Bucksin Gulch Slot Canyon
19.–20. apr. 2024, Forenede Stater ⋅ ☀️ 27 °C
Wir werden wieder auf dem Hügel wach und genießen erstmal wieder die tolle Aussicht. Das Wetter sieht vielversprechend für unsere kleine Wanderung aus. Es soll sonnig bis bewölkt werden und zwischendurch ein Lüftchen wehen – perfekt. Während Hanna ein wenig Ordnung schafft, buche ich die Tickets für die Wanderung. Pro Lebewesen, dass an der Wanderung teilnimmt, werden 6$ fällig. Die Einnahmen fließen direkt in die Pflege der Wanderung (z.B. für eine Leiter auf dem Weg), der Parkplätze und der dortigen Toiletten.
Während wir noch unserer normalen Morgenroutine nachgehen und den Kaffee trinken, bereite ich noch ein Müsli für die Wanderung vor. Zusammen mit der Bananenmilch von gestern, wird das dann ein leckerer Snack. Wenig später rollen wir auch schon von unserem Hügelchen mit Freddie runter und staunen erstmal. Die ersten Meter auf der Schotterpiste sind ganz schön wackelig. Wir stellen mal wieder fest, dass man über die Zeit abstumpft, je länger man auf Schotterpisten unterwegs ist.
Allerdings freuen wir uns sehr, als wir wieder auf dem Highway sind. Diese Freude ist aber nur von kurzer Dauer. Der Zubringer zum Wanderparkplatz ist ebenfalls eine Schotterpiste. Und hier ruckelt es die nächsten zehn Kilometer gewaltig in und an Freddie. Normalerweise haben wir bislang immer eine Spur gefunden, auf der die Wellbleche (so sieht das Muster auf der Straße aus) nicht stark ausgeprägt sind. Hier heißt es dann aber Augen zu und durch. Wieder einmal sind wir froh und super dankbar, dass Freddie das bislang alles so über sich ergehen lässt und keine Probleme verursacht. Und bei unserem Ausbau selbst, ist auch alles bestens. Weder die Deckenpanele noch die Elektrik haben sich bisher durch die stetigen Vibrationen beeindrucken lassen.
Am Parkplatz angekommen, füllen wir noch einen Zettel mit den Details zur Registrierung aus, füllen die Trinkblasen und schnüren die hohen Wanderschuhe. Wie praktisch, dass in meinen Schuhen noch das Paar Socken von einer vorherigen Wanderung steckt. Hochmotiviert und gespannt auf den Canyon machen wir uns auf den Weg. Am Parkplatz stehen mit uns nur vier Autos, so wird auch sehr wenig los sein.
Die ersten fünf Kilometer folgen wir mehr oder minder dem Flußbett und laufen entweder durch selbiges oder kleine, sandige Pfade die sich um das Flußbett herum schlängeln. Abgesehen von Fußspuren und ein paar alten Weidezäunen ist hier kaum menschlicher Einfluss sichtbar. Selbst Abfall, den wir sonst noch und nöcher am Wegesrand gewohnt sind, ist nicht zu erkennen. Der einzelne Autoreifen, der uns so halb vergraben in der Biegung des Flussbettes anlacht, ist dann auch mehr Zeuge einer Flut als der bewussten Vermüllung.
Die Landschaft ist dabei ziemlich beeindruckend und wir können uns mal wieder nicht wirklich satt sehen. Das Flussbett ist zum Teil nur wenige Meter breit und liegt höchstens einen Meter unterhalb der Grasflächen. Letztere sind unterschiedlich breit und links und rechts von dem mittlerweile so vertrauten roten Gestein eingefasst. Hier lassen sich auch an allen möglichen Stellen die verschiedenen Sedimentschichten erkennen. Unvorstellbar, dass der Fluss hier über eine nicht greifbare Zeitspanne mehrere hundert Meter breit und bestimmt 30-40 Meter tief gewesen sein muss.
Wir werden beide mit der Zeit dann doch etwas ungeduldig und können es kaum erwarten, endlich am Teil mit dem Slot Canyon anzukommen. Zunächst gibt es dann aber eine kleine Pause. An meinen beiden Zehen schmerzt es ziemlich und ich stelle fest, dass ich die Wandersocken zuletzt im White Sand National Park getragen habe. Der verschleppte Sand im Socken hat dann beim Laufen nicht nur die Hornhaut abgetragen, sondern auch eine ordentliche Blase erzeugt.
Ich befreie die Socken vom Sand, zucke mit den Schultern und blende die Schmerzen so gut es geht aus. Es ist schon komisch, dass ich zum Teil vollkommen durchdrehe, wenn ich ein für mich störendes Geräusch höre, aber solchen Schmerzen dann einfach ignorieren kann.
Nach einem weiteren Kilometer kommen wir endlich an den ersten Stellen des Canyon an und freuen uns alle – inklusive Bella – über den Schatten und den erfrischenden Wind. Hier am Anfang ist der Canyon noch etwas über zwei Meter breit, aber schon mehr als haushoch. Wir sind beide sprachlos und machen erstmal Pause auf einer kleinen, erhöhten Auswaschung am Rand. Während Bella eine Portion Bananenmilch schleckt, genießen wir beide das Müsli und schauen uns direkt die gegenüberliegende Wand des Canyons an. Beim Entspannen wandern auch ein paar kleine Gruppen an uns vorbei und wir halten zwischendurch einen kurzen Schnack mit einem jungen, amerikanischen Paar.
Gestärkt, neugierig und abenteuerlustig mache wir uns dann weiter auf den Weg. Ich versuche beim Sprung von der Auswaschung ein cooles Video mit der Actionkamera zu machen, scheitere aber. Ob es ein einfacher Sprung oder ein doppelter Salto war, müsst ihr Euch an der Stelle also selber denken.
Wir folgen dem Canyon für weitere zwei Kilometer und sind immer wieder erstaunt über die Muster und Formen, die das Wasser in den Felsen gegraben hat. Während an mancher Stelle der Stein komplett ausgewaschen ist, lässt sich an andere Stellen erahnen, wie das Wasser gearbeitet hat, um eben solche Auswaschungen zu erzeugen.
Die Enge des Canyons endet abrupt und wir befinden uns auf einer Art „Lichtung“. In knapp 100 Metern Entfernung sehen wir die Fortsetzung des Canyons, auf der rechten Seite mehr als ein Dutzend kleiner Wandergruppen, die aus oder in Richtung eines „Nebenarms“ des Slot Canyons unterwegs sind. Mit knapp 8 Kilometern auf dem Tacho sind wir beide noch motiviert und wollen nicht direkt dem Weg nach rechts folgen, der in 3 Kilometern zu einem Parkplatz führt. Nachdem sich die „Lichtung“ wieder verjüngt passieren wir ein sportliches Paar, mittleren Alters und sind beide beim Vorrübergehen sehr fasziniert vom professionellen Wanderflußkleid: Badelatschen.
Wir werden nicht probieren, ob Badelatschen das wenig später folgende Umknicken von Hannas rechtem Fuß verhindert hätte, sondern gehen mit den neu gemischten Karten erst einmal so gut es geht um. In den ersten zwei Augenblicken wechseln sich Schmerz, Wut und Tränen in Hannas Gesicht ab. Wir merken, dass es auf der einen Seite nichts furchtbar Schlimmes im Sinne eines Knochenbruches ist, aber ebenfalls nicht so banal, dass es mit dem Richten des Krönchens getan wäre. Hannas erste Worte sind: „Scheiße Christian, das hat zweimal geklonkt“
Es heißt also umkehren und nun dem Pfad in Richtung des nahegelegenen Parkplatz folgen. So gut es geht, versuchen wir unter den Umständen die Pracht des Canyons hier zu genießen. Die Farben in diesem Teil sind nochmal intensiver und der Canyon ist zeitweise so eng, dass er nur als Einbahnstraße zu passieren ist.
Wir passieren auch die eingangs erwähnte Leiter – hier wird Bella kurz getragen, auch wenn sie deutliches Interesse am Erklettern der Leiter bekundet. Ein Unfall am Tag ist da dann doch genug.
Ich werfe zwischendurch immer wieder Blicke in Richtung Hanna – sie kämpft sich tapfer über die steinige und sandige Oberfläche. Rückblickend war ich nach meinem Umknicken in Schottland froh, dass der Parkplatz nur ein paar Hundert Meter entfernt war. Mehr hätte ich nicht geschafft.
Hanna legt auch die letzten Kilometer bis zum Parkplatz tapfer humpelnd zurück und schreibt, nachdem der Handyempfang wieder gegeben ist, um sich ein paar Ratschläge, ihrer kleinen Schwester. Schon praktisch, jemanden vom Fach in der Familie zu haben. Danke Jenny an der Stelle, für die wenig später folgenden Ratschläge und das schnelle Reagieren! Nach einer kurzen Pause am Parkplatz wird der ambitionierte Plan, gemeinsam 6 km entlang der Straße zurück zu Freddie zu laufen bereits vor Jennys Antwort verworfen. Dafür pulst und drückt es dann mittlerweile doch etwas zu sehr.
In der Nähe der aktuellen Position ist gerade niemand auszumachen, der in Richtung Freddies fährt und so verabschiede ich mich von Hanna. In spätestens zwei Stunden sollte ich dann mit Freddie wieder dort sein. Ein wenig froh, über die zusätzliche Bewegung bin ich zugegebenermaßen ja auch – 20 Kilometer hatten wir uns ursprünglich vorgenommen zu laufen.
Trotz der Blase am Zeh gebe ich Vollgas und trinke zwischendurch immer wieder einen kleinen Schluck der verwässerten Bananenmilch. Das Fazit nach zwei Kilometern: es geht ordentlich nach oben, aber ich habe nur knapp 20 Minuten gebraucht. Da wird Hanna also nicht so lange warten müssen. Um die Wartezeit möglichst kurz zu halten, halte ich auch den Daumen raus. Die ersten zwei Fahrzeuge fahren an mir vorüber, beim dritten stehe ich gerade an einem Busch und folge dem Ruf der Natur. Beim vierten Fahrzeug habe ich dann mehr Glück und ein älteres Ehepaar aus Utah nimmt mich mit zum anderen Parkplatz. Beide sind ganz begeistert von der Verschiffung und unserem Sabbatical und geben allerlei Tipps. Über großartige Wanderungen und Hinweise zum nächsten Krankenhaus ist alles Mögliche mit dabei.
Knapp eine dreiviertel Stunde nachdem ich Hanna und Bella zurückgelassen habe, sammle ich die beiden ein. Wir bzw. Hanna verzichtet auf den Besuch im Krankenhaus und wir fahren erstmal in Richtung von Page, der nächstgrößeren Stadt. Dort fülle ich ein paar unserer Vorräte beim Walmart auf und besorge neben Blasenpflastern auch noch zwei verschiedenen Kompressionsstrümpfe für das Sprunggelenk und selbstklebenden Verband. Hinzu kommt dann noch eine Styroporbox und zwei große Packungen Eis zum Kühlen. Nachdem die Einkäufe verstaut, der Müll entsorgt und der Fuß von Hanna verarztet unter einer kleinen Eisschicht liegt, geht es noch zu einem kleinen, lokalen Schnellimbiss und wir essen mal wieder Burger. Definitiv besser als das, was es in der Regel bei Fast-Food-Ketten gibt, aber auch nicht so gut, dass es uns vom Hocker haut (im Falle von Hanna vielleicht sogar besser so 🦶).
Wir rollen wieder aus Page heraus und finden in der Nähe des Highways ein Plätzchen für die Nacht in der Glen Canyon National Recreation Area. Wir sind beide gespannt, wie es dem Fuß von Hanna morgen gehen wird. Sie hält sich auf jeden Fall fleißig an die PECH Vorgehensweise : P ause/ E is/ C ompression/ H ochlegen.Læs mere






















Rejsende
Stimmt, Hier das Suchbild 🙂
Rejsende
😘tapfer tapfer
Rejsende
😘👌