• Buenos Dias Patagonia

    December 29, 2025 in Argentina ⋅ 🌧 11 °C

    4.30 Uhr Abflug, das heißt 3.30 Uhr Boarding, 2.30 Uhr Gepäckaufgabe. Bei einer Fahrzeit zum Flughafen von ca. 2h nehmen wir uns also kein Hotelzimmer, sondern bleiben im Restaurant bis wir zum Flughafen aufbrechen. Wieder mit unserem Lieblings-Formel-1-Bus. Wir können ja ein wenig im Bus schlafen, denken wir uns.
    In der Theorie eine gute Idee.
    In der Praxis ist der Bus allerdings um Mitternacht immer noch rappelvoll und auch die ganze Stadt scheint nicht zu schlafen.
    Die Fahrt ist wild und wir bekommen einen letzten Eindruck von der Stadt bei Nacht. Wir fahren vorbei an einem großen Brand, einem Verkehrsunfall und leuchtenden Vierteln weit außerhalb des Zentrums, die größer scheinen als europäische Innenstädte. Noch viele viele Kilometer außerhalb sind die alten Jugendstil Häuser um die 6 Stockwerke hoch.
    Auch jetzt und wie die gesamte Zeit in Buenos Aires haben wir uns nie unwohl gefühlt und stets sehr sicher. Die Leute sind meist ausgesprochen höflich. Keiner blockiert hier zwei Sitze mit seinem Gepäck und Menschen rücken vorsorglich auf um anderen Plätze anzubieten (wir natürlich auch :D).

    Als wir endlich am Flughafen ankommen erwartet uns eine neue Überraschung, eine große lange Schlange an der Gepäckaufgabe - um 2 Uhr nachts! Aber das ist kein Problem, wir sind gut in der Zeit und alles klappt wunderbar. Im Flieger bekommen wir gar nichts mit - Schlafmaske und Oropax helfen. Leider verschlafen wir auch den Anflug auf Patagonien - bei unseren Plätzen hätten wir aber ohnehin kaum was gesehen.

    Etwas zerknautscht und müde kommen wir endlich am kleinen Flughafen in El Calafate in Patagonien an. Problemlos können wir unseren Mietwagen übernehmen und fahren in die Stadt.
    Die Landschaft ist rau, das merken wir sofort - willkommen (fast) am Ende der Welt. Es ist eine karge, oft unberührte Landschaft mit atembraubernder Kulisse. Beschreiben kann man sie kaum, sie ähnelt nichts, dass wir schonmal gesehen haben und ist in ihrer Rauheit wunderschön!

    Moment, den Blog kann ich gerade nicht weiterschreiben - die Katzen hier fordern Aufmerksamkeit. 😂😽

    Wir kommen schließlich in El Calafate an. Die Stadt ist größer als erwartet und vor allem extrem weitläufig. Platz ist hier nicht das Problem. Die Häuser sind stabil und sehr individuell gebaut und man merkt schnell, dass diese Stadt vom Tourismus lebt. Alles ist darauf ausgelegt, wir sehen Shops, Restaurants, Tourenanbieter, etc etc. Es ist jedoch keineswegs unangenehm, alles verläuft sich sehr und wir treffen viele höfliche Menschen.

    Wir erkunden ein wenig die Stadt am Ufer des Lago Argentino und weil wir die Zimmer noch nicht beziehen können, gönnen wir uns ein paar Empanadas und setzen uns vor ein Café. Das Wetter ist tatsächlich sehr gut (11 °C) - für hiesige Verhältnisse - und es scheint sogar meist die Sonne. Die Stadt ist - zu unserer Verwunderung - voller Rosen und Lavendel. Leider laufen auch viele streunende Hunde herum.
    Hier vorm Café trinken wir auch unsere erste Mate. Das trinken hier in Argentinien gefühlt alle und ständig. Überall sehen wir die hübschen Becher mit Spezialstrohhalm, mit Kräutern gefüllt und Thermoskanne griffbereit. Sie ist bitter aber schmeckt sehr gut, David ist ganz begeistert. Das perfekte Getränk für Picknick oder zum Verweilen.

    Nun können wir unsere Zimmer in der sehr kleinen und privat geführten Hostería Posada Karut Josh beziehen. Die Inhaber sind ein extrem freundliches junges Paar aus Spanien (Ian) und Argentinien (Tatiana), die sich hier in Patagonien niedergelassen und etwas aufgebaut haben. Von unserem Zimmer haben wir einen traumhaften Blick auf den Rosengarten und dahinter den Lago Argentino.

    Ian empfiehlt uns, jetzt am Nachmittag noch zum regionalen Highlight, dem Moreno Gletscher zu fahren. Abends - so sagt er - sind dort kaum bis keine Touristen mehr, da die Busse am Nachmittag zurück nach El Calafate fahren. Tagsüber sei es wie Disneyland.
    Wir folgen seinem Rat und fahren los - kurz eine Straße gen Westen, nicht weit von der Stadt. Diese stellt sich allerdings als nicht enden wollende Fahrt in der patagonischen Wildnis heraus. Die Landschaft verschlägt uns den Atem. Zunächst am türkisblauen Lago Argentino, dann durch eine karge Ebene und dahinter majestätischen Bergen, dann durch schroffe Felsformationen. Die Landschaft sieht aus wie in der Herr der Ringe.

    Als wir näher kommen (die Fahrt dauert am Ende doch 1,5 h) sehen wir in der Ferne einen weiteren See mit kleinen weißen Booten darauf. So denkt David zunächst. Tatsächlich sind es beim Näherkommen kleine Eisberge, die friedlich und wunderschön auf dem See treiben. Dahinter baut sich auf einmal eine weiße Wüste zwischen zwei Berghängen auf - der Moreno Gletscher! 🧊

    Zunächst müssen wir auf einem großen, leeren Parkplatz parken und eine Rampe zu den Aussichtsplattformen laufen. Bald schon tut sich der Gletscher in seiner ganzen Pracht auf und uns verschlägt es erneut den Atem. Unbeschreiblich majestätisch steht die ca. 70 Meter hohe Eiswand unter uns, dann vor uns. Jede der vielen Aufsichtsplattformen bieten uns einen neuen, einzigartigen Blick auf dieses Naturwunder und diese Naturgewalten.
    Nun bewahrheitet sich ein weiterer Vorteil, denn Gletscher abends zu besuchen, wie uns Ian bestätigte. Durch die warme Sonne des Tages werden exponierte Eisvorsprünge instabil und brechen mit lautem Donnern in den See. Es kracht und knarzt immer wieder und man hört eindrucksvoll, dass sich der Gletscher in Bewegung befindet. Es ist ein unglaubliches Naturschauspiel.

    Wir können unseren Blick kaum vom Gletscher lassen und bleiben eine lange Zeit vor dem Gletscher. Die vielen Aussichtsplattformen sind leer gefegt und nur vereinzelnd begegnen wir anderen Gleichgesinnten. Nur dafür hat sich diese Reise schon gelohnt, sagen wir überwältigt.

    Aber irgendwann müssen auch wir wieder die Heimfahrt antreten und fahren die 1,5 h zurück durch Mittelerde nach El Calafate. Auf dem Weg machen wir noch eine ganz besondere Entdeckung:
    Nein, ein Hobbit läuft uns nicht über den Weg. Dafür aber ein wildes Guanaco, dass uns verwundert anschaut, als wir vorbei fahren.

    In El Calafate angekommen essen wir in einer urigen Pizzeria (wieder eine Empfehlung von Ian) eine argentinische Pizza, die mit viel Käse und Belag aufwartet. Sehr lecker aber wie überall hier, große Portionen. Dazu gibt es zur Feier des Tages ein Bier aus Patagonien. Was ein Tag!
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