bayern annektiert. Seitdem dauert die Migration an. Und ich bin nicht der Meinung, dass diese abgeschlossen ist. 😉 Weder die Sprache noch die Kultur ist mit anderen Bundesländern vergleichbar. Ich bin auch skeptisch, dass dieser Migrationsprozess jemals abgeschlossen sein wird. 😂
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