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  • Day2

    Die Nacht war angenehm und sehr ruhig. Am Abend ist es doch noch recht voll geworden, hier am Kanal. Früh am Morgen verlassen bereits die ersten Fahrzeuge den Platz. Auch wir sind relativ früh auf den Beinen, denn es gilt auch heute um die 500 km zu fahren und trotzdem noch etwas vom Tag zu haben. Eine Tasse Kaffee am Kanal in der Morgensonne sitzend muss reichen. Frühstück gibt es später unterwegs. Um acht Uhr verlassen wir diesen wirklich empfehlenswerten Platz. Gleich hinter der Brücke ist der Bäcker. Ein kurzer Stopp und im perfekten und mich selbst verwunderndem Französisch kaufe ich ein Baguette und Rosinenschnecken. Meine kleinen grauen Gehirnzellen haben in Windeseile die vergrabenen Vokabeln meines Schulfranzösisch zu Tage befördert. Ich wünschte, sie wären auch so emsig, wenn es um das Wiederfinden von Brille und Autoschlüssel geht.......
    So versorgt fürs Frühstück, fahren wir kurze Zeit später auf die A2 in Richtung Mon und französischer Grenze. Wieder bemerken wir die unzähligen parkenden Lkws auf dem kleinen Parkplatz der Raststätte, aber auch in der Auf- und Abfahrt und auf dem Standstreifen entlang der Autobahn stehen sie dicht hinter einander. Zu wenig Parkmöglichkeiten, zu wenig Parkplätze für den Berufskraftverkehr, vor allem am Wochenende. Die gleiche Situation wie in Deutschland.
    Auf der Autobahn herrscht trotz der frühen Morgenstunden bereits dichter Verkehr.
    An der Grenze zu Frankreich wird es einspurig. Polizeibeamte kontrollieren die Aus-bzw Einreise. Das kleine Belgien hat sich in jüngster Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert wenn es um die Terrorismusszene geht.
    Auf der mautpflichtigen Autobahn in Richtung Le Havre beruhigt sich der Verkehr etwas. Unser "Bib und Go" Gerät funktioniert zuverlässig und lässt uns mit einem kurzen "Bib" an den wartenden Fahrzeugen der Mautstelle vorbeifahren. Die Rechnung dafür bekommen wir später präsentiert. Jetzt ist es einfach nur bequem und Zeit sparend , wenn sich die Schranke automatisch hebt.
    Wie ein graues Band schlängelt sich die Autobahn durch die sanft behügelte Landschaft.
    Wir erreichen die Normandie. Wegweiser zu den bekannten Orten Dieppe,Fecamp, Le Trepau tauchen auf und erwecken Erinnerungen an die Tour im letzten Sommer. Inzwischen ist es fast 11.00 Uhr und nicht nur mein Magen erinnert mich ans Frühstück.Auch Michaels Magen knurrt . Wir wollen uns einen schönen Platz auf dem nächsten Parkplatz suchen. Die französischen Parkplätze haben wir als sehr schön, grün und großzügig in Erinnerung. Der nächste Parkplatz ist geschlossen und wir müssen weiterfahren. Inzwischen knurrt nicht nur Michaels Magen. Männer und Kinder haben etwas gemeinsam, wenn sie Hunger haben: Sie werden unleidsam. So ist eine sofortige Nahrungsaufnahme zwingend erforderlich. Doch der nächste Parkplatz ist dreißig Kilometer entfernt und stellt sich beim Erreichen als mit LKWs und Urlauberfahrzeugen komplett besetzt vor. Es ist kaum ein Durchkommen. Zwischen zwei LKWs finden wir doch eine Möglichkeit anzuhalten. Schön......Schön ist weiß Gott was anderes. Schnell einmal zur Toilette und dann geht es, ein Brötchen in der Hand, weiter. Auch beim nächsten Parkplatz sieht es nicht anders aus. Hier kommen wir nicht einmal zum Stehen. Wir geben es auf und essen während der Fahrt. Obwohl das in Frankreich ja für den Fahrer verboten ist.
    Unser heutiges Etappenziel soll ein Stellplatz in der Nähe von Caen sein. Auch hier haben wir für mögliche Alternativen vorgesorgt. Man weiß ja nie wie die Situation zu Ferienbeginn und an einem Wochenende ist. Vom letzten Jahr wissen wir, dass es ratsam ist, in der Mittagszeit auf einem Stellplatz anzukommen. Da sind die Chancen noch relativ hoch, etwas zu finden. Wir erreichen die Pont du Normandie. Ein gigantisches Brückenbauwerk, das sich hoch über der Mündung der Seine spannt. Die Brücke ist gebührenpflichtig. 6,80€ sind zu bezahlen, will man die Seine im Höhenflug überqueren. Ein einmaliges Erlebnis und nichts für Menschen mit Höhenangst. Vor der Mautstation staut sich der Verkehr. Aber wir haben ja unser "Bib und Go". Leider nützt um es uns hier sehr wenig. Die schnell ablaufenden TELE- Stationen sind höhenbegrenzt. So müssen wir uns beim gemeinen Fußvolk, sprich in der Urlauberschlange, anstellen. Nach der aufregenden Flußüberquerung sehen wir rechter Hand das Riesenrad von Honfleur. Ein wunderschönes Städtchen, doch steht es in diesem Jahr nicht auf der Liste unserer Urlaubsziele. Wir fahren weiter und verlassen die Autobahn bei Douzele. Unser Ziel ist der Stellplatz des kleinen Ortes
    Beuvron-en-Auge in der Region Calvados, an der Route de Cidre. Es soll mit seinen Fachwerkhäusern das schönste Dorf Frankreichs sein. Auf der Fahrt über die enge Landstraße kommen uns sehr viele Campingfahrzeuge entgegen. Entweder die haben alle keinen Platz auf dem für 15 Fahrzeuge ausgelegten Stellplatz gefunden oder, und diese Version würde ich bevorzugen, sie fahren gerade von dort weg und machen Platz für uns. Später stellt sich heraus, dass sie zu einem im Ort gastierenden Zirkus gehören. Schmucke Fachwerkhäuser säumen den Straßenrand als wir ins Dorf hineinfahren. Aus der Gegenrichtung kommen zwei Wohnmobile und fahren vor uns in die Straße zum Stellplatz. Na, das wird wohl nichts mit uns und einem Stellplatz, denke ich, aber der Platz ist ziemlich leer. Es ist Platz für alle und wir können das Wohnmobil wunschgemäß abstellen. Wir haben sogar einen Platz mit Naturschatten und Wiesenfläche. Das ist bei fast 30 Grad nicht zu verachten. Am Nachmittag schauen wir uns das laut Reiseführer schönste Dorf Frankreichs bei einem Spaziergang an. Groß ist es nicht, aber wirklich malerisch und natürlich ein Touristenmagnet.
    Die kleinen Läden bieten allerlei zwischen Kitsch und Kunst. Aber die hektische Betriebsamkeit der Autos und Fußgänger kommt nicht etwa von den
    sonntäglichen Ausflüglern, sondern viel mehr vom bald statt finden Endspiel zwischen Frankreich und Kroatien. Man hat sich zum gemeinsamen Fußballschauen verabredet. Pünktlich zum Anpfiff ist der Ort wie ausgestorben. Haben wir eben noch ein Problem gehabt, einen Platz in einem der Cafes oder Bars zu bekommen, sitzen wir plötzlich ganz allein auf den Stühlen des Blumen geschmückten Bürgersteigs vorm Restaurant. Selbst der Kellner, der mir vorher schnell noch ein Glas Cidre serviert hat, (schließlich befinden wir uns an der Route de Cidre) verschwindet im Nachbarhaus zum Fussballschauen. Auf dem Rückweg zum Platz möchte ich noch eine Flasche Cidre mitnehmen. Es dauert einige Zeit bis die Bedienung kommt. Auf meine Frage nach dem Spielstand sagt sie aufgeregt, dass für Frankreich noch kein Tor gefallen ist. Wir drücken Frankreich die Daumen drücken und gehen zurück zum Stellplatz. Auch der wirkt wie ausgestorben Alle sitzen in ihren Wohnmobilen. Hin und wieder hört man ein Äh und Oh und dann den Jubel um das erste Tor. In der Halbzeit kommen alle aus ihren Autos und eine lebhafte Diskussion entsteht. Allein unter Franzosen beglückwünschen wir die Anwesenden nach dem gewonnenen Endspiel mit
    '"Felicitation". Worauf sofort eine Beurteilung des Spiels erfolgt. Aber der zu folgen, dazu reichen unsere französischen Sprachkenntisse nicht aus. Nur soviel ist zu verstehen, dass die Kroaten auch sehr gut waren. Dann fangen die Kirchenglocken an zu läuten. Und der Lärm des einsetzenden Autokorsos in dem kleinen Dorf geht bis weit in die Abendstunden. Frankreich ist Fussball Weltmeister. Das feiern die Franzosen ausgiebig.
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  Vive la France