• Die Geschichten der Toten

    26 September 2024, Romania ⋅ ☁️ 20 °C

    Bei dem Spaziergang mit Ilvy sahen wir heute morgen zwei Füchse. Ilvy verjagte die beiden erfolgreich. Es ging dann zu einer Fleischerei, diese war aber durch einen Autoladen ersetzt worden. Der Verkäufer schickte uns zu einer Fleischfabrik. Dort wurden wir gefragt, ob wir Bauern seien und die Frau im Büro holte schon einen riesen Zettel zum notieren unserer Bestellung raus. Wir erklärten ihr dann, dass wir nur ein bisschen Wurst haben wollten und sie tippte bei Google Maps für uns einen Fleischer ein. Dort kauften wir gefühlt den ganzen Laden leer. Danach ging es noch zu Lidl und dann endlich wieder in die Serpentinen. Ich wählte diesen Weg freiwillig, da ich diese Art von Fahren sehr mag. Diese Entscheidung war wirklich gut denn so sahen wir prunkvolle Tore, ein Restaurant mit Wasserfall, wo man sich seinen Fisch selber angeln konnte und ein paar Omis, die am Straßenrand verschiedene Dinge verkauften. Als wir irgendwann abbiegen mussten hörte auf einmal die Straße auf. Plötzlich war da nur noch Geröll und aus dem anderen Teil der Straße schauten viele Metallstangen. Ich entschied mich für eine sechs Minuten schnellere Route und wir fuhren dort lang, wo man keine Straße mehr erwartete. Auf dem Weg wurde es total eng und auf der Straße lagen verwirrte Enten und Gänse. Die Menschen schauten mich an, als hätten sie noch nie ein Auto gesehen und als ich mich dann um die letzte enge Kurve gekämpft hatte waren wir endlich an dem See angekommen, der aus der Vogelperspektive wie eine Menschenkopf aussehen sollte. Naja zum mindest mit etwas Fantasie konnte man da einen Kopf erkennen. Über eine etwas bessere Straße ging es dann weiter zu ein paar Souvinirständen. Dort fanden wir endlich mal Postkarten und damit ging es dann zur Post. Diese sah extrem heruntergekommen aus, dass wir dachten die würde garnicht mehr existieren. Zu unserer Verwunderung ließ sich die Tür jedoch öffnen. Der Raum war komplett leer bis auf einen Tisch mit Stuhl und einem Raum wo eine Frau uns Postkarten für Deugschland ausjändigte. Nebenan war dann leider ein Fleischer wo wir natürlich nochmal rein mussten. Eine der Würste war so lecker, dass wir nochmal zurück zu dem Fleischer mussten. Daneben war ein Supermarkt namens Profi. Dort fanden wir die Lieblingsbrötchen meiner Mutter. Ein kleiner Junge, wahrscheinlich ein Zigeuner, belästigete uns schon von Anfang an. Die Krönung war dann, dass er einfach so Brot in unseren Einkaufswagen legte und wollte, dass wir es ihm kaufen. Als wir das nicht taten beleidigte er uns und verfolgte uns bis zu unserem Auto. Danach ließ er uns endlich in Ruhe. Nach gut einer Stunde wo wir auch wirklich mal die ganze Zeit gefahren sind kamen wir am Fröhlichen Friedhof an. Dieser ist bunt bis in die Kirchenspitze. Auch die Grabsteine sind bunt und das beste daran? Auf jedem einzelnen wurde in Bild und Schrift die Lebensgeschichte der Toten festgehalten. Manche waren Bauern, andere waren Ärzte oder Lehrer. Die Geschichten waren spannend und herzergreifend. Auch ein Baby war mit unter den Gräbern, das kleine Mädchen wurde gerademal ein Jahr alt. Sie starb, weil ihre Eltern nicht das Geld hatten für sie die nötigen Medikamenten zu kaufen. Danach stöberten wir durch ein paar weitere Souvinirgeschäfte. An der Grenze zur Ukraine Bogen wir dann in eine enge Straße ab zu unserem Schlafplatz. Über viel spitze Steine ging es einen steilen Berg hoch und mussten stoppen, da der Weg zu unseren eigentlichen Schlafplatz für mein Auto unzumutbar war. Ein bißchen weiter unten stellten wir uns dann auf eine Wiese bei mehreren alten Eichen. In zwei Kilometern Entfernung ist die Ukraine. Vom Krieg bekommt man hier absolut nichts mit. Aufgrund der Nähe zur Grenze haben wir absolut kein Internet aber es ist auch mal schön völlig von der Welt abgekoppelt zu sein. Gerade kam sogar Besuch auf vier Pfoten vorbei.Baca lagi