• Auf nach Nanaimo

    23–24 Mei 2024, Kanada ⋅ ☁️ 13 °C

    Heute, am Donnerstag (ja natürlich habe ich gerade im Kalender nachgeschaut, welcher Tag ist 😉), haben wir nach zwei Tagen Entspannung wieder richtig Lust uns in einen Entdeckertag zu stürzen. Vor der Entdeckerphase heißt es aber erstmal in den Tag starten. Wir stehen etwas früher auf, denn die Zeit zum Ausschecken ist um 11 Uhr. Für uns aktuell eher die Zeit, in der wir entspannt unseren Morgenkaffee schlürfen. So packe ich aber als aller erstes meine Duschtasche, während Christian sich um Freddie kümmert. Duschen nehmen wir auf Campingplätzen immer nochmal kurz vor der Abfahrt gernstens mit, denn wer weiß wo die nächste warme oder gar heiße Duschgelegenheit auf uns warten wird.

    Dadurch, dass wir uns wirklich recht früh aus den Federn gepellt haben, können wir trotzdem nach meiner Rückkehr an Freddie noch entspannt Kaffee trinken. In dem Falle fängt der frühe Vogel tatsächlich den Wurm. Ich genieße den Kaffee draußen, während ich mit Emma, Moritz, Jenny und Marc mal wieder per Videochat schnacke, meine nassen Haare entknote und Bella neben mir die Sonnenstrahlen genießt, die durch das Blätterdach dringen. Während meiner Schnack- und Kaffeezeit geht Christian noch zur Dusche. Als wir noch eine halbe Stunde bis zur Abfahrt haben, drehe ich eine Runde mit Bella und Christian kümmert sich darum, dass unsere Wasservorräte wieder voll aufgefüllt sind.

    Ziemlich pünktlich geht es dann auf die Piste. Wir sind dankbar für dieses wundervolle Plätzchen Erde, das uns (obwohl es ein Campground war) warme Duschen beim Regen bereitgehalten hat und ein zauberhaft verwinkelter Rückzugsort für die letzten zwei Tage war. Für uns geht es nun weiter in Richtung Nanaimo, einer Hafenstadt im Osten Vancouver Islands. Hier möchten wir einen kleinen Stopp machen und uns danach noch ein wenig weiter auf den Weg zur Inselerkundung machen. Wir haben einen Weg ausgesucht, der nicht über den gut in Stand gehaltenen Highway führt, sondern ein wenig durch die Karpaten führt. Nach einer halben Stunde über diese Huckelpiste durch wunderschöne Natur stoppen wir jedoch an einem handgeschriebenen Schild, das sehr deutlich statuiert, dass über den Weg keine Durchfahrt nach Nanaimo besteht. Christian bemüht kurz seine Lieblings-Info-App was solche Ungereimtheiten und allgemeine Tipps angeht (Reddit) und stößt auf die Information, dass die auf Maps angezeigte Durchfahrt durch Tore auf Privatland tatsächlich versperrt ist. Wir sind dem Schreiber des Plakats sehr dankbar, dass wir nicht erst noch eine Zeitlang bis zu besagten Toren gefahren sind, sondern sofort hier umkehren, weil wir die Info früh genug lesen konnten. Dann also doch in Richtung Highway. Trotzdem sind wir zufrieden hier über diese verlassene Straße gefahren zu sein. Immer wieder hat sich uns ein Blick auf den Lake Cowichan, andere Seen und Flüsse geboten. Die Landschaft ist im Allgemeinen sehr märchenhaft und auch die kleinen Siedlungen, die wir durchfahren sind bunt, schön und richtiggehend gemütlich angelegt.

    Angekommen in der kleinen Hafenstadt Nanaimo fahren wir erstmal durch ziemlich viele Baustellen, scheinbar wird hier einiges an Fahrbahn erneuert, bevor die Touristensaison wieder richtig Fahrt aufnimmt. Wir parken an einem Einkaufszentrum und machen uns von dort aus zu Fuß auf eine kleine Erkundungstour auf. Das Städtchen riecht durch die Bauarbeiten in weiten Teilen ordentlich nach frischem Teer, ein paar Meter abseits der Haupt- Durchgangsstraße finden wir aber ein paar kleine gemütliche Gässchen, die von Restaurants, Bars und schönen Häuschen gesäumt sind. Wir machen Halt im „The Modern Café“ und setzen uns in die Sonne, so dass Bella es sich neben uns gemütlich machen kann. Es gibt als Snack einen Thai-Nudel-Salat, gebratenen Rosenkohl mit karamellisierten Pekannüssen und ein Flatbread mit Pilzen (ähnlich wie ein kleiner Flammkuchen). Außerdem hat sich Christian die „Cheesecake Nanaimo Bar“ als Nachtisch gegönnt. Nanaimo Bar ist scheinbar eine, in Kanada recht bekannte, Leckerei. Normalerweise besteht sie aus einer „Schoko-Waffel-Nuss-Schicht“ einer Puddingschicht und wird getoppt mit einer Schokoladen Ganache. Mal schauen, ob wir zum Vergleich irgendwo außerhalb von Nanaimo diesen „Riegel“ nochmal ausprobieren werden. Abgewandelt mit Käsekuchenschicht war sie jedenfalls genau Christians Kragenweite. Nach diesem köstlichen Zwischenstopp trudeln wir über die Hafengegend wieder zurück zu Freddie und machen uns dann auf in Richtung eines Walmarts, um unsere Vorräte aufzufüllen. Unsere Frischeabteilung haben wir in den letzten Tagen wieder ordentlich geplündert. Wir vergleichen ein wenig das Angebot der Walmarts in den USA mit dem hiesigen und sind zufrieden, dass wir Grundlagen wie Essig, Öl, Joghurt und solche Dinge hier nach wie vor in perfekten Vanlife Größen finden. Demnächst geht es dann daran, die kanadischen Supermärkte vom Angebot her ein wenig zu vergleichen. Vorerst haben wir aber für die nächsten Tage bzw. die nächste Woche erstmal alles, was wir benötigen.

    Nach unserem Abstecher nach Nanaimo, dem Herumbummeln, Einkaufen und Verräumen machen wir uns mit einer flüssigen Leckerei von Starbucks um kurz vor 18 Uhr nochmal auf den Weg. Zuerst wollten wir in Richtung Tofino gen Westen Vancouver Islands fahren und irgendwo auf dem Weg in der Natur einen Platz finden. Nach Tofino, einer heiß begehrten Surfer Region Vancouver Islands, und die gleichnamige kleinen Stadt, führt eine Stichstraße gen Westen. Nach einem Blick auf die Wettervorhersage entscheiden wir uns dann aber für eine Route Richtung Norden, da dort das Wetter die nächsten Tage besser sein soll. Christian hat schon einen Spot im Blick und gibt die Koordinaten in Maps ein und so rollen wir los. Nach einiger Zeit auf der Straße zoomt er ein bisschen raus und merkt, dass der Platz, den wir anfahren doch zufälliger Weise an der Stichstraße liegt, die mitten über die Insel in Richtung Tofino und Schlecht Wetterfront liegt. Nochmal umkehren macht nun auch keinen Sinn mehr und ein bisschen Regen können wir und Freddie bestimmt auch ab. Also halten wir weiter in diese Richtung und lauschen derweil dem Hörbuch.

    Ich bin die meiste Zeit einfach total baff von dieser gigantischen Kulisse. Bergketten, bewachsen von Wald und mit immer noch weißen Spitzen, ragen in den Himmel. Die Wolken hüllen diese zum Teil in mystische Schwaden und neben uns gibt ein reißender Fluss dem nächsten die Klinke in die Hand. Wir teilen uns die Straße mit ein paar wenigen Autos und Wohnmobilen, die meiste Zeit rollen wir aber für uns gemächlich dahin. Gegen 20 Uhr kommen wir an dem ausgeguckten Stellplatz an und sind glücklich diesen ungeplanten Weg bis hierher gekommen zu sein. Auf uns wartet ein breiter Fluss mit Mini-Wasserfall, einer Feuerstelle und außerdem ist der Platz sehr gerade, so dass wir nicht Mals mehr Keile zum Ausrichten benötigen. Christian macht sich mit Bella zu einer Erkundungstour auf, aber nicht bevor er nicht seine nackten Füße und seinen frisch rasierten Kopf einmal in den Fluss gehalten hat.

    Nach der Rückkehr der beiden Entdecker gibt es lecker Käsebrot mit Ei und Tomate und dazu eine Folge Outlander. Der Abend plätschert langsam dahin und wir schlafen mit Wasserrauschen im Ohr ein.  
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