Eine Pyramide in Memphis
Mar 8–9, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 18 °C
Etwas unsanft werden wir am Freitagmorgen vom Prasseln des Regens auf Freddie geweckt. Ich, Christian, habe darauf gar keine Lust und der Blick auf die Uhr offenbart mir, dass noch genug Zeit für eine Kuschelrunde im Bett ist. Beim leichten Dösen, besprechen und planen wir ein wenig unsere weitere Vorgehensweise. Ziel der nächsten Etappe ist New Orleans und wir wollen den Weg dorthin gerne mit einem Teil der Great River Road verbinden, welche den Fluss Mississippi fast auf dem kompletten Weg durch die USA begleitet. Den Plan ein oder zwei Nächte im Naturschutzgebiet Land Between the Lakes zu verbringen, schmeißen wir über Bord: genau dort soll es die nächsten 48 Stunden gut Regnen und wir rufen Memphis als nächsten Navigationspunkt auf der Karte aus.
Da es mittlerweile eine kurze Regenpause gibt, marschiere ich mit Bella noch mal durch Nashville und wir kopieren dabei die Runde von gestern Abend. Auch wenn es gerade einmal halb elf ist, halten an der Moonshine- Destillerie schon zwei Bierbikes und ein zum Partyfahrzeug umgebauter Feuerwagen inklusive knapp bekleideter „Feuerwehr“-Frau - hier wird der Weltfrauentag also mit Wertschätzung und Selbstachtung begangen. Relativ unbehelligt von den Menschenmassen am Broadway können wir die Runde genießen und ich bin sehr dankbar, dass Hanna in der Zwischenzeit schon den Kaffee fertiggekocht hat und mich so direkt eine dampfende Tasse erwartet, als ich wieder da bin.
Wir setzen uns beide an unseren Esstisch, klappen die Laptops auf und fangen an, die Berichte der letzten beiden Tage zu tippen und so vergehen dann die nächsten 90 Minuten auch recht schnell, bis wir beide die letzten Worte getippt haben. Fehlen nur noch das Korrekturlesen und das Hinzufügen von Fotos bzw. Videos, aber das kann auch noch etwas warten. Wir machen Freddie erstmal abfahrbereit, vertrödeln aber auch noch etwas Zeit, um den ein oder anderen Regenschauer vorbeizulassen und kommen dann gegen 14:30 Uhr los. Das Navi zeigt bis Memphis eine Fahrzeit von knapp 3 Stunden an, mit unserem Tempo werden dann vermutlich knapp vier draus.
Der Weg über die Interstate ist dann ungefähr so spannend wie die Strecken zwischen Gelsenkirchen und Duisburg bzw. Solingen und Hennef. Autobahn halt. Nach knapp 90 Minuten machen wir Stopp an einer Raststätte, bewegen Bella ein wenig und gönnen uns eine kalte Cola vom Automaten und halten Kriegsrat. Auf dem Weg in Richtung Memphis ist kein einladender Stellplatz und noch an Memphis vorbeizufahren, würde dann doch den zeitlich Rahmen des Tages sprengen.
Wir finden dann in einer der vielen Apps einen Parkplatz an einem Outdoorgeschäft an einer Pyramide. Der Platz wird als sicher beworben, weil dort der Sicherheitsdienst 24/7 patrouilliert. Irgendwas klingelt bei uns beiden und ich schaue kurzerhand im Internet nach: Memphis ist - je nachdem welcher Statistik man glauben schenken möchte - unter den Top 3 der gefährlichsten Städte der USA. Neugierig auf diese ominöse Pyramide und auch etwas angespannt fahren wir weiter. Die Option weiterzufahren, wenn das Bauchgefühl sich meldet, besteht ja immer noch.
Als wir gegen 20 Uhr auf dem Parkplatz ankommen, ist auch klar: das Unwohlsein von Hanna hängt nicht nur mit dem Kater und den monatlichen Tagen zusammen, sondern eine Erkältung kündigt sich an.
Wir stehen direkt unter der immens hohen Auffahrt zur Brücke über den Mississippi, sehen auch ein paar andere Camper und den Sicherheitsdienst auf- und ab fahren. Der Platz wird definitiv keinen Preis gewinnen - dafür können wir dann aber auch einfach die Türen von Freddie zu machen und sind wieder in unserer Welt. Ich drehe schnell eine kurze Runde mit Bella, während Hanna etwas vor sich hindöst. Schlaf ist bekanntlich die beste Medizin.
Aus einer Paprika, Zwiebeln und Bohnen zaubere ich dann später noch einen kleinen Snack, der sich mal wieder gut in einem Wrap verstecken lässt. Mittlerweile sind Wraps für uns die Alternative zur guten alten deutschen Brotzeit und so lassen wir es uns schmecken.
Wir dösen beide wenig später auf dem Bett etwas weg und werden dann zu lauter Musik wach: ein Auto mit ein paar Halbstarken hat direkt neben uns Halt gemacht und wir sind uns nicht zu 100% sicher, was in Richtung von Freddie gerufen wird. Wir sind beide aber nach ein paar Minuten wieder entspannter, als sich das Auto wieder vom Parkplatz entfernt. Ich schaue noch zwischendurch aus dem Fenster und gehe dann nochmal eine Runde mit Bella über den Parkplatz. Alles ist ruhig, die Security fährt nach wie vor über den Parkplatz und so werden wir dann auch hier übernachten.
Ich recherchiere noch etwas, was es mit der Pyramide auf sich hat und werde dann wieder wach, als mir kurz mein Handy auf die Nase fällt.Read more



Traveler
👍😊Autobahn Hennef Solingen kommt hin !