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  • Day4

    Alleine zum Inlandeis

    June 27, 2015 in Greenland ⋅ ☀️ 9 °C

    Guten Morgen vom Feldbettlager:-) Wir haben erstaunlich gut, fast nahezu perfekt, genächtigt. Ausgeschlafen und mit neuem Tatendrang gehen wir frühstücken. Nachdem wir in der Hostelküche Essenswerkzeug geschrubbt und für uns zwei in einem Beutel (für die ganze Zeit hier) gesichert haben, beschließen wir, nie hier in diesem Dreck die Mahlzeiten einzunehmen. Wir packen alles zusammen und machen uns auf den Weg zum Meer. Dort finden wir eine gemütliche Picknickbank mit Blick auf die Eisberge! Perfekt! Hier werden wir jeden Tag früh und abend sitzen!
    Es ist warm, der Himmel ohne Wolken. Man könnte es sehr gut im T-Shirt aushalten, wenn die Mücken nicht wären. Sie hat das warme Wetter auch zu Billionen schlüpfen lassen. Solch eine Plage habe ich selbst in Schweden noch nie erlebt. Also schwitzen wir die ganze Zeit in unseren langen Klamotten.
    Nach dem Panoramafrühstück schnüren wir die Wanderstiefel und stapfen los. Am Rande des Ortes beginnt die Schlittenhundezone. Auf 4500 Einwohner kommen 3000 Schlittenhunde. Hier wurde uns geraten, nicht vom Weg abzuweichen. Blaue Farbkleckse auf den Felsen zeigen uns den richtigen Weg, um heile durchzukommen. Die Markierungen sind so aufgemalt, das keine Kette der Hunde hingelangt. Uns ist bei dem mörderischen Gebelle und dem Gestank nicht ganz wohl. Augen zu und durch. Wir wollen schließlich heute zum Inlandeis. Kurz hinter der Hundezone beginnt die grönländische Tundra in völliger Einsamkeit. Wir wandern und fotografieren und fotografieren und wandern. Es ist traumhaft! Eine vollkommene Stille umgibt uns. Die Luft ist glockenklar und rein durch den vielen Sauerstoff des Eises. Man spürt es und man sieht es vor allem auf den Fotos. Alle Bilder sind gestochen scharf und voll satter Farbe. Irgendwann windet sich unser Pfad einen Hügel hinauf und wir erhaschen den ersten Blick zum Kangia Eisfjord! Das Inlandeis ist erreicht. Gigantisch! Der Sermeq Kujalleq ist der produktivste Gletscher der Nordhalbkugel. 20 Millionen Tonnen Eis brechen hier täglich ab. Der Eisfjord hat eine Länge von 40 Kilometer und ist bis zu 7 Kilometer breit.
    Hier verweilen wir ein Stück und lassen die Szenerie auf uns wirken. Wir sonnen uns in Unterwäsche, bis die Mücken uns weitertreiben. Immer wieder wird die Stille von "Donnerschlägen" und anderen unheimlichen Geräuschen heimgesucht. Das Eis ist in ständiger Bewegung. Es liegt so unbeweglich und starr vor uns, doch die Eismassen bewegen sich hier 40 Meter pro Tag ins Meer! Kaum zu glauben!
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