• Die Seele bi-ba-baumelt

    24–25 Mei 2024, Kanada ⋅ ☁️ 10 °C

    Der Freitag startet gemächlich und Christian hopst heute Morgen mit Bella vor die Tür zu einer Gassirunde. Ich mache derweil Freddie tagesfein, bereite Kaffee vor und genieße die Aussicht. Während ich die Tür zu Freddie aufhabe, spaziert ein Fischer an Freddie vorbei zum Fluss und fragt mich, ob es mich störe, wenn er hier ein bisschen angelt. Ich verneine und schaue gebannt zu, wie er, bestückt mit Angel, Käscher und einem kleinen Rucksack, in den Fluss watet und seine Angel ein paar Mal gekonnt auswirft. Beim vierten Auswerfen biegt sich die Angel bereits und der Fischer lockert seinen Käscher. Nach ein paar geduldigen Versuchen schwimmt der Fisch, der Unterarm lang ist, in den Käscher. Der Angler hält diesen die ganze Zeit im Wasser und entfernt geduldig und mit ein paar beruhigenden Worten seinen Haken aus dem Maul des Fisches und lässt diesen wieder frei. Ich sage, dass das ja ganz schön schnell ging und er antwortet, dass das wirklich ein schöner Fisch gewesen sei. Dadurch, dass er keinen Eimer oder ähnliches Equipment dabei hat, um gefangene Fische nach Hause zu transportieren, gehe ich davon aus, dass er auch weitere Fische wieder frei lassen wird und den Tag über eventuell unterwegs ist, um seine Anglerskills zu verbessern. Ich führe mit dem Mann einen kleinen Plausch über unsere Reise und er berichtet, dass er das erste Mal hier an diesem Fluss angele. Nachdem er uns eine weitere schöne Reise gewünscht hat, stapft er weiter Flussabwärts und wirft die Angel immer wieder aus. Spannend zu sehen. Als Christian wieder kommt ist er ganz traurig bei der Begegnung nicht hier gewesen zu sein. Ein großer Wunsch ist ein Angelkurs und das Beschaffen einer Ausrüstung, um im restlichen Verlauf der Reise eventuell auch seinen ersten Fisch zu fangen und diesen dann zuzubereiten. Mal schauen, was die Zeit noch so für uns bereithalten wird.

    Daher dass es heute immer wieder zwischendurch regnen soll, beschließen wir noch eine Nacht hier zu bleiben und den Tag mit Seele baumeln lassen zu verbummeln. Ein guter Plan wie ich finde. Ich versinke an dem Tag im zweiten Buch der Silo Reihe und Christian wuselt an seinem Laptop vor sich hin. Zum Frühstück gibt es eine Portion Porridge mit Erdbeeren, Heidelbeeren und Banane. Natürlich getoppt mit Erdnussbutter, Joghurt und Nüssen. Yummi. Es ist immer herrlich nach einem Einkauf so viele frische Sachen an Bord zu haben. Zwischendurch gibt es auch immer wieder ein paar saure „Gummi-Schnuller und Gummibärchen“, die als kleiner Schmackofatz ihren Weg in den gestrigen Einkaufswagen gefunden haben. Als Christian am Nachmittag die Tür von Freddie öffnet, um ein wenig frische Luft hereinzulassen, höre ich von der Tür aus nur ein „Adler!“ und wurschtel mich schnell vom Bett herunter. Tatsächlich kreist nicht weit über Freddie der erste Weißkopfseeadler, den wir in freier Wildbahn sehen dürfen. Wahnsinn! Diese Tiere haben eine Flügelspannweite von bis zu 2,3 Metern und sehen wirklich majestätisch aus. In dem Moment möchte ich diesen seltenen Anblick einfach nur genießen und denke gar nicht an meine Kamera, genauso wenig, wie Christian. Vielleicht haben wir ja in Zukunft auch nochmal das Glück einen zu sichten. In Nordamerika, Alaska und weiten Teilen Kanadas sind diese Könige der Luft noch anzutreffen.

    Der restliche Tag plätschert dahin und da Christian keine Lust hat zu kochen, macht er sich heute nach der Morgenrunde auch am Abend mit Bella auf, während ich unsere letzten Weintrauben mit all den anderen notwendigen Zutaten zu einem Bergkäsesalat verarbeite. Wir schnabulieren die Köstlichkeit zu einer Folge Outlander und lassen diesen herrlich entspannten Tag so ruhig wie er angefangen hat auch ausklingen.  
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