Wüstenkirche
September 5, 2024 in Hungary ⋅ ☀️ 31 °C
Nach der morgendlichen Runde mit Ilvy ging es weiter. Ein paar der Camper winkten mir zum Abschied hinterher. Nach ein paar 100 Metern lenkte mich Google Maps mal wieder auf einen etwas festeren Sandweg. Ich hoffte auf eine richtige Straße aber Fehlanzeige. Der Sandweg ging zwischen irgendwelchen Feldern weiter und der Sand wurde immer mehr und immer weicher. Weil das noch nicht genug war, ging es auch noch die ganze Zeit Berg auf und Berg ab. Ihr müsst wissen mein Auto hat kein Allrad. Ich bretterte also die Sandwege lang in der Hoffnung das ich mich nicht fest fahre. Um mich herum waren kilometerweit nur Felder. Durch den Sand und mein rasantes Fahrverhalten staubte der Boden extrem und die Staubwolke wurde hinter mir immer größer. Irgendwann war da so viel Sand, dass ich noch gerade so die Kontrolle über meinen Wagen behalten habe. Er rutschte aber schon extrem. Direkt an einem Anstieg hatten sich durch den Regen sehr tiefe Bahnen gebildet, wo mein Reifen perfekt reingepasst hätte. Es galt also diesen Bahnen auszuweichen, um nicht stecken zu bleiben. An einem der Bäume stand ein Schild mit Tilos, dass ist das einzige ungarische Wort was ich kenne, es heißt verboten. Daneben war eine Überwachungskamera abgebildet. Ich konnte mir also erschließen, dass ich diesen Weg wahrscheinlich nicht mal fahren durfte, und das ich dabei sogar gefilmt werde aber andererseits war meine Staubwolke so groß, dass die jede Kamera unnütz gemacht hat. Und Google Maps hat gesagt ich darf da durch. Nach ungefähr 25 Kilometern Sandweg und Pampa kam ich mitten im Nirgendwo in einem Dorf an. Ich hielt an, und in dem Moment holte mich meine Staubwolke ein und die Straße vor mir war nicht mehr zu sehen vor lauter Staub. Nach ein paar Schotterwegen kam ich dann an meinem Ziel an. Eine Kirche mitten auf einem Feld. Drum herum waren nur noch weitere Felder. Deswegen wird sie die Wüstenkirche genannt. Sie ist eine der bedeutendsten mittelalterlichen Kirchruinen und bot den früheren Dorfbewohnern Schutz vor Angreifern. Der Kirchenturm hielt jedem der Angriffe stand. Das Dorf gibt es heute nicht mehr. Mitten im Nirgendwo war diese Kirchenruine wirklich sehr beeindruckend und auch mir bot sie einen Ruheort, wo ich mich von meiner Fahrt erholen konnte. Auch wenn ich auf den Sandwegen wirklich Spaß hatte, war da auch ein Gemisch aus verschiedenen Ängsten. Doch da ich wusste, dass es als nächstes zu meinem Lieblingsort in Ungarn ging, entspannte ich mich schnell wieder. Nach dreieinhalb Stunden Fahrt bin ich angekommen. Ich stand nun wieder vor meinem ehemaligen Schlafplatz in der Bugac Puszta. Erstaunlicherweise erkannte mich die Frau von der Kasse sogar wieder und fragte mich, was ich in der ganzen Zeit getrieben hatte. Wir schnackten noch etwas und ich stellte mich auf genau den Platz, wo ich vor ein paar Wochen auch schon gestanden hatte. Ich fand sogar meine Klebebandrolle hier wieder, die ich anscheinend hier verloren hatte. Neben mir standen noch zwei weitere Autos aus Deutschland. Ich hatte ihnen freundlich gewunken und das eine Paar der beiden Deutschen schaute mich einfach nur an. Auch als ich zum Stromkasten direkt an ihrem Auto vorbeiging kam absolut gar nichts. Ich ärgerte mich wirklich sehr darüber. Gerade erst heute morgen wurde ich von einem Wildfremden einfach so im vorbeifahren gegrüßt und meine eigenen Landsleute halten es nichtmal für nötig überhaupt nur die Hand zu heben. Dafür kam später noch ein junges niederländisches Paar mit Hund und einer Katze. Ilvy fand die Katze leider so interessant, dass sie ihr Geschirr kaputt riss und zur Katze rannte. Sie hat zum Glück nichts gemacht. Der Metallring vom Geschirr war jetzt halt an der Leine nur der Hund war nicht mehr dran. Bei der Abendrunde mit Ilvy genoss ich wieder die Idylle und Schönheit dieses Ortes. Sofort als ich hier ankam fühlte ich mich frei und entspannt und einfach super glücklich. Irgendwas löst dieser Ort einfach in mir aus. Ich versuche mir diesen Ort ganz tief in meinem Gedächtnis abzuspeichern und sollte es mir irgendwann mal schlecht gehen, komme ich in Gedanken an diesen Ort zurück.Read more






