Eine Gleichgesinnte
September 4, 2024 in Hungary ⋅ ⛅ 32 °C
Auch heute morgen gab es keine Spur vom Winzer, ich war noch immer alleine auf dem Berg. Obwohl ich Toilette und Wasser nutzte, musste ich nichts zahlen. Heute ging es für mich nach Pècs. Nach ungefähr 45 Minuten Fahrt stand ich dann nahe des Zentrums auf einem bewachten Parkplatz im Schatten. Pècs ist wirklich eine wunderschöne Stadt. Viele der Dächer sind sehr farbenfroh, mit Mustern, gestaltet und auch die Häuser sind genau nach meinem Geschmack. Auf dem Weg zu einer Kirche, die früher eine Mosche war, entdeckte ich ein kleines Türmchen von 1908. Darin befand sich ein Seismograph und ein Thermograph. Das Türmchen sah aber ein bisschen so aus wie der schiefe Turm von Pisa, zumindest was das schief stehen angeht. Des weiteren schaute ich mir noch die ehemalige Mosche an und die Kathedrale St. Peter und Paul. Ich glaube diese Kirche war mit Abstand die schönste, die ich je gesehen habe. Sie ist aus dem 10. Jahrhundert und unglaublich prunkvoll. Das Innere sieht eher aus wie ein Palast und auch von außen ist die Kirche mit ihren vier Türmen etwas ganz besonderes. Auf einen der Türme durfte ich sogar rauf. Unten vor der Kirche waren die 12 Apostel in lebensgroßen Plastiken dargestellt. Auf dem Weg zurück zum Auto entdeckte ich ein Gitter voller Schlösser von Paaren, die sich so verewigten. Es waren so viele, dass man das Gitter gar nicht mehr sehen konnte. Der Parkplatz kostete mich dann allerdings für drei Stunden fünf Euro. Nachdem ich nochmal einkaufen und tanken war ging es heute zu einem privaten Campingplatz. Nachdem ich in Ruhe angekommen war, gab mir der Besitzer erst einmal etwas zu trinken. Da er gebürtiger Niederländer ist, konnte er auch deutsch. Ich bekam sogar eine zweistündige Geschichtsstunde über Ungarn. Die Ungarn kamen früher aus Sibirien über die Ukraine nach Ungarn. Damals war Ungarn mehr als dreimal so groß wie heute. Teile von Rumänien, Serbien, Kroatien, Österreich und der Slowakei gehörten früher Ungarn. Durch die Türken wurden ihnen die meisten Teile jedoch weggenommen. Im zweiten Weltkrieg verbündeten sich die Ungarn dann mit den Deutschen, um ihr Land wiederzubekommen. Dies gefiel den Rumänen aber gar nicht und sie taten das gleiche mit Deutschland. Auch auf die Zigeuner hier im Land kamen wir zu sprechen. Diese lebten damals im Wald in kleinen Lehmhütten. Der Name Zigeunerschnitzel kommt daher, dass die Bauern früher tote Rinder in ein Loch geworfen haben. Da die Zigeuner große Familien hatten und kein Geld, zog der Vater los und schnitt den toten Tieren in der Grube vom Bauern das Fleisch weg. Diese lagen da stellenweise aber schon mehrere Wochen in der Wärme und das Fleisch stank dementsprechend. Die Zigeuner panierten dieses und packten gegen den Geruch viel Knoblauch dran, dann verzerten sie das Fleisch. Andrè, erzählte mir auch dass wenn jemand unbefugt auf ein Grundstück geht, der Besitzer des Grundstücks handgreiflich werden darf. Selbst die Polizei darf das Grundstück nicht ohne richterlichen Bescheid betreten. Die ganzen Infos musste ich ersteinmal verdauen und so ging ich mit Ilvy spazieren. Hier in dem Dorf wo ich jetzt bin leben rund 50% Sinti und Roma, die meisten von ihnen sind gut integriert und gehen arbeiten. Dennoch sieht man an den Häusern, dass sie nicht viel Geld haben. Ich lief an spielenden kleineren Jungs vorbei, die alle ihr Fußballspiel unterbrachen um mir zu winken. Das war so süß, bei uns können nicht mal die Kinder grüßen, die ich persönlich kenne. Um 19 Uhr gab es dann Essen. Die Frau von Andrè hatte für alle Camper einen riesigen Kessel Gulaschsuppe, traditionell über dem Feuer, gekocht. Und nein, die beiden haben kein Restaurant sondern sie kocht einfach nur für ihr Leben gern. Insgesamt waren wir dann 16 Camper an einem Tisch. Viele kamen aus den Niederlanden und ihr werdet es nicht glauben hier traf ich auch Lotte. Lotte ist 18 Jahre alt und ist genau wie ich alleine unterwegs. Sie kommt aus Dresden und fährt mit ihren Fahrrad durch Ungarn. In vier Tagen geht es für sie nach drei Wochen wieder nach Deutschland zurück. Sie saß am Tisch genau neben mir und wir unterhielten uns über das Abi, über unsere Erlebnisse und wir schauten uns gemeinsam ein Album von dem Bau des Campingplatzes an. Dieser war früher einmal ein Rinderstall und war zu Beginn des Baus total heruntergekommen und alles war extrem verwachsen. Der Abend war echt toll und das Gulasch war einfach unglaublich. Wäre ich nicht satt gewesen hätte ich wahrscheinlich den ganzen Kessel leer gegessen. Als Lotte in ihr Zelt gegangen war unterhielt ich mich noch mit dem Rest der Truppe. Sie alle fanden unsere Aktion alleine zu reisen sehr beeindruckend. Wenn es am schönsten ist soll man gehen und somit verließ ich gegen 22 Uhr den gemeinsamen Tisch, sagte allen gute Nacht und ging ins Bett.Read more















