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  • Day11

    Nichts ist mehr zu sehen von den Wolken, die gestern den Tag über die Sonne versteckt hielten. Der See präsentiert sich strahlendblau und mit einer unbeschreiblichen Fernsicht. Plötzlich tauchen Berge auf, wo vorher keine waren. Beim Frühstück ist es noch sehr frisch. Doch das soll sich im Laufe des Tages ändern. Gestern am späten Nachmittag bin ich schon ein kleines Stück des alten Wanderweges der "Antica Strada Valeriana" von Pilzone aus gelaufen. Aber die einsetzende Dunkelheit ließ mich nicht sehr weit kommen. Heute wollen wir gemeinsam auf der Valeriana wandern. Bei der Sicht muss es traumhaft sein. Und wir werden nicht enttäuscht. Wir laufen vom Campingplatz ca.2 km nach Pilzone. Zum Glück ist es das Stück, das einen guten und separaten Rad- und Fußweg hat. So müssen wir nicht direkt an der befahrenen Uferstraße laufen. In Pilzone gegenüber der Kirche beginnt der Aufstieg durch das Dorf über sehr schmalen Gassen. So schmal, dass gerade ein kleines Auto fahren kann. Und sie fahren hier. Man hält es kaum für möglich. Aber irgendwie müssen die Anwohner ja zu ihren Häusern gelangen, die eins mit dem Berg zu sein scheinen. Nur begegnen dürfen sich die Autos nicht. Auf keinen Fall. Selbst wir stellen schon eine größere Fahrbahnverengung dar. So sehr wir uns auch gegen die Felswand drücken. Doch dann sind wir an jenem Punkt angekommen, der selbst für Fahrräder das "Aus" bedeutet. Hier beginnt der 1.Teil des Wanderweges "Valeriana".
    Die "Valeriana" war früher die einzige Verbindung ins "Valcamonica", ein 70km langes, schmales Tal durch das der Fluß Oglio fließt. An einem Ende begrenzt durch den Iseosee und am anderen Ende durch den Tonalepass, der sehr beliebt bei Mountainbikern zu sein scheint. Wir haben unser erstes "Aha-Erlebnis", als wir uns umdrehen und nach unten schauen. Das heißt, eigentlich ist es mein zweites, denn soweit bin ich gestern schon einmal gelaufen. Allerdings nicht bei solch herrlichem Wetter und dieser Sicht. Unter uns liegt tiefblau der Iseo. Die Berge scheinen alle näher herangerückt zu sein. Wir können sogar dieTrattoria, in der wir vor zwei Tagen auf der Monte Isola gegessen haben, ausmachen.
    Über einen mit Holzgeländer eingefassten Pfad geht es weiter durch Terrassen mit Olivenbäumen. Auch hier ist man fleißig am Ernten. Kleine Ziegen, die auf den Terrassen Gras fressen, kommen hochgeklettert und schauen uns erwartungsvoll an. "Die essen am liebsten Kastanien," sagt eine alte Frau, die Maronen von der Erde aufsammelt, die dort überall herum liegen, und sie den Ziegen über den Zaun zu wirft. Gefräßig stürzen die sich auf den willkommenen Leckerbissen. Auch wir füttern ein wenig die Ziegen und lassen uns von der Frau allerhand erzählen. Nicht alles verstehen wir. Dann verabschieden wir uns freundlich lächelnd mit einem "Buon Giorno" und folgen dem Weg weiter. Ich glaube, langsam gehe ich meinem Mann mit meiner Begeisterung über die tollen und sich ständig ändernden Aublicke auf den See auf die Nerven. Aber ich bin so begeistert über die Bilder, die sich von hier oben bieten. Schließlich sieht man das auch nicht jeden Tag. Nach ein paar Kilometern endet der Pfad auf einer kleinen Straße über die die Valeriana weiter führt. Überall stehen Khakibäume, deren Früchte orange leuchten. Aber leider ist da kein dran kommen. Genau wie an den Baum auf dem Campingplatz. Jeden Morgen schaue ich, ob vielleicht mal eine heruntergefallen ist. Doch den Gefallen tun sie mir nicht. Es gibt entlang des Wanderweges außer Maronen-, auch Walnuss- Khaki- und Feigenbäume. Und so ein Feigenbaum, der lässt mir dann mal ein paar Früchte wachsen, die ich hocherfreut im Rucksack verstauen kann. Kurz vor Tassano möchte Michael umkehren. Ich wäre gern noch weitergelaufen, aber wir müssen ja auch wieder zurück, und da kommen doch einige Kilometer zusammen. Insgesamt ist der Wanderweg 25 km lang und endet in Pisogne. Auf dem Rückweg machen wir eine kurze Rast und lassen uns den mitgebrachten Käse und die Salami an einer Picknickstelle schmecken, bevor es weitergeht. Am Nachmittag sind wir wieder am Wohnmobil und ruhen uns in der Herbstsonne aus. Es ist sehr ruhig geworden auf dem Campingplatz. Die Wochenendbesucher sind gestern Abend alle abgereist und nur eine kleine Anzahl Wohnmobil stehen noch am See. Sehr schön und angenehm. Der Campingplatz ist wirklich zu empfehlen. Die Sanitäranlagen sind zwar in "die Jahre gekommen", aber blitzsauber. Ständig wuselt und putzt jemand darin herum. Das Personal ist ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Der nette Kellner vom Abend im Camping-Restaurant fegt morgens Laub oder räumt Müll weg. So sind alle rund um die Uhr beschäftigt. Eine kleines Team, das alle anfallenden Arbeiten erledigt.

    Am späten Nachmittag mache ich noch eine kleine Radtour und schaue mir den hiesigen Wohnmobilstellplatz an, der auf einem gemischten Parkplatz in einem Gewerbegebiet vor der Stadt angesiedelt ist. Zwar kostenlos....aber schön ist etwas anderes. Morgen verlassen wir den Iseosee. Wir sind viel länger geblieben als geplant. Aber es ist einfach nur schön hier, um diese Zeit und auf diesem Platz. Im Sommer allerdings möchte ich hier nicht sein. Die vielen Restaurants und selbst die jetzt leeren Stellflächen hier auf dem Campingplatz sprechen Bände.
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