Da wo die Wale am Ufer sind
Jul 29–30, 2024 in Canada ⋅ 🌬 20 °C
Auch wenn dieser Flecken Erde direkt über dem Meer uns verlockt, noch eine weitere Nacht zu bleiben, geht es für uns weiter! Hanna spaziert mit Bella los und berichtet stolz nach der Rückkehr, dass sie einen Großteil des Weges von einem sehr zutraulichen Fuchs begleitet wurde. Bis auf wenige Meter hat er sich herangetraut und scheinbar Bella zum Spielen aufgefordert. Der Kaffee schmeckt bei solchen Erzählungen nochmal besser, als er es bei der fantastischen Aussicht ohnehin tut. Es ist für unsere Verhältnisse noch recht früh, als wir in Freddie steigen und uns auf den Weg machen. Auf dem Weg zu unserem Tagesziel machen wir noch einen Stopp am Cap Race und durchqueren dabei eine Landschaft, die eins zu eins aus Irland hierhin kopiert zu sein scheint. Nicht umsonst wird die Route um die Halbinsel auch die „Irish Loop“ genannt.
Die Halbinsel Avalon, auf der wir uns in den letzten Tagen bewegen, liegt im Durchschnitt an 158 Tagen des Jahres im Nebel. Deshalb wurde im Jahr 1856 am Cap Race ein Leuchtturm errichtet, der knapp 50 Jahre später um eine Funkstation erweitert wurde. Diese Station war im Jahr 1912 die erste Landstation, die die Notrufe der untergehenden RMS Titanic empfangen hat. Das Wrack derselbigen liegt von hier aus übrigens „nur“ etwa 600 Kilometer entfernt.
Nach einem Spaziergang, einer wilden Toberunde mit Bella und dem Studieren von Informationstafeln machen wir uns weiter auf den Weg nach St. Vincent. Die Küstenstraße liegt heute zwar nicht im Nebel, doch mit ziemlich starken Querwinden werden wir zwischenzeitlich ordentlich durchgeschaukelt. Trotzdem erreichen wir am frühen Nachmittag unser Ziel. Hier parken wir direkt vor dem Strand und springen voller Vorfreude aus Freddie. Der Meeresboden fällt hier in der Bucht bereits nach den ersten Metern sehr steil ab. Diese Besonderheit, zusammen mit dem jährlichen Laichen der Lodden, die hier in Schwärmen unterwegs sind, lockt Buckelwale auf ihrer Reise an. An keinem anderen Ort der Welt kommen die Wale so nah an das Ufer wie hier. Wir sind nicht die Einzigen, die am Strand spazieren und aufmerksam die Blicke über das unruhige Meer schweifen lassen. Doch wir entdecken keine Wale – wie wir ein paar Tage später lernen, sind diese den Lodden-Schwärmen gefolgt, die weitergezogen sind. Trotzdem ist es ein schöner Nachmittag, an dem wir die meiste Zeit Seevögel beobachten, die sich rasant wie Pfeile ins Meer stürzen, um nach wenigen Augenblicken wieder in die Luft zu schießen. Manchmal sogar mit einem Fisch im Schnabel.
Die Gemeinde vor Ort bietet einen Stellplatz in der Nähe des Strandes an, den wir am frühen Abend als Platz für die Nacht auswählen. Nicht, weil uns dieser Platz besonders gut gefällt, sondern weil der Rest des Tages heute zu einem der 158 Nebeltage gehört. An den Waschräumen wird dann zu einer Spende in Höhe von 10 C$ bei Übernachtung aufgefordert, die für Kosmetikartikel verwendet wird. Während wir körperlich erleichtert und um diese Information bereichert wieder an Freddie ankommen, unterhalten wir uns kurz mit einem Paar aus den USA, die mit ihrem Dachzelt-Auto neben uns geparkt haben. Wir teilen unsere frischen gewonnen Informationen, und nach ein paar weiteren Sätzen verabschieden wir uns und wünschen eine gute Nacht.
Während ich schaue, ob wir den Betrag auch elektronisch an die bereitgestellte E-Mail-Adresse übermitteln können und Hanna sich um das Essen kümmert, klopft es an der Schiebetür. Hanna öffnet lächelnd und bietet proaktiv Wechselgeld an, weil sie einen 20 Dollarschein in der Hand flattern sieht. Die nette Dame teilt uns mit, dass sie die Übernachtungskosten für uns (aus Mangel an Wechselgeld) übernehmen werden. Hanna ist das Ganze etwas unangenehm, insbesondere weil wir genug Wechselgeld zur Verfügung haben. Jeder, der schon mal versucht hat, Geld von seiner Oma nicht anzunehmen, weiß, wie unmöglich eine solche Aufgabe ist. Nachdem wir mehrfach unseren Dank bekundet haben, ist die Dame auch schon verschwunden.
Wir sind immer noch etwas perplex, aber auch erfreut über diese nette Geste, als wir wenig später den Abend bei Rotwein und Gemüse in Erdnusssoße mit Reis ausklingen lassen.Read more









Traveler
:-) Sieht von Weitem aus wie Tusnelda.
Traveler
verspielt wie immer, Bella hat die Reise wohl auch genossen :-)