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  • Day55

    Rocha - Anders als gedacht

    February 19 in Uruguay ⋅ ☀️ 27 °C

    Als wir uns überlegt haben, von La Paloma aus Rocha zu besuchen, da dachten wir noch dass die Hauptstadt der gleichnamigen Region einiges zu bieten hätte. In unserer Vorstellung war die Stadt größer als die kleinen, verschlafenen Orte direkt an der Küste, mit ein paar guten Läden ausgestattet, wo man vielleicht mal Postkarten findet oder wo wir ein paar Dinge von unserer Liste kaufen können - denn auch auf Reisen geht mal was verloren oder kaputt oder man bemerkt, dass man Dinge gut gebrauchen könnte, an die man vorher gar nicht gedacht hat.
    Die knappe halbe Stunde Busfahrt war erfreulich kurz und voller Entdeckerdrang stürzten wir uns ins Getümmel ... äh ... Moment... Getümmel war nicht das mit den leeren Straßen und den Fußwegen ganz für uns alleine oder?? Also nochmal von vorne ... voller Entdeckerdrang hatten wir gefühlt die ganze Stadt für uns alleine und uns beschlich die Vorahnung, dass die 8 Stunden bis zur Rückfahrt ganz schön lang werden könnten. Optisch glich die Stadt dem, was wir aus Uruguay schon kennen - flache Wohnhäuser, denen man ihr Alter ansieht, wenig Schatten, kollektive Siesta zwischen 11 und 15 Uhr, ein paar Supermärkte, ein paar Ramsch-Läden, ein begrünter Platz in der Mitte, drei Restaurants und ein wegen Wartungsarbeiten vorübergehend geschlossener Eisladen rundherum, ein großer Schuhladen ... das war's dann auch schon! Aber irgendwie ging die Zeit dann doch gut rum ... Ich hab mir am Wasserspiel im Park die Füße gekühlt und mir später ein paar Crocs gekauft, die im Sale für 20 Euro angeboten wurden. Weiße Crocs! Auf Südamerika-Rundreise! Voll praktisch, ist ja überhaupt nicht dreckig hier. Aber die einzige Alternative wäre rosa gewesen und das sah irgendwie fehl am Platz aus an meinen Füßen. Wir sind ungefähr jede Straße in der Innenstadt mindestens 1x abgelaufen und haben uns Würfel und Schreibblock zum Knobeln gekauft - immer nur (Offiziers-) Skat spielen, wird auf die Dauer auch langweilig. In einer Seitenstraße blühte ein dornenbesetzter Baum, dessen rosa Blüten bei Schmetterlingen und Kolibris sehr beliebt war. So schnell wie die Mini-Vögel fliegen, ist es gleichzeitig Herausforderung und Dauerbeschäftigung, sie zu fotographieren. Zur Feier des Tages (2 Monate verheiratet) hatten wir als Mittagsmahlzeit billige, irgendwie alt schmeckende Pommes und dazu je einen Hotdog aus Brot und halbwegs warmen Würstchen, zu denen uns eine verschmierte Dose Ketchup und eine etikettlose Flasche Mayonaise gereicht wurde. Es hat wohl doch eine Bedeutung, wenn ein Lokal die komplette Auswahl an maximal vorhandenen freien Sitzplätzen bietet. Außerdem gelernt ... günstig gleich lecker gilt zwar in Paraguay aber definitiv nicht in Uruguay!
    Am Busterminal haben wir dann ab 15min vor Abfahrt, die moderne Anzeigetafel, die Lautsprecherdurchsagen und die große, sehr modern wirkende Glasfront bewundert während wir darauf warteten, dass für unseren Bus die Plattform angezeigt wird. Als 3 min vor Abfahrt immer noch nichts dran stand (was grundsätzlich hier nicht ungewöhnlich ist, da die Busse selten pünktlich sind), schlug ich vor, trotzdem mal raus zu gehen ... wir sehen den Bus ja dann, wenn er ankommt- ganz ohne elektrische Anzeige! Im Abfahrtsbereich standen 2 Busse unserer Buslinie Rutas del Sol ... Swen fing plötzlich fast an zu rennen, um zu schauen, ob einer der Busse unserer ist und tatsächlich ... wir stiegen in wortwörtlich allerletzter Sekunde ein, Türen zu und los! Das war knapp und wieder mal ein Beweis dafür, wer sich auf Technik verlässt, ist oft verlassen...
    Zurück in La Paloma haben wir auf dem 5km-Weg zwischen Busterminal und Unterkunft noch einen wunderschönen Sonnenuntergang am Strand miterlebt. Ende gut, alles gut :)
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