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  • Day7

    Ruhetage, Schwarzgeld + Begrüßungen

    September 11, 2020 in Germany ⋅ ⛅ 23 °C

    Zitat:
    Jede Reise ist wie ein eigenständiges Wesen; keine gleicht der anderen. (John Steinbeck)
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    Wir sind nun seit einer Woche unterwegs und es ist uns bis zum heutigen Tage nicht gelungen, ein Schloss oder eine Burg von innen zu besichtigen. Das ist schade, doch ein wenig haben wir damit gerechnet, denn in Corona Zeiten werden einfach weniger Tickets verkauft, um den Mindestabstand gewährleisten zu können. Verständlich und wir können das gut akzeptieren. Doch der Grund, weshalb wir auch heute keine Besichtigungen wahrnehmen konnten, hat uns doch mehr als überrascht: Freitags und Samstags ist häufig Ruhetag! Für uns völlig unerklärlich, denn wenn Touristen kommen, dann sicherlich am Wochenende. Und sowohl gestern wie auch heute hatten wir Probleme, eine Übernachtung zu finden. Der einfache Grund: Donnerstags und Freitags haben häufig die Gasthäuser und Pensionen Ruhetag. Ist das denn zu fassen? Wollen die hier in Bayern keine Touristen mehr haben? Brauchen die kein Geld?

    In diesem schwierigen Jahr nimmt der Staat Schulden auf, um insbesondere diejenigen zu unterstützen, die besonders unter den Maßnahmen leiden. Abgetragen werden die neu aufgenommenen Schulden im Laufe der nächsten Jahrzehnte durch die Steuereinahmen. Das setzt Solidarität in der Bevölkerung voraus. Doch die gibt es nicht: Auf unserer Reise kommen wir ohne Bargeld nicht mehr aus: Das Zahlen mit der Karte ist weitgehend verpönt. Es werden keine Rechnungen geschrieben und wir werden offen zur Steuerhinterziehung aufgefordert. In einer dermaßen direkten Art und Weise habe ich das noch nicht erlebt.

    Wir erreichen die „Tatzelwurm“-Wasserfälle und steigen die gut ausgebauten Wanderwege hinab ins Tal. Wir sind nicht alleine, auch andere Touristen sind hier unterwegs. Jeder Tourist, der uns beim Abstieg begegnet, begrüßte uns freundlich: „Servus“, „Grüß Gott“ oder „Guten Tag“. So freundlich wir es auch empfinden, so befremdlich ist es für uns Großstädter auch: Zumindest in Berlin ist es unüblich, jede fremde Person zu begrüßen. Aber es ist motivierend und macht gute Laune. Also grüßen wir fröhlich mit.
    Nach dem Abstieg kommt immer wieder der Aufstieg. Auf diesem geraten wir ins Keuchen und nach der Hälfte des Weges senken sich unsere Blicke und fixieren jeweils einen Punkt vor unseren Stiefeln. Wir schauen auf den Weg und machen wieder einen Schritt nach dem anderen. Plötzlich wurden wir sehr laut angesprochen: „Ich sagte „Guten Tag!““ schimpfte der ältere Herr. Ich schaute ihn verdutzt an, denn ich war gerade in Gedanken versunken und versuchte nur, den Aufstieg zu überleben. Völlig perplex murmelte ich eine Entschuldigung, beantwortete seine Begrüßung ebenfalls mit einem „Guten Tag“ und setzte meinen Weg fort. Nicht ohne sehr aufmerksam zu beobachten, ob erneut andere Menschen begrüßt werden mussten, was ich dann auch geflissentlich tat.

    Erkenntnis des Tages:
    Ob Begrüßungen, Ruhetage oder Abrechnungen: In Bayern ticken die Uhren einfach anders!
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