Irish Loop
30.–31. jul. 2024, Canada ⋅ ☁️ 27 °C
Wir wachen in einem Sumpf aus Nebel in Freddie auf und können aus dem Heckfenster gerade eben so das nahegelegene Ufer des Meeresarms Holyrood Ponds ausmachen. Die Luftfeuchtigkeit in Freddie liegt seit gestern Abend bei stolzen 75-80%, und alles fühlt sich ein wenig klamm an. Aber immerhin schwitzen wir nicht 😉.
Ich starte mit Bella zu einer kleinen Runde zum Saint Vincents Beach, wo sich aber auch heute Morgen keine Wale zeigen. Auf der Informationstafel des Strandes habe ich gestern bereits gelesen, dass sich die Wale in der Regel im Juni und Anfang Juli hier die Bäuche vollschlagen. Wahrscheinlich sind wir einfach ein wenig zu spät dran für dieses Jahr. Während ich anfangs noch ein wenig geknickt mit Bella am Meer stehe, wird mir nur einen Augenblick später bewusst, dass ich hier gerade mit der tollsten Salzluft in der Nase und mitten in einer steifen Meeresbrise am Kiesstrand stehe, während die Wellen mit ohrenbetäubendem Klatschen am Strand brechen. Und schon breitet sich ein zufriedenes Grinsen auf meinem Gesicht aus, ich atme tief durch und genieße diesen Moment so sehr. Als Kind habe ich schon immer gesagt, dass ich irgendwann mal am Meer wohnen werde. Hier fühle ich mich einfach pudelwohl und liebe insbesondere diese klippenreiche Kulisse. Wer weiß, wo uns unsere Zukunft mal hintreiben wird. Für diesen Moment genieße ich es aber einfach, gerade hier zu sein, und weiß, dass ich genau das in zwei Wochen nicht mehr haben werde. Also ist das Aufsaugen dieser Meerluft, der Umgebung und einfach nur das Genießen der restlichen Zeit meine mir selbst gestellte Hauptaufgabe für die nächsten 14 Tage. Das sollte ich doch gut hinbekommen. Wir sind immer noch von Nebelschwaden umgeben, und diese mystische Stimmung gibt mir ein ganz schön wohliges und irgendwie besonderes Gefühl. Ich und Bella allein am Strand – ganz schön schön.
Mit nebelfeuchtem Haar und Fell geht es dann zu Freddie zurück, wo gerade die letzten Tropfen Kaffee aus der Bialetti blubbern. Christian und ich schnappen uns unsere Becher, genießen die ersten Schlucke an einem Picknicktisch und machen es uns dann aber doch in Freddie gemütlich. Trotz des Nebels und der Feuchtigkeit ist die Temperatur angenehm, und so lassen wir die Schiebetür offen. Nach kurzer Zeit macht sich Christian auf den Weg zu den Toiletten und ich daddel ein wenig am Handy herum. Nachdem ganz schön viel Zeit vergeht, frage ich mich, wo es Christian wohl hin verschlagen haben könnte, und bilde mir zwischenzeitlich ein, dass Christian in kurzer Entfernung von Freddie in ein Gespräch vertieft ist. Meine Vermutung, dass er sich eventuell mit unseren Nachbarn aus New Hampshire verquatscht haben könnte, bestätigt sich nach einer weiteren Viertelstunde, als er mit den beiden um Freddie herum zur Seitentür kommt. Wir schnattern bestimmt noch 45 Minuten mit den beiden über unseren Ausbau und ihre Reiseerfahrungen. Die beiden sind bereits pensioniert und touren mit ihrem Kombi und Dachzelt durch Neufundland, müssen sich aber langsam auf den Heimweg machen. Die Frau (wir haben uns eigenartigerweise nicht namentlich vorgestellt) ist hellauf begeistert und animiert ihren Mann noch während unseres Gesprächs, dass ein Sprinter her muss. Sie erzählt, wie sie mit Backpacking mit je einem 45-Liter-Rucksack angefangen hat und mit der Zeit beim Dachzelt angekommen ist. Ein Auto zu haben, bei dem man nach der Ankunft nichts mehr machen muss, außer vielleicht das Bett herzurichten, ist da natürlich um einiges komfortabler.
Wir bekommen vor der Weiterfahrt der beiden noch ein paar Kekse zum Snacken während der Fahrt und ziehen dann alle weiter. Was für ein schöner und entspannter Plausch. Es ist immer wieder spannend, von anderen Reisewütigen Geschichten und Erlebnisse erzählt zu bekommen. Durch unsere Plauderei ist es mittlerweile schon halb eins, und wir rollen los, um dem Nebel zu entkommen und über die Irish Loop die Halbinsel Avalon weiter zu entdecken. Ein Ziel für heute haben wir noch nicht, auch wissen wir noch nicht, ob wir noch eine weitere Halbinsel mitnehmen wollen oder ob wir uns nach einer weiteren Übernachtung nicht vielleicht schon wieder in Richtung Twillingate aufmachen wollen. So könnten wir am Ende unserer Entdeckungsreise auf Neufundland noch den Gros Morne Nationalpark besuchen, den wir ja anfangs „links liegen gelassen“ haben. Wir werden sehen und lassen uns erst einmal treiben.
Der Nebel schwindet, mit uns sind nur wenige Autos unterwegs, und zwischendurch machen wir eine Pause an einer Straßenbucht mit einer fantastischen Aussicht. Wieder im Fahrerhäuschen, rollen wir weiter und halten nach einiger Zeit im kleinen Örtchen Saint Brides. Hier besuchen wir das Restaurant „Da Birds Eye“ und genießen frischen Fisch zum Mittagessen. Ganz schön lecker. Nachdem wir gesättigt sind und vorne an der Theke bezahlen wollen, kommen wir mit der Besitzerin und der Angestellten ins Gespräch. Wir müssen uns ordentlich konzentrieren, um der Dame zu folgen, da ihr einheimischer Dialekt wirklich sehr stark ist. Die beiden sind super herzlich und ganz begeistert, dass wir aus Deutschland kommen. Sie berichten von ihrem Bekannten Detlev, der aus Deutschland stammt, fragen uns nach unseren Jobs und fallen fast vom Glauben ab, als wir ihre Frage nach der Einwohnerzahl in Deutschland beantworten. Sie können sich nicht im Ansatz vorstellen, dass in einem Land, das zwar dreimal so groß ist wie Neufundland, 83,3 Millionen mehr Menschen wohnen können. Auf ganz Neufundland leben 521.542 Menschen (Stand 2019). Die beiden müssen sich das Leben in Deutschland ähnlich wie in einem Ameisenhaufen vorstellen. Nach diesem netten Geplauder machen wir uns weiter auf, um die Straßen der Irish Loop zu befahren. Auf einem Teilstück des Wegs wird Christian plötzlich langsamer und sofort danach sehe ich den Grund dafür. Eine Elchkuh steht mit zwei Jungen am Wegrand ziemlich nah an der Straße. Als sie die Motorengeräusche hört wendet sie sich zügig ab und hopst ins Dickicht. Ihre zwei Jungen springen hinterher und werden sofort vom hohen Gras verschluckt. Wahnsinn, wie viele Wildtiere hier so wenig scheu auf Wegen und in Gewässern unterwegs sind.
Gegen 19 Uhr finden wir ein nettes Plätzchen nahe dem Dörfchen „Come by Chance“, das auf einem Isthmus, also einer Landenge, die von Meer umgeben ist und Avalon mit dem Rest Neufundlands verbindet, gelegen ist. Hier gibt es mehrere kleine Buchten und Nischen, auf denen man mit dem Camper direkt an einer Feuerstelle parken kann. Die Plätze sind zum Teil auch mit Mülleimern und Picknicktischen ausgestattet, sodass wir alles haben, was das Campingherz nur begehren kann. Der Himmel ist klar, und wir laufen den Platz ein wenig mit Bella ab. Danach macht Christian sich mit Bella auf zu einem ordentlichen Gassigang, und ich bereite als Abendessen Ugly Ork vor (oder Spaghetti Aglio e Olio, wenn man es auf Nicht-Christianisch sagen mag).
Unser Tag endet, wie meist, mit Dexter, und dazu gibt es ein Gläschen Weißwein. Wir sind mittlerweile bei der letzten Staffel angekommen und werden uns für zu Hause wahrscheinlich eine neue Serie suchen müssen. Auch wenn ich ein bisschen Startschwierigkeiten hatte, habe ich Dexter mittlerweile doch ganz schön lieb gewonnen 😉.Læs mere









Rejsende
ova was fur eiin Riesen Tier
Rejsende
Sehr Hùbsch
Rejsende
da hat sich Freddie aber gut versteckt und ein besonders schõnes Plātzchen ausgesucht :-)