• Begossene Pudel

    Feb 23–24, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 22 °C

    Am Freitag wachen wir ein wenig steif auf. Der Parkplatz ist zwar schön asphaltiert, die Plätze sind allerdings (wahrscheinlich mit dem Hintergedanken des Regenabflusses) ziemlich schief. Immer wenn wir irgendwo ankommen gehen wir wie ein kleines Mantra einzelne Schritte durch:
    1. Wo steht gerade die Sonne, wo wird sie demnach morgen aufgehen? Wir stellen uns mit Schnauze in Richtung Sonnenaufgang, so wird unser Wohnraum nicht so schnell erhitzt.
    2. Stehen wir gerade? Mittlerweile hat Christian ja auch im Fahrerhaus eine Wasserwaage angebracht, mit der wir schauen können, wann wir gerade stehen. Es schläft sich einfach besser, wenn man nicht mit dem Kopf nach unten liegt oder auch, wenn man nicht aufeinander rollt.

    Auf dem Parkplatz des Waypoint haben wir auch nach 3x umparken nicht gerade gestanden und das "zum Sonnenaufgang stehen" hat das "mit dem Kopf nach unten schlafen" geschlagen. Wir haben also "falschrum" im Bett geschlafen und sind aufeinander gerollt. Merkt man dann doch, aber für eine Nacht ist es in Ordnung.

    Nachdem Christian mit Bella Gassi war und ich unterdessen den Kaffee vorbereitet habe, hat Christian die Idee mit Freddie in den Schatten umzuparken. Auf einer Rasenfläche hat die Nacht ein Airstream gestanden, der aber mittlerweile schon weg ist. Schatten und gerade stehen, eine super Idee. Kurzerhand steigt Christian ein, ich stehe hinten, halte den Kaffee hoch und die nur angelehnte Schiebetür zu. Die Gedanken der Leute, die mich sähen, wenn die Tür aufginge, wären wahrscheinlich ziemlich unterhaltsam. Ich stehe nämlich Balance haltend, mit der Bialetti in der Hand nur gekleidet in Unterwäsche und gefühlt explodiert auf dem Kopf da. Zirkus der anderen Art.

    Wir verbringen noch knappe zwei Stündchen auf dem Platz, genießen unseren Kaffee und fragen den Platz für heute Abend an. Christian zeigt mir, was er sich beim Recherchieren gestern Nacht so für Gedanken gemacht hat und wir planen ein wenig unsere weitere Route. Dazu kommt aber noch ein extra Blogbeitrag online, wir haben da so ein paar Ideen, auf deren Umsetzung wir uns richtig freuen, für die wir uns aber wieder wärmer einpacken müssen. Für heute hat Christian aber einen schönen 7 Meilen (11 km) Trail/Wanderweg im Crystal River Preserve State Park rausgesucht für den wir gerne stoppen möchten. Bisher waren alle "Wanderungen" eher Spaziergänge und wir freuen uns ein bisschen durch die Gegend stapfen zu können.

    Wir fahren los und ziehen an Tampa vorbei, der drittgrößten Stadt Floridas, die 1849 gegründet wurde. Wir sind uns nicht sicher, ob sich ein Besuch lohnt. Tampa ist das beliebteste Reiseziel der Amerikaner um diese Jahreszeit (das sagt auf jeden Fall das Internet). Googelt man Sehenswürdigkeiten, poppen allerdings lediglich Strände, ein riesiger Vergnügungspark und Museen auf - das lockt uns jetzt nicht wirklich, also halten wir nicht.

    Während der Fahrt bekommen wir die Zusage für den Stellplatz, den wir für abends angefragt haben. Ein großes Privatgrundstück im Nirgendwo in Floridas Norden. Wir haben sofort für zwei Nächte angefragt, damit wir morgen einen Tag zum Runterkommen, Werkeln, Nichts-Tun und Auftanken haben. Dass es Privatanbieter gibt ist noch mal eine Erweiterung von Harvest Hosts, die sich Boondockers Welcome nennt. Hier bieten private Haushalte, meist Leute, die selbst leidenschaftliche Camper sind, ihre Grundstücke an, um unterzukommen. Diese privaten Haushalte können im Gegensatz zu den geschäftlichen Anbietern wie Bars, Museen, Kirchen, Brauereien und Winzer, auch angeben, dass man mehrere Nächte bei Ihnen verbringen darf. Linda und Van sind die ersten privaten Anbieter, die wir anfahren werden. Wir sind gespannt.

    Bevor wir aber die Wanderung antreten, wollen wir auf dem Weg noch ein paar organisatorische Stopps machen. Hierzu gehört einkaufen, Abwasser entleeren, Müll leeren, tanken und Bargeld abheben. Auf geht's also. Als erstes fahren wir eine Dumpstation an. Hier können wir Abwasser und unseren Pippi-Kanister leeren. David sagte uns gestern, dass er das einfach in der Natur lässt. Im Abwassertank befinden sich ja im Endeffekt auch keinerlei Chemikalien. Unsere Spülseife ist natürlich abbaubar und ansonsten ist dort auch nur Kochwasser und Zahnputzwasser drin. Urin kann man auch bedenkenlos in der Natur entsorgen, aber irgendwie haben wir dennoch ein schlechtes Gewissen auf den Grundstücken unserer Hosts Abwasser abzulassen. Also zahlen wir 10 Dollar und werden all das Restwasser mit reinem Gewissen los. Dann wird getankt, diesmal haben wir einen Verbrauch von 9,3 Litern, das ist in Ordnung. Im Walmart können wir uns mittlerweile ganz gut orientieren und brauchen "nur" noch eine knappe Stunde, um alles zu finden, Preise abzuwägen bzw. zu vergleichen und die Einkäufe zu verräumen. Jetzt haben wir wieder ordentlich Vorräte, die für die nächsten eineinhalb Wochen reichen sollten. Als letztes heben wir Geld ab, das brauchen wir hauptsächlich für Spenden und kleine Einkäufe bei unseren Hosts. Mega, jetzt fühlen wir uns richtig gut aufgestellt für die nächsten Tage/ die nächste Woche.

    Weiter geht's zum Ausgangspunkt der Wanderung. Es ist leider Regen gemeldet, aber wir gehen davon aus, dass wir bestimmt nicht so krass betroffen sein werden. Ein kleiner Schauer kann ja auch recht erfrischend sein. Unser Gastgeber schreibt uns, dass wir bitte eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang spätestens da sein sollten, damit Van uns an der Einfahrt zum Grundstück abholen und zu unserem Stellplatz führen kann. Leider heißt das für uns, dass wir nicht den ganzen Trail laufen können. Die organisatorischen Dinge nehmen dann doch zwischenzeitlich viel Zeit ein. Dafür ist dann aber das Gefühl super, dass man nach den Erledigungen hat: wie ein frischer Start in den nächsten Urlaub. Wir packen unsere Regenjacken provisorisch ein und stapfen los. Wir sagen uns, dass wir eine halbe Stunde gehen und dann wenden, damit wir pünktlich bei Linda und Van ankommen. Nach einer viertel Stunde fängt es ein wenig an zu fisseln. Das ist okay auszuhalten. Nach einer halben Stunde haben wir fast drei Kilometer auf den Uhren, na komm, die drei Kilometer machen wir noch voll und dann drehen wir um. Meine Uhr gibt als erstes Bescheid, Christian möchte auch bei sich die drei Kilometer noch voll machen (er hat seine Aktivität ein wenig später gestartet), ich mache also schonmal kehrt und Christian und Bella kommen dann einfach ein wenig später bei Freddie an.

    Auf dem Rückweg öffnet der Himmel dann alle Schleusen und innerhalb von kürzester Zeit bin ich sickenass. Naja, dann mach ich mir halt den Zopf noch auf, dann lohnt sich das ganze wenigstens ein bisschen und meine ungewaschenen Haare werden immerhin einmal durchgespült.

    Zurück an Freddie angekommen, orientiere ich mich erstmal. Wie mach ich das denn jetzt am Besten, ohne, dass ich Freddie komplett versaue und unter Wasser setze?! Ich ziehe meine Wanderschuhe vorne aus und steige auf meine Birkenstocks um, dann in Freddie steigen. Die Tür lasse ich auf, hänge meinen Kopp aus der Tür und wringe meine Haare aus. Als ich wieder nach oben schaue, sehe ich auch schon Christian und Bella um die Ecke kommen. Beide ebenfalls komplett nass. Christian berichtet, dass er die Regenjacke nicht angezogen hat, weil es mit einem mal so richtig runterkam und es eh zu spät war. Während ich meine kleine Choreographie in Freddie vollführe um trocken zu werden, werden meine beiden Pudel da draußen noch weiter begossen. Ich beeile mich wirklich sehr, wer mich kennt, weiß, dass das dann leider oft trotzdem nicht raketenähnlich ist. Nachdem ich fertig bin, wird Bella von Christian so gut es geht im Regen getrocknet und hüpft zu mir nach vorne. Lecker, nasser Hund ist so gar nicht mein Geruch. Ich höre ein lautes Stampfen und das sanfte Schließen der Schiebetür. Christian ist kurzerhand in voller Montur in Freddie gestiegen und hat sich gar nicht erst die Mühe gemacht, irgendwie trocken in den Wagen zu kommen. So wie es mittlerweile runterprasselt auch eine gute Idee. 10 Minuten später rollen wir dann endlich los. Et stinkt und über uns baumeln auf unserer Wäscheleine, die wir im Elbsandsteingebirge dort eingezogen haben, die meisten Klamotten. Christian hat die Lüftung auf höchste Stufe eingestellt. Nacheinander nehme ich mir die Klamotten vor und halte sie mit beiden Füßen vor die Lüftung, so wird alles wenigstens einmal angetrocknet bis wir da sind. Bella wird auf jeden Fall bei den Hosts mit schickster Fönfrisur und frisch trockengeblasen ankommen.

    Wir lassen während der Fahrt den Regen hinter uns und rufen kurz vor Ankunft Van an, damit er uns am Tor abholen kann, darum hatten die beiden in der Nachricht gebeten. Hier ist auf jeden Fall nicht mehr das Strandflorida und auch Palmen sind nicht zu sehen. Dafür rollen wir durch eine zauberhafte Landschaft. Links und rechts von der Straße erstrecken sich majestätische Grundstücke , von denen teilweise nur hölzerne Gatter zu erkennen sind, die sich zwischen hohen Bäumen, die ihre Krone in den Himmel strecken, verstecken. Uii, das werden zwei Nächte ganz nach unserem Geschmack.

    Am Tor des Grundstückes angekommen, erwartet uns Van in seinem Jeep und rollt voran auf eine Wiese, nah am Haus. An unserem Platz angekommen ist sogar ein Wasserhahn vorhanden. Van ist ein älterer Mann, wir schätzen ihn auf Anfang 70, der uns kurz einweist, uns sagt, dass wir unser Wasser gern auffüllen können. Auf Nachfrage sagt er, dass Linda und er keine Spende haben wollen würden, da er sich daran erfreut neue Leute kennen zu lernen. Er berichtet ein wenig von seinen Reiseerfahrungen und ist wie viele Andere begeistert von unseren Plänen. Kurze Zeit später kommt Linda auch nach draußen und heißt uns willkommen. Die beiden sind ein herzensgutes Paar und wir fühlen uns pudelwohl.

    Nach dem kurzen Schnack mache ich mich daran einen bunt gemischten Salat und Bagels vorzubereiten. Christian kümmert sich in der Zeit darum all die klammen Klamotten noch auf den warmen Freddie zu legen, die nassen Schuhe rauszustellen und Freddie mit unseren Thermomatten nachtfein zu machen.

    Der Rest des Abends wird urgemütlich mit Abendessen, Bierchen, einer gemeinsamen Runde mit Bella, noch einem Bierchen, the Crown gucken und ein paar Chips und Schoki. Es ist super schön sich, auch wenn wir so viel unterwegs sind, so sehr angekommen zu fühlen, weil wir mit Freddie einfach unsere heimatliche Wohlfühloase dabei haben. Bis morgen du wundervolle Welt.
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