Augen zu und durch
21.–22. apr. 2024, Forenede Stater ⋅ ☁️ 27 °C
Howdy, hier schreibt der Tollpatsch vom Dienst. Nach einem Tag ausruhen und dauerhaft den Fuß hochlegen und weiter komprimieren, bin ich ganz schön gespannt, als ich diesen heute Morgen auspacke. Es zeigt sich ein bunt schimmernder, aber nicht mehr ganz so unglaublich dicker Klumpfuß. Mein Knöchel ist zwar noch ordentlich dick, aber die Bewegung nach oben und unten ist recht frei möglich und tut nicht weh. Ich nehme mir vor, meinen Fuß gut im Wanderschuh zu verpacken und ein paar Meter mit Bella zu gehen. Das funktioniert tatsächlich – zwar mit einem unsicheren Gefühl, aber ohne große Schmerzen.
Als ich zurück zu Freddie komme, hat Christian bereits Kaffee gekocht und wir genießen ihn (also zum großen Teil, es gibt zwischenzeitlich einen kleinen Kaffee-Unfall) und überlegen, wie wir weiter vorgehen. Noch einen Tag bleiben? Ich habe ehrlich gesagt ziemliche Hummeln im Hintern und würde gern weiter auf Entdeckungsreise gehen. Ein Tag mehr auf dem Bett liegen, wird mich auch am nächsten Tag noch keine 20km Wandertouren machen lassen. Beifahrerin kann ich auch mit hochgelegtem Fuß sein. Natürlich ist die Aussicht darauf, dass ich wahrscheinlich in der nächsten Zeit eher ein „aus-dem-Auto-hüpf-und-Foto-mach-Tourist“ sein werde, absolut keine, die mir auch nur annähernd gefällt. Allerdings haben die letzten anderthalb Tage dabei geholfen, dass ich mittlerweile eher dankbar dafür bin, dass mir nichts Schlimmeres passiert ist. Es soll heute außerdem noch wärmer werden, als gestern und da waren es in Freddie schon 34,5°C. Also machen wir uns bereit dafür, auf jeden Fall diesen Platz zu verlassen. Wir wollen noch Wasser auffüllen und nochmal zu Walmart, um frische Erdbeeren zu besorgen und zu schauen, ob und was ich nicht noch für den Fuß gebrauchen könnte.
Die letzten Tage habe ich viel mit Jenny geschnackt und bin so dankbar dafür, dass sie sich, obwohl eine Ferndiagnose natürlich nicht möglich ist, Zeit nimmt, um Hypothesen durchzugehen, mir rückzumelden, was möglich ist und um mir Pros und Contras eines Arztbesuchs vor die Nase zu halten. Eigentlich denke ich, dass es nur ein bisschen Zeit braucht, aber eine leise Stimme meldet sich und fragt, was denn ist, wenn ich doch irgendwas verschleppe, dass die Regenbogenfarben an meinem Fuß schon dafürsprechen, dass irgendetwas grade kaputt ist. Auf dem Walmart Parkplatz überlege ich nochmal mit Christian und komme zu dem Schluss, dass sich dadurch, dass ich in Deutschland auch zum Arzt ginge und wir nicht wissen, wo auf dem weiteren Weg überhaupt ein Arzt erreichbar sein würde, gar keine Frage stellt. Gegen den Arzt spricht, dass ich nicht hören möchte, was ich alles in naher Zukunft nicht machen darf und dass ich die Auslandskrankenversicherung eigentlich nicht nutzen möchte, bzw. dass mir das amerikanische Gesundheitssystem unbekannt ist. Ich merke, dass das leider keine haltbaren Gegenargumente sind. Ich versuche also über die App der Auslandskrankenversicherung einen Ansprechpartner zu erreichen (uns wurde im Vorhinein eingeschärft, dass vor jedem Arztbesuch Kontakt aufgenommen werden muss, da Rechnungen sonst nicht übernommen würden). Die Telefonnummer funktioniert nicht, ich beantrage eine Videosprechstunde (auch über zwei Tage später, wurde meine Anfrage dafür noch nicht beantwortet). Wow, ich habe jetzt schon keine Lust mehr.
Christian findet im Internet eine Nummer unserer Versicherung, die für Fragen in den USA bereitstehen soll. Also rufe ich diese an und ein bedingt höflicher Mann fragt mich nach kurzer Zeit, was ich denn von ihm jetzt genau wolle, ich solle mir einfach einen Arzt aussuchen und dahin gehen. Man müsse nur bei stationären Aufenthalten vorher anrufen. Mittlerweile bin ich kurz davor, einfach auf einen Arztbesuch zu verzichten und zu schauen, was die Zeit bringt. Mit solchen Situationen kann ich nicht gut umgehen. Christian schreibt kurzerhand unseren Versicherungsmann des Vertrauens an, über den wir die Auslandsversicherung abgeschlossen haben. Wir sind super dankbar, dass er uns (obwohl es Sonntag und 22 Uhr abends in Deutschland ist) nach einer viertel Stunde antwortet. In der Zwischenzeit haben wir herausgefunden, dass es leider keinen Orthopäden weit und breit gibt (auch keinen, der montags wieder aufmachen würde). 200 km in die falsche Richtung wäre die nächste Adresse. Allerdings gibt es hier ein Krankenhaus und Christian überzeugt mich, dass es besser ist als Garnichts und ich die Sicherheit, dass nichts verschoben, abgesplittert oder gebrochen ist, brauche.
Nun gut Krankenhaus it is. Man mag es nicht meinen, aber wenn ich mich nicht selbstgewählten unbekannten Situationen und unbekannten Menschen gegenübergestellt sehe, braucht es für mich ganz schön viel Überwindung mich dem zu stellen. Christian bleibt bei Bella - im geschlossenen Auto können wir sie nicht zurücklassen und was soll er neben mir rumsitzen. Bevor ich reingehe, schaue ich, ob meine Kreditkarte noch genügend Verfügungsrahmen bereithält, weil es wohl üblich ist, dass bei Ärzten und im Krankenhaus die Rechnungen sofort beglichen werden müssen.
Ich tapse also zur Rezeption und werde von einer netten Dame empfangen. Diese nimmt auf, was ich für Beschwerden habe, notiert meine privaten Daten und lässt mich zwei Formulare unterschreiben. Diese lese ich mir zwar annähernd durch, bzw. überfliege sie und stelle ein paar Rückfragen; Während des Unterschreibens denke ich mir zwischenzeitlich, dass ich eventuell in einem auch ne Waschnmaschine kaufe, weil ich vielleicht doch nicht alles richtig verarbeitet habe. Nach einer viertel Stunde Papierkram, bekomme ich ein tolles Krankenhausbändchen und soll mich noch kurz setzen, bevor mich eine Krankenschwester einsammeln wird. Nach nicht Mals mehr 3 Minuten werde ich von Mikey eingesammelt, die sich vorstellt und mich erstmal wiegt. Dann gehen wir in ein Behandlungszimmer und Gail kommt dazu. Hier läuft alles auf Vornamensbasis, was die ganze doofe Situation für mich sehr auflockert. Ich packe meinen Fuß aus und beide bewundern die schillernden Farben des Regenbogens und lassen sich erklären, wie das genau passiert ist, während mein Blutdruck gemessen wird und sie mir erklären, dass gleich Cameron der Arzt einen Blick auf den Fuß werfen wird. Als dieser rein kommt begrüßt Gail ihn mit: „You have to see it, it shows all the colours of the rainbow.“ Cameron nickt anerkennend und fragt mich, nach kurzer Zeit, wie das denn genau mit den anderen blauen Flecken an meinen Beinen aussieht, ob bei mir schonmal untersucht wurde, ob ich eine Blutkrankheit habe. Wir erinnern uns kurz an meinen Sturz von unserer Toilette, die Flecken, zieren natürlich aktuell auch noch mein Bein. Ich versichere, dass tatsächlich schonmal geschaut wurde, warum ich so schnell farbig gepunktet bin, und schließe mit den Worten, dass ich leider wirklich sehr tollpatschig bin. Dadurch, dass ich den Fuß recht schmerzfrei bewegen kann, geht Cameron davon aus, dass es sich eher um eine Bänderüberdehnung handelt (wie ich es ja auch sehr gehofft habe), beauftragt aber zur Sicherheit ein paar Röntgenaufnahmen. Mikey, Gail und Cameron verabschieden sich bis später.
Nach kurzer Zeit höre ich auf dem Flur, wie die drei meinen Fuß lebhaft beschreiben und kurz danach geht die Tür auf und Cliff stellt sich vor. Er rollt ein Röntgengerät ins Zimmer und sagt, dass ihm die Buntheit meines Fußes schon sehr angepriesen wurde. Wir unterhalten uns über Slot Canyons, Wandern, Canyoning und Christians und meine Pläne. Nachdem er die Bilder aufgenommen hat, sagt er, dass er diese nun auswerten ginge und Cameron mir dann die Ergebnisse mitteilen werde. In der darauffolgenden dreiviertel Stunde sitze ich in dem Räumchen und schreibe mit Christian, der in Freddie einen Bericht schreibt. Als Cameron reinkommt, gibt er mir sofort ein Daumen hoch und sagt, dass nichts an den Knochen zu sehen ist, es aber sehr gut war, dass ich es habe überprüfen lassen. Ich soll weiter Kompressurverbände nutzen, um die Schwellung und den blauen Fleck daran zu hindern noch mehr Raum einzunehmen. Wandern solle ich erstmal keine lange Strecken. Auftrag an mich ist auf meinen Körper zu hören und darauf zu achten, wie mein Fuß auf Bewegung reagiert, wird es dick und tut weh, weniger machen. Alles sehr logisch soweit und genauso gedacht habe ich es mir auch.
Bevor ich aus dem Krankenhaus watschel, heißt es dann noch am Empfang den ganzen Spaß bezahlen und nochmal 4 Unterschriften dalassen. 880 Dollar ärmer (jedenfalls, bis die Einreichung durch ist) aber erleichtert und dankbar, dass mein Körper so einen ungünstigen Sturz so gut wegsteckt, steige ich in Freddie und berichte Christian. Wir werden heute noch in Page bleiben und auf einem Walmart Parkplatz die Nacht verbringen. Vom Tag ist allerdings noch einiges über, also fahren wir zu einer Wäscherei. Bella hat vor ein paar Tagen während der Fahrt aufs Bett gekotzt (gut, dass wir zwei paar Bettwäsche dabei haben) und zusätzlich dazu ist das letzte Waschen schon wieder über 10 Tage her. Nachdem wir wieder nur saubere Klamotten und Bettwäsche haben tuckern wir mit Freddie in Richtung eines sehr gut bewerteten Restaurants. Hier wird uns gesagt, dass es ein wenig Wartezeit gibt, was uns ganz gut gelegen kommt. Wir geben unsere Nummer an und werden per SMS benachrichtigt, wann unser Tisch frei wird. In der Zwischenzeit geht Christian eine kleine Runde mit Bella, während ich das Bett beziehe.
Im Sunset 89 sitzen wir draußen und können sogar Bella dazu holen, die erstmal von zwei Angestellten vergöttert wird. Auf den Tag gibt’s erstmal einen Sunset Margarita für mich und Bierchen für Christian. Wir bestellen als Vorspeise eine Portion frittierten Rosenkohl mit Gochujang, Leute, köstlich! Das ist schon das zweite Mal in den USA, dass wir Rosenkohl so ganz anders als in Deutschland zubereitet genießen und es ist echt was, was man sich merken kann. Als Hauptspeise bestellt Christian sich ein Steak mit Reis und Brokkoli und einer Suppe als Beilage (verrückte Kombi, aber auch richtig gut). Für mich gibt es einen Unagi Mushroom Burger, der zum Dahinknien ist. Ich glaube es ist der beste Burger, den ich bisher hier gegessen habe und das mag was heißen, denn wir hatten schon ganz schön viele.
Nach dem Essen fahren wir rüber zum Walmart und machen uns recht schnell Bettfertig, um dann noch eine Folge Serie zu schauen. Wat ein Tach, aber wir haben das Beste draus gemacht und ich bin froh das ganze Arztgebummsels auf mich genommen zu haben.Læs mere



RejsendeSei froh dass es nur Kaffee ist 🤢
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RejsendeEs bleibt bei Euch spannend.Ich bin hin und hergerissen von den Reise- und Tollpatschickkeitsberichten die mich an meine....... Tollpatschigkeit erinnern:-) Sorry das Du Hanna da ein paar Gene und Welchigene von mir abbekommen hast 😕
RejsendeSiehst du, jetzt kannst du auch über ein KH in Amerika berichten. Das hört sich doch ganz locker an. Schon alleine nur mit Vornamen anreden ist doch ganz anders als bei uns. 😘