• Sechs Monate vorbei, wir machen weiter!

    Aug 1–2, 2024 in Canada ⋅ 🌙 20 °C

    Unser Plan, früh von dem schönen Plätzchen hier loszukommen, scheint nicht gefährdet zu sein, als wir gegen halb neun wach werden. Die Sonne lacht schon über uns, den Wald im Hintergrund und das Meer hinweg, und so freuen sich sowohl Hanna als auch Bella, als sie sich auf den Weg zu ihrer Runde machen. Ich nutze die Gelegenheit und schüttele mal wieder die Bettdecke und das Spannbettlaken aus und fege Freddie danach gründlich durch. So wenig Fläche in Ordnung halten zu müssen, wird uns definitiv fehlen. Nachdem die beiden von der Morgenrunde zurückkommen, ist auch der Kaffee gerade rechtzeitig fertig geworden. Der Genuss des Kaffees in wundervoller Umgebung, ohne von Terminen oder sonstigen Verpflichtungen getrieben zu sein, ist wirklich eine sehr schöne Art, den Morgen zu beginnen.

    Wir stellen fest, dass die 6 Monate seit heute vorbei sind. Ohne den Abbau von Überstunden wären wir heute also schon nach Hause geflogen. Welch ein Segen, dass wir erstmal noch für ein paar Tage weiter machen können. Was wir für uns in den letzten Monaten gelernt haben, ist dass wir beide für ein dauerhaftes Leben in Freddie oder einem seiner „Nachkommen“ definitiv gemacht wären. Eine andere viel wichtigere Erkenntnis: die Hürden dafür sind viel weniger hoch, als wir es glauben und in erster Linie eng mit unserem irgendwie ur-deutschen Sicherheitsempfinden verzahnt.

    Während wir danach langsam alles für die Abfahrt verstauen, spülen und der Zahnhygiene nachkommen, gehen wir noch einmal unsere Vorräte durch und legen fest, was wir für die nächsten Tage einkaufen wollen. Es ist schon ziemlich warm, drinnen wie draußen, als wir gegen 11 Uhr vom Stellplatz rollen. Der Fahrtwind auf dem Zubringer und entlang des Trans-Canada-Highways bringt etwas Abkühlung, aber das Ganze fühlt sich mal wieder mehr wie ein Föhn an. Die Wetter-App auf dem Telefon verkündet, dass es heute zwischen 28 und 33 °C warm wird und verweist direkt auf die ausgesprochene Hitzewarnung für Neufundland. Die Fahrt ist für uns alle entsprechend anstrengend, aber wir genießen die Aussichten trotzdem. Immer wieder ruft einer von uns beiden „Schweden“, „Irland“ oder „Schottland“ durch Freddie, und wir erinnern uns an einzelne Landstriche, die wir in den jeweiligen Ländern bereist haben.

    Auf dem Weg zum nächsten Ziel kommen wir noch an einem größeren Ort mit knapp 7000 Einwohnern vorbei und stoppen dort für den wahrscheinlich vorletzten Einkauf. Im Walmart bekommen wir neben Äpfeln kein weiteres Obst und Gemüse, sodass wir noch zu einem weiteren Supermarkt fahren. Hier organisiert Hanna die fehlenden Sachen, und ich hole im Liquor Store noch etwas Wein. Natürlich werfe ich einen Blick auf die internationalen Biersorten, aber so gut schmeckt Veltins dann doch nicht, dass es mir die 5 $C pro Dose wert ist – trotz der Temperaturen.

    Bei Tim Hortons decken wir uns nochmal mit leckerem Flatbread, Apple Fritters und kalten Kaffeespezialitäten ein, bevor wir wieder auf den Highway rollen. Knapp 200 Kilometer sind es noch, und trotz der stärkenden bzw. kühlenden Leckereien kämpfen wir beide mit der Wärme. An einem Abzweig entscheiden wir uns nach einigem Für und Wider für einen Umweg entlang der Küste. Hier warten Stellplätze an den schönsten Stränden Neufundlands auf uns, und wir vermuten, dass in Meeresnähe die ein oder andere kühlere Brise auf uns wartet. Auf dem Weg zur Küste wird es dann aber erst einmal noch etwas wärmer, bevor wir dann in einem kleinen Fischerdorf mit kühler und frischer Luft belohnt werden, als wir an der Dumpingstation unser Abwasser loswerden.

    Auf das Auffüllen des Frischwassers verzichten wir – der Wasseranschluss ist nicht klar gekennzeichnet, und auf der Internetseite der Gemeinde findet sich der Hinweis, das Wasser vor der Verwendung abzukochen. Freddie ist dafür beim Abfahren einigermaßen gut durchgelüftet, und wenig später rollen wir auf einen der besagten Strände zu. Hier ist es wirklich wunderschön, aber es ist gut besucht, und in Sichtweite von Wohnhäusern zu übernachten, finden wir auch nach sechs Monaten immer noch nicht ganz so toll. Entlang der Küstenstraße werden wir von kurzen, aber zum Teil kräftigen Schauern begleitet, die das Fahren dann wieder angenehmer werden lassen. Bei den weiteren schönen Stränden bleibt es beim gleichen Bild, was wir vom ersten Strand schon gewohnt sind. Entweder ist ein Platz in Sichtweite von Wohnhäusern oder es ist ziemlich gut besucht. Uns so wenden wir uns dann wieder unserem ursprünglichem Tagesziel zu und fahren weiter nach Twillingate.

    Auf dem Weg dorthin wird es dann auch wieder deutlich wärmer, aber das nehmen wir sehr gerne in Kauf. Letzte Woche hat es uns dort so gut gefallen, dass wir das erste Mal überhaupt auf unserer Reise zu einem Stellplatz zurückkehren. Das liegt natürlich auch zum Teil daran, dass Neufundland nur recht schwer entlang der Küste auf dem Landweg umrundet werden kann.
    In Twillingate nehmen wir natürlich noch einmal die Wasserstation mit, sodass wir genug Wasser für die nächsten Tage dabeihaben. Durch unseren Umweg entlang der Küste und eine sehr gemütliche Fahrweise dauert es dann auch bis 20 Uhr, bis wir wieder an dem verlassenen Campground ankommen. Anstatt direkt auf diesen zu fahren, nehmen wir einen Abzweig früher: Am dortigen Hügel ist das Freistehen auch möglich, und wir haben direkt einen guten Blick auf unseren bevorzugten Platz vom letzten Mal. Dieser ist noch frei – laut Hanna hauptsächlich, weil wir das mit unseren positiven Gedanken so manifestiert haben – und wenig später haben wir dann die anderen Camper hinter uns gelassen und mit Freddie wieder den zerklüfteten Hügel erklommen. Hanna schnappt sich die zwei Keile, legt diese nach kurzem Rangieren unter die Reifen auf der Beifahrerseite, und nach einem kurzen Zurücksetzen stehen wir perfekt in Waage.

    Im Gegensatz zum letzten Besuch ist es fast windstill, als ich mich mit Bella auf den Weg mache. Nach den ersten Metern ziehe ich mir dann wegen der Wärme das Shirt aus und freue mich immer wieder über die kleinen Böen, die mir dank des Schweißes zeitweise kurz Abkühlung verschaffen. Zurück an Freddie hat Hanna schon alles für Sandwichtoasts vorbereitet, so dass ich diese nur noch kreativ belegen muss und dann über die Flamme rösten kann. Mal wieder in Begleitung von Dexter essen wir und lassen den Abend dann leicht schwitzend ausklingen.
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